08. Februar 1942

[420208–2-1]

Am Sonn­tag­abend um ½ 10 Uhr.

Mein Her­ze­lein! Du mein her­zens­gu­tes Man­ner­li!

Oh Du! Mein Gelieb­ter!! Du!!! Du Aller­liebs­ter! Ich hab es doch gewußt – Du Ein­zi­ger! Bes­ter! Liebs­ter, die Trä­nen ver­dun­keln mir den Blick, ich muß so sehr wei­nen vor Lie­be und Glück und Dank­bar­keit. Oh Du! Mein Herz ist so voll, so ganz über­voll. Ist es die süße Her­zens­lie­be allein? Ist es der wehe Abschieds­schmerz? Oh Du! Ich kann mir dar­auf selbst nicht ant­wor­ten. Ich füh­le nur so heiß und mäch­tig, oh so urge­wal­tig, wie ich Dein bin mit allem, was ich bin und habe! Oh Du!!! Nun bist Du mei­nem Auge ent­schwun­den – ich habe mich tap­fer gehal­ten bis zum letz­ten Moment.

Ach Schät­ze­lein! Gelieb­tes, teu­res Man­ner­li mein! Dir kann ich und muß ich es sagen, wie weh mir ums Her­ze ist, wie ich wei­nen muß­te von dem Augen­blick an, da Du mei­nem Bli­cke ent­schwan­dest. Oh, mein Gelieb­ter! Wie lie­be ich Dich! Wie hän­ge ich mit all mei­nem Herz­blut an Dir! Wie wun­der­bar durch­strömt es mein Herz wenn ich in Dei­ne lie­ben, ach so lie­ben Augen sehe, Du! Nun bin ich wie­der daheim bei den lie­ben Eltern. Sie war­te­ten auf mich und wir haben noch ein Weil­chen bei­sam­men geses­sen und Dein gedacht. Oh mein Her­ze­lein, wir haben Dich doch alle so ganz von Her­zen lieb. Jedes auf sei­ne Art. Du!!! Nun sind die Eltern ins Bett. Ich schick­te mich auch an so zu tun, um die Eltern beru­higt schla­fen zu las­sen. Du! Ach Du!!! Du weißt es ja, mein Gelieb­ter! Wo Du bist, muß auch ich sein – wenn auch nu[r] in Gedan­ken. Her­zens­schatz! Ich bin doch jetzt noch ganz bei Dir! Du!!! Ganz lieb und nahe, wie immer, Du! Ach Du! Nun schaut mich Dein Bild wie­der an, so voll Lie­be und Glück! Ach, Du! Ich kann doch soooo von Her­zen froh sein, wenn ich Dich so schaue. Ich hab[‘] Dich lieb! Dein Geschenk­buch habe ich mir geholt, Du!!! Du herz­li­ches, gutes Man­ner­li! Ich hab[‘] es doch gewußt! Die Lie­ber, Guter! Oh, wie möch­te ich Dir ganz lieb dan­ken für Dei­ne Lie­be! Du! Gelieb­ter! Die Trä­nen drän­gen sich gewalt­sam vor – ach Du!! Nun bist Du kaum fort von mir und ich brau­che doch nur heim­keh­rend die Hand aus­stre­cken – und schon hal­te ich mein Glück! Oh Du!! Du!!! Gelieb­ter! Ich dan­ke Dir! Mit all mei­ner hei­ßen Lie­be und mei­ner Treue.

Was Lie­be­res konn­test Du mir zum Geden­ken schrei­ben? Du! Dei­ne Lie­be ist all mein Glück, ist all mein Son­nen­schein, mein Leben! „O Herr­gott im Him­mel, ste­he du uns bei in die­ser har­ten Zeit! Sei uns Schutz und Zuflucht, las­se uns nicht allein! Zie­he uns nur fes­ter hin zu Dir! Stär­ke uns[e]re Her­zen, rüs­te uns immer mit neu­em Glau­ben! Blei­be unser güti­ger Vater! O hal­te du uns fest an dei­ner star­ken Hand, behü­te mir mein Liebs­tes, mein Aller­liebs­tes!“

Gelieb­ter! Das sind die Wor­te, die ich unter hei­ßen Trä­nen mit fest gefal­te­ten Hän­den auf der Heim­fahrt immer wie­der auf mei­nen Lip­pen bewe­gen muß­te. Mein [Roland], wo außer Dir und mei­nem Herr­gott fin­de ich Gebor­gen­heit, Halt und See­len­frie­den? Oh Gelieb­ter! Laß uns wie­der ganz fest und treu zusam­men­ste­hen in der kom­men­den Zeit! Nicht fal­len, nicht wan­ken! Auf­wärts, vor­wärts den Blick! Mit Gott wol­len wir vor­an­ge­hen, nichts soll uns ban­ge machen. Mein [Roland]! Ich will Dein aller­bes­ter Kame­rad sein, heu­te – immer, mein gan­zes Leben lang! Du!!! Gott hel­fe mir.

Ach Her­ze­lein! Ich woll­te heu­te Abend ein ganz fröh­li­ches Gesicht zei­gen. Von aller Lie­be und Dank­bar­keit durch­leuch­tet, die mir die kost­ba­ren Tage mit Dir bescher­ten. Ach Gelieb­ter! Es ist so schwer jetzt – ich muß erst ein­mal schla­fen, mich aus­wei­nen. Wenn ich alles Weh ver­ber­gen soll, dann schmer[zt es um so [sic] mehr, umso län­ger. Du ver­stehst mich, mein Her­zens­lieb. Es ist nur heu­te so weh – ich bin Dei­ne tap­fe­re [Hil­de], trotz­dem! Ach, Du weißt es! Du mußt es wis­sen! Ich bin stark, so stark für Dich – um uns[e]rer Lie­be wil­len! Du! Sie darf nicht unter­ge­hen, nun und nim­mer­mehr! Du!!!!! !!!!! !!! Ich weiß Dich bald in Dres­den. O Du wirst gut acht­ha­ben. Ich ver­fol­ge Dich noch wei­ter Her­ze­lein, noch weit, weit – bis mich der Schlaf in sei­ne Arme nimmt. Oh wie will ich auf Dei­nem Kopf­bett­lein lieb an Dich den­ken! Dein Nachthe[md]lein zie­he ich an, Du! [Ich] Will Dir noch ein­mal so ganz nahe sein, Gelieb­ter. Ach, ich habe Dich so unsag­bar lieb! Sooooo lieb! Ich weiß nicht wie ich Dir mei­ne Lie­be doch ein­mal so ganz gewiß aus­drü­cken kann! Oh Du! oder weiß ich es doch? Gelieb­ter! Gelieb­ter! Gott schen­ke uns ein Leben in gutem Frie­den. Viel­tau­send­mal haben wir dann Gele­gen­heit ein­an­der von tiefs­tem Her­zen lieb­zu­ha­ben. Her­zens­schät­ze­lein! Ich küs­se Dich, DU!!! Noch spü­re ich Dei­nen letz­ten Kuß auf mei­nen Lip­pen! Du!

Ich den­ke Dein! Gott sei mit Dir! In Ewig­keit Dei­ne [Hil­de],

Dein Frau­chen, Du!!!

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