Trug und Schein: Ein Briefwechsel

30. November 1942

[421130–2‑1]

41.)

Mon­tag, am 30. Novem­ber 1942.

Gelieb­ter! Mein herz­al­ler­liebs­tes Man­ner­li! Mein liebs­ter [Roland], Du!

Du! Heu­te ist es Abend schon, da ich zu Dir kom­men kann.

Aber nun habe ich doch auch Ruhe und viel Zeit, bei Dir zu sit­zen, Du! Schät­ze­lein! Du bist heu­te wie­der so, sooo viel­lieb zu mir gekom­men, ach! Du!! Du!! Du bedrängst mich mit Dei­ner Lie­be! Her­zens­schatz! Oh, ich kann sie doch kaum alle auf­neh­men in mein Herz, auf ein­mal! Und erwi­dern auf ein­mal kann ich sie Dir schon gar­nicht, ach Du! Ach Du!! Ich bin doch immer noch hin­ten­ach [sic] mit ant­wor­ten auf alle Dei­ne lie­ben Zei­chen! Und täg­lich bestürmst Du mich aufs Neue, Gelieb­ter! Du wirst mich noch ein­mal erdrü­cken mit so viel Lie­be und Gut­sein! Ach liebs­ter [Roland]! Könn­te ich Dir doch recht mei­nen Dank sagen für Dein treu­es Lieb­ge­den­ken! Du!!! Aber dazu müß­te ich doch jetzt bei Dir sein. Bei Dir sein, Du!!!

Vom Diens­tag ist dein lie­ber Brief. Sonn­abend und Sonn­tag feh­len wie­der dazwi­schen. Die kom­men sicher noch nach.

Du! Für die Her­ren Dorf­buch­sach­be­ar­bei­ter ging wie­der ein Schrei­ben ein! Sonn­abend, den 12. Dezem­ber Bespre­chung im “Schüt­zen­haus” zu P.! Weißt, Man­ner­li? Wenn Du schon so nahe ein­mal bist, dann mußt Du aber auch mal einen Abste­cher nach O. mit machen!! Oder noch bes­ser: ich kom­me hin! Das fin­de ich zu ulkig daß den Her­ren noch nicht auf­ge­gan­gen ist, daß Du zu die­sen Sit­zun­gen bestän­dig durch Abwe­sen­heit glänzt! Soll ich’s denen mal schrei­ben, daß Du momen­tan and­re Din­ge bear­bei­test, als Dorf­bü­cher? Du wirst nicht der Ein­zi­ge sein.

Ach Man­ner­li! Am frü­hen Mor­gen heu­te habe ich erst über­all fein Ord­nung gemacht, bin dann etli­che Wege gegan­gen und als ich nach­hau­se kam, erwar­te­te mich schon Herr U.: “heu­te Nach­mit­tag wol­len sie mit den Möbeln kom­men!” Na, das war ein erfreu­li­ches Wort! Da mach­te ich nun gleich alles bereit, daß ich für die Zeit von ½ 2 Uhr fer­tig war zum Emp­fang. Denn ich hat­te vor, mit Mutsch ein bis­sel mit­zu­hel­fen. Papa war beim Arzt zum rönt­gen [sic]. Er hat nichts wei­ter zu erfah­ren bekom­men, als daß es unge­fähr­lich sei. Der Arzt hat ihn wei­ter an sei­nen L.er Behand­lungs­arzt gewie­sen. Na, da kön­nen wir nun wenigs­tens beru­higt sein. Wir wer­den nun ja sehen, wel­che wei­te­ren Ver­hal­tungs­maß­re­geln er von dem bekommt. Papa hat dann, als er zu Mit­tag wie­der heim­kam, mit größ­tem Appe­tit sein Mit­tag­essen ver­speist! Wir freu­en uns ja nur! Er kann nicht magen­krank sein. Er mag sich nur gut hal­ten. Das waren sicher ner­vö­se Stö­run­gen und die Ein­wir­kung davon, daß er sich die letz­ten Zäh­ne zie­hen ließ. Blie­be nur noch ein Rät­sel: die rasche Gewichtsabnahme.

