30. Mai 1942

Köln. Zer­stö­run­gen in der Pipin­stras­se nach dem Luft­an­griffs am 9. Juni 1942. DBa Samm­lung Adolf von Bom­hard, Bild 121‑1339 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018.

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104.

Sonn­abend, am 30. Mai 1942.

Gelieb­tes, teu­res Herz! Du mein gelieb­ter [Roland]! Du!!!

Nun kom­me ich doch schon wie­der zu Dir, mein Her­ze­lein! Ach Du! Ich kom­me doch soo ger­ne! Und [ich] käme zu jeder Stun­de, ja Du! Wenn ich immer so viel Zeit übrig hät­te! Und wenn ich mich nicht vor den Eltern schäm­te. Ach schä­men, das ist wohl nicht der rech­te Aus­druck. Weißt Her­ze­lein! Es ist ein komi­sches Gefühl, wenn man sich so beob­ach­tet fühlt beim Schrei­ben an den Liebs­ten. Und mich zurück­zie­hen mag ich auch nicht jedes­mal. Ich bin hier­in so emp­find­lich und wenn auch eines von den Eltern nur manch­mal im Scherz eine Redens­art fal­len läßt bezüg­lich mei­nes Schrei­bens, dann kränkt mich das.

Es weiß doch gar­nie­mand [sic], wie sehr ich an Dir hän­ge! Und wie sehr ich täg­lich mei­ne Zeit brau­che, da ich mit Dir, mein Gelieb­ter, Zwie­spra­che hal­te. Ach Du! Glau­be mir, wenn ich allein wohn­te für mich, Herz­lieb, ich wür­de Dir früh und abends schrei­ben. Ach, ich habe Dir doch so viel zu sagen und nicht nur aus dem täg­li­chen Leben allein. Über unser Glück­lich­sein allein lie­ße sich doch täg­lich so viel schrei­ben! Oh Her­ze­lein! Ein­an­der unser Glück und unse­re tie­fe, inni­ge Lie­be zu beken­nen wer­den wir doch unser Leben lang nicht müde. Und wie wir es jetzt alles zu Papier brin­gen müs­sen, so tut es sich spä­ter in der Tat kund, wenn wir erst immer umein­an­der sein dür­fen. Oh Her­ze­lein! Danach seh­ne ich mich doch sooo sehr! Dir alle mei­ne Lie­be recht zu zei­gen und zu erwei­sen. Und alle mei­ne Treue und Anhäng­lich­keit. Ach Du! Ich bin Dir doch so ganz in Lie­be erge­ben, so ganz nur Dein Eigen! Her­ze­lein! Dar­an ändert nicht die Fer­ne etwas, die zwi­schen uns liegt; auch nicht die Tren­nung, kei­ne noch so lan­ge War­te­zeit! Dein bin ich!! Ganz Dein! Und blei­be es in Ewig­keit! Nie­mals kann mein Seh­nen ins Lee­re grei­fen, denn am ande­ren Ende der immer glei­chen Bahn all mei­ner Gedan­ken stehst ja Du, Gelieb­ter! [Du] Hältst mir Dein Her­ze offen, oh so weit und lieb offen! Ich füh­le es so tief beglückt! Ach Schät­ze­lein! Mein gelieb­tes Schät­ze­lein! Wie soll ich Dir denn recht zei­gen, wie so glück­lich Du mich machst. Her­ze­lein! Mein gelieb­tes Her­ze­lein! Heu­te bist Du doch sooo lieb zu mir gekom­men, sooo lieb, Du mein aller­liebs­tes Her­ze­lein! Ach Du! Du! Du!!! Ich habe doch wei­nen müs­sen vor lau­ter Freu­de und Glück! Es bewegt mich so tief, wie Du mich liebst, mein [Roland]! Ach, so wun­der­sam berührt mich Dei­ne gro­ße Lie­be. Du!!! Fast ist es wie ein Mär­chen – Du! Daß es sol­che Lie­be noch gibt! Sol­che ein­ma­li­ge, inni­ge, aus­schließ­li­che Lie­be. Ach Du! Du! Es ist kein Mär­chen! Alles ist glück­haf­te Wirk­lich­keit! Oh Du mein [Roland]! All mein Sehen hast Du gestillt, all mein Glück­träu­men aus Mäd­chen­ta­gen hast Du erfüllt! Du! Du allein! Mein Son­nen­strahl! Mein Her­zens­lieb! Du bist doch mein Son­nen­strahl gewe­sen, der das knos­pen­de auf­ge­weckt hat zum Leben, zum Blü­hen! Und nun bist Du doch mein Son­nen­strahl! Du!! [Du] Darfst nie mehr von mir fort­ge­hen! Du! Sonst muß es ver­wel­ken, Dein Herz­blü­me­lein, ver­schmach­ten im Schat­ten und in der Käl­te umkom­men. Du hast mich erweckt und nun brau­che ich Dich doch, Du[,] um leben zu kön­nen. Wie die Blu­men­kin­der den Son­nen­strahl brau­chen, um zu blü­hen, so brau­che ich Dich, mein Lieb, um zu leben. Oh Du! Du!!! Daß Du mein Son­nen­schein sein willst Dein Leben­lang [sic]! Gold­her­ze­lein! Gelieb­ter! Du ahnst ja nicht, wie glück­lich Du mich machst! Oh Du! Her­ze­lein! Soo tief sind uns[e]re Wesen ein­an­der ver­bun­den! So unlös­bar sind uns[e]re Her­zen inein­ader ver­an­kert! Unmög­lich, daß eines das ande­re los­läßt! Du!! Oh Her­ze­lein! Was braucht es denn über­haupt noch der Wor­te um uns uns[e]rer Treue zu ver­si­chern uns[e]rer Lie­be, Du! Es ist nur immer wie­der Aus­druck uns[e]rer über­gro­ßen Selig­keit und uns[e]res Glü­ckes! Es muß sich kün­den irgend­wie, ach Du! Her­ze­lein! Ich muß all das rei­che Glück erst in mich ganz auf­neh­men, daß Du mir heu­te geschenkt hast. Oh Du! Es will mir do[ch] schier das Herz zer­sprin­gen vor Selig­keit! Vor Jubel! Oh [Roland]! Liebs­ter [Roland] mein! Gelieb­ter!!! Glück­se­lig drü­cke ich Dich an mein Herz! Voll tie­fen Dan­kes! Du!! Du!! Glück­brin­ger mein! Ziel mei­ner Sehn­sucht. Ich lie­be Dich! Oh behü­te Dich Gott! Mein Ein und Alles!

In Ewig­keit Dei­ne glück­li­che [Hil­de], Dein Weib! Dein!

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