Trug und Schein: Ein Briefwechsel

Autor: Pia Ebner

29. November 1942

[421129–1‑1]

1. Advent, den 29. Novem­ber 1 9 4 2

Her­ze­lein! Gelieb­te! Mein lie­bes teu­res Weib! 

Du bist zu mir gekom­men! Gelieb­te! Drei lie­be Boten sind zu mir gekom­men! Du! Du!!! Sind nur papier­ne Blät­ter, aber von daheim – von Dei­ner lie­ben Hand. Und die Zei­chen dar­auf, sie sind der Puls Dei­nes gelieb­ten Her­zens – und was sie bedeu­ten, das […]

28. November 1942

[421128–1‑1]

Sonn­abend, den 28. Novem­ber 1942

Her­zens­schät­ze­lein! Du! Herz­al­ler­liebs­te mein!

Umsonst habe ich gewar­tet heu­te, es ist kein Bote zu mir gekom­men. Am Mon­tag wirst Du wenig Zeit erüb­rigt haben – aber am Sonn­tag hast Du mein doch gewiß gedacht – wer weiß, wor­an es wie­der mal liegt.

27. November 1942

[421127–1‑1]

Frei­tag, den 27. Novem­ber 1942 

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­te! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Es ist kein Brief­lein heu­te gekom­men. Ich hat­te auf das vom Sonn­tag gehofft heu­te – es wird mor­gen kom­men. Von den Eltern kam ges­tern schon wie­der ein Gruß. Sie haben Nach­richt, daß Sieg­fried nahe der süd­fran­zö­si­schen Küs­te in Perpignan […]

26. November 1942

[421126–1‑1]

Don­ners­tag­abend, den 26. Nov. 1942 

Her­zens­wei­berl! Gelieb­te! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Schät­ze­lein! So hast Du es wohl noch nicht erlebt wie ich: allein haus­hal­ten, Quar­tier bezie­hen bei frem­den Men­schen – für Jah­re – an frem­dem Orte leben – und dann viel allein sein, des abends. Allein sein – und neben­an oder drun­ter das Leben einer Fami­lie spüren. […]

25. November 1942

[421125–1‑1]

Mitt­woch, den 25. Novem­ber 1942 

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­te! Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Du wirst nun heim sein von der Schar. Wirst immer noch nicht recht zur Ruhe gekom­men sein. Dein Bote ist heu­te aus­ge­blie­ben. Ja, Dein Man­ner­li ist bes­ser dran – nach 6 Uhr hat es sei­nen Fei­er­abend, über den es frei ver­fügt. Und meist ist es allein. Hein­rich ist schon wieder […]

Nach oben scrollen