15. Juni 1942

König Georg II von Griechen­land hielt 15. Juni 1942 eine Rede am Kongress der Vere­inigten Staat­en. Foto: Pres­i­dent Roo­sevelt und König George II bei Top Cot­tage, zwis­chen 26. Juni 26 und 3. Juli 1942, FDR Pres­i­den­tial Library and Muse­um, 09.2018.

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Mon­tag, den 15. Juni 1942

Geliebtes, teures Herz! Meine liebe, lieb­ste [Hilde]!

Geliebte Mein!

Ach Herzelein! Endlich ist der Bote da, der mir davon sagt, daß Du nun um mein kün­ftiges Schick­sal gewiss­er bist, daß Du die erste böse Ent­täuschung über­wun­den hast. Oh Herzelein! Froh bin ich, daß nicht noch ein Bote kam, der mir von Deinem Glück­sträu­men erzählte! Geliebtes Weib! Meine [Hilde]! Du Her­zlieb mein! Oh, Gott im Him­mel sei Dank, daß Du die böse Ent­täuschung glück­lich über­wan­d­est. Geliebte! Meine [Hilde]! Du hast mich so lieb! Du hast mich zu lieb! Du leb­st mit mir! Du hast mich so fest an Dein Herz geschlossen. Du bist mir so lebendig nahe in uns[e]rer Liebe Zweisamkeit. Du hast Dich ganz an sie ver­loren in höch­stem Ver­trauen, in ganzem Lieben. Oh Du! Du!!!Geliebte! Ich wollte Dich nicht ent­täuschen! Ich wollte Dir nicht Schmerz bere­it­en! Ich will Dir uns[e]rer Liebe Zweisamkeit [z]ur lieb­sten Heimat, zu trautesten Zuflucht machen! Oh Du, Geliebte! Du weißt es, daß ich Dich ganz glück­lich machen möchte – ich kann nur nicht  – ich kann noch nicht! Oh Geliebte! Aus deinem Glück­sträu­men, aus deinem Herzen­sjubel wie nun am tiefen Schmerz der Ent­täuschung erkenne ich gle­icher­weise die Tiefe, die Unendlichkeit dein­er Liebe!

Geliebte! Meine [Hilde]! Und das ste­ht nur noch ehern­er nun in unseren Herzen geschrieben. Wir wer­den einan­der in Liebe so fest, sooooooooooooo fest hal­ten! Diese Erprobung, dieses Gedulden kann uns[e]rer Liebe nim­mer­mehr zur Gefahr wer­den, sie schließt uns nur noch viel inniger zusam­men. Oh Herzelein! Viel trauter wird mir Dein Herze nun wieder als meine Heimat erscheinen, wenn ich wieder ziehen muss. Ich habe eine Heimat! Eine liebe liebe [sic] Heimat! Oh Geliebte! Viel inniger werde ich mich wieder an Dich hal­ten müssen in neuer Ferne. – Du, mein lieb­ster bester Kam­er­ad! Oh Geliebte! Und die Hoff­nung auf unser Wieder­se­hen und Deine Liebe, die täglich so treu zu mir kom­men wird, sie sind der Hin­ter­grund unbe­sieglich­er Sonne zu allem Gewölk, das auch kom­men möchte! Oh Herzelein! Du wirst mir ganz nahe, zuallernächst mir sein!

Und Du wirst mic[h] liebbe­hal­ten über allen Schmerz! Mich liebbe­hal­ten! Du wirst mich ganz fes­thal­ten! [Du] Wirst tapfer mit mir durch­hal­ten! [Du] Wirst mein aller­lieb­ster, allerbester Kam­er­ad sein! [Du] Wirst mir alle Liebe aufheben! [Du] Willst in Ewigkeit mein Weib sein! Mein Weib! Du! Mein Weib! Du wirst immer bei mir sein! Du wirst nur lieber und inniger mein denken.

Oh Geliebte! Ich war es doch vor kurzen noch gewöh­nt, alle Wege allein zu gehen, alles mit mir sel­ber abzu­machen. Ach, mag es Dich ganz glück­lich machen zu wis­sen: daß ich ohne Dich gar nim­mer gehen kann und mag! Ich kann nicht mehr sein ohne Dich, Geliebte!!! Und Du bist nun auch mit mir, solange ich lebe!

Herzelein! Soviel Kraft kommt nur von Dein­er Liebe! Ganz lebendig wirkt sie zwis­chen uns. Sie hat uns ganz ein­genom­men – sie kann uns nim­mer­mehr ver­loren gehen! Oh Herzelein! Mit Dir nur bin ich noch ein Ganzes! Mit Dir nur kann ich ganz glück­lich sein, mit Dir nur noch mich dieses Lebens freuen! Gold­herzelein!!!

Oh Herzelein! Das ich Dir nicht leib­haftig nahe sein kon­nte, Dein wun­des Herz zu heilen, das zuck­ende zu befrieden. Das ich Dir solche Ent­täuschun­gen bere­it­en musste! Oh Herzelein! Walte es Gott in Gnaden, daß ich Dich nicht noch ein­mal so ent­täuschen muß! Geliebte! Vielle­icht brauchen wir gar nim­mer so lange aufeinan­der zu warten.

