04. August 1941

[410804–2‑1]

Mon­tag, am 4. August 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter mein!! Du!!! Mein lie­ber, guter [Roland]!

Du!!! Ob mir wohl mein Herz­lieb böse ist?

So lan­ge schwieg ich! 2 Tage habe ich nicht geschrie­ben! Gelieb­ter!! Laß Dir nun heu­te, da ich wie­der daheim bin erzäh­len. Am Sonn­abend­mor­gen kurz vor 800 [Uhr] sind wir mit dem W. Bus bis zum Bahn­hof gefah­ren. Das Wet­ter war aus­ge­sucht schön. Bela­den mit dem Kinder[s]tühlchen, der Bow­le, einem Kof­fer und den 2 Zucker­tü­ten, zogen wir los! Kurz vor ½ 1000 [Uhr] lang­ten wir in G. an. Man erwar­te­te uns schon mit dem Wagen an der Bahn. 2 Kin­der waren nur mit; eines, die Chris­ta hat­te Fie­ber und lag daheim im Bett. Da gab’s nun für uns gleich Beschäf­ti­gung: 2 gesun­de Kin­der abneh­men und ein kran­kes unter­hal­ten. Die Tan­te woll­te uns gar­nicht mehr fort­las­sen! Der Sonn­abend ver­lief in bun­tem Durch­ein­an­der. Es gibt ja immer soo viel zu erzäh­len und zu zei­gen, wenn man sich lan­ge nicht mehr sah. Abends nahm mich die Tan­te mit ins Kino – sie war ½ Jahr lang nicht mehr da, weil sie durch die Kin­der nicht weg­ge­hen kann. Sie woll­te so ger­ne mal die Wochen­schau sehen. Und weil mei­ne Mut­ter bei denm Klei­nen blei­ben woll­te, klapp­te es mal. Mir hat der Film nicht gefal­len „Schloß im Süden“ mit Lia­ne Haid und Vik­tor de Kowa. Es war ein seich­tes Stück – rich­ti­ger Plun­der. Doch die Wochen­schau war gut.

Der Sonn­tag zeig­te sich wie­der som­mer­lich warm, sodaß ich gleich nach dem Mor­gen­kaf­fee mit den bei­den Mädels ins Freie ging. Es gibt da eini­ge schö­ne Anla­gen: der G.-Park und das Rosa­ri­um. Letz­te­res liegt ganz in der Nähe von Tan­tes Haus. Da gibt’s ein herr­li­ches Bild jetzt, um die Rosen­zeit! Ein Blü­hen, ein Duf­ten! Wir haben lan­ge da in der Son­ne geses­sen und uns geaalt – mir hat die Ruhe auch mal ganz gut getan. Klein­chen ver­trieb sich im Wagen die Zeit, sie kann nun sit­zen; da gibt’s nun für das Din­gel viel zu sehen! Han­ne­lo­re pflück­te Blu­men und ich wand ihr Krän­ze, für das kran­ke Schwes­ter­le mit. Zu schau­en gab es auch viel. In G. liegt Mili­tär und sonn­tags kom­men nun von fern und nah die lie­ben Ange­hö­ri­gen zu Besuch. Mi[t] gro­ßen Kof­fern voll Schle­cke­rei! Der schö­nen Jah­res­zeit ange­mes­sen sit­zen dann alle lie­ber irgend­wo drau­ßen, als in den Loka­len. Und in den Anla­gen herrsch­te reges Leben. Frau­en und Kin­der und Bräu­te mit Sol­da­ten.

Alle freu­ten sich ihres Lebens – ach, Du!!! da muß­te ich gar sehn­süch­tig Dein den­ken! Du!!!