Na, mach Dir kei­ne Sor­gen. Wir wol­len schon gut auf­pas­sen! Du! Ach Her­ze­lein! Ehe ich nun wei­ter von Dei­nen lie­ben Boten schrei­be, will ich Dir doch erst erzäh­len, wie es nun ver­lief, das heu­ti­ge Ereignis.

Um ½ 300 [Uhr] kamen sie an. Mit Pferd und Wagen. Fein alles in Decken ver­packt, vor­schrifts­mä­ßig. Herr P. und ein älte­rer Herr von B.s. Wir waren bald alle in regem Getrie­be! Mutsch und ich tru­gen die leich­ten Sachen hoch. Um 4 Uhr stand alles an Ort und Stel­le. Ach fein ist es, daß wir ein solch schö­nes Plät­zel haben! Und uns­re schö­nen Sachen! Herzelein!

Das Herz lacht einem im Lei­be, wenn man alles so betrach­tet. Jener Herr K., ein lang­jäh­ri­ger Mit­ar­bei­ter von B.s sprach sich auch aus, daß wir noch was ganz Gutes hät­ten hier. Was er jetzt manch­mal für Kis­ten­höl­zer abla­den wür­de, das täte ihm so leid für die jun­gen Leu­te. Es gäbe nur noch Ein­heits­mö­bel am Lager, die auch beschränkt nur. In der nächs­ten Zeit wür­de es immer schlech­ter mit Möbeln. Und wenn schon Frie­den ist, sag­te er, dann gäbe es garan­tiert unter 10 Jah­ren kei­ne Möbel, nach beson­de­rem Geschmack. Auch kei­ne ech­ten Höl­zer. Das will ich gern glau­ben. Sound­so­viel ande­res geht da erst vor.

Ach Schät­ze­li! Wir kön­nen ja recht froh sein, daß wir so eine schö­ne Aus­stat­tung unser Eigen nen­nen dür­fen! Nun noch das schö­ne Her­ren­zim­mer dazu! Du! Wie fein alles in der Ecke steht! Die Schrän­ke auf­ge­stellt und alles and­re, bis auf die Bet­ten. Wir wol­len doch nicht da oben auf dem Boden aus­pro­bie­ren, ob wir hin­ein­pas­sen, gelt? Ach, fürch­ten tät ich mich nicht mit Dir zusam­men. Nur ganz sehr schä­men tät ich mich, wenn ich dann früh aus dem Bett­lein käme und müß­te durch das Fabrik­ge­bäu­de gehn! Ach Du! Da kuscheln wir uns doch viel lie­ber wie­der in der Eltern Bett­lein, gelt? Es wird ja nun auch in uns­rer Woh­nung viel mehr Platz sein, weil ich etli­che Din­ge hin­ein­räu­me in die Schrän­ke. Wer­de in den nächs­ten Tagen mal mit Mutsch eine Auf­stel­lung machen über den Abtrans­port. Wer­de mir schön alles auf­schrei­ben, damit ich gut infor­miert bin. Du! Wenn Du doch gleich ein­mal kom­men könn­test! Bloß mal her­schau­en könn­test! Wie ich mich freue, Lie­bes! Besit­zer­freu­de ist es! Und schon sooo gro­ße Vor­freu­de dar­auf, wenn wir in die­sen unse­ren Sachen erst im eige­nen Hei­me han­tie­ren kön­nen! Ach, wird das schön sein, Du! Nun steht alles fein da, ein schö­nes Plät­zel hät­ten wir erwischt, so mein­ten auch die bei­den Män­ner! Weißt? 2 Stüh­le haben wir noch zu bekom­men, eine Fuß­bank und die [Wäsche] in den Auf­wasch­tisch auch die Feder­tei­le für die Auf­la­ge­ma­trat­zen. Das sei im Moment nicht am Lager. Na schön – aber ich gehe mor­gen mit mei­ner Rech­nung hin zu B. und las­se mir das Feh­len­de drauf ver­mer­ken! Damit ich spä­ter kei­ne Unge­le­gen­hei­ten habe.