Und das wollen wir bei­de nicht aus dem Auge lassen: Was auch kom­men mag, Gott schickt es uns, unser Vater, in gütiger Weisheit! Oh Herzelein! Was wis­sen wir Men­schen, was ver­mö­gen wir? Nicht bis zur näch­sten Minute, zur näch­sten Stunde kön­nen wir schauen. Ver­bor­gen ist es uns – und wenn es uns offen­bar wäre, dann wären wir doch macht­los.

Wie kön­nen wir abse­hen, was diese neue Reise bedeutet, wie Gott uns führen wird? Geliebte! Wir sollen nicht darüber spekulieren, damit Rechenkun­st­stücke anstellen – wir sollen ein­fach uns der Führung Gottes gläu­big anver­trauen. Wir wis­sen wie Gott führt. Er führte uns in Liebe zueinan­der!!! Und er half uns[e]re Liebe zu behüten und zu bewahren bis auf diese Stunde!!! Des[sen] lass uns ganz dankbar und fröh­lich sein!

Oh Du! Meine [Hilde]! Und ich will an Dein­er Seite ste­hen wie bish­er, nur lieber noch und treuer! Ich will Dich sooo fes­thal­ten mit mein­er Liebe! Oh Geliebte! Ich will Dir doch ganz ganz [sic] lieb hin­weghelfen über die böse Wartezeit! Gott wird uns Kraft schenken zu Geduld und Aushar­ren. Und uns[e]re Liebe wird uns tra­gen, wird uns Sonne sein und Quell der Freude in kom­menden Tagen. Oh! Wenn Gott nur uns[e]re Liebe seg­net und erhält, wenn er mir nur Dich beschützt und behütet, dann kann nichts unser Herze ganz umdüstern – in seinem Grunde strahlt die Sonne uns[e]rer Liebe!!!

Herzelein! Was nun an abschätzbaren Möglichkeit­en noch offen schien, er scheint nun vor­bei. Der Chef unter­schrieb uns[e]re Marsch­pa­piere. Am Mittwoch, nicht Dien­stag, wer­den wir reisen, am Fre­itag in V.[arna, Bul­gar­ien] ein­tr­e­f­fen. Ich habe meine Strümpfe alle gewaschen und die Taschen­tüch­er. [Ich] Habe meine Habe gesichtet nach Bal­last, den ich nicht mitschlep­pen kann. Wenn man ein Jahr an einem Orte sitzt, dann sam­melt sich so mancher­lei an. Etlich­es habe ich heute ver­sand­fer­tig gemacht. Ich kon­nte nicht über­all ein Brieflein bei­le­gen, dazu ist zu wenig Zeit. Aber d[an]ken möchte [ich] Dir dafür, dass Du mir über alle Ferne soviel Liebe reicht­est. Da ist nun ein Päck­el mit Büch­ern, eines mit der Lebens­beschrei­bung des Hof­predi­gers, eines mit Botschaften, eine Flasche Trylisin [ein Haar­tonikum] hob ich noch auf. Die Stiefelein und Deine lieben Boten reisen mit mir – die mag ich um keinen Preis in fremde Hände geben – weil sie mir viel viel [sic] zu lieb sind – weil sie mir soviel bedeuten, Geliebte!!!!! Und gewapp­net bin ich doch schon mit Papi­er, Umschlä­gen und Fed­ern, damit ich ganz lieb zu Dir kom­men kann – jeden Tag, Herzen­schätzelein! Jeden Tag! Und sei es nur mit einem kurzen Gruß.

Oh Geliebte! Mein liebes Weib! Möcht­est Du Frieden gefun­den haben – Kraft von Gott, Trost in uns[e]rer Liebe, ach Herzelein, fro­heste Gewis­sheit in mein­er Liebe so wie ich in der Deinen, Geliebte! Ich bin Dein [Roland]!

Ganz treu! Voll heißer Liebe zu Dir, meine [Hilde]! Ich lasse Dich nicht! Ich liebe Dich sooooooooooooo sehr – und nun nur inniger und her­zlich­er!

Behüte Dich Gott! Mein teures Lieb! Ich will Dir heimkehren – und du wartest mein! Liebe ist zwis­chen uns! Liebe! Liebe!!! Oh Du! Du!!! Ich bin doch sooo glück­lich in Dein­er Liebe!

Ich küsse dich herzin­niglich!

Dein glück­lich­er [Roland]

 

 

Eine Antwort auf „15. Juni 1942“

  1. Roland spricht von ein­er „bösen Ent­täuschung.“ Roland hat einen neuen Marschbe­fehl und wird ver­set­zt nach Var­na. Etlich­es, was er nicht mit­nehmen kann, hat er (an Hilde?) ver­schickt wie zum Beispiel Büch­er. Ihre Briefe nimmt er mit. Die Briefe sind ihm zu kost­bar, als das er sie ver­schickt. Ihre Liebe ist seine Heimat und gibt ihm Kraft. Er ver­gle­icht Hilde mit einem Kam­er­aden.

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