9. Oktober 1941

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Don­ners­tag, am 89. Okto­ber 1941.

Her­zens­schät­ze­lein! Du!! Mein gelieb­ter, liebs­ter [Roland]!

Heu­te woll­te es doch über­haupt nicht Tag wer­den, der Him­mel ist ganz zuge­hängt mit dicken, grau­en Wol­ken. Und ich habe bis in die 9. Mor­gen­stun­de Licht gebrannt. Weil ich mir sonst nichts vor­neh­men konn­te, begann ich gleich mit dem Rei­ne­ma­chen in der Küche und nun bin ich auch fer­tig damit. Fein! Da habe ich mor­gen etwas weni­ger. Auf den Post­bo­ten habe ich heu­te ver­geb­lich gewar­tet, er ging vor­bei. Na, aber mor­gen kommt er gewiß wie­der zu mir!

Ich hat­te heu­te Vor­mit­tag ein­zu­ho­len und ein Weg führ­te mich nach L. Ich frag­te mal wie­der nach unse­rem Öfchen, es ist noch nicht da. Ges­tern stand näm­lich in der Zei­tung, daß Anzah­lun­gen auf elek­tri­sche Gerä­te ver­bo­ten sei­en, ab sofor­ti­ger Wir­kung, weil nicht genug Gerä­te lie­fer­bar sei­en! Wer schon Anzah­lun­gen geleis­tet habe, sol­le sie sich zurück­er­stat­ten las­sen! Das war eine amt­li­che Bekannt­ma­chung. Ich bin neu­gie­rig, ob wie unser Öfchen noch krie­gen. Und da fiel mir doch in der Buch­hand­lung K. das Buch in die Augen, was ich Dir schon am Hoch­zeits­tag schen­ken woll­te! „Ich schwö­re mir ewi­ge Jugend“ von Kaeß­ler [Keß­ler]. War ich froh dar­über! Ich habe es mir gleich fest­ge­macht! Da kau­fen wir ja heu­er eine gan­ze Men­ge Bücher auf ein­mal, gelt? Na, wer weiß, ob ich alle bekom­me. Und, Herz­lieb! Jetzt, da unser ‚Ver­mö­gen‘ noch nicht im eige­nen Haus­stand ver­schmilzt, kön­nen wir uns auch noch so [ein] paar Extra­wün­sche erfül­len. Weißt Du! Mein Hut drückt mir immer noch auf’s Herz! Wir, bes­ser ich bin ja ver­rückt! Glaubst Du?

Daß ich Dir das zumu­ten konn­te!!! Du!!!

Aber er ist auch ein­zig schön, wenn ich ihn so anschaue. Glaubst, wenn ich im Eltern­schlaf­zim­mer Bet­ten mache, da neh­me ich ihn erst mal aus dem Schrank und bese­he ihn mir! Du!! So när­risch kann ich sein! Und er gefällt mir jedes­mal mehr. Es geht mir bei­na­he so mit ihm, wie mit Dir! Du!!

Ich gewin­ne Dich auch immer lie­ber. Aber anders noch, Du!! Hörst Du?! Schät­ze­lein!!!!!

Und ich den­ke, weil er mir so gut gefällt, mein Hut, dar­um hast auch Du nun Freu­de, sag? Und bereust es nicht, das vie­le Geld dafür aus­ge­ge­ben zu haben. Ach ja, ich will in Zukunft viel bes­ser acht geben, daß wir das Geld nicht so unnütz aus­ge­ben. Du sollst noch Dei­ne Freu­de an mir haben, wie spar­sam ich bin!

Lachst Du jetzt? Du?!!

Ich muß auch eben über­schla­gen, was ich Dir [sic] schon gekos­tet habe seit Du mich hast! Ach ’s ist schlimm! Manch­mal will mir ganz eng am Hal­se wer­den, wenn ich so d[a]rüber nach­den­ke.

Aber ich weiß, mein Lieb ist kein Knau­se­rer und kein Geiz­hals, dar­um wird es mir auch das nach­se­hen, ja? Ich weiß ja, wie ger­ne Du mir Freu­de machst, wie ger­ne Du mich beschenkst! Du!!! Und ich bin Dir mein Leben lang dank­bar dafür! Du!!!

Nun hat es gegen Mit­tag auch noch ange­fan­gen zu reg­nen! Und wie sehr! Es wird wohl bis zu unser[e]m Wasch­fest nicht bes­ser wer­den. Da müs­sen wir eben die Wäsche fer­tig waschen und ein­wäs­sern bis es schön ist. Wir woll­ten so ger­ne drau­ßen trock­nen, auch blei­chen. Herz­lieb! Um 1 Uhr heu­te Mit­tag kam wie­der eine Son­der­mel­dung durch. Ob Ihr sie wohl auch hört? 3 Arme­en gehen ihrer Ver­nich­tung ent­ge­gen um Bryansk [Brjansk], es sind die 3 bes­ten des Gene­rals Timo­schen­ko und damit sei die Schlag­kraft des Hee­res genom­men.