Die meis­ten lie­gen da in Gene­sungs­hei­men, sie kamen ver­wun­det von Ruß­land, wie mir ein Sol­dat erzähl­te, der mit sei­nem Kame­rad auf der Bank neben­an saß und sich von der Son­ne beschei­nen ließ. Die bei­den waren aus Süd­deutsch­land – ver­hei­ra­tet, ohne Besuch. Schon älter bei­de, sehr net­te, anstän­di­ge Män­ner.

Kom­men­den Don­ners­tag soll’s wie­der raus an die Front gehen. Sie waren recht bedrückt. Es ist aber auch zu furcht­bar, was die Sol­da­ten im Osten erle­ben müs­sen, kein Wun­der, wenn sie das Grau­en packt, in die­se Höl­le zurück­zu­keh­ren. Heu­te noch gesund – mor­gen – wer weiß? Und daheim war­tet die Fami­lie. Wie vie­le älte­re Sol­da­ten ich sah! Das war ganz schlimm. Bei­na­he so alt wie mein Vater! Ach Liebs­ter! Man wünscht sich doch so sehr den Frie­den!! –

Nach dem Mit­tag­brot haben wir uns alle zusam­men noch ein­mal auf­ge­macht. Die Tan­te besitzt kei­nen eig[e]nen Gar­ten am Hau­se – so ist man auf frem­des Gebiet ange­wie­sen. Das kran­ke Chris­tel­chen zogen wir an und nahmen’s auch mit. Die Luft hat ihr gut getan. Als wir spä­ter das Fie­ber maßen, war die Tem­pe­ra­tur fast nor­mal. Um 3 Uhr nach­mit­tags muß­ten wir an die Rück­rei­se den­ken; denn unser Zug geht um 1600 [Uhr] weg. Ach ja, wo 3 sol­che Geis­ter da sind, gibt es Abwechs­lung in Hül­le und Fül­le und man brauch­te gar kei­ne Beschäf­ti­gung oben­drein. Ich hat­te nicht die Gele­gen­heit Herz­lieb, Dir ein­mal zu schrei­ben. Du bist mir doch hof­fent­lich nicht böse dar­um?!

Tan­te erwar­tet ihren Mann auch täg­lich. Er ist noch in Ham­burg bei der Flak. Sie bewa­chen die gro­ßen Bei­ers­dorf-Wer­ke, weißt, wo die Nivea-Creme her­ge­stellt wird! Das ist ein öder Dienst. Frei­lich, manch­mal recht gefahr­voll auch. Doch in letz­ter Zeit ist Ham­burg weni­ger heim­ge­sucht wor­den durch feind­li­che Luft­an­grif­fe. Ich soll mal eine [W]oche bei Tan­te blei­ben; sie möch­te ger­ne mal waschen und für Bär­bel und Lore schnei­dern, hat aber kein Kin­der­mä­del. Das soll ich mal erset­zen für 8 Tage.

Ich habe nicht viel Lust, ich gehe nicht ger­ne von zu Haus fort. Kannst Dir wohl den­ken, war­um! Du! Du!!! Weil Du mir dann gar­nicht so gegen­wär­tig bist, Gelieb­ter! Wenn die Kin­der doch blie­ben, da näh­me ich ihr doch ger­ne mal 2 ab. Aber sie bekom­men Heim­weh. Na – jetzt, bevor Du nicht bei mir warst, kommt es nicht in Fra­ge und dann? Muß auch Rat wer­den. —

So lang­ten wir denn ges­tern abend, Sonn­tag, in der 7. Stun­de zu Hau­se wie­der an. Die Fahrt mit dem Bus von W. war gera­de­zu lebens­ge­fähr­lich! So eine Men­ge Men­schen drin! Alle kamen von Gr. und vom Park­schlöß­chen in W., weil so herr­li­ches Aus­flugs­wet­ter war und 520  [Uhr] nach­mit­tags, das ist der letz­te Bus nach L. Wir sind aber den­noch gut gelan­det! Du!!! Wenn ich die end­lo­se Land­stra­ße anschaue, von W. bis R., dann muß ich immer an unser[e]n Aus­flug nach Gr. den­ken, als wir den Omni­bus ver­paß­ten und lau­fen muß­ten! Weißt Du noch? Du!!! Du!!!

