21. April 1941

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Sonn­tag, den 20. April 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­al­ler­liebs­te, Gelieb­te mein!!

Wo soll ich nun anfan­gen mit dem Erzäh­len? Sollst doch teil­neh­men an allem, was hier vor­geht und was wir hier erle­ben! Ein Päck­chen, wie­der von Dir!, kam heu­te an – mit Fil­men. Konn­te ich gleich einen ver­knip­sen heu­te und brauch­te nicht zu gei­zen. Er geht mit die­ser Post ab, und ich bin gespannt, ob die­se Packun­gen unan­ge­tas­tet in Dei­ne Hän­de gelan­gen. Für Dei­ne Besor­gun­gen sei recht lieb bedankt – noch viel lie­ber für Dei­nen Gruß – ich freue mich, daß Du mir die sin­ni­gen Kar­ten schickst – sind doch sehr schön und sin­nig.

Damit Du Dich in dem Film zurecht­fin­dest, nun gleich einen Bericht vom heu­ti­gen Tage. Mit Kar­tof­fel­schä­len, Put­zen und Bürs­ten, Mus­te­rung und einem etwas bedeu­tungs­lo­sen Erin­nern an den Geburts­tag des Füh­rers wur­de er ein­ge­lei­tet. Ein schö­ner, war­mer Tag mit gro­ßen Wol­ken­bal­len zog her­auf. Nach dem Essen hat sich der Hubo zu einem klei­nen Schläf­chen auf sein Lager gestreckt. Und dann wur­de er geweckt von der Post: von Hell­muth ein Brief, ich habe mich sehr dar­über gefreut – und von mei­nem [Hilde]lieb ein Päck­chen. Nun war es mit der Ruhe vor­bei. Die bei­den Kame­ra­den drän­gel­ten hin­aus, und so haben wir uns zum Land­gang klar­ge­macht mit dem schuß­fer­ti­gen Pho­to. 2 hüb­sche Moti­ve hat­ten wir noch auf dem Kie­ker. So sind wir wie­der durch die Stra­ßen geschlen­dert – sie sind uns nun schon ver­traut – außer der Haupt­stra­ße ver­die­nen sie den Namen Stra­ße kaum. Die Haupt­stra­ße trägt seit Sonn­abend rei­chen Flag­gen­schmuck – neben der Bul­ga­ren­flag­ge die Hackenkreuz­fah­ne [sic]. Bei unser[e]m Schlen­dern ent­deck­ten wir eine zwei­te, recht male­ri­sche und stil­vol­le Moschee, die zu unse­ren Schnapp­schüs­sen reiz­te. 100 m [sic: Meter] hin waren wir an der Maritza – sie führt hohes Was­ser, schmut­zig­gelb und nimmt sich ganz statt­lich aus. Im Som­mer soll sie manch­mal über­haupt ver­sie­gen. Auf einem holp­ri­gen, unge­pfleg­ten Ufer­weg sind wir nun ent­lang dem Flus­se – grü­ne Wei­den, Pap­peln und Rasen, im Hin­ter­grun­de die Schnee­gip­fel der Kar­pa­ten des Bal­kan – es gab ein schö­nes, öster­li­ches Bild, wir wur­den an die Hei­mat gemahnt, zumal auch durch etli­che Fluß­par­ti­en, die leb­haft an eini­ge Elbstre­cken erin­ner­ten. Nur weni­ge Men­schen waren hier unter­wegs – man ergeht sich also wenig hier. Dann gelang­ten wir doch an ein Lokal am Flus­se mit Tanz im Frei­en – wenig ein­la­dend, das Publi­kum gemischt. Ein Laut­spre­cher plärr­te frem­de Tanz­wei­sen. Ein ande­res Bild: am Flus­se, im Ufer­ge­büsch eine Schaf­her­de, ein Hirt – roman­tisch. Dann Gerü­che: am Ufer 6 klei­ne Schlacht­häu­ser, an der Luft zum Trock­nen Bla­sen und Där­me, Abfall­hau­fen, in denen Zigeu­ner­frau­en nach Lum­pen wühl­ten. Die Zigeu­ner: Auf dem Heim­weg sind wir durch ihr Vier­tel gekom­men. Wie es so lie­der­li­ches, zer­lump­tes Volk geben kann in der schö­nen Got­tes­welt. Jeder Blick der Mit­men­schen, jeder Son­nen­strahl, soll­ten man mei­nen, müss­te sie ob die­ser Lie­der­lich­keit beschä­men. Die Klei­der: unglaub­lich stin­ken [sic]. War­um die­se Men­schen ihre Mühe, das Leben zu fris­ten, nicht auf eine ordent­li­che, gewinn­brin­gen­de Arbeit ver­wen­den. Ich schrieb schon, daß auch die Bul­ga­ren die­ses Zigeu­ner­volk von der Sei­te anse­hen.

Kame­rad Herr zer­riß sich sei­ne Blu­se an einem Sta­chel­draht – und die­sen Defekt zu besei­ti­gen, gin­gen wir erst ein­mal zu uns[e]rer Schu­le zurück. Ich habe mir erst­mal rich­tig die Hän­de gewa­schen. Es mag 5 Uhr gewe­sen sein, daß wir noch ein­mal los­zo­gen. Ins Kino woll­te Kame­rad Koh­ser – und wir ander[e]n bei­den lie­ßen uns bestim­men. Wir hat­ten die Wahl zwi­schen einem deut­schen, unga­ri­schen und ita­lie­ni­schen Film. Der deut­sche – ‚Napo­le­on ist an allem schuldʼ war aus­ver­kauft. So ent­schlos­sen wir uns für den unga­ri­schen, ein Kri­mi­nal­film. Der bes­te Platz kos­te­te 17 Lewa = 51 Pfen­ni­ge. Ein unga­ri­scher Film mit bul­ga­ri­schen Hyro­gly­phen [sic] unter­legt – da hieß es span­nen. Das war mir unter­halt­sam – die Auf­nah­men waren gut, die Typen und Situa­tio­nen gut gewählt und gese­hen – ich war recht zufrie­den. Die andern bei­den waren unbe­frie­digt. So – nun sind wir [h]eim. Die Kame­ra­den lie­gen schon auf dem Stroh. Der Hubo – als unver­wüst­li­cher Schrei­ber schon bekannt – er freut sich, mit sei­nem Herz­lieb noch zu plau­dern.

