13. Mai 1942

NachderSchlachtbeiCharkow
Drei Feld­we­bel des Infan­te­rie-Regi­men­tes 546 nach der Kes­sel­schlacht bei Char­kow und Isjum, Sowjet­uni­on, 31. Mai 1942. Urhe­ber: Hein­rich Frey, Lizenz CCA-SA 3.0 nicht por­tiert, über Wiki­me­dia Com­mons 09.2018.
[420513–1-1]

[Salo­ni­ki] Mitt­woch, den 13.Mai 1942

Gelieb­te! Her­zens­schät­ze­lein! Mei­ne lie­be, liebs­te Hil­de!

Du hast mich doch heu­te wie­der so reich beglückt, mir soviel Lie­be und Son­nen­schein gebracht mit dei­nem viel­lie­ben Boten am Don­ners­tag. Oh Her­ze­lein! Weißt du, was sie mir hier bedeu­ten in der Fer­ne? allen Lebens Freu­de und Son­nen­schein! Oh Her­ze­lein! Aus allen Zei­chen leuch­tet mir Dein gelieb­tes Wesen, Dei­ne wun­der­sa­me Lie­be! Du weißt, wie Du mich beglü­cken kannst und ganz erfüllst damit. Und wie­viel Sehn­sucht du auf­rufst in mir! Du! Du!!! Ganz nahe bist Du mir dann – bannst mich mit Dei­ner Lie­be – und weckst den Son­nen­strahl, ja, Du!!! Immer! Nur Du kannst ihn wecken, nur Du!!! Oh Her­ze­lein! Gelieb­te! Ich lie­be doch Dich allein! Dich ganz, ganz allein! Du!!! Ich bin doch ganz, ganz Dein! Du!!! Du!!!!! !!!!! !!! Und tie­fe, gute Her­zens­lie­be ist es, die uns ver­bin­det für immer und ewig! Die uns so Herz in Her­zen woh­nen läßt – so ganz eins! eins!!! Oh Du! Du!!! Ich bin sooo glück­lich mit Dir und kann es gar nicht in Wor­te fas­sen und kann nur bit­tend die Hän­de fal­ten: Möge Gott uns gnä­dig sein! Ach! Möch­te er bald Frie­den wer­den las­sen und uns gesund und wohl zuein­an­der füh­ren!

Eastern Front 1942-05 to 1942-11
Fall Blau, deut­sche Ein­mar­sche, Ost­front, 07.05.1942–18.11.1942. Lizenz CCA-SA 3.0 Unpor­ted de, über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018
Ges­tern brach­te die Zei­tung die Kun­de davon, daß nun die Schlacht im Osten wie­der begon­nen hat, im Süden setzt man den ers­ten Stoß an, er soll gewiß zu den Ölquel­len am Kau­ka­sus füh­ren. Mit dem Leben noch vie­ler Men­schen muß die­ser Frie­den bezahlt wer­den. Hast du wie­der ein­mal von Herrn G. gehört? Was wird dann sein, wenn der Feind im Wes­ten Osten gewor­fen ist [sic]?

Du hast gewiß auch von den neu­en Hel­den­ta­ten zur See der Japa­ner gele­sen. Sie stel­len die unse­ren bei­na­he in den Schat­ten. Sie sind ein rück­sichts­lo­ses Drauf­ge­hen, ein buch­stäb­li­ches Sichop­fern [sic], Früch­te einer Erzie­hung, die das Ich gering ach­ten lehrt und aus­löscht. Wird der Japa­ner jetzt nicht zum Bewußt­sein sei­ner Macht erst recht erwa­chen? Ist das nicht eine Gefahr auch für uns? Wer­den wir nicht, um den Japa­ner nichts nach­zu­ste­hen, zu ähn­li­chen For­men der Erzie­hung grei­fen müs­sen? Eine Tat­sa­che ist, daß er zunächst mit sei­nem Ein­satz dem Welt­krieg eine Wen­dung zu unse­ren Guns­ten gege­ben hat. Ach, wird denn die­se Welt jemals wie­der zur Ruhe kom­men? Wir las­sen nicht nach, dar­auf zu hof­fen und Gott dar­um zu bit­ten.

