24. März 1942

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43.

Diens­tag, am 24. März 1942.

Herz­al­ler­liebs­ter mein! Her­zens­schät­ze­lein! Mein [Roland]!

Du!! Oh Du!!! Ein Mor­gen ist, so tau­frisch und schön, wie er nur in der erwa­chen­den Früh­lings­zeit sein kann. Mein Herz ist vol­ler Sehn­sucht, vol­ler Lie­be und Son­ne! Oh mein Gelieb­ter! Ich den­ke doch ganz innig Dein! Du mußt es füh­len, mein’ ich – Du mein Her­zens­schatz! Und in all mei­ne Her­zens­se­lig­keit hin­ein kom­men jetzt zwei Boten von Dir, Gelieb­ter! Mein [Roland]! Sie sind so voll Schwer­mut und Heim­weh – voll Sehn­sucht, schwer­mü­ti­ger Sehn­sucht. Ach, Du mein gelieb­tes, gutes Her­ze­lein! Komm an mein Herz! Komm ganz nahe zu mir, birg Dein lie­bes Köpf­chen an mei­ner Brust – mein!

Du bist bei mir ganz gebor­gen, Gelieb­ter, bist daheim. Auch über alle Fer­ne schlägt Dir mein Herz in Lie­be und Treue – unwan­del­bar! Oh lehn’ Dich ganz fest an mich! Laß mich Dein Seh­nen, Dein Heim­weh stil­len! Du!! Ganz lind und leis laß mich Dein Köpf­chen strei­cheln[,] Dei­ne Wan­gen – laß mich Dei­ne lie­ben Augen küs­sen, Du! Dei­nen Mund. Oh mein [Roland]! Mein gelieb­tes Her­ze­lein[,] ich bin bei Dir! Du!! Ich hal­te Dich sooo innig umschlos­sen. Ich gehö­re doch zu Dir! Du!!! Dein Weib! Dein bes­ter Kame­rad, Dein liebs­ter Wan­der­ge­sell auf unser[e]m Wege – dem Weg in die Zukunft! Du!! In uns[e]re gemein­sa­me Zukunft! Mein [Roland]! Gelieb­ter!! Du!!!!!!!!!!!!!

Ich bin immer, immer bei Dir – kom­me was wol­le! Oh mein Her­ze­lein! Ich will dar­an den­ken, daß jetzt, zu die­ser Stun­de Dein Gemüt wie­der erhellt ist vom Glanz uns[e]rer Lie­be, die ich Dir täg­lich auf den Weg schi­cke! Daß auch das Licht, das nie ver­gäng­li­che, uns[e]rer Son­ne am Him­mel Dein Herz hell gemacht und erwärmt hat! Oh ich glau­be es, Du! Immer scheint ja die Son­ne, am Him­mel, wie in uns[e]ren Her­zen; Wol­ken sind es nur, ver­gäng­li­che, die für Tage oder Stun­den ihr Strah­len ver­de­cken. Unver­sieg­bar sind die Quel­len ihres Lich­tes und ihrer Wär­me! Oh, den­ke immer dar­an, daß unser Lie­ben der Son­ne gleich ist! So urge­wal­tig, kraft­voll, unver­gäng­lich, so lebens­spen­dend und erha­ben über alles Irdi­sche. Eine Kraft aus Got­tes Hand ist auch unse­re Lie­be, dar­um ist sie unver­gäng­lich. Mein [Roland]! Mein! Oh ich bit­te Dich! Glau­be an mich und mei­ne Lie­be! An mei­ne Treue zu Dir! Ver­traue mit mir auf Gott! Er wird uns nach aller Wirr­nis zum rech­ten Pfad füh­ren. Ganz still hal­ten wol­len wir sei­nem Wil­len. [Wir] Wol­len uns in Lie­be hel­fen, den Sinn sei­nes Spru­ches zu erken­nen. Her­ze­lein! Sei­ne Kin­der wol­len wir blei­ben. Und ganz fest Hand in Hand, uns[e]re Her­zen ein­an­der nur noch inni­ger zuge­wandt und auf­ge­tan, wol­len wir wei­ter­ge­hen auf dem Weg, von dem wir fel­sen­fest glau­ben, daß er uns zum Lich­te führt! In eine hel­le Zukunft! Oh Gelieb­ter! Beden­ke froh mit mir, wie gnä­dig uns der Herr­gott bis auf den heu­ti­gen Tag war! Ohne Furcht laß uns vor­wärts, auf­wärts bli­cken! Du!!! Wir sind so jung noch! Gesund und stark! Bereit, unter Ein­satz aller Kräf­te für unser Glück zu kämp­fen. Wir las­sen uns nicht unter­krie­gen! Nie und nim­mer! Ich ste­he zu Dir und zu unsern [sic] Vater im Him­mel so uner­schüt­ter­lich fest und treu – kei­ne Macht der Erde kann mich mei­nes Wil­lens berau­ben: Mein [Roland], Du, Schät­ze­lein! Hast Du es nicht schon gespürt im Leben, welch unbän­di­ge Kraft uns uns[e]re Lie­be ver­leiht? Das ist mir immer wie­der ein unfaß­li­ches [sic] Wun­der, wenn ich es erken­ne. Eine Him­mels­macht ist uns[e]re Lie­be! Und so lan­ge Leben in uns ist, ver­läßt sie uns nicht! Ich weiß, alles kann man ertra­gen aus Lie­be. Wir wer­den auch die Zeit uns[e]rer Tren­nung ertra­gen! Du!! Gelieb­ter!! Du weißt, daß ich Dir stets lie­bend zur Sei­te ste­he, in allen Lebens­la­gen. Ich will teil­ha­ben an Dei­nem Schmerz wie an Dei­ner Freu­de — nur so kann uns[e]re Lie­be immer voll­kom­men blei­ben. Du!!!

