20. November 1941

Jakob Schaffner c1920
Jakob Schaff­ner, za. 1920, published in ‘Uhu’ 5/1925, Foto: Nico­la Per­scheid, Quel­le: gettyimages.co.uk, über Wiki­me­dia Com­mons, Lizenz­frei in den USA ab 70 Jah­ren.

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Don­ners­tag, den 20. 11. 41

Her­zens­schät­ze­lein! Gelieb­te! Mei­ne [Hil­de]!

Ein ganz gru kur­zer Gruß nur heu­te, Herz­lieb! Ges­tern war doch unser frei­er Nach­mit­tag. Wir waren ein­mal ganz faul und bequem. Auch in mir hat­te sich ein­mal alle Müdig­keit gesam­melt. Nach dem Mit­tag haben wir uns erst ein­mal von der Son­ne beschei­nen las­sen, drau­ßen auf dem Bal­kon. Dann habe ich ein paar Sei­ten in dem Buche gele­sen, das ich jetzt bei der Hand habe — ich kom­me nur ganz lang­sam dar­in vor­wärts — Jakob Schaff­ner “Kampf und Rei­fe” [1939, Bd. 4 sei­ner Johan­nes-Tetra­lo­gie].  Dann lock­te uns die Son­ne und die fri­sche Luft doch, ein Stück zu gehen. Wir hat­ten eben kein Ziel. Saus­ten wie­der in uns[e]re Ber­ge, ins Kin­der­ge­bir­ge, nicht weit. Gegen Son­nen­un­ter­gang stan­den wir wie­der oben bei der Zita­del­le. Weiß­kohl hat­te es zu Mit­tag gege­ben. Und so plag­te uns der Hun­ger und noch was and[e]res, was mit die­sem nur weit­läu­fig ver­wandt ist. So zogen wir aus in die Stadt nach etwas Ess­ba­rem. Ein Kalbs­bra­ten füll­te nur zu einem Teil die Lücke in der unte­ren Kör­per­hälf­te.

Der sin­gen­de Tor, Ita­li­en / Deutsch­land 1939, Spiel­film, Sze­ne mit Ben­ja­mi­no Gig­li (3.v.l.). Quel­le: Filmportal.de

Nun fiel uns nichts Bes­se­res ein als wie­der das Kind: “Der sin­gen­de Tor” mit Gig­li, ein Film, der Kapi­tal schlägt aus der Stim­me des begna­de­ten Sän­gers, es aber sonst an allem fehl­ten läßt, Hand­lung, schau­spie­le­ri­sche Leis­tung. Unbe­frie­digt ver­lie­ßen wir den Tem­pel der Halb­mu­se, und ich mit dem Vor­satz, jetzt [ein]mal wie­der eine län­ge­re Pau­se im Kino­be­such ein­tre­ten zu las­sen. Die letz­ten drei Fil­me – 3 Ver­sa­ger. Gegen ½ 9 Uhr lan­de­ten wir im Quar­tier. Wir abend­bro­te­ten – und dann waren wir zu nichts Rech­tem mehr Nüt­ze. Ein Paket­lein für den Weih­nachts­mann habe ich eben nur noch fer­tig­ge­macht. Dann habe ich mei­nem Ver­lan­gen nach Schlaf nach­ge­ge­ben. Wie wir an die­sem gan­zen Tage ein­mal nach­ge­ge­ben haben, um ein­mal rich­tig aus­zu­dö­sen. Ich wäre ja am liebs­ten zu Hau­se geblie­ben über­haupt, hät­te ein­mal rich­tig geschla­fen und dann an me[in] Herz­lieb gedacht. Aber die Kame­rad­schaft legt hier n[un] doch ein paar Rück­sich­ten auf.

Herz­lieb! Weißt Du noch, daß hier Dein Man­ner­li steht, das nur nach einem voll Sehn­sucht aus­schaut, das von die­sem einen ganz erfüllt ist, mit dem es sich immer trägt, das es im Inners­ten froh und glück­lich, oh so voll kind­li­cher, glück­li­cher Freu­de, mit sich trägt als sei­nen köst­lichs­ten Besitz, als sei­nen liebs­ten Schatz, Oh [sic] Gelieb­te!: Uns[e]re Lie­be! Dei­ne Lie­be! Unser Glück! Uns[e]re Hei­mat. Herz­lieb! Nichts noch so Schö­nes oder Sel­te­nes hier in der Frem­de reich­te je dar­an! Oh D[u]!!! Her­ze­lein! Folgst mir auf Schritt und Tritt, Du, lie­ber Beglei­ter und Weg­ge­sell[‘]. Ich bin Dein Gefan­ge­ner! Du! Gefan­gen in Dei­ner Lie­be! Und Dei­ne lie­ben Guck­äu­ge­lein sind das Fens­ter in der dunk­len Zel­le, ich muß immer dar­nach aus­schau­en! Und Dei­ne Arme sind die Fes­seln — Du! die lie­ben, süßen! Und die Kost der armen Gefan­ge­nen? — Herz­lieb! Du! Die Küs­se von Dei­nem Mund!!! Und manch­mal gibt es doch geschärf­ten Arrest — aber davon darf nicht geschrie­ben wer­den — Du!!! Du!!!!! !!!!! !!!

Oh Herz­lieb! Laß mich Dei­nen Gefan­ge­nen sein! Ach Du! Ich habe Dich doch sooo soooooo lieb! Ich küs­se Dich! Ich drü­cke Dich ganz fest an mich!

Du! Mein lie­bes Weib! Herz­lieb mein!

Ewig Dein [Roland].

Und heut[‘] abend will ich Dir doch einen schö­ne­ren Brief schrei­ben.

Her­ze­lein Du! Ich möcht[‘] Dich doch so gern ein­mal wie­der küs­sen und lieb­ha­ben, Du!!!

 

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