26. April 1942

Welthauptstadt germania 07
Film­mod­ell der Großen Halle (auch Ruhme­shalle oder Volk­shalle) mit dem Großen Beck­en, Teil der Ausstel­lung Mythos „Ger­ma­nia“ und „Tem­pel­stadt“ Nürn­berg im Nürn­berg­er Doku­men­ta­tion­szen­trum Reichsparteitags­gelände (7.04.2011 — 11.09.2011), Bild: Kater­Bege­mot, 2.05.2011, CC-BY-3.0 Unport­ed Attri­bu­tion Lizenz, 06.2017.

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[Saloni­ki] Son­ntag, den 26. April 1942

Herzelein! Mein liebes teures Weib! Meine [Hilde]!

Ein Son­ntag will wieder zu Ende gehen. Der näch­ste ist nun schon ein Maien­son­ntag. Früh­ling und Maien wird wieder. Aber in wessen Herz es nicht Früh­ling und Maien ist, den stimmt das Blühen und Froh­sein ring­sh­er [sic] nur trau­riger. Und ein Herz voll Sonne und Glück über­strahlt auch den dunkel­sten Win­tertag. Auf das Herz kommt es an. Auf den Men­schen, wie ihn all das um ihn her trifft und berührt. Früh­ling und Maien wer­den über­schäattet von dem Dunkel dieses Krieges. Der Men­sch kann sich das Leben und diese Erde zur Hölle machen. Und es war früher nicht anders als heute. Nur größer, über­mächtiger, unper­sön­lich­er erscheinen die bewe­gen­den Gewal­ten. Früher kämpfte ein Fürst um eine Stadt oder ein Länd­chen oder eine ver­let­zte Ehre oder um einen lohnen­den Gewinn, Beweg­gründe ganz per­sön­lich­er Art – heute bekämpfen sich Ideen, und der Kampf zieht die ganze Welt in Mitlei­den­schaft.

Und nun sehen wir uns mit­ten in solchen Kampf gestellt, schon lange, der Krieg ist nur der Aus­bruch eines tiefen Has­s­es und gären­der Gewal­ten. Noch vor drei Jahren kon­nte man sehen, wie die Men­schen über­all den Frieden wün­scht­en (nach der Münch[e]ner Zusam­menkun­ft), wie nie­mand Lust ver­spürte, die Mord­maschi­nen der mod­er­nen Tech­nik in Gang zu set­zen zu unendlichem Herzeleid. Und nun befind­et die Men­schheit sich doch wieder im umfassend­sten aller Kriege. In sein­er Total­ität und der Anspan­nung der Kräfte zumal daheim über­trifft dieser Krieg schon den vorigen Weltkrieg.

'Die Rede des Führers,' Das Kleine Blatt, 16/116 (27.051942), S. 1
‘Die Rede des Führers,’ Das Kleine Blatt, 16/116 (27.051942), S. 1, über shoa­por­talvi­en­na, 06.2017

Herzelein! [Du] Kannst Dir schon denken, wie ich zu diesen Gedanken komme. [Du] Wirst die Führerrede auch gehört haben. Am Mit­tag hörten wir, daß der Reich­stag ein­berufen sei. Wie immer, ist dann eine gewisse Span­nung: was wird dies­mal kom­men? was wird sie Neues brin­gen? Wir ahn­ten schon das Richtige, denn außenpoli­tisch liegt jet­zt nichts Beson­deres an – daß irgen­dein Gesetz ver­ab­schiedet würde, ver­muteten wir. Wer nicht richtig hinge­hört hat, dem ist das vielle­icht gar nicht klar gewor­den. Der Führer braucht neue, größere Voll­macht­en. Die Vorgänge und Gründe dafür müßt Ihr daheim bess­er ken­nen als wir. Es ist ein Rin­gen der per­sön­lichen Rechte gegen die Mach­tansprüche des Staates.

