14. Mai 1941

[410514–2‑1]

Mitt­woch, am 154. Mai 1941.

Mein gelieb­tes, teu­res Herz! Du mein Herz­lieb! Liebs­ter [Roland]!

Noch ist kein Bote da von Dir, er hat sich mal wie­der um eini­ges ver­spä­tet. Ich will mich noch gar­nicht sor­gen, Herz­lieb! Die Ver­spä­tung ist ja so natür­lich. Du mußt trotz allem wohl­auf und froh sein, ich fühl’s in mir, mein Lieb! Ich bin so inner­lich froh, beson­ders heu­te. Du!! Ob Du wohl heu­te mein [sic] denkst, ganz beson­ders lieb? Weil mei­ne Wan­gen [s]o sehr glü­hen – ich bin noch immer ein bis­sel aber­gläu­bisch!!

Nun will ich Dir erst mal erzäh­len, was ich für uns[e]re lie­ben Müt­ter zu ihrem Ehren­tag gekauft habe. Es ist von bei­den ein heim­li­cher Wunsch, den ich so im Lau­fe des Gesprächs ihnen ent­lock­te. Der lie­ben Mut­ter [N]. kauf­te ich eine Teig­sprit­ze (die braucht man zu S.Kuchen [wohl: Spritz­ku­chen] backen u.s.f.) und für die Frucht­bow­le Stäb­chen aus Glas, oben­dran [sic] mit Blu­men ver­ziert, damit kann man dann die Früch­te anspie­ßen und aus dem Gla­se essen (ohne einen Löf­fel zu benut­zen) weiß nicht, ob Du Dir das vor­stel­len kannst? Wirst es schon mal seh[e]n, ich hab[‘] auch sowas. Die Mut­ter wünsch­te sich’s, als sie das bei mir sah.

Aus­zug aus dem Brief mit Zeich­nung.

Dann woll­te ich ihr noch ein Paar neue Hand­schu­he mit­schi­cken, die wer­den aber erst nach Pfings­ten wie­der fer­tig. Die am Lager waren, gefie­len mir nicht. Ich hole mir Hand­schu­he bei der Fir­ma G. in O., da bekom­me ich sie ohne …! [sie­he Abbil­dung] Nächs­tens will ich auch Elfrie­de mal 1 Paar mit­schi­cken, sie wird sich freu­en. Auch habe ich für sie 1 Gar­ni­tur (Unter­wä­sche ohne) [sic] in Aus­sicht, die bekommt sie zu ihrem Geburts­tag. Und mor­gen ist Elfrie­des 3. Hoch­zeits­tag!! Eben den­ke ich dar­an. Da möch­te ich ihr noch paar Zeil­chen schrei­ben. Sieh, Herz­lieb! Elfrie­de und Hell­muth kön­nen ihn auch nicht zusam­men bege­hen. Und ich will gewiß nicht trau­rig sein, wenn auch wir ihn getrennt erle­ben müs­sen, unser[e]n ers­ten, Du!!!

Wir holen alles, alles nach, ja Du?!! Gelieb­ter!! Herz­lieb!! Und nun, das Geschenk für mei­ne Mutsch: ein Dut­zend Mar­me­la­den­glä­ser, die sind sehr hübsch, so por­tio­nen­groß, für 1 M [:Pfund]. Man kann sie gleich[s]am zu Tisch brin­gen, so form­schön sind sie. Dar­ein will ich auch für uns! Mar­me­la­de ein­ko­chen!!

Du! Weißt, was mir dies[‘] Jahr sehr fehlt? Der Zucker, den Du immer aus S. mit­brach­test. Wenn’s halt gar knapp wird koche ich alles ohne Zucker ein und süße erst vorm Gebrauch, das geht auch.

Mut­ters Geschenk geht mor­gen ab nach K.

Heu­te bekam ich von ihr ein Päck­chen, wor­in sie mir Socken für Dich schick­te und Abplätt­mus­ter zum Sti­cken für mein wei­ßes Kleid, das ich mir machen will. Auch eine Voi­leblu­se von sich leg­te sie dazu, die soll ich mir ändern und tra­gen, das tu[e] ich auch gern! Die muß die Bul­ga­ren­blu­se erset­zen! Sie ist näm­lich auch hand­ge­stickt!

Ges­tern brach­te ich Dei­nen Kuchen zur Post, nicht ohne Ban­gen! Er Das Päck­chen wog fast 3 M [:Pfund]! Und zwei dürfen[‘]s ja nur sein. Ich habe einen mir gut bekann­ten Beam­ten an den Schal­ter geru­fen und der hat es mög­lich gemacht, daß es so durch­geht. Ich hab[‘] ihm ein Trink­geld gege­ben. Es hät­te mir bit­ter leid getan, hät­te ich müs­sen ein Stück vom Kuchen abschnei­den! Wenn das Paket nur ein­mal am Anfangs­post­amt ange­nom­men und fran­kiert ist – dann braucht man nichts mehr zu fürch­ten, ich glau­be nicht, daß alle Päck­chen nach­ge­wo­gen wer­den auf jeder Sta­ti­on. Na, hof­fen wir, daß alles gut geht!! Dei­ne Socken will ich Dir sobald wie mög­lich schi­cken, es sind 2 Paar.