Ach, wenn Du bei mir bist, Du!!! nach W. und in den Gr. Park müs­sen wir auch mit gehen [sic]! Ja? Du!!! Wir könn­ten es doch mal so ein­rich­ten, daß die Eltern mit­ge­hen!

Herz­lieb! Ges­tern abend war ich sooo kaputt und müde von der Hit­ze und von der Fah­re­rei, daß ich schon um ½ 8 Uhr in mein Bett­lein sank!! Lachst Du mich da aus? Die lie­be Son­ne schien noch! Die wird sich schon gewun­dert haben! Daß ich schon schla­fen ging! Du! Ich habe es nicht mehr um 800 [Uhr] schla­gen hören – so müde war ich, daß ich sofort ein­schlief! Du!!! Erst heu­te früh Schlag 6 [Uhr] bin ich auf­ge­wacht.

Du!!! Als ich ges­tern heim­kam, war ein Bün­del Post ein­ge­gan­gen. Hubo’s Mitt­woch­brief! Nein falsch, Diens­tag­brief! Ich dan­ke Dir von gan­zem Her­zen dafür, mein lie­ber, guter [Roland]!

Von der Giro­kas­se Sch. kamen die Tagesaus­zü­ge an. Du!!! Du hät­test die 1000 über­schrit­ten, wenn — ja, wenn der August nicht ange­gan­gen wäre und damit die 150 M Über­wei­sung fäl­lig an Dei­ne Frau!

Na – ich hab es nun wenigs­tens mal gese­hen wie es aus­sieht, wenn über 1000 drauf­steht!!! Bei mir auf den Aus­zü­gen kann ich wohl nun noch bis­sel auf­neh­men, ehe es soweit ist! Du!!!

Dann eine Kar­te vom Kam.[erad] K.! Er teilt mir freu­digst mit, daß sein Urlaub um 7 Tage ver­län­gert sei und deu­tet schon auf ‚unser‘ Urlaubs­glück hin! Er ist schon paar Tage von einer bösen ‚Angi­na‘ geplagt, was ihm die Urlaubs­freu­de bis­sel ver­lei­det. Das ist scha­de. ‚Angi­na‘ – ich ent­sin­ne mich, daß das der Arzt mal auf mei­nen Kran­ken­schein schrieb, als ich Man­del­ent­zün­dung hat­te. Hm. Ich erklä­re mir das durch den Tem­pe­ra­turum­schlag, bei ihm. Eurer Hit­ze da ange­mes­sen, ist es doch hier im Abend­lan­de emp­find­lich kühl nach einem ein­zi­gen Regen­tag schon. Und wer für sowas leicht emp­fäng­lich ist, der kann schon damit rech­nen, wenn er in Urlaub fährt. Er erfüllt mir gern die Bit­te, 100 M mit­zu­neh­men für Dich! Unter­des­sen hat er nun aber auch den neu­en Brief erhal­ten, mit den 150 M! Dar­auf habe ich nur noch kei­ne Ant­wort bis jetzt. Na, weil nur die Ange­le­gen­heit klar geht! Gelt, so muß doch eine See­manns­frau sagen? Nun wird aber der Gefrei­te [Nord­hoff] reich wer­den!!! 70 RM sind von mir auf dem Weg – 50 RM von Mutsch. [1]50 RM rei­sen mit Kame­rad K.! Du!!!

Wenn Du nun so viel Geld hast, da kannst Du doch gleich mit dem Flug­zeug heim­fah­ren! Dann bist viel schnel­ler bei mir!!!