Herzelein! Ide­al gese­hen kann man das Schaf­fen eines Staats­man­nes dem eines Dom­baumeis­ters ver­gle­ichen. Aus dem gesteigerten Lebens­ge­fühl, dem Genie des Baumeis­ters entsprang der Plan zu einem gewalti­gen Bauw­erk. In ihm lebt dieses Werk, er ken­nt es, er liebt es, es ist ja sein Werk. Und nun geht er daran, den Plan in die Tat umzuset­zen. Und nun sehen wir, wie sein Wille alles in den Dienst an seinem Werke zwingt: den Stein­brech­er, den Stein­met­zen, die Kär­rn­er [Schw­er­ar­beit­er].

Bundesarchiv Bild 192-269, KZ Mauthausen, Häftlinge im Steinbruch
Häftlinge im Stein­bruch, KZ Mau­thausen, Öster­re­ich. Samm­lung KZ Mau­thausen, DBa Bild 192–269 / CC-BY-SA 3.0 de, über Wiki­me­dia Com­mons, 06.2017.
Und viele stöh­nen unter der Last, und Flüche und Schweißtropfen und Wider­stände, ja meist auch ein paar Men­schen­leben wer­den mit hineinge­baut. Und manch­er mag den für wahnsin­nig hal­ten, der dieses Werk in Gang set­zte. Und ist es ver­wun­der­lich? In dem Baumeis­ter sel­ber lebt dieses Werk, er allein kann es ver­ste­hen und überblick­en. Oft genug, daß er abstarb über der Vol­len­dung seines Werkes. – Und denken wir an die Steine selb­st, die zube­hauen [sic] und auserse­hen sind zu diesem Bau. Manche, die bes­timmt sind, in den Fun­da­menten, blind, ewig Last zu tra­gen. Manche, die zu dem lufti­gen Zier­rat auserse­hen sind. Und in den getürmten Las­ten ein ewiges Rin­gen der Las­ten, der Schwere mit ihren Wider­stän­den und Wider­lagern [sic], des Gewölbes mit seinen Stützen.

Und so kön­nen wir in Adolf Hitler einen Reichs­baumeis­ter am Werke sehen, der Großes zu bauen im Sinne hat – und das Werk ist begonnen wor­den – und wir kön­nen nicht anders sagen, als daß es mit Genial­ität und einem unbändi­gen Willen begonnen wurde – einem beina­he furcht­baren Willen, dem mächtig­sten Men­schen­willen derzeit auf Erden. Wir ken­nen die Bau­pläne sowohl im Anfang als auch in (seinen) ihren Einzel­heit­en nicht. Wir erfahren es nur, wie dieses Mot­to and[e]re Mitlei­d­sre­gun­gen niederzwingt und bricht, und sich dien­st­bar macht, wie dieser Baumeis­ter seine Arbeit­er zu immer neuen und größeren Anstren­gun­gen zwin­gen muß, und ihnen alle Eigen­willigkeit­en nehmen [sic]. Das begann ja schon in Frieden­szeit­en, und das mußte sich in Kriegszeit­en naturgemäß steigern. Wir ver­ste­hen den Baumeis­ter und ver­ste­hen die Bauleute. Es kann nicht jed­er Baumeis­ter wer­den, die meis­ten müssen Bauleute sein. Und [sie] haben doch auch ihren Plan, mag er auch klein­er sein, und [sie] haben auch ihren Willen und lieben auch ihre Frei­heit. Und wir erleben es, wieviel Schmerzen solche gestörte Pläne, solche gebroch­ene Willen bere­it­en kön­nen. Es ist nicht nur immer man­gel­nde Ein­sicht, man­gel­nder Weit­blick, der die Men­schen zum Wider­stand bringt. Stärk­er als Ein­sicht und Ver­nun­ft wirkt in uns der Wille. So bedin­gungslose Gefol­gschaft ist noch nie von uns ver­langt wor­den wie jet­zt. Eine Welt in Schmerzen sehen wir. Möcht­en sie die Geburt eines guten Friedens ankündi­gen, ein­er größeren, besseren Frei­heit. Kön­nen wir daran glauben? Kön­nen wir dem Baumeis­ter ver­trauen? –