Der kur­ze Gang am Sonn­abend – Herz­lieb – er galt einem besön­de­ren [sic] Geschäft – Du siehst es nun. Wir haben noch ein­mal Lewa bekom­men – und da gab es für den Hubo kein Zau­dern. Dein Wunsch, ich woll­te ihn doch so gern erfül­len – und er hat mich doch auch sehr gefreut, ich kom­me doch sooo [sic] gern zu Dir!!! Ach Herz­lieb! Ich weiß nicht, ob Dir das Bild gefällt. Der Blick ist etwas starr – der Pho­to­graph hat so lang belich­tet – aber ich habe ganz fest an mein Herz­lieb gedacht dabei! Du!!! Du!!!!!

Nun hast [Du] tat­säch­lich auch noch einen Matro­sen­hu­bo. Wer hät­te dar­an gedacht? – Vor einem Jah­re noch? Du! Es ist kein ech­ter Matro­se. In die­se Uni­form gehört ein ver­we­ge­ne­res und ver­zo­ge­ne­res Gesicht, ja? – Eher ein Kapi­tän: Den Blick gespannt und wach und gera­de­aus. Und in die­ser Span­nung doch ein Lau­schen, ein Seh­nen! Welch locken­des Ziel, welch gro­ßes Ziel sieht er wohl vor sich und steu­ert es an?? – Du!!!!! Du!!!!!!!!!!!!! Dich, mein Herz­lieb schaut er! Unser Glück faßt er so scharf ins Auge! Gelieb­te!!! Ich kom­me zu Dir, zu Dir!!! Du! Nun gefällt es mir doch! Das, was ich fühl­te und schau­te, es liegt dar­in: Heim zu Dir!!! Ich kom­me zu mei­nem Herz­lieb!!! Zu mei­nem Weib, dem lie­ben, jun­gen, schö­nen, treu­en!! Du!!! Du!! Herz­lieb!! Ich glaub, so hat Dich der Hubo schon manch­mal ange­schaut!!!!! Nun will ich sehen, ob es Dir gefällt. Ach, ich wünsch­te es! [Du] Darfst es nicht ganz nahe hal­ten!

Mein lie­bes, teu­res Herz!

Wie­der ist es Mor­gen­frü­he, da ich wei­ter­schrei­be. Es ver­lau­tet, daß heu­te erst ½ 8 Uhr geweckt wird. Das könn­te bedeu­ten, daß wir mit den Bul­ga­ren Ostern fei­ern – wir wür­den uns freu­en. Der Sonn­tag mit sei­ner Frei­heit ist doch schö­ner. Weißt, es ist eigent­lich ein recht fau­les Leben, das wir jetzt füh­ren und wir 3 wün­schen uns, daß dann etwas mehr Arbeit ist, damit die Tage bes­ser ver­ge­hen. Ges­tern haben wir kei­ne Nach­rich­ten gehört. Kame­rad Hap­ke erzähl­te, daß die Deut­schen einen zwei­ten ver­nich­te­ten Ver­gel­tungs­schlag gegen Lon­don geführt hät­ten. Welch furcht­ba­res Has­sen tobt sich nun aus! Ach, wenn ich Dich in Ber­lin wüß­te, ich wür­de mich recht um Dich sor­gen. Seid auch daheim nicht leicht­sin­nig und geht bei Alarm auf jeden Fall nach unten, hörst [Du]?

Heu­te viel­leicht kommt Dein lie­ber Bote zu mir! Ich freue mich ganz sehr dar­auf. Nun wirst [Du] auch die gro­ße Bil­der­sen­dung bekom­men und weißt nun so gut Bescheid wie Dein Man­ner­li – und das möch­te ich doch so gern – [Du] sollst ganz viel Beschäf­ti­gung mit mir haben!

Behü­te Dich Gott! Gelieb­te!! So hal­te Dich froh und gesund! Ich bli­cke mit Dir voll Ver­trau­en in uns[e]re Zukunft. Du!!!

Herz­lieb! Ich habe Dich ganz sehr lieb! Möch­test recht viel Freu­de haben an Dei­nem Steu­er­mann Hubo!

Du!! Du!!!!! Nach Dir schaut er aus, nach Dir ganz allein – ganz wach, und, Herz­lieb!, sooo sooooo gern!!! Gott gebe, daß er bald vor Anker gehen kann an Dei­nem lie­ben Her­zen! Oh Du!!! Mein lie­bes, lie­bes Herz­lein!! Wie gern und lieb den­ke ich dar­an!!! Wie gern wäre ich da!!! Du!!

Ich küs­se Dich ganz lieb! Du!! Ich lie­be Dich über alles!!!!!

Mein Glück, mein Son­nen­schein, mein Leben, Du!!!

Ich bin in Lie­be und Treue immer­dar

Dein [Roland]!!! Du!!! Du!!!!!T&Savatarsm

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