Gelieb­ter!! Du!!! Heu­te früh kamen nun wie­der zwei lie­be Boten von Dir an! Vom Mitt­woch und vom Don­ners­tag! Oh Du!! Her­zens­schatz, sei ganz, ganz lieb und herz­lich dafür bedankt! Du bist sooo lieb zu mir gekom­men! Gelieb­ter mein!!! Ich muß Dich doch sooo lieb haben! Ach Du!! Du!!! Ich möch­te Dich ganz lieb, ganz lieb küs­sen, Du!! Ganz lieb haben! Du!!! Nun hast Du Dei­nen Urlaub ganz fest­ge­legt! Nun kann kei­ner mehr mit irgend­wel­chen Grün­den kom­men und Dich ver­drän­gen wol­len! Du!! Herz­lieb!!! Du!!!!! Vom 29. August bis zum 24. Sep­tem­ber hast Du Dei­nen Urlaub nun ein­ge­reicht. Wenn es nur nun auch dabei bleibt! Ach, gebe Gott, daß alles, alles gut wird! Du!! Herz­lieb! Ein ganz klein wenig war ich doch ent­täuscht, als ich nun las, daß ich mich noch bis an den letz­ten Tag im August gedul­den muß! Du!!! Du!!!

Ach Gelieb­ter! Mein lie­ber, guter [Roland]!!! Und ich will doch gar­nicht undank­bar sein!!!

Ach Du!! Es ist nur eine lei­se Ent­täu­schung gewe­sen, weil ich mich schon soo fest auf den 18. August ver­steift hat­te! Du!! Es liegt ja so nahe, Du!! Daß ich in mei­ner über­mäch­ti­gen Sehn­sucht den aller­nächs­ten Tag Dei­ner Ankunft – die noch so unge­wiß war – mir fest ein­bil­de­te – ich kann’s doch kaum mehr erwar­ten, Du!!! Bis Du nun end­lich – oh – end­lich bei mir bist! Gelieb­ter!!!

Ach Du! Es ist doch allein schon solch über­gro­ßes Glück! Solch gro­ße Gna­de, wenn Du nun über­haupt zu mir kom­men kannst! Ich will wirk­lich ganz, ganz gedul­dig war­ten, bis Du bei mir sein wirst. Mein [Roland]! Ach Du!!! Noch ein­mal rückt die Hoff­nung auf unser Wie­der­se­hen ein Stück in die Fer­ne – ein Stück nur, Gelieb­ter! Aber die Gewiß­heit, daß wir uns in die­sem Som­mer noch ein­mal nahe sein dür­fen, die kann nicht mehr von uns wei­chen! Dar­an glau­ben wir sooo fest!! Ach Du!!! Was wird in 4 Wochen alles gesche­hen sein? So müs­sen wir uns ban­ge fra­gen, Du!! Mir will ganz eng wer­den, wenn ich an all das den­ke, was ich befürch­te, daß [sic] über uns her­ein­bre­chen könn­te.

Oh, Gelieb­ter! So wie uns ban­ge sein könn­te um unser Glück des Eins­seins, so müß­te uns ban­ge sein um unser Geschick, wenn wir es nicht gläu­big und voll Ver­trau­en unser[e]m Herr­gott anbe­feh­len. Du!! Du!!! Ich weiß, ich tue unrecht, wenn ich auch nur den gerings­ten Zwei­fel hegen will. Du!!! Ich und Du — wir wol­len doch vor­wärts! Mutig vor­wärts und voll guten Glau­bens an unse­ren Beschüt­zer! Das ist unser Spruch. Ach Du!!

Gott im Him­mel hel­fe uns gnä­dig zu unse­rem Wie­der­se­hen! „Von die­sem Tage las­se ich mich nun nicht mehr abbrin­gen, weder im Guten noch im Bösen.„ Du sagst mir’s, Du!!! Und ich glau­be Dir! Du wirst mich nicht noch län­ger war­ten las­sen. Du! Du weißt, wie ich mich nach Dir seh­ne. Es müß­te denn wie­der ein ent­schei­den­der Abschnitt begin­nen in der gro­ßen Poli­tik, wie es am 22. Juni schon geschah –  dann wäre auch all Dein guter Wil­le zunich­te gemacht. Ach Du! Möge der Herr­gott die­ses ver­hü­ten! Ich muß Dich in die­sem Jah­re noch ein­mal wie­der­se­hen – Du!!!

