Trug und Schein: Ein Briefwechsel

23. Januar 1940

[400123–2‑1] O., am 23. Janu­ar 1940. Herz­al­ler­liebs­ter, mein lie­ber, lie­ber [Roland]! Mit­ten im stren­gen Win­ter ein Gruß, der wie ein war­mer Son­nen­strahl mich trifft und ganz plötz­lich ein unge­stü­mes Seh­nen nach dem Früh­ling in mir wach ruft. Früh­ling und Lie­be — jun­ges, zar­tes, auf­bre­chen­des Grün — auf­quel­len­de Selig­keit im Her­zen; wel­cher jun­ge Mensch kennt sie nicht, die […]

16. Januar 1940

[400116–1‑1] S. am 16. Janu­ar 1940. Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Mein Brief erreicht Dich mit ein­tä­gi­ger Ver­spä­tung. Den Mitt­woch­nach­mit­tag muß­te ich zu einem geschäf­te­rei­chen Gang nach B. benut­zen. Viel will ich auch nicht schrei­ben heu­te. Das Geschäft­li­che mag zuerst ste­hen. Beim T.-Buchhändler in L. habe ich wäh­rend der Feri­en ein Büchel bestellt, Wil­helm Stapel: […]

14. Januar 1940

[400114–2‑1] O., am 14. Janu­ar 1940. Herz­al­ler­liebs­ter, Du! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]! Nimm mei­nen herz­lichs­ten Dank für Dei­nen so lie­ben Sonn­tags­brief. Du hast mich beglückt, Liebs­ter! Ich bin so froh dar­über, daß ich Dir Son­nen­schein brin­gen kann in Dein Leben, und daß ich Dir so viel sein kann, um ein gan­zes Leben lang Hand in Hand […]

13. Januar 1940

[400113–1‑1] S. am 13. Janu­ar 1940. Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Der Dienst ist aus. Es winkt ein frei­er Tag. Man atmet auf, hebt den Kopf und fühlt sich frei­er. Der Zwang scheint gewi­chen. Mög­lich­kei­ten tun sich auf, eine klei­ne Rei­se? eine Thea­ter­fahrt? ein Aben­teu­er? Wün­sche und Träu­me mel­den sich.— Was denkst Du jetzt, Herz­lie­bes? Ach […]

7. Januar 1940

[400107–1‑1] S. am 7. Janu­ar 1940 Herz­al­ler­liebs­te, Du! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Mit die­sen Zei­len schließt sich die Tür zum Weih­nachts­land, zum Zau­ber­land, Mär­chen­land, Feri­en­land — für dies­mal. Ich sit­ze wie­der in S. und füh­le es: Ich ste­he wie­der allein, bin wie­der etwas für mich, sel­ber ein klei­ner Mit­tel­punkt; und das Aus­span­nen im Eltern­haus war nur […]

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