Die Fuh­re wer­de ich bezah­len müs­sen, das wird B. nicht über­neh­men. So war’s frü­her mal! Na, das läßt sich nicht ändern. Wir sind aber nun mal für künf­tig beru­higt, daß uns­re Sachen unter Dach und Fach nun stehen.

Mir ist eine rich­ti­ge Last genom­men, daß es heu­te geklappt hat. Und der Herr U. wird sich erst mal beim Miets­aus­schuß befra­gen, was er mir für einen Miet­preis abver­lan­gen soll.

Er könn­te uns am Ende sonst zu viel abneh­men, mein­te er. Ich glaub eher, daß es ihm Ban­ge ist, er kriegt sonst zu wenig, wenn er sich nicht erkun­digt hat!! So wie ich ihn kenne.

Ich bin nicht bos­haft! Ich feil­sche auch nicht klein­lich. Ich bin näm­lich froh, daß er sich wil­lig zeig­te uns den Gefal­len zu tun. Ach Du! Am liebs­ten tät ich nun hin­ter zie­hen! Zu unse­ren schö­nen Sachen! Aber ich muß mich noch gedul­den! Allein will ich doch das auch nicht, möcht dann mein Herz­lieb dabei haben. Ja, dann haben wir alles vom Boden bis vorn raus gewischt, als die Män­ner weg­fuh­ren. Ich hat­te bei­den je 2 Zigar­ren geschenkt, sie schmun­zel­ten! Mehr hat­te ich nicht. Schnaps auch nicht. Ach, ich bezah­le ja noch mei­ne Rech­nung und das ist genug, fin­de ich. Mor­gen gleich will ich es erledigen.

Frau U. war gar­nicht da heu­te, die macht rei­ne in Fran­ken. Und von B.s hat es auch kei­ner bemerkt. Das freut mich. Du! Der Novem­ber hat doch fein abge­schlos­sen, gelt Schatz?

Und nun geht mir noch der Trans­port aus K. im Kopf rum. Na, auch das wird noch ein Geschick kriegen.

Du! Ich hat­te ja nun so gewar­tet, was mein Man­ner­li dazu sagen wird, über mei­nen Kauf. Aber die Haupt­sa­che muß in den noch feh­len­den Boten ste­hen; denn im heu­ti­gen Brief lese ich doch nur, daß Du Dich von Dei­ner Über­ra­schung noch immer nicht ganz erholt hast. Du! Ach Man­ner­li! Ich glaub’s Dir ja so gern! Was sollst Du nun auch sagen. Du mußt Dich nur mit dem erst aus­ein­an­der­set­zen, was ich Dir von alle­dem schreibe.

Die Freu­de ist dop­pelt groß, wenn man gemein­sam wäh­len kann. Das ist schon wahr, Liebs­ter! Aber die­se Gele­gen­heit beding­te, nicht zu war­ten, bis ich mit Dir zusam­men ent­schei­den könn­te, sie bie­tet sich so bald nicht wie­der! Und ich kann Dir nur auch immer wie­der sagen: hät­te der Mut­ter dies Zim­mer nicht zuge­sagt, sie hät­te mir sofort abge­schrie­ben. Ja, die Gele­gen­heit scheint auch Dir so güns­tig, daß Dir die Fra­ge kommt nach der Geschich­te der Möbel, nach dem Grun­de des Ver­kaufs. Ich habe Dir nun mei­ne und der Mut­ter Ver­mu­tun­gen erzählt. Gewiß, es hat etwas Komi­sches – genau so emp­fand ich doch! – nun mit den Din­gen zu leben, die ande­ren einst gehör­ten; in denen frem­de Haus­geis­ter gleich­sam noch umgehen.

Da ich nun durch Dei­ne Mut­ter die ‘Geschich­te‘ die­ses Frl. B. wuß­te, scheu­te ich mich zu fra­gen, war­um sie dies schö­ne Zim­mer ver­kau­fe; ich fürch­te­te, sie irgend­wie zu ver­let­zen mit der Fra­ge, die ich aber ganz harm­los hät­te hin­wer­fen kön­nen. Ob ich jedoch die Wahr­heit erfah­ren hät­te? Es ist nun so: wir haben einen reel­len Kauf abge­schlos­sen, sind bei­de höchst befrie­digt und das übri­ge muß uns nicht küm­mern. So wie Mut­ter die­se Dame kennt, kann sie ihr nichts Böses nach­sa­gen. Obgleich böse Gerüch­te über sie kur­sie­ren. Mit uns war sie äußerst nett und zuvor­kom­mend und was ihr Pri­vat­le­ben anbe­langt, das geht mich nichts an.