Und ich bin glück­lich, daß Du in Dei­nem Schmerz und in Dei­ner Sehn­sucht nach der Hei­mat den rech­ten Weg fin­dest, den Weg zu mir, die ich Dei­nem Her­zen am nächs­ten [st]ehe. Oh Her­ze­lein! Ich will gar­nicht trau­rig sein, will Dir zei­gen, daß Du mir das Leben gar­nicht schwer machst, wenn Du mir ein­mal Dein Herz aus­schüt­test! Du!!! Du sollst füh­len und wis­sen, daß ich Dein glück­li­ches Weib bin! Über­glück­lich um das köst­li­che Geschenk: Dei­nes Ver­trau­ens. Oh Du! Kom­me immer zu mir Her­ze­lein, mit allem, was Dein Herz bewegt! Lass uns ganz lieb und treu zusam­men­ste­hen! Lass uns ein­an­der trös­ten und tra­gen hel­fen un uns[e]rm Geschick. Es ist kein leich­tes Los, wenn zwei Lie­ben­de ein­an­der fer­ne leben müs­sen. Aber dar­an laß uns den­ken, Gelieb­ter! Es ist Not­zeit, Krieg. Das Vater­land braucht sei­ne Söh­ne zur Erhal­tung und zur Ver­tei­di­gung sei­nes Frie­dens und sei­nes Erd­bo­dens. Neben uns ste­hen Mil­lio­nen Tapf[e]rer, die wie wir war­ten und hof­fen auf den ersehn­ten Frie­den. Gott hat uns geseg­net, er stand uns im Kamp­fe zur Sei­te – es muß sein Wil­le sein – so hart und bit­ter er für man­che ist – daß die­ser Krieg ent­brann­te.

Erst an sei­nem Ende wer­den wir ermes­sen kön­nen, wozu es hat sein müs­sen. Du sollst wis­sen, daß ich daheim ganz tap­fer aus­har­re – wie könn­te ich anders?! Und wenn ein­mal eine Stun­de kommt, wo es uner­träg­lich scheint, das War­ten, das Gedul­den – dann führt uns uns[e]re Lie­be hin zum ande­ren Ende des unlös­ba­ren Ban­des, das uns umschlingt : da steht der and[e]re, der Liebs­te, der doch da sein muß, daß unser Band nicht zer­reißt! Er steht treu und tap­fer, harrt wie ich und wacht über unser[e]m Glü­cke – wie kannst du ihm sein War­ten leich­ter machen? Wie ihn erfreu­en und Lie­be erzei­gen? Sieh Her­ze­lein! Das Wohl um das Her­ze des uns in Lie­be ver­bun­de­nen Men­schen, das ist es, was uns hoch über allen klein­li­chen Welt­schmerz hin­aus­hebt, das ist der Inhalt uns[e]res All­ta­ges, uns[e]res Lebens über­haupt. Und über­all wo wir Gutes tun, wo wir uns ein­set­zen, sei es nun im Beru­fe oder in der Pflicht dem Vater­lan­de gegen­über, da quillt doch aus der Tie­fe uns[e]res Tuns der gol­de­ne Schein her­vor: ich tue es für ihn, ich den­ke dabei nur an ihn – ich hel­fe ja mit, mit allen guten Kräf­ten, den Sieg zu errin­gen und damit dem Frie­den näher­zu­kom­men! Ach Du!

