06. März 1942

[430306–2‑1]

Frei­tag, am 6. Febru­ar 1942. [wahr­schein­lich: 6. März 1942]

Herz­al­ler­liebs­ter! Her­zens­schät­ze­lein! Du!!

Ich habe ihn mir ins Haus geholt, Du!!!!! Dei­nen lie­ben, lie­ben Boten! Her­ze­lein! Ach – ich konnt‘ es doch ges­tern kaum noch ertra­gen wie mich die Sehn­sucht nach Dir quäl­te. Als ich den Boten für Dich zur Post trug, da bin ich zu Herrn G. gegan­gen und habe ihn gebe­ten, daß er ein­mal nach­schaue, ob für mich etwas da sei. Und wahr­haf­tig, kur­ze Zeit spä­ter hielt ich zwei Brie­fe von Dir ein der Hand, Gelieb­ter! End­lich!!! Wie bin ich heim­ge­eilt! Vol­ler Freu­de im Her­zen. Ach Du!!!

Nun schien doch die Son­ne wie­der! Du! Es ist mir immer fürch­ter­lich, wenn ich sooo auf Dich war­ten muß, Her­ze­lein! Ich will mir‘s oft selbst nicht ein­ge­ste­hen. Aber es ist schon so. Ich kann kei­nen Tag mehr sein ohne Dich! Ich hab[‘] Dich zu sehr lieb, mein [Roland]!! Ach – ich kann mir auch nicht den­ken, daß wir eines Tages von unser[e]m lie­ben Brauch abwei­chen wür­den, nicht mehr täg­lich zu schrei­ben! Wenn es auch nur mal ganz wenig ist, wenn auch mal nur kur­ze Zeit uns zum Schrei­ben bleibt, weil die Geschäf­te des All­ta­ges sich drän­gen[.] Zeit zu einem Lebens­zei­chen, zu einem lie­ben Gruß muß immer blei­ben. Die böse Fer­ne macht sowie­so schon Ver­spä­tun­gen genug! Wenn wir dann auch noch eini­ge Tage dazwi­schen las­sen woll­ten, ehe wir mal wie­der schrei­ben, ach! Da könn­ten [w]ir ja gleich 14 Tage auf Post war­ten. O nein!! Du! Her­zens­man­ner­li! Ich brau­che Dich und Dei­ne Lie­be wie den Son­nen­schein – wie die Luft zum leben! Du bist mir ganz unent­behr­lich! Du bist mir auch ganz uner­setz­lich!

Ich brau­che Dich, um leben zu kön­nen, Du!!! Um glück­lich zu sein!! Oh mein [Roland]! Ich muß Dich sooooooooooooo lieb­ha­ben. Ich mag Dich nim­mer­mehr mis­sen in mei­nem Leben! Nim­mer­mehr las­se ich Dich los! Du!!! [Du] Bist ganz[,] ganz der Mei­ne!!! Du!!!!! !!!!! !!! Wenn ich Dich nicht um mich weiß, mit mir weiß und füh­le, dann spü­re ich, wie etwas fehlt, wie eine Lee­re da ist im Innern, Du hast einen Platz in mei­nem Her­zen, nun mußt Du ihn immer ein­neh­men und gera­de, weil Du mir noch fer­ne sein mußt, kannst Du mich nicht inni­ger erfreu­en und beglü­cken, als mit dem treu­en Mein­ge­den­ken [sic]. Es ist mir eben­so wie Dir ergan­gen, Her­ze­lein. Als Du nun end­lich wie­der den ers­ten Boten von mir erhiel­test: es ist, als ob ich nun wie­der Dei­ne Hand in der mei­nen fühl­te, als ob eine Tür auf­ge­tan wäre! Ach – alles das ist Aus­druck des beglü­cken­den Gefühls inni­gen Nahe­seins, glück­haf­ten Ver­bun­den­seins. Wir sind See­len­ge­schwis­ter – Lie­ben­de… kön­nen nur glück­lich leben, wenn wir umein­an­der sind, inein­an­der ruhen mit unse­ren Wesen. Das inne­re, wesen­haf­te Nahe­sein kann auch die Sehn­sucht nach der kör­per­li­chen Nähe über­tö­nen, wenn die Lie­be zwei­er Men­schen tief im Her­zen ver­an­kert ist. Du! Unse­re Lie­be ist ganz tief im Her­zen ver­an­kert! Unlös­lich sind wir ein­an­der ver­bun­den – für immer anein­an­der­ge­ge­ben. Wir sind uns des­sen so gewiß, daß es sich kaum lohn­te, noch ein Wort dar­über zu ver­lie­ren. Doch nichts kann uns mehr beglü­cken, als vom Gelieb­ten sei­ner gan­zen und tiefs­ten Lie­be ver­si­chert zu wer­den. Und umge­kehrt kann unser[e]m über­vol­len Her­zen nichts bes­ser Aus­druck geben für das wun­der­sa­me, gewal­ti­ge Gefühl, als die alten, immer neu­en Wor­te des gro­ßen Wun­ders Lie­be, daß [sic] uns so ganz in sei­nen Bann geschla­gen hat. Oh wie glück­lich bin ich mit Dir, mein [Roland]. Und so ganz voll­kom­men ist mein Glück­lich­sein doch erst, weil ich weiß wie Du mich liebst! Du!!! Weil ich füh­le, was ich Dir bin! Oh, Du mein gelieb­tes Man­ner­li! Du machst mich zum glück­lichs­ten Wei­be auf Got­tes Erde! Dei­ne Lie­be ist unend­lich groß und tief! Tief­be­glückt, mit Trä­nen in den Augen habe ich das köst­li­che Geschenk Dei­ner Lebe und Dei­ner Treue und Ver­eh­rung zu mir wie[de]r emp­fun­den, als ich all Dei­ne Wor­te in mich auf­nahm, die Du mir dazu sagst, daß ich die­ses Amt annahm. Gelieb­ter!