Ach Man­ner­li, Du! In mir ist doch nun soviel Unge­duld, daß Du kom­men und sehen möch­test, was in unser Eigen­tum über­ge­gan­gen ist, das nun uns gehö­ren soll, zu unserm Heim ein Leben lang. Und was im Beson­de­ren ein Reich mei­nes Herz­lieb sein soll! Ach Du! Ich füh­le Dei­nen Wunsch, die neu­en Din­ge zu sehen, mit mir eins zu wer­den in der Freu­de und sie auch inner­lich recht mit mir in unser Eigen zu über­neh­men. Ja Liebs­ter! Das gemein­sa­me Schau­en, Abwä­gen und Freu­en ist doch erst die rech­te Freude!

Ach Du! Du wirst Dich mit mir freu­en, ich weiß es, Du!

Gelieb­ter! Ach, es macht mich so glück­lich, was Du mir sagst wei­ter in Dei­nem gelieb­ten Boten! Es gibt aber kei­ne grö­ße­re Freu­de dar­über, daß Du mich lieb­hast und die Mei­ne bist [sic]! Es gibt auch kei­ne bestän­di­ge­re. Und Du führst mich in Dei­nen Gedan­ken dahin, über allen den klei­ne­ren Freu­den, doch die aller­größ­te Freu­de nicht zu ver­ges­sen: Daß wir ein­an­der haben! Ein­an­der so fest, so ganz besit­zen. Einen wahr­haf­ten Weg­ge­sel­len und Lebens­ka­me­ra­den! Ach ja, Gelieb­ter! Ich glau­be Dir, viel­leicht habt Ihr Män­ner in der Fer­ne und Frem­de dafür einen offe­ne­ren Blick: all die Zei­ten daher und die unse­re jetzt, las­sen die Nich­tig­keit allen Habes und Gutes wie­der so recht deut­lich wer­den; in die­sem Wel­ten­bran­de wird offen­bar, was falsch und echt, was groß und klein, was nich­tig und bedeut­sam ist.

Ein lie­bes, gutes Men­schen­herz zur Sei­te, das ist Bes­tes, Größ­tes!, und das ist auch alle Freu­de! Das ist höchs­tes Glück!

Du sagst schon recht: alles ande­re liegt am Ran­de. Es wird wie­der ein­mal mehr in sein Recht tre­ten, wenn wir Frie­den haben. Und so soll es sein: wir wol­len die­ses Maß der ech­ten Wer­te mit hin­über­neh­men, aus der har­ten Zeit in die bessere.

Ach Her­ze­lein! Froh bist Du mit mir! Und wir wol­len uns doch auch trotz der har­ten Zei­ten den Froh­sinn und die Freu­de am Klei­nen erhal­ten. Ich muß doch anstel­le mei­nes Man­ner­li, daß [sic] drau­ßen im Fein­des­land sei­ne Pflicht tut, hier drin­nen die mei­ne tun.

Und die ist: daß ich Dir die Hei­mat hal­te, uns eine neue auch auf­baue – mei­ne und Dei­ne! – unser Eigen, unser Heim! Du!!! Wenn Du wie­der­kehrst, an dem Tag will ich Dir doch ein Geschenk machen, das schöns­te, das ich Dir brin­gen kann: mich selbst und unser Eigen dazu! Du!! Daß wir dann flugs wie ein Schwalben[p]ärchen hin­ein­schlüp­fen kön­nen in unser Nest­chen und -

und — - — - oh, was wohl? Du!!! Und? .…. ! Gelieb­ter!