Sag? Erkennst Du das auch wie ich, Her­ze­lein?

Und wenn es in der Welt tau­send­mal schwär­zer aus­sieht als in unser[e]m Her­zen, was kümmert[‘]s uns? Müs­sen wir nicht jedem Tag alle, die kleins­te Freu­de auch abrin­gen? Wenn nicht jeder sel­ber den Mut und die Kraft dazu hat – in den Schoß fällt sie uns nicht, dazu sind die Zei­ten viel zu ernst.

Ach Du! Wie arm­se­lig wäre doch unser Dasein jetzt, woll­ten wir im dump­fen Dahin­brü­ten und War­ten, ohne Lust und Freu­de an den Din­gen in der schö­nen Got­tes­welt, jedes an sei­nem Orte sit­zen! So soll und darf es nicht sein. Wir wol­len doch Herz und Sinn leben­dig und froh erhal­ten für den Tag, der uns end­lich zusam­men­führt! Du!!! Ach Gelieb­ter! Und mit dem auf­stei­gen­den Lich­te wird uns alles leich­ter fal­len! Nur Mut! Nur frisch vor­an! Ach Du! Ich will Dir doch mit all mei­nen Wor­ten nur sagen, wie ich zuver­sicht­lich und froh­ge­mut bin um unse­re Zukunft, Gelieb­ter!!!

Und ich will Dich anste­cken mit mei­ner Her­zens­freu­de! Du!!! Ich möch­te Dir all mei­ne Lie­be erwei­sen. Gelieb­ter! Wo uns auch das Schick­sal hin­stellt, eines ist gewiß: Wir wer­den immer fest zusammensteh[e]n! Ich bin Dir Hei­mat, Zuflucht, Hort der Lie­be alle­zeit. Wis­se es, mein Her­zens­lieb! Ver­giß es nie!

Und was ich auch in der Hei­mat tue aller­wärts – ein Gedan­ke beseelt mich immer­fort: unse­re Lie­be zu hüten – mich Dir zu erhal­ten und stets lieb und wert zu erwei­sen, mein Her­ze­lein!!

Ach, wenn uns nur unser Herr­gott gnä­dig bleibt, uns gesund erhält, an unse­ren Kräf­ten soll es nicht man­geln, zum Ziel zu kom­men! Gelieb­ter! Oh mein Gelieb­ter! Sag?

Willst Du mit mir ganz tap­fer vor­wärts­ge­hen? Willst ganz froh und glück­lich Dich mir anver­trau­en, Dei­nem Wei­be, in allen Din­gen? Oh Du!! Du!!! Willst nie böse Zwei­fel auf­kom­men las­sen, die an der Wur­zel uns[e]rer Lie­be nagen wol­len?

Gelieb­tes Herz! Ich bin Dein Weib, in aller Lie­be, aller Treue und aller Hin­ga­be blei­be ich Dein! Den­ke immer dar­an, wenn sich wie­der ein­mal eine Wol­ke vor die Son­ne uns[e]res Lie­bes­glü­ckes schie­ben will. So hin­ge­bend, so treu, so aus­schließ­lich wie ich Dich lie­be, so sollst auch Du mich lie­ben, mein [Roland]! Ich blei­be Dir – in Ewig­keit.

Und ich weiß, Du bist ganz mein, Gelieb­ter! Du! Ganz lieb den­ke ich an Dich! [Ich] Küs­se Dich her­zin­nig! Ich möch­te Dir doch alle Schwer­mut weg­neh­men, Her­ze­lein! Kann ich es mit mei­nem Lieb­sein und Gut­sein? Ich möch­te doch immer Dein Son­nen­schein blei­ben! Du!!! Ach Gelieb­ter! Wenn Du jetzt leib­haf­tig vor mir stün­dest, Dei­ne Augen müß­ten bald wie­der ganz hell strah­len, wie immer, wenn Du bei mir bist, Du! Oh Du!!!!! Her­ze­lein! Du!! Ich lie­be Dich! Oh, unend­lich! Gott sei Dir gnä­dig – er erhal­te Dich gesund!

Er füh­re uns bald für immer zusam­men! In unend­li­cher Lie­be und Treue blei­be ich Dein!

Ewig Dei­ne [Hil­de]! Mein!!!

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