Du! Herz­al­ler­liebs­ter! Die heim­li­che, gro­ße Freu­de die Du nun in mir schon ange­zün­det hast, die kann nicht mehr ver­lö­schen – sie kann nur einen Tag stil­ler bren­nen als den ande­ren – jeden Tag aber wird die­se Freu­den­flam­me in mir genährt durch mein Herz­lieb! Daß sie immer wei­ter bren­nen muß! Du!! Mein Herz­lieb, das zu mir kommt mit all sei­ner Lie­be und Sehn­sucht, und auch mit sei­ner Vor­freu­de auf unser Wie­der­se­hen! Her­zens­schatz! Ich muß mich trotz allem, allem, daß mir mein nüch­ter­nes Abwä­gen und Beden­ken Sor­gen machen kann freu­en, freu­en — oh, sooo sehr! auf Dich! Nur auf Dich! Gelieb­ter mein! Du!! Heu­te schreibst Du mir so belus­tigst über Dei­nen Auf­zug als Matro­se, in dem Du nun daheim erschei­nen willst! Meinst, da in der Frem­de gehört das nun dazu, und hier in der Hei­mat? Du!! Da kannst Du ger­ne mal als blau­er Jun­ge mit mir durch die Gegend bum­meln. Mir gefal­len die Matro­sen ganz sehr!

Aber, Du hast schon recht:, [sic] wenn wir mal ganz bequem in’s Freie wol­len, da gehe nur in Zivil, kannst Dich doch viel­leicht beque­mer-gemüt­li­cher bewe­gen. Dun­kel­blau, ich ken­ne es, da muß man dau­ernd bürs­ten! Und wenn Du und ich in den Wald gehen –  glaubst Du etwa, daß wir da bloß fein sitt­sam neben­ein­an­der her­ge­hen oder auf der Bank sit­zen? Du! Ich glau­be, so könn­te es nur mal wie­der sein, wenn wir ‚Sie‘ zuein­an­der sag­ten! Oder – wenn wir unei­nig wären. Aber das gibt’s ja zwi­schen uns nicht. Sagen wir eben ‚Sie‘ wenn Du in Uni­form bist, ja? Um den nöti­gen Abstand zu wah­ren! Du!!!

Herr B.? Oh, auf des­sen Mie­ne freu’ ich mich schon jetzt!! Du! Der Herr F. aus T. hat nun müs­sen auch die Uni­form anzie­hen? Es bleibt eben kei­ner ver­schont. Du!! Eben den­ke ich dar­an: wenn Du nun 3 Wochen in der Hei­mat bist, da kön­nen wir doch auf der Rei­se nach K. mal einen Abste­cher nac[h] L. machen? Wie denkst Du? Herz­lieb?! H.’s wür­den sich ja sehr freu­en. Lan­ge brau­chen wir doch nicht da zu blei­ben. Und bei L., da liegt Sch. Die Giro­kon­to­num­mern will mein Hubo wis­sen: Sch. – […] O. – […].

Wie wir nun die 3 Wochen ver­tei­len, das wol­len wir am bes­ten aus­ma­chen, wenn Du da bist. Ich habe mir gedacht: erst kommst zu uns, dann geht’s heim nach K. und dann noch­mal zu uns – magst Du? Du!! Ich sehe eben auf mei­nem Kalen­der, daß ich mit dem Kalen­der­män­nel nach K. fah­ren wer­de!! Kann der Hubo gar­nicht mit. Nun bist Du wohl zum ers­ten Male um mich in die­sen Tagen – ja. Meist hast Du nur ein Teil davon mit­er­lebt. Du! Herz­lieb! Hast es Dir schon gewünscht, daß Du ein­mal ganz um mich sein darfst, auch in den Tagen mei­nes Fer­neseins? Du!!! Du!!! Das ist lieb von Dir — ich glau­be, außer Dir hat wohl kein Mann die­sen Wunsch. Du!!! Ich muß Dich sooooo lieb­ha­ben!!!!! Nun sollst Du mich dies­mal beglei­ten dür­fen bis an das Tor – und dann mich wie­der emp­fan­gen, Du!!!!!