Die Zuikaku 1941
Japa­ni­sche Flug­zeug­trä­ger Zuika­ku. Herbst 1941. Kure City Muse­um of Mari­ti­me Histo­ry and Sci­ence (Kurei­ji Rei­ki Kaga­ku­kan), Japan. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2018. Wäh­rend der Schlacht im Koral­len­meer zur Vor­be­rei­tung der japa­ni­schen Lan­dung bei Port Mores­by in Neu­gui­nea im Mai 1942 schal­te­ten ihre Kampf­flug­zeu­ge die Lex­ing­ton aus und beschä­dig­ten die Yorktown.

Ein hei­ßer Tag war heu­te. Zur Gesund­heits­be­sich­ti­gung sind wir nur mit der Bade­ho­se beklei­det ange­tre­ten auf dem gro­ßen Platz – und es war gar nicht zum Frie­ren. Ach! [D]u hät­test Dir das schöns­te Man­ner­li aus­su­chen kön­nen. [Ich] Weiß nicht, ob Du zu Dei­nem Schlan­kerl gegrif­fen hät­test. Aber die Lie­be ist kein Markt, noch nicht, sie geht ein­sa­me Wege – und dar­in beruht aller Lie­be Glück, daß zwei ganz allein sich ganz von Her­zen gut sind und ver­ste­hen. Oh Her­ze­lein! Wenn ich wäh­len müß­te noch ein­mal aus Tau­sen­den – Dich! Dich! Nur Dich allein in der gan­zen Welt! Du! Mein Ein und Alles! Mein Herz­blatt! Mein Leben! Mein lie­bes Weib! Du!!! Das ganz einbezo[g]en ist in mein Leben! Um das all mei­ner Lie­be Sin­nen und Trach­ten kreist. Oh Her­ze­lein! Auf Dich ist all mein Seh­nen und Lie­ben gerich­tet! Ich will zu Dir! Mein Herz zu Dei­nem Her­zen! Dich will ich lie­ben! Dich ganz erfül­len! Der Lie­be All­ge­walt! Oh Du! Du!!! DU !!!!! !!!!! !!!

Gelieb­te! Sie ist nun in mir seit vier Jah­ren. Sie hat noch kei­ne Stun­de nach­ge­las­sen. Sie ist her­ein­ge­bro­chen in mei­ne Leben wie eine mäch­ti­ge Flut – mit Dei­nem lie­ben Boten – kei­nen mag ich mehr her­ge­ben – aber die­ser, er ist mir der teu­ers­te – oh Gelieb­te!!! Du! Ich weiß doch sel­ber nicht mehr, wie mir damals gesche­hen ist. Wie ein Wun­der ist sie gekom­men! Und so das glaub­te ich, daß sie wun­der­sam kom­men müß­te wie eine Him­mels­er­schei­nung, wie ein Engels­bild.

Ach Her­ze­lein! Hät­test Du sehen kön­nen, was Du mit Dei­nem Man­ner­li ange­rich­tet hat­test: [Du] Hast es ganz umge­stülpt und umge­krem­pelt, ganz aus der Bahn gewor­fen, ihm alle Ruhe genom­men, alles Gedan­ken zur Arbeit – hast sein Herz so zit­tern gemacht vor Unru­he und Unge­duld – oh, Her­ze­lein! Soviel Her­zen­sun­ge­duld! Ver­liebt war Dein Man­ner­li – oh Du! – ver­liebt ist doch gar nicht der rech­te Aus­druck dafür.

