21. Mai 1942

Bundesarchiv Bild 101I-163-0318-30, Griechenland, deutsche Soldaten in Geschäft.jpg
Grie­chen­land, deut­sche Sol­da­ten in Geschäft, plün­dernd, April 1941. Quel­le: Bun­des­ar­chiv, Bild 101I-163‑0318-30 / Bau­er / CC-BY-SA 3.0. Über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2018.

[420521–1‑2]

[Salo­ni­ki] Don­ners­tag, den 21. Mai 1942

Her­zens­schät­ze­lein! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]!

[Ich] Bin doch schon wie­der bei Dir, Du!!! Mit­tag­stun­de ist, [sie] dau­ert doch jetzt über 4 Stun­den. Und heu­te ist es doch gar nicht so schwül. Ein fri­scher Wind hat sich auf­ge­macht und macht den war­men Tag ange­nehm. Und so bleibt vom Mit­tags­tünd­chen gleich etwas übrig für mein Schät­ze­lein! Wenn es bei mir wäre, gehör­te ihm das gan­ze Mit­tags­tünd­chen, gelt? Man­ner­li hül­fe erst schnell mit auf­wa­schen – und dann muß mein lie­ber Unruh­geist sich ein bis­serl Ruhe mit­gön­nen – muß – oder ob es gar frei­wil­lig mit­hält? Na – wenn es wird ein Dicker­le sein – Du!!! – ich den­ke schon! Und ich mach[‘] doch aus mei­nem Wei­berl ein Dicker­le – hab die­sel­ben Plä­ne wie mein lie­bes Evchen – ob es denn wird nicht hun­gern? – wenn das Man­ner­li mit Süßig­kei­ten kommt? – Du! Du!!!

Her­ze­lein! Ich muß Dir doch sooo gut sein! Du!!! Du!!!!! !!!!! !!! [Du] Bist doch so lieb in mei­ne Mit­tag­stun­de heut[‘] gekom­men – und so schnell wie­der. Vom Frei­tag und Sonn­abend sind die lie­ben Boten. Zer­tei­len möcht‘ sich mein lie­bes Wei­berl wie­der. Haus­halt, Ein­kau­fen, Kur­sus – und kommt doch immer ganz zu mir, mit der gan­zen Fracht und Last des vol­len, lie­ben­den Her­zens, zu mir! Oh Gelieb­te! Wie beglückst Du mich damit!

Jetzt wäre nun womög­lich noch Gele­gen­heit, Kan­to­rin von O. zu wer­den – gar nicht übel. Aber erst muß man Kla­vier­spie­len kön­nen. Magst [Du] es ler­nen bei mir? [Du] Mußt Dich jeden Tag ein Stünd­chen frei­ma­chen dazu. Und vom 20. Stünd­lein an winkt schon ein fei­nes Zusam­men­spiel mit dem Man­ner­li. [Es] Gibt fei­ne vier­hän­di­ge Stück­lein von Dia­bel­li, die klin­gen schon und sin­gen und machen Freu­de – nichts tue ich lie­ber, als mich dann zu Dir set­zen, Dich zu gleit beglei­ten – ja, Her­ze­lein! Ich glaub[‘], ich mach[‘] Dir noch Lust dazu – Du!!! Aber jetzt kannst [Du] damit nicht anfan­gen. Die Gele­gen­heit zum Üben ist zu umständ­lich – und zudem ist mein Herz­lieb zu sehr ein­ge­spannt. Du! Ver­wöh­ne nur die im Roten Kreuz nicht zu sehr. Du hast am bes­ten gelernt und begrif­fen. Wenn es heißt, daß ihr aller [sic] 14 Tage wie­der­kom­men müßt, das brauchst Du Dir gar nicht anzu­neh­men. Du erscheinst dann und wann ein­mal, so wie Du eben Zeit und Lust hast – und damit müs­sen die fein zufrie­den sein – und sind es auch. Und wenn Du Dich mal unsi­cher fühlst, dann hast Du es in einem ruhi­gen Stünd­chen schnel­ler über­holt als in vier Aben­den dort.