Oh die­se Freu­de mußt Du mir las­sen, was­soll [sic] ich Dir denn sonst zulie­be tun? Über die Fer­ne ist alles so schwer. Und mei­ne gro­ße Lie­be kann sich nicht nur in Wor­ten kün­den, sie will sich auch betä­ti­gen. Ach Du! Laß’ Dein Frau­chen sor­gen und schaf­fen, es hat so viel Freu­de dar­an! Nur für Dich! Für Dich, Gelieb­ter!! Ich weiß, ich bin Dein wich­tigs­tes Möbel! Du!! Wie Du doch mei­nes auch bist! Und ich hät­te kei­ne Freu­de, wäre das Heim noch so schön aus­ge­stat­tet, wür­dest Du nicht dar­in­nen leben! Du!! Mein Son­nen­strahl! Du!!!!! Dich will ich sehen dar­in­nen, Dei­ne lie­be Stim­me hören! Du! Du bist es ja allein, der mei­ne Lie­be anzün­det! Du!!! Der mich alles, alles so froh und freu­dig schaf­fen läßt! Alles Leben im Gro­ßen hat doch Durch [sic] Dich und mit Dir erst den rech­ten Sinn, so auch im Klei­nen. Ach Du! So wie Dir alles erst zum Lebens­in­halt wird durch mich Gelieb­ter so wird es mir doch nur erst durch Dich!! Ich lie­be Dich! Ich mag nur mit Dir die­ses Leben erfül­len! Mein [Roland]! Mein Her­zens­lieb!!! [D]u!! Ach Du! Wie schön, wun­der­schön wird das Leben mit­ein­an­der sein! Gelieb­ter!! Ich weiß, Du wirst ganz glück­lich sein kön­nen mit mir Gelieb­ter, wirst Dich, wohl zum ers­ten Mal im Leben, seit Du von der lie­ben Mut­ter weg bist, von mir ganz lieb und zärt­lich ver­wöh­nen las­sen. Du! Müs­sen! Ja, müs­sen! Und wenn Du gar­nicht mehr Luft schnap­pen kannst, Du! Wenn ich Dir mit Gut­sein und Lieb­sein zu sehr nahe rücke, ja – was dann? Weißt? Dann wirfst mich mal für eine Woche raus! Schickst mich heim zur Mutsch und wenn Du dann Sehn­sucht hast, oder lang­sam anfängst zu ver­wil­dern!! (Nicht hau­en, ich stell’ mirs [sic] nur mal eben vor!) dann holst mich ganz schnell wie­der, gelt? Oh, wie gern ich kom­men will!

Schät­ze­li! Zer­brichst Dir das Köp­pel, wel­chen Platz Du mir anbie­test dann, wenn ich zu Dir mal zu Besuch kom­me ins Her­ren­zim­mer! Ach, ich glaub, die­se Fra­ge ist mir auch auf­ge­gan­gen und ich habe Dir auch davon geschrie­ben! Drü­cken uns doch mal wie­der die glei­chen Sor­gen! Kopfsor­gen!! Ach Du! Wenns [sic] nur unser Leben­lang ein­mal [die] Sor­gen blei­ben dar­um, wie und wo wir uns am liebs­ten haben kön­nen! Ach Du!! Ach ich fürch­te mich vor nichts! Ich sehe nichts, daß [sic] wir nicht in lie­ben­dem Ver­ständ­nis und in lie­ben­der Kame­rad­schaft schaf­fen wür­den. Auch Sor­gen und Kum­mer wol­len wir ganz lieb zusam­men tra­gen und auch ver­trei­ben mit aller Kraft. –

Wel­chen Platz ich Dir anbie­te, wenn Du mich besu­chen kommst im Her­ren­zim­mer!” Ja, ich hab’s aus­ge­wählt, mir gefällt es, ich wer­de dich wohl oft besu­chen!! Ich weiß schon mein Plät­zel, Du! Und wenn ich Dir’s noch nicht ver­ra­ten hab, dann wirst Du es schon noch erfah­ren! Du! Und mich am Ende bei­zei­ten her­un­ter­ja­gen – ach was! Dann setz ich mich ein­fach mit mei­nem Aller­wer­tes­ten auf Dei­ne Schreib­ar­beit, zieh die Bei­ne mit rauf und streck Dir die Zun­ge raus, dann erschein ich Dir gewiß so frech, daß Du mich gar­nicht anrührst und run­ter­jagst, gelt? Aber ich werd Dich solang fest­hal­ten, bis Du mir ein Kussel gibst und mir wie­der gut bist.