Ich kann­te Dich doch kaum. [Ich] Wuß­te nichts von Dei­nem Alter, Dei­nem Her­kom­men, von Dei­ner Gesin­nung. Aber ich fühl­te es: Hier klopft das Schick­sal an! Hier begeg­net Dir tie­fe, gläu­bi­ge Lie­be; Lie­be, die lei­den kann und treu sein – Lie­be die sich ganz ver­schen­ken und ver­schwen­den kann! Her­ze­lein! Und das hat mich doch im Tiefs­ten berührt und getrof­fen – daß ich habe wei­nen müs­sen – hat mich doch so ganz ver­wandt berührt – Her­ze­lein! Geschwis­ter­see­le! Oh Du! Du!!! Oh welch[‘] ein Seh­nen, welch[‘] eine Hoff­nung, welch[‘] ein Ahnen rei­chen Glü­ckes war nun in mir – es möch­te Wahr­heit sein und Wirk­lich­keit, möch­te Erfül­lung sein, das Engels­bild; das mir da begeg­ne­te – oh Her­ze­lein! Ver­hal­te­nes Jubeln manch­mal, und manch­mal lie­bes Ban­gen – – Und nun bist Du die mei­ne! Ja! Du bist es, Du!

Erfüllt ist mein Seh­nen! Wahr­heit ist es, Wirk­lich­keit das Engels­bild – und Jubeln erfüllt das Herz!

Oh seg­ne Gott uns[e]re Lie­be! Er sei mit Dir auf allen Wegen!

Her­ze­lein! Laß uns fein gedul­dig und tap­fer und stand­haft aus­hal­ten! Laß uns Gott ver­trau­en!

Ganz gewiß sind wir ein­an­der! Ich bin Dein – Du bist mein! So ganz! Im tiefs­ten Her­zen! Und das ist all unser Glück.

Du! See­len­ge­schwis­ter! Glück­brin­ger! Mein Lebens­ge­fähr­te! Mei­ne [Hil­de]! Gelieb­te! Her­zens­kö­ni­gin!

Ich habe Dich ganz uner­meß­lich lieb!

Ich küs­se Dich – Du! Du!!!

Ich blei­be ewig Dein [Roland],

Dein glück­li­ches Man­ner­li

 

Das Bes­te ruht ver­bor­gen

Tief in des Wesens Sein:

Die Per­le in der Muschel,

im Fels der Edel­stein.

 

Das Bes­te ruht ver­bor­gen.

Es will gefun­den sein,

ersehnt, geglaubt, umwor­ben,

gelieb­tet will es sein.

 

Das Liebs­te hier auf Erden

ist mir mein Schät­ze­lein.

Nichts Bess’res kann wir [sic] wer­den

als sei­ne Lieb‘ allein.

 

Im Her­zen wohnt die Lie­be,

im letz­ten Käm­mer­lein.

Ist eitel Gold und Won­ne,

ist Her­zens­son­nen­schein.

 

Und wer den Schatz will heben

im Her­zens­käm­mer­lein,

muß gläu­big, lieb und heim­lich

zum Her­zen gehen ein.

 

Und Leuch­te ist die Treue,

Ver­traun das Schlüs­se­lein:

Und dann ist lau­ter Lie­be,

selig Umfan­gen­sein!

 

Dein Her­zens­schät­ze­lein,

Dein Her­zens­dieb,

Dein glück­li­ches Man­ner­li,

Dein [Roland] – ewig Dein!

Eine Antwort auf „13. Mai 1942“

  1. Roland war sich im Vor­aus über die stra­te­gi­schen Zie­le von dem deut­schen Angriff 1942 auf die Sowjet­uni­on (“Fall Blau”) bewusst: Ölquel­len am Kau­ka­sus. Er hat sich auch mit den “neu­en Hel­den­ta­ten zur See der Japa­ner” iden­ti­fi­ziert. Er stell­te sich den Weg zum Frie­den (und damit zu Hil­de) immer noch durch einen mili­tä­ri­schen Sieg der Ach­se vor, was ihn gleich­zei­tig zum Nach­den­ken führ­te, ob die Japa­ner dadurch “eine Gefahr auch für uns” wür­den, und des­halb ob “denn die­se Welt jemals wie­der zur Ruhe kom­men” wür­de.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.