[Du] Erzählst mir von den Umstän­den, die es macht, um das biß­chen Zeug für das täg­li­che Brot zusam­men­zu­tra­gen, den vie­len, oft ver­geb­li­chen Weg[e]n. In die­ser Bezie­hung seid Ihr aber auch schlecht dran in O.. Rings­um ist zwar über­all bebau­tes Land, aber es war­ten zu vie­le Schnä­bel auf das, was da her­an­wächst. So dicht dabei nun die gefrä­ßi­ge Groß­stadt, die alles an sich zieht. Dabei erbau­en sich so vie­le in ihren Gär­ten aller­lei. Aber das fällt eben so nicht ins Gewicht. Ist es nicht eine fürch­ter­li­che Enge und Unfrei­heit und Not, zu sehen und zu füh­len, daß es gera­de noch langt zum täg­li­chen Brot – und ein klein wenig schlech­ter, daß es kaum noch langt? Daß das wer­te Land rings­her die Men­schen nicht näh­ren kann? Daß jedem auf Stück und Pfund und Gramm zuge­teilt wer­den muß? Und wenn es in Deutsch­land heu­te geschieht, dann weiß man, es ist nötig, denn es ist ja fast alles erfaßt, jeder Vor­rat, jede Reser­ve.

Wir kom­men hier ja kaum mehr in die Stadt. Daß wir sehen könn­ten, was es gibt und wie teu­er es ist. Aber ein so wenig orga­ni­sier­tes Land und Leben, wie es das grie­chi­sche ist, hat immer noch Reser­ven und Ver­ste­cke, die nicht erfaßt sind, wenn sie natür­lich mit der Zeit auch ver­braucht wer­den. Ja, die­ses Kriegs­ge­wit­ter möch­te bald abzie­hen. Es erlegt in ganz ande­rem Maße auch der Hei­mat Las­ten auf. Und sol­che Ein­schrän­kun­gen in der Nah­rung, wie sie der ver­gan­ge­nen Welt­krieg brach­te, wären dies­mal auf län­ge­re Zeit nicht mög­lich, wo Leis­tungs- und Ner­ven­kraft des Vol­kes auf viel här­te­re Pro­ben gestellt wer­den.

Her­ze­lein! Ich kann nun dazu gar nicht ein bis­sel hel­fen – und könn­te es auch nicht, wenn ich daheim wäre. Denn jeder, wenn er nicht unend­lich schiebt und wuchert, ist den Ein­schrän­kun­gen glei­cher­wei­se unter­wor­fen. Und ich bin froh und beru­higt zu sehen, wie Du Dich regst und rührst und haus­hältst, daß alle satt auf­ste­hen vom Tische. Ach, und ihr habt auch noch immer soviel, daß ihr ein­an­der erfreu­en könnt und beschen­ken – Du bist ein zu lie­bes Wei­berl. [Du] Hast alle Müt­ter so gut bedacht – und ich habe über­haupt nicht dar­an gedacht – nicht [e]inmal an die eige­ne Mut­ter – und an mein Müt­ter­lein, [das] bist doch Du, Lie­bes, Her­zi­ges – gelt? Und ich bin Dein Bub! Oh Du! Er hat sein Müt­ter­lein sooo lieb, sooooooooooooo lieb! Ich möcht[‘] doch der lie­ben Groß­mutter [Lau­be] so gern mal eine Freu­de berei­ten. Wer kann wis­sen, wie lan­ge dazu noch Gele­gen­heit ist. Und [ich] hab[‘] sie doch rich­tig lieb – und sie hält so viel auf uns.

[Du] Hät­test mir wie­der ein­mal eine Schach­tel schi­cken mögen, eine grö­ße­re. Es ist nur eben auch alles so unsi­cher mit unse­rem Hier­sein. Wenn man vie­le Kame­ra­den erzäh­len hört, die aus dem Urlaub kom­men: „es ist nichts mehr los daheim, kein Bier, nichts zu rau­chen und Schmal­hans Küchen­meis­ter.“