Wer kann das Schick­sal ergrün­den? Und wer von uns, die zum mit­bauen bes­timmt sind, kann die Wun­den und Schmerzen überse­hen? Wessen Blick ist nicht getrübt durch eige­nen Schmerz, und sei es nur den der Tren­nung oder ein­er kleinen ver­lore­nen Frei­heit? Und wessen Herz hinge nicht an den eige­nen Plä­nen, so wie der Baumeis­ter an den seinen? –

Herzelein! All diese Gedanken und Fra­gen wer­den immer lebendig, wenn der Führer sel­ber das Wort ergreift. In diesen Stun­den wird uns bewußt, scheint es, als ob Men­schen die Führer und Wal­ter des Geschick­es seien. Sie sind in Wirk­lichkeit nur rsseine Voll­streck­er. Es geschieht nichts ohne Gottes Willen. Und wir kön­nen nur ganz stille wer­den und Gott bit­ten, daß er mit unserem Volke nicht ins Gericht geht, daß er ihm gnädig und barmherzig sei.

Herzelein! Schätzelein! Ich war doch erst gar nicht so voll ern­ster Gedanken – war so ganz froh hingegeben Dein­er Liebe, die mit Deinen lieben Boten zu mir gekom­men ist. Die bei­den Nachzü­gler vom Mittwoch und Don­ner­stag sind endlich angekom­men – und sechs Päckchen! Ach Herzelein! Du bist zu gut mit mir! Du! Du!!! Wie soll ich Dir denn danken für alle Liebe?

Oh Geliebte!

Und was auch kom­men mag, was auch kom­men mag – ich weiß mich mit Dir eins, ganz eins in heißer, inniger, ewiger Liebe, und bin dessen ganz froh gewiß, in unlös­bar­er Herzensver­bun­den­heit. Diese Liebe wird in mir sein und bleiben bis in den Tod. Und mit dieser Liebe wird uns auch die Hoff­nung bleiben, und diese Liebe wird uns die Kraft schenken, durchzuhal­ten – ach Herzelein! Alle Kraft kommt von ihr, einzig von ihr. Und wir wer­den nicht ablassen, Gott zu bit­ten um seinen Segen, seine Gnade. Oh, möge er Dir allzeit beis­te­hen! Ihm befehlen wir uns an, ihm allein.

Oh Herzelein! Wenn ich Deine Liebe nicht hätte in dieser Zeit! Sie hat den Grund gelegt zu rein­er, tiefer Herzens­freude – und die kann mich nicht ver­lassen, die weiß ich immer mit mir, mein Glück, mein Schatz, mein Alles!

Geliebte! Eine Sonne ist unseren Herzen aufge­gan­gen mit uns[e]rer Liebe – sie muß zulet­zt alle Wolken sieghaft durch­drin­gen – sie ist in unseren Herzen, und solange die schla­gen, kann sie nicht unterge­hen.

Herzelein! Spät ist es gewor­den. Ich muß nun aufhören heute. Bald kann ich Deine lieben Hände wieder fassen.

Ach Du! Ich halte sie ja immer ganz fest, Dich, mein Her­zlieb! meine Sonne, mein ganzes Glück.

Oh Geliebte! Laß Dir danken mit mein­er Liebe.

Dein bin ich! Dir schlägt mein Herz! Ich lasse Dich nim­mer­mehr. Ich küsse Dich! Ich drücke Dich ganz lieb an mich – Du! mein Ein und Alles! mein Leben! Wie mein eigen Leben halte ich Dich fest! Ich liebe Dich sooooooooooooo sehr!

Ewig Dein [Roland].

Dein glück­lich­es Man­ner­li.

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