Wenn wir uns nun vor mei­nem Fer­ne­sein ein Kind­lein gewünscht hät­ten, dann könn­test Du noch wäh­rend Du bei mir bist erfah­ren, ob unser Wunsch in Erfül­lung gin­ge oder nicht. Du!!!

Ach Gelieb­ter! Uns[e]re Gedan­ken krei­sen immer dar­um, sie wer­den es bis zur Stun­de der Erfül­lung. Du! Herz­lieb! Du sagst es: ganz lieb und lei­se und heim­lich wol­len wir offe­nen Her­zens ein­mal dar­über spre­chen – und wol­len ein­an­der in’s Auge schau­en und unse­ren Her­zen lau­schen, wenn wir bei­sam­men sind. Du!! Wenn Du bei mir bist!

Ich muß schon wie­der zäh­len, Du!!! In 27 Tagen, so Gott will. Fast 4 Wochen sind’s noch – oh lan­ge! Noch lan­ge!!! Du!!! Und noch die aller­größ­te Hit­ze muß mein Man­ner­li da unten im Mor­gen­lan­de der­weil aus­ste­hen! Du Armes! Lie­bes!!! Melo­nen­schnit­ten aßt Ihr oft? Du! Da habe ich ges­tern in G. auch wel­che geges­sen – ich war nicht so begeis­tert davon. Ana­nas ist mir lie­ber! Aber, die kom­men wohl recht grün noch her­über zu uns nach Deutsch­land, die Melo­nen, weil sie gar­nicht so sehr saf­tig waren? Preis: ½ lb. [Pfund] -.50 M. Und bei Euch an der Quel­le? Viel bil­li­ger, ja? Wein­trau­ben ißt mein Dicker­le schon? Die gibt’s hier noch nicht. Du! Da möch­test nur gern wel­che mit­brin­gen! Weißt? Brin­ge sie mir nur in getrock­ne­ten Zustan­de mit! Da habe ich sie auch zum Fres­sen ger­ne!!

Du zählst ja aller­hand auf, Du! Womit Du mich alles erfreu­en willst, wenn Du kommst! Ver­ra­te nur nichts mehr! Ich bin schon jetzt ganz när­risch vor Freu­de! Plis­see­rock! Pri­ma!!! Schu­he! Herr­lich!!! Du!! Wenn sie Dir in Grö­ße 39 recht klein erschei­nen, dann brin­ge lie­ber die 40! Du weißt, ich lebe mit mei­nen 1.72 m auf gro­ßem Fuße!!! Man­deln u.[nd] Rosi­nen – Wein! Men­schens­kind! Du!! Hast Du denn auch ’nen Kof­fer, worein Du alles packen kannst? Und No. 5, das wird noch nicht ver­ra­ten? Du!! Hubo muß wie­der mal eine lie­be Dumm­heit machen? Immer­zu! Herz­lieb! Über sol­che Dumm­heit freu ich mich mit Dir! Du sag­test doch mal, daß es so reiz[en]de Kin­der­sa­chen gäbe! Du!! Damit darfst mich getrost auch über­ra­schen!!!!! Ach, Du!!! Wenn Du mir heim­kommst – und wenn Du mit ganz lee­ren Hän­den kommst, ich freue mich, oh, ich freue mich sooooo ganz sehr!

