Trug und Schein: Ein Briefwechsel

27. Oktober 1942

[421027–1‑1]

Mon­tag, den 26. Okto­ber 42

Herz­al­ler­liebs­te mein! Du, mei­ne lie­be [Hil­de]!

Den drit­ten Tag kommt der lie­be Bote schon ganz regel­mä­ßig zu mir – braucht 3 Tage für den Weg, nicht halb so lan­ge wie nach S. [sic] – weil er nicht über Wien muß, den­ke ich – fein ist das doch! Du!!!

Nun muß ich Dir doch gleich ganz schnell Dei­ne Fra­ge beant­wor­ten: “O sag mir Du! Hast Du mich auch so unsäg­lich lieb?” Her­ze­lein! Gelieb­te! Gelieb­te!!! Ja! Ja!!! Ja!!!!!

Ach Du — es gibt ja dafür gar kei­ne Wor­te! Für das, was ich für Dich emp­fin­de, für mei­ne Freu­de, für mein Glück, für mein Glück – Gelieb­te! Und wenn ich dar­auf sin­ne, was ich Dir Lie­bes tun könn­te, dann kom­me ich mir selbst so arm vor, ach Du, dann scheint mir auch alles Mög­li­che an Geschen­ken zu wenig. Und wenn ich Dir beken­nen soll­te, wie Du so ganz in mein Leben ein­be­zo­gen bist, wie Du in mir lebst, wie ich durch Dich lebe: oh Gelieb­te! Ich mag und kann nicht mehr sein ohne Dich!!! Herr­gott, hilf Du uns!

Oh Du! Du!!! Alle die­se Emp­fin­dun­gen schlum­mern nun wie­der in des Her­zens Schrein. Oh Du! Wach dür­fen sie nicht sein jetzt, nicht ganz wach, sonst möch­ten Weh und Sehn­sucht mich ver­zeh­ren! Aber so wie im Film ges­tern abend [sic] – dann wachen sie auf – oh Herz­lein, dann bedrängt es mich süß und schmerz­lich zugleich – auf­at­men möcht ich dann – auf­at­men – und noch müs­sen wir doch den Atem noch gedul­dig ver­hal­ten.

O Du! Du!!! Ich lie­be Dich! Ich lie­be Dich! Du!!! Du!!!!! !!!!! !!!

So, wie ich lie­ben woll­te, so, wie ich lie­ben muß: so lieb ich Dich!!! Ein­mal im Leben – ein­zig und ganz – Du!!! Oh Gott im Him­mel, seg­ne Du unse­ren Bund!

Mon­tag ist nun wie­der um. Es gab heu­te viel Durch­ein­an­der. Das wird so blei­ben, bis der Umzug been­det ist. Zwei Schrift­wech­sel kom­men da zusam­men und müs­sen gesich­tet und abge­fer­tigt wer­den, der an die alte und die neue Num­mer. In den nächs­ten Tagen erwar­te ich nun schon die Anschrift an die neue Num­mer. Die nach­ge­schick­te Post aus S. wird wohl noch eine Wei­le auf sich war­ten las­sen, sie muß über Wien zurück.

Mei­ne Rei­se nach hier hast Du rich­tig ver­folgt. Von Kame­rad H. trenn­te ich mich hin­ter Plew­na, in Gor­na Oreh­o­vi­ka [sic]. Von da zweigt die Bahn ab nach Rus­see [sic] (bulg. [sic]) od. [sic] Rust­schuck (rum. [sic]) – auf dem jen­sei­ti­gen Donau­ufer liegt Giur­giu od. [sic] Dschurd­schejwo.

Heu­te ist auch ein Brief­lein aus K. ein­ge­gan­gen. Du hast denen daheim die Num­mer geschrie­ben. Wird gar nicht dau­ern, bedrängt mich wie­der eine gan­ze lie­be Gesell­schaft, steht um mich unstreit­bar am nächs­ten aber, am aller­al­ler­nächs­ten steht die Eine, die Ein­zi­ge, mei­ne Her­zens­kö­ni­gin – Du! Du!!! Wenn mir freie Zeit mehr blei­ben soll­te als frü­her, so will ich doch in ers­ter Linie sie dazu nüt­zen, die Ver­bin­dung mit der Hei­mat noch bes­ser zu pfle­gen, zuerst dazu, mit den nächs­ten Ver­wand­ten, mit den Brü­dern zumal, etwas regel­mä­ßi­ger zu schrei­ben – es scheint mir nichts bes­ser und wich­ti­ger. In den nächs­ten Tagen muß ich Elfrie­de auf den Paten­brief ant­wor­ten. Du sollst also Paten­tan­te sein. An die Beschaf­fung eines schö­nen Paten­ge­schen­kes hier kann ich jetzt nicht den­ken – es ist zu teu­er! So wird es doch eben viel­leicht bei dem Spar­buch blei­ben müs­sen.

Her­ze­lein! Bis dahin schrieb ich ges­tern abend [sic]. Dann über­fiel mich die Müdig­keit. Ist ja auch nicht so schlimm, ist nun, im Mit­tags­stünd­chen, alles noch nach­zu­ho­len.

Das Wet­ter macht sich heu­te bemerk­bar, indem es wie­der ein­mal wär­mer ist, bei föh­ni­gem Him­mel, wäh­rend es die Tage daher [sic] schon ganz schön an die Fin­ger biß. Es geht eben auf den Novem­ber zu. Da heißt es wie­der bes­ser ein­mum­men, am bes­ten gleich am Kör­per sel­ber. Das Man­ner­li kriegt, scheint mir, ein klei­nes Bauchl [sic] – na, den Win­ter über wollt ich es schon anste­hen las­sen. Hier in R. [sic] ist die Fet­tig­keit, scheint mir, noch nicht so rar wie daheim, auch Fleisch ist reich­li­cher. Man liest es in der Zei­tung. Hier in B. [sic] erscheint eine deut­sche Zei­tung, Zei­chen dafür, daß es hier eben viel [sic] Deut­sche gibt.

Nächs­tens will ich Dir mal etwas von mei­nem Dienst erzäh­len. Heu­te kom­me ich jedoch nicht mehr dazu.

Das Ahorn­blatt war mein Beglei­ter auf dem Sonn­tags­spa­zier­gang an Dei­ner Statt. Haben doch auch alle danach hin­ge­schaut wie nach mei­nem Schät­ze­lein sel­ber.

Her­ze­lein! Bald kom­me ich wie­der zu Dir!

Für heu­te leb wohl! Behüt Dich Gott!

Ich denk doch immer Dein! Immer!

Ich hab Dich doch sooo lieb! oh Her­ze­lein – in mei­nem Her­zen ruht unser Glück, Dei­ne Lie­be – mei­ne gan­ze Freu­de!

mei­ne gan­ze Hoff­nung! mein Alles!!! Du! Du!!!!!

Ewig

Dein [Roland],

Dein Her­zens­man­ner­li.

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27. Okto­ber 1942

Ein Gedanke zu „27. Oktober 1942

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