Trug und Schein: Ein Briefwechsel

29. November 1942

[421129–2‑2]

Am 1. Advent, abends 10 Uhr.

Gelieb­tes, treu­es Herz! Mein [Roland]!

Der Tag klingt aus, es drängt mich doch noch ein­mal so innig hin zu Dir, ehe ich schla­fen gehe. Du! Ich muß Dir noch Gut­nacht sagen, Herz­al­ler­liebs­ter! Die Eltern sind vor 10 Minu­ten zu Bett. Ich saß noch bei mei­ner Arbeit: einen gan­zen Berg Strümp­fe stop­fen. Doch nun lege ich alles bei­sei­te, um noch ein stil­les hal­bes Stünd­chen mit Dir allein zu haben. Gelieb­ter! Ich seh­ne mich nach Dir!

Wir saßen vor­hin alle bei­sam­men und lausch­ten einem sehr schö­nen Pro­gramm des Deutsch­land­sen­ders. “An die Gestir­ne.” Lie­der von Schu­bert, gute Stim­men san­gen und Micha­el Rauch­ei­sen beglei­te­te. Her­ze­lein! Ich hät­te mögen wei­nen vor Sehn­sucht, als die ers­ten Tak­te von Schu­berts* “Mond­nacht” erklan­gen. “Es war, als hätt’ der Him­mel die Erde still geküßt…“ Oh Du! Dei­ne gelieb­te Sim­me sang es mir schon so oft, dies zar­te Lied. Wie sehn­te ich mich nach Dir!! Ach, es ist heu­te so viel Gut­sein und Lie­be in mir wach – Du!!! Ich möch­te Dich ganz lieb­ha­ben! Dich so recht beglü­cken! Oh, Dir alles Gute tun, was ich nur kann, alles Dir zulie­be tun! Du!!! Gelieb­ter! Alles, was ich tue im Leben, ich muß es aus mei­ner gro­ßen Lie­be zu Dir her­aus tun. Ich kann Dir nur alles zulie­be tun. Du! Weil ich Dich maß­los lie­be! Weil ich Dich unend­lich lie­be! Du!!! Und Du wirst mich immer ver­ste­hen, Geliebter!

Wirst alles was ich­tue ver­ste­hen? Dein Leben lang? Oh Du! Sag mirs. Ich kann nur aus Lie­be han­deln – aus Lie­be zu Dir!

Du weißt das, mein [Roland]! Des bin ich so glück­lich und gewiß. Uns schei­det nichts! Nicht’s als der Tod! Ich will nur Dein sein! Will nur Dir gehö­ren! Und will alle Stei­ne aus dem Wege räu­men, daß wir im Son­nen­schein der Lie­be gehen dür­fen, daß ich Dir immer nur Freu­de brin­ge, Froh­sein und neue Lebens­lust! Ach Du! Ein­zig­ge­lieb­ter! Ich will Dein Glück­brin­ger sein! Dei­ne Son­ne! Ich lie­be Dich! Ich lie­be Dich so, daß ich alles für Dich tun könn­te. Ach Gelieb­ter! Komm zu mir! Komm an mein Herz! Sieh mich an, mein [Roland]! Schau in mei­ne Augen, Du!! Wir müs­sen ein­an­der ver­trau­en in glück­li­chen, wie in schwe­ren Zei­ten. Wir müs­sen ein­an­der die Treue hal­ten. Alles, alles ein­an­der zulie­be tun, aus Lie­be! Aus tiefs­ter Liebe!

Oh Gott im Him­mel seg­ne unser gro­ßes Glück! Amen.

Gelieb­ter! Wäre ich heu­te bei Dir! Oh Du!

Fühlst Du, wie ich Nie nahe bin? Wie ich an Dich den­ke? Ich möch­te Dich umar­men — oh, Dich küs­sen, küs­sen – Dich lieb, sooooo lieb­ha­ben. Mein Son­nen­strahl, mein gelieb­ter Prinz, Du! Oh hal­te mich fest! Las­se mich nicht von Dir, was auch kom­men mag! Du!! Du!!! Ich kann nicht sein ohne Dich! Gelieb­ter! Ich müß­te ster­ben vor Ein­sam­keit und Her­ze­leid. Du! Du!!!!! Gelieb­ter! Blei­be bei mir! Ich hab Angst vor der wei­ten Welt ohne Dich! Oh Du! Gib mir ganz fest Dei­ne lie­be Hand! Mein [Roland]! Ich kann nicht mehr leben ohne Dich! Gelieb­ter! Ach, liebs­ter [Roland]! Der Bis­marck­film war so schön. Du, schau ihn Dir an, wenn es mög­lich ist.

Wie hat die­ser Mann gear­bei­tet, gekämpft für sein Reich! Und er hat nur den Anfang noch erle­ben dür­fen, die­ser neu­en Epo­che, d[ie] durch sei­ne Tat­kraft anbrach – die dann in den Hän­den des Königs so ganz anders ende­te. Wie hat sei­ne Frau Johan­na tap­fer mit ihm alle Lagen des Schick­sals durch­lebt, durch­ge­hal­ten. Und im har­ten Kampf sei­ner Lebens­ar­beit konn­te sie ihm nicht hel­fen. Aber zuhau­se, im eige­nen Heim, da fand Bis­marck alles das ihn mit neu­er Kraft aus­rüs­te­te: Ver­ste­hen, Lie­be, lie­ben­de Sor­ge. Gelieb­ter! Wenn Du in unse­rem Heim auch so aus­ru­hen kannst einst, Dich wie­der­fin­den und Dich von mir mit aller Lie­be und Für­sor­ge umge­ben las­sen willst! Ich weiß: das wird die schöns­te Zeit mei­nes Lebens sein!

Gelieb­ter! Seg­ne Gott unser Wol­len! Erhal­te er mir Dich, mein Ein­zigs­tes, Aller­liebs­tes auf die­ser Welt! Amen. Oh Du! Du!!! Ich lie­be Dich! Ich lie­be Dich! Nur Dich allein, [Roland]! Mein [Roland]! Hal­te mich fest! Ganz fest! Dei­ne [Hil­de].

[* eigent­lich Robert Schu­mann]

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29. Novem­ber 1942

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