Von unse­ren Feri­en­plä­nen nun!

Und bis heu­te weiß ich noch nicht ein­mal, ob mich mein Man­ner­li eigent­lich mit­läßt!!

Ich habe mit Bekann­ten gespro­chen, die waren schon 3 mal in Oberpfann[en]stiel bei Pla Aue und ihnen hat es da ganz herr­lich gefal­len. Das Dör­fel liegt mit­ten im Wal­de, hoch oben. Kennst Du das dem Namen nach? Ich nicht.

Kurz, nach ihrem Bericht, wäre das etwas für Mut­ters Ner­ven und für mich ist die Ruhe und Wald­luft sicher auch gut. Sie haben da in vol­ler Pen­si­on gewohnt, sind aus­ge­zeich­net [ver]pflegt wor­den, vori­ges Jahr im Krieg noch. Und sie wol­len dies[‘] Jahr auch wie­der hin. Das Gast­haus nennt sich: „zum wil­den Mann“. (kei­ne Angst Hubo!! Erst mal seh[e]n, ob er uns über­haupt rein­läßt!!) Ich habe mir sagen las­sen, daß zum Gast­haus Flei­sche­rei und Wirt­schaft gehört. Das ist mei­nes Erach­tens inso­fern güns­tig, als man so nicht ganz tro­cken sitzt mit der Ver­pfle­gung. Nun will ich heu­te noch anfra­gen, ob man zur Kur kom­men kann, will mir auch die Bedin­gun­gen sagen las­sen. Unser Papa bekommt im Moment noch kei­ne Feri­en. Uns[e]re Mutsch ab 29. Juni.

14 Tage woll­ten wir auf­neh­men [sic]. Ob Dei­ne Eltern mit dem Orte ein­ver­stan­den wären, wenn’s zum Klap­pen kommt, will ich erst brief­lich erfah­ren. Nun will ich sehen, wie der Hase läuft. Bin wahr­haf­tig neu­gie­rig, ob’s denn nun bei uns end­lich mal was wird mit dem Ver­rei­sen!

Vater soll spä­ter auch noch mal fort­fah­ren, wenn er sei­nen Urlaub hat. Glaubst, Mutsch tut es bit­ter not das Aus­span­nen, wenn sie so wei­ter­macht, ist sie mit ihren Ner­ven bald am Ende. Sie muß unbe­dingt ein­mal los­ge­löst von allem sein. Was nütz­te es schon, wenn sie wie­der mal paar Wochen daheim blie­be vom Geschäft, sie sucht ja dau­ernd nach einer andern Beschäf­ti­gung. Sie muß sich mal rich­tig ent­span­nen kön­nen – und da tun 14 Tage schon Wun­der.

Du wirst gleich erfah­ren wie die Din­ge lie­gen, sobald ich Nach­richt haben wer­de von den Wirts­leu­ten. Herz­lieb Du!! Ich muß Dich nun mit­neh­men, wenn ich wirk­lich ver­rei­se! Bloß auf dem Bild!! Ach Du!! Du!! Herz­al­ler­liebs­ter!!! Wenn Du doch bald, bald wie­der bei mir sein könn­test! Du ahnst ja nicht, wie ich mich nach Dir seh­ne!!! Du!! Ich muß Dich sooooo sehr lieb­ha­ben!!

Sag? Ob man Euch Deut­sche nicht fort­läßt, wenn di[e] Bul­ga­ren „Sal.“ [Salo­ni­ki] in Besitz neh­men???

Ich muß immer an die­se Mög­lich­keit den­ken, Herz­lieb!! Wie wird sich die­ser Krieg noch gestal­ten?

Was wird der „Fall Heß“ nach sich zie­hen?

Heu­te wur­de das ‚Rote Meer‘ als Ope­ra­ti­ons­ge­biet erklärt!

Nun wird dem Ame­ri­ka­ner der Hus­ten weg­blei­ben, ja? So wür­de Herr Hoff­mann sagen, Du!! Übri­gens, der Lie­ge­stuhl ist noch nicht da. – Ges­tern war es herr­lich im Wald! Ich habe unten an der Hasen­wie­se auf einer Bank in der Son­ne geses­sen und fast geschla­fen, so wohl brann­te mir die lie­be Son­ne auf das Fell! 1 ½ Stun­den lang! Die Jun­gen spiel­ten Krieg im Wald. Inter­es­sant! Wie die Gro­ßen! Aber was dabei für Redens­ar­ten fie­len, haar­sträu­bend!! Du!! Der gan­ze Zoo stieg vor mir auf! Aber man beob­ach­tet ganz klar, wie die Ben­gels über alles Bescheid wis­sen in Sachen Krieg. Das wer­den einst tüch­ti­ge Sol­da­ten!

Gebe Gott, daß die­se her­an­wach­sen­de Jugend aus ihrem Spiel nicht doch einst noch ernst machen muß! – So, mein Lieb! Jetzt will ich noch wei­ter­schrei­ben, geschäft­lich! Auf Wie­der­hö­ren!

Gott behü­te Dich mir! Ich küs­se Dich!! Du!! Ich lie­be Dich!!! Ich grü­ße Dich her­zin­nig­lich und wün­sche, daß Du eben­so gesund, und froh im Her­zen bist wie Dei­ne [Hil­de]. Du!!!

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