Du! Du!!! Weil ich Dich sooo lieb­ha­be! Ganz sehr lieb!!! Wie innig ich mir doch wün­sche, daß Du zu mir kommst! Gelieb­ter! Und wenn Du dann bei mir bist, dann habe ich doch gar kei­nen Wunsch mehr – dann ist lau­ter Licht, lau­ter Freu­de und Son­nen­schein! Du!!! Dann wird ein Schen­ken sein, und so wun­der­sam und schön wird es sein, daß wir gar­nicht mehr wis­sen, wer Schen­ken­der und Beschenk­ter ist! Oh Du!! Sooo­viel Lie­be drängt zu Dir! Du!!! Nun, da ich Dei­ne lie­ben, soo lie­ben Boten bei mir habe, da mir alles Lie­bes­glück ent­ge­gen­leuch­tet, das Dich erfüllt, oh – da wird mir doch so wun­der­sam zumu­te! Gelieb­ter, Du!!! Ich möch­te jetzt bei Dir sein, möch­te mich ganz fest an Dich leh­nen – Dei­ne beglü­cken­de Nähe spü­ren – ach, wie ger­ne! Daß ich fühl­te: es ist Wahr­heit, glück­vol­le Wahr­heit, daß Du mein Eigen bist! Ganz mein Eigen! Gelieb­tes­ter!!!

Der Herr­gott schüt­ze Dich immer­dar, er las­se Dich mir heim­keh­ren! Du!! Der Nach­mit­tag ist bei­na­he um – ich hat­te alles um mich her ver­ges­sen! Mor­gen auf Wie­der­hö­ren! Her­zens­schatz!!

Ich lie­be Dich!! Dei­ne [Hil­de].

Mein gelieb­ter, liebs­ter [Roland]! Du!! Ich war­te Dein!!! Du wirst zu mir kom­men! Oh, uns[e]rer Lie­be schöns­ter Lohn! Gelieb­ter!! Gelieb­ter!!

Schen­ke unser Herr­gott uns die­ses Glück in Gna­den! Mein Her­zens­schatz! Bald, oh bald bist Du bei mir! Wie ich mich doch freue! Wie unsag­bar! Du!!! In 26 Tagen bist Du bei mir! Ach Du! Bete mit mir um ein gutes Gelin­gen! Wenn Du mir alles glück­lich über­ste­hen wirst!! Ich muß mich doch so sor­gen um Dich!

Nimm Dir genug Ver­pfle­gung mit auf die la[ng]e beschwer­li­che Rei­se, Herz­lieb! Und bit­te, sei ganz vor­sich­tig!!! Ach Du!!! Am liebs­ten möch­te ich Dich doch gleich in Salo­ni­ki abho­len, damit ich alles mit erle­be und sehe!!

Du, hast denn nun den Mitt­woch­bo­ten von mir? Ob ‚sie’ den blau­en erwischt haben?

Heu­te bekam ich wie­der vom Horst K. Post; er bringt Dir die 150 M mit, ger­ne! Er hat mir eine net­te Kar­te geschrie­ben, ich lege sie Dir bei! Sei­ne Schwie­ger­el­tern woh­nen wohl in G.? Sag, wann fährt denn Kame­rad H. auf Urlaub? Mit Dir?

Heu­te bekam ich nichts vom Hubo! Na, geschieht mir schon recht, ich las­se ja den Lie­ben auch war­ten die­se Woche! Du!! Heu­te habe ich noch etwas ganz Wich­ti­ges vor! Es hängt Dei­ne Freu­de davon ab! Hal­te den Dau­men fest, daß alles gut geht!!! Herz­lieb!!! Nun auf Wie­der­hö­ren! Gelieb­tes Her­zel, Du!!! Du!!! Ich muß mich sooo nach Dir sehen, Du! Du!!! Du!!!

Ich lie­be Dich! Du! Mein [Roland]!

Der Herr­gott behü­te Dich

Dei­ner [Hil­de]. Du!!!!!

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