Anschlie­ßend hör­ten wir die Wie­der­ga­be einer Bot­schaft des Füh­rers an sei­ne Sol­da­ten am 2. Okto­ber, die erst heu­te durch Reichs­pres­se­chef Dr. Diet­rich bekannt gege­ben wur­de. Unter ande­rem heißt es dar­in, daß noch vor dem Ein­bruch des Win­ters der Kampf gegen die Sowjets zu Ende gehen soll.

Alle Mel­dun­gen deu­ten ja jetzt dar­auf hin, daß die Wor­te des Füh­rers in die Tat umge­setzt wer­den. Es sind über­mensch­li­che Leis­tun­gen, die im Osten nun­mehr gesche­hen!

Gott seg­ne unse­re Sol­da­ten! Ach, wenn es nur recht bald ein Ende näh­me!

Sag, weißt Du unter wel­chem (Oberst) Gene­ral Sieg­fried kämpft? [Heinz] Gude­ri­an oder [Edwald] v.Kleist? Ich möch­te das so ger­ne mal wis­sen, daß man sich bes­ser ori­en­tie­ren kann, wo sie eben sind. In der Wochen­schau sind immer soviel[e] Bil­der von den Pan­zern und [ein] paar­mal schon waren wir im Zwei­fel: war es Sieg­fried, oder nicht? Ich kann doch nicht per­sön­lich dar­nach [sic] anfra­gen, darf der Brief geöff­net wer­den, denkt ‚man‘ ich trei­be Spio­na­ge.

Ja, mein Lieb! Du hast heu­te gewiß frei?!

Hof­fent­lich gibt’s schöner[es] Wet­ter als bei uns! Ich gönn­te Dir noch [ein] paar recht schö­ne Tage, die Du zum wan­dern nüt­zen kannst, [Du] mußt noch genug drin­nen sit­zen wenn die Regen­zeit kommt. Du! Ach­te nur immer auf tro­ckene Füße!! Damit Du Dich nicht ver­kühlst! Gibts’ [sic] da bei Euch Was­ser­stoff zum Gur­geln?

Soll ich Dir die bei­den Paa­re Socken noch schi­cken? Die Mutsch hat sie fer­tig ange­strickt. Die kaput­ten schi­cke nur heim, daß ich sie repa­rie­re! Laß’ sich das Zeug nicht erst anhäu­fen, ja?

Ich habe ein Paar von den Strümp­fen, die mir Kam. H. besorg­te getra­gen. Sonst gefal­len sie mir gut, nur sind sie sehr kurz! Kaum gehen sie über die Knie. Ich habe gar­nicht [sic] so lan­ge Strumpf­bän­der! Die Grie­chin­nen müs­sen aber kur­ze Bei­ne haben!

Wenn Du mir wie­der mal Strümp­fe besor­gen soll­test, dann fra­ge nur mal, ob sie auch beson­ders lan­ge haben. In Deutsch­land gibt es so kur­ze über­haupt nicht. Außer denn  Knie­strümp­fe. Doch halt­bar schei­nen sie zu sein!

Was wird denn H. machen? Ob er alles gut über­stan­den hat? Der arme Kerl.

Als ich heu­te Vor­mit­tag unter­wegs war hat­te ich Besuch, mein­te Frau U. Mei­ne Braut­jung­fer. Ger­trud! Ich kann mir den­ken, was sie her­führ­te: sie wird Order haben. Am 10. also mor­gen, müs­sen alle Mädel ein­rü­cken zum R.[eichs] A.[arbeits] D.[ienst]. Vor­wie­gend nach Nord­deutsch­land, bei Ham­burg, bei Kiel u.s.w. Ich will nach­her noch­mal mit bei ihr durch­ge­hen, um Leb­wohl zu sagen – denn das hat sie sicher gewollt am Vor­mit­tag.

Him­mel! Mor­gen ist der 10! Am 11. hat Hell­muth do[ch] Geburts­tag! Das hät­te ich bei­na­he ver­ges­sen! Da will ich doch auch schrei­ben!

Und nun, mein Her­ze­lein, will ich Dir für heu­te die lie­ben Hän­de drü­cken! Du!! Ganz fest!! Ich lie­be Dich so sehr! So her­zin­nig­lich! Oh Du!!! Ich den­ke ganz lieb an Dich, an unser gro­ßes Glück! Du!!! Und dabei wird mir ganz warm um’s Herz! Oh Her­zens­schatz! Daß Du mein bist!! Du!!! Du!!!!!!!!!!!!! Behal­te mich lieb! Du!! Wie ich Dich lieb behal­te, in alle Ewig­keit!

Der Herr­gott behü­te Dich mir! Und er seg­ne unser[e]n Bund!

In Treue alle­zeit

Dei­ne [Hil­de].

Und am Schluß? Einen ganz lie­ben, lan­gen Kuß!!! DuT&Savatarsm

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