Ach mein Her­ze­lein! Ein Damen­zim­mer brauch ich nicht! Ich wür­de mich fürch­ten drin­nen! Ich bin doch nicht so eine Dame, die mit all den Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­den ihren Tag aus­zu­fül­len ver­mag! Brrr!! Hän­de in den Schoß, Hünd­chen auf dem Schoß, in wei­chen Fau­teils [sic] leh­nend, dem lie­ben Gott den Tag steh­len! Nein, da bin ich zu leben­dig! Und ich mache mir lie­ber mal im Stü­bel mei­nes Buben zu schaf­fen! Und weil wir nicht so fei­ne Leu­te sind und dar­um auch nur ein Schlaf­zim­mer besit­zen, habe ich dar­um wie­der eine zusätz­li­che Auf­ga­be: muß doch auf­pas­sen, daß mein Büb­le nicht aus dem Bett­lein fällt! Ach Du! Wie ein schö­ner Traum liegt das Land uns­rer Lie­be so noch vor uns! Aber ein Abglanz, ein Schim­mer sol­cher erfüll­ter Selig­keit lebt in uns, strahlt aus unse­rem Auge. Gelieb­ter! Mein [Roland]! Uns­re Lie­be [leb]t! Sie lebt in uns! Oh Gott, erhal­te sie uns, stark und treu! Behü­te mir mein Liebs­tes! Laß wohl gelin­gen unser Wol­len! Amen.

Gelieb­ter! Nun Gut­nacht! Ich bin so müde. Selig müde. Bin so glück­lich, so froh in Dei­ner treu­en Lie­be. Mein [Roland]! Dei­ne [Hil­de].

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30. Novem­ber 1942

Ein Gedanke zu „30. November 1942

  1. Kom­men­tar zum „Dorf­buch­sach­be­ar­bei­ter“:
    Die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Arbei­ter­par­tei leg­te bei der Beein­flus­sung der Erwach­se­nen Wert auf ein weit­rei­chen­des Bil­dungs­an­ge­bot, das sie fern­ab der klas­si­schen Bil­dungs­ein­rich­tung von Volks­hoch­schu­len oder Uni­ver­si­tä­ten eta­blier­ten. So kam es unter ande­rem auch zum Aus­bau der Bil­dungs- und Kul­tur­ar­beit auf dem Land. Vor allem die länd­li­che Bevöl­ke­rung soll­te, um der anhal­ten­den Land­flucht ent­ge­gen­zu­wir­ken, auf­ge­wer­tet und so mit der ehe­ma­li­gen „Schol­le“ emo­tio­nal ver­bun­den wer­den. Um die­se emo­tio­na­le Ver­bin­dung auf­zu­bau­en, soll­ten sich die Dorfbewohner*innen mit der Orts- und Hei­mat­ge­schich­te, also mit der Pfle­ge tra­di­tio­nel­ler und alter Bräu­che und Tra­di­tio­nen beschäf­ti­gen. Die­se soge­nann­ten „Dorf­ge­mein­schaf­ten“ erar­bei­te­ten die Dorf­ge­schich­te und soge­nann­te „Dorf­bü­cher“, die die­se Tra­di­tio­nen über­lie­fern und am Leben erhal­ten soll­ten. Vor allem die Leh­rer­schaft in den Dör­fern über­nahm die­se Arbeit, 1938 gab es bereits 3.500 sol­cher ver­fass­ten „Dorf­bü­cher“ in den Gemeinden. 

    (Lite­ra­tur­ver­weis: Hil­de­gard Fei­del-Mertz, Erwach­se­nen­bil­dung im Natio­nal­so­zia­lis­mus, In: Rudolf Tip­pelt, Liga von Hip­pel (Hrsg.), Hand­buch Erwachsenenbildung/ Wei­ter­bil­dung, fünf­te aktua­li­sier­te Auf­la­ge, 2011, Wies­ba­den S.53ff.)

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