17. Mai 1941

Bundesarchiv Bild 183-J06142, Verleihung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter
Der Mut­ter­tag hat­te seit 1933 poli­tisch gewollt an Bedeu­tung gewon­nen, wie hier am Foto von einer Ver­lei­hung des Mut­ter­kreu­zes am 17. Mai 1943 ersicht­lich. Foto All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst — Zen­tral­bild (Bild 183), gemein­frei über Wiki­pe­dia von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-J06142 / CC-BY-SA 3.0, 06.2016.
[410517–2‑1]

Sonn­abend, am 17. Mai 1941.

Mein gelieb­tes, teu­res Herz!  Du mein lie­ber, guter [Roland]! Herz­lieb Du!

Eben ist die Zei­tungs­schau vor­bei und die Nach­rich­ten. Ja — so weit war ich gekom­men mit mei­ner Schrei­be­rei. Da rief mich die Mut­ter weg, daß ich ihr doch hel­fen soll, zwei sol­che Rühr­ku­chen ohne But­ter zu backen, für uns[e]re bei­den Groß­müt­ter zum Mut­ter­tag mor­gen. Es gibt ganz sel­ten Blu­men bei uns hier durch die anhal­ten­de Käl­te und als ich mit mei­ner Gärt­ners­frau sprach, ob sie denn kei­ne Mut­ter­tags­sen­dung von Chem­nitz bekä­me, wie immer, da mein­te sie, daß die heu­er auch nur ganz mini­mal aus­fie­le und soo [sic] vie­le Sol­da­ten hät­ten ihr den Auf­trag aus dem Fel­de gege­ben, daß sie sel­bi­ger Müt­ter beden­ken soll — haben auch gleich das Geld mit bei­gelegt. Und so wür­de ihr klei­ner Vor­rat  gleich für Sol­da­ten­müt­ter drauf­ge­hen.

Ja — was soll man sonst noch schen­ken? Ich bin für solch [ei]’nen Kuchen. Da haben die Groß­müt­ter auch sicher Gefal­len d[a]ran. 3/4 9 [Uhr] ist es jetzt, (der) die Kuchen ste­hen in der Röh­re, hof­fent­lich gelin­gen sie recht fein! So spät ist es heu­te gewor­den, wirst Du den­ken, Herz­lieb! Wir sind erst um 6 Uhr fer­tig gewor­den mit Rei­ne­ma­chen. Die Stu­be und mein Käm­mer­le [Käm­mer­chen]. Sämt­li­che Schrän­ke von innen und außen abge­wa­schen, wie­der ein­ge­räumt. Die Dop­pel­fens­ter raus! Die Rah­men abge­seift, die Schei­ben geputzt. Jalu­si­en [sic] gewa­schen, gesaugt, geschrubbt, geflim­mert bis wirk­lich nichts mehr übrig war, das nicht durch uns[e]re Lupe genom­men wur­de. Aber nun ists´ [sic] auch ganz fein bei uns! Man schaut nur so ger­ne in die Räu­me. Dazu scheint heu­te die lie­be Son­ne noch so wun­der­bar!! Eben geht sie voll­ends unter und es leuch­tet blut­ro­ter Schein her­ein zu mir und durch­flu­tet das gan­ze Zim­mer mit einem war­men Licht. Es ver­spricht, mor­gen ein schö­ner Tag zu wer­den und unser Plan lau­tet schon auf: Aus­marsch! Das Wet­ter wird genutzt und sogleich beim Schop­fe gepackt! Wir haben wahr­lich lang genug uns dar­nach seh­nen müs­sen.

Die Mütter plaudern, Hochzeitsbild, 07.2014.
Die Müt­ter plau­dern, Hoch­zeits­bild, 07.2014.

Ent­we­der geht[‘]s nach M. oder nach K. zu. Ach mein Herz­lieb!! Könn­te ich Dich bei der Hand fas­sen und mit­neh­men! Du!! Wie schön wäre das!!! Wann, wann kommt die­se see­li­ge Zeit wie­der? Gelieb­ter mein!!! Ich will ganz tap­fer und getreu­lich mit Dir aus­har­ren, Du!! [Du] Mußt Dich ja eben­so sehr seh­nen wie ich, Gelieb­ter!!

 

Und wir wol­len es uns ein­an­der leicht machen, das War­ten, ja? Ach, Du!! Mein [Roland]! Wenn wir uns nur am Ende die­ses Krie­ges gesund und froh umfas­sen dür­fen, dann will ich doch noch so lan­ge Geduld haben, Du!!!!! Ich weiß Dich nun sicher an Dei­nem Bestim­mungs­ort und weiß, daß Du es auch wider Erwar­ten recht gut getrof­fen hast, das ist mir schon eine gro­ße Beru­hi­gung, Herz­lieb! Und ich bin gewiß, daß Du ganz vor­sich­tig han­deln wirst in allem, daß Du stets an mich denkst! Und die schöns­te Gewiß­heit, Gelieb­ter, die ist daß Du in Got­tes treu­er Vater­hut stehst!, das wur­de uns [h]ier am Ende Dei­ner Fahrt wie­der ein­mal mehr gewiß! Und voll tie­fer Dank­bar­keit schau­en wir auf zu unser[e]m treu­en Herr­gott! Er wird auch wei­ter­hin mit Dir sein, mein Herz!!

Jetzt will ich schla­fen, schla­fen, bin sooo [sic] müde und kaputt! Mor­gen, wenn ich heim bin vom Spa­zier­weg denk’ ich wie­der Dein, ja? Du!! Mein Stüb­chen ist umge­räumt! [Du] Kannst Dein Dorn­rös­chen gar­nicht [sic] mehr fin­den in sei­nem Turm­ge­mach! Oh Du!! Doch!! Du suchst es schon bis Du es hast? Ja? Du!!! Wie es jetzt d[a]rin aus­sieht, das sage ich Dir mor­gen, [ein]mal seh[e]n ob ich so von mei­nem Herz­lieb träu­me, wie das Bett­lein jetzt steht!! Du!! Ich hab’ sooo [sic] viel Sehn­sucht nach Dir!!!!!!!!!! Ich lie­be Dich!! Ich küße Dich! Mein Som­mer­schein und blie­be ganz, ganz Dei­ne [Hil­de], Dein!!!T&Savatarsm

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