Ich ver­ste­he Dich so ganz! Wie auch Du mich ver­stehst. Laß uns die­ses köst­li­che Ver­ste­hen nicht in Wor­ten zer­re­den. Wie eine stil­le, glück­li­che Lieb­ko­sung ist mir das erschie­nen, was Du mir zu sagen hat­test, dazu – wie eine Dei­ner stum­men Bewe­gun­gen, wenn Du bei mir bist und ich ohne Wor­te ganz Dein Ver­ste­hen spü­re. Ich dan­ke Dir, mein [Roland]. Dei­ne Hal­tung macht mir Dei­ne stum­me Bit­te nur noch ein­dring­li­cher bewußt. Dei­ne Lie­be und das glück­li­che Gefühl in Dir gebor­gen zu sein, wird mich lei­ten in allen mei­nen Ent­schlüs­sen. Ich habe Dich ganz ver­stan­den, Gelieb­ter! Und es wäre mir eine Beru­hi­gung zu wis­sen, daß Du Dich auch im Gehei­men nicht mehr sorgst und beschäf­tigst mit den Din­gen, als es not­wen­dig ist.

Ich bin Dein Weib, Dei­ne ange­trau­te Frau. Und wenn ein Mensch all das, was die­se Tat­sa­che in sich birgt, miß­ach­tet, ganz gleich auf wel­che Art – dann weißt Du, mein [Roland], daß ich mich zu mei­nem Beschüt­zer flüch­te, mich allein zu ihm beken­ne.

Es gibt kei­ne Gefahr, in die ich mich ver­stri­cken kann, das spü­re ich so gewiß.

Gelieb­ter! Die Zeit zwingt uns zu man­cher­lei Ent­schlüs­sen, die wir allein, nur auf uns gestellt tref­fen müs­sen. Ein Trost ist uns: das wird nicht Dau­er­zu­stand blei­ben.

Du bist mein und uns[e]res Hau­ses Beschüt­zer und der sollst Du schon jetzt erst recht sein und immer blei­ben. Dar­um ver­ste­he ich Dich auch voll und ganz, daß Du mir sagst und rätst, wenn ich für eine Zeit aus die­sem Schut­ze her­aus tre­te, was mir und uns zum Schut­ze dient und wie gut und lieb Du mich schüt­zen möch­test.

Her­ze­lein! Du hät­test mich nicht recht lieb und hiel­test mich nicht recht wert, wenn Du in dem Augen­blick nichts dazu sag­test, wenn ich auch für kur­ze Zeit nur aus Dei­nem Schut­ze tre­te. Hin­ter allen Dei­nen Zei­chen sehe ich Dei­ne gro­ße war­me Lie­be und Treue leuch­ten. Sehe ich Dei­nen Wunsch, wie Du mich so ganz an Dein Herz neh­men möch­test! Wie Du mich so unend­lich wert hältst. Wie Du mir alles zulie­be tun möch­test und doch am aller­liebs­ten immer um mich sein möch­test! Ach, mein [Roland]! Wir wol­len bei­de ganz treu und fest an Gott, unse­ren Vater uns hal­ten, ihm glau­ben, ihm ver­trau­en! Er wird uns den Tag besche­ren, da alle Her­zens­not ein Ende hat, da wir uns beglückt an den Hän­den hal­ten un[d] selig uns in die Augen schau­en, weil es uns schier unfaß­bar sein wird: für ganz, für immer anein­an­der­ge­ge­ben!

Oh Du! Mei­ne Hoff­nung, mei­ne Zuver­sicht wird nie erkal­ten. Der Herr­gott wird uns den glück­lichs­ten Tag uns[e]res Lebens nicht ver­sa­gen. Er hat uns sei­ner Lie­be so oft ver­si­chert, wir kön­nen gar­nicht [sic] anders – wir müs­sen ihm ver­trau­en, so ganz!

Ach Du mein herz­al­ler­liebs­tes Man­ner­li! Mein!

Ganz fest, ganz nahe möch­te ich mich doch jetzt an Dei­ne Brust schmie­gen – möch­te mich gebor­gen füh­len an Dei­nem guten, treu­en Her­zen. Es schlägt nur für mich! Du!!! Mein [Roland]! Voll inni­ger Dank­bar­keit küs­se ich Dich! Dei­ne lie­ben Augen!

Du bist mein gan­zes Glück!

Ich lie­be, lie­be Dich!

Gott behü­te Dich Dei­ner treu­en [Hil­de].

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