Du, Her­ze­lein! Wenn das uns ver­gönnt ist, daß ich bald wie­der ein­mal kom­men darf, sollt und braucht ihr Euch doch über­haupt kei­ne Sor­gen zu machen – hörst Du das? Du weißt es ja auch. Das Man­ner­li braucht kein Bier und kei­ne Ziga­ret­ten – und satt wird es, und schme­cken wird es ihm, oh Du, sooo gut, neben mei­nem Schät­ze­lein wie­der am Tische!, und wenn ich nur mit Euch tei­len muß. Oh Du! Du!!! Und je weni­ger es gäbe – des­to lie­ber käme ich doch nach Hau­se, um des­to lie­ber mit Dir zu tei­len auch in der Not! Du! Du!!! Um Dir des­to näher zu sein mit Leib und See­le, gelieb­tes Wesen! Ach Her­ze­lein! Wir brau­chen nicht so viel, um glück­lich zu sein! Und was wir dazu brau­chen, ist alles mar­ken­frei!

Oder erwar­tet das Man­ner­li eine Über­ra­schung, etwa die Kussel auf Mar­ken? Ach! Da will das Man­ner­li aber anste­hen! Du!!! Steht es schon früh am Bett­lein – und sperrt Dir alle Wege – und läßt Dich abends nicht wie­der hin­ein! Du! Hams­tern wird dann das Man­ner­li, wenn dar­an Man­gel sein soll­te. Ich den­ke mir, die Kussel wird es dann noch genug im Schleich­han­del und Tausch­han­del (!) und Schwarz­han­del (bei Nacht!) geben. Na, die Markt­ord­nung für die Kussel­wirt­schaft schrei­ben wir uns sel­ber, gelt? Höchs­te Stra­fen dro­hen dem, der vor­sätz­lich wel­che zurück­hält!

Ach Du! Her­ze­lein! Mit Dir kann ich doch nur froh und glück­lich sein! Und das möch­te ich Dir doch sooo ger­ne zei­gen, es Dir leben – oh Gelieb­te! Die­se Lebens­fahrt mit Dir antre­ten, mit Dir sein im Lan­de uns[e]rer Lie­be, das uns so gut und hoch und köst­lich vor­schwebt, in dem wir bei­de das Liebs­te und Bes­te, ein­an­der alles, alles zulie­be wir­ken möch­ten! Am aller­feins­ten soll es bei mir sein! Oh Her­ze­lein! Lau­ter Herz­lich­keit und Trau­te soll sein in unser[e]m Heim! Oh schen­ke Gott unse­rem Wol­len ein Voll­brin­gen!

Weil ich doch heut[‘] mit­tag schon bei Dir war, bin ich heut[‘] abend wie­der mal ins Kino gegan­gen – ach, seit Wochen wohl wie­der ein­mal. [Ich] Habe mir ein[en] unga­ri­schen Film ange­se­hen. Es ist ganz inter­es­sant, im Film auch ein­mal ande­re Völ­ker ken­nen­zu­ler­nen. Ich erzäh­le Dir mor­gen noch­ein [sic] wenig davon. Der Mond steht am Him­mel als Siche­lein – spie­gel­glatt ist die See – Mond und Schif­fe und See – ein herr­li­ches Bild süd­li­cher Nacht – – schön – – aber tau­send­mal lie­ber schau­te ich es mit Dir – tau­send­mal lie­ber lausch­te ich dem Weben der hei­mat­li­chen Mai­en­nacht. Her­ze­lein! Die Bäu­me blü­hen und alle prangt im schöns­ten Früh­lings­klei­de – Du schreibst es mir – das ist die Zeit, die zum Jubel uns[e]rer Her­zen stimmt, zum Glü­cke uns[e]rer jun­gen Lie­be.

Oh! Seg­ne sie Gott! Behü­te er Dich auf allen Wegen! Er wird’s wohl machen! Her­ze­lein! Du! Gelieb­te! Behalt[‘] mich lieb! Du!!! Wie ich Dich lieb behal­te – Du, mein Alles! Mein Leben! Gelieb­tes, teu­res Weib! Mei­ne [Hil­de]!

Ich küs­se Dich her­zin­nig und hal­te Dich ganz lieb umfan­gen!

Dein glück­li­ches Man­ner­li! Ewig Dein [Roland]!

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.