26. März 1941

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Mitt­woch, am 26. März 1941.

Mein gelieb­tes Herz! Du mein lie­ber, liebs­ter [Roland]! Herz­lieb!

Du!! So lieb und so still schaust Du auf Dei­nem Bil­de zu mir her­über. Herz­lieb! So sehr lieb hab ich Dich dar­um, Du! Mein [Roland] bist Du! Ganz mein!!

Das Weh, das mich ges­tern nach­mit­tag über­kam, ist heu­te einer wohl­tu­en­den Ruhe gewi­chen. Du!! Es sind nur Stun­den, da der Schmerz mich über­wäl­tigt über Dein Fern­sein. Wie heu­te drau­ßen der wei­ße Schnee alles mit einer wei­chen, lin­den Decke über­zog, so ist auch in mir alles zuge­deckt, was schmerz­lich mich bedräng­te. Liebs­ter Du!! Ges­tern abend in mei­nem Bett­lein habe ich noch ein­mal so ganz lieb und fest Dei­ner gedacht. Habe alle die Sta­tio­nen vor mei­nem geis­ti­gen Auge vor­über­zie­hen las­sen, die wir erleb­ten, seit Du Sol­dat bist – und ich habe gese­hen, wie gütig und gnä­dig uns der Herr­gott trotz allem immer bedach­te; das ist eine Tat­sa­che, die nicht hin­weg­zu­leug­nen ist, auch wenn Trotz und Unzu­frie­den­heit uns den Blick dafür trü­ben woll­ten – wir sind so gütig beschenkt wor­den von Gott. Und das will ich mir immer vor Augen hal­ten, wenn ich wie­der ein­mal schwach wer­den will.

Und ich sah Dich in Gedan­ken vor mir, wie Du Dich auch so sehr seh­nen wirst nach einem Zei­chen von mir, und Du stehst dazu noch in einem frem­den Land, ohne lie­be, ver­trau­te Men­schen um Dich her­um zu wis­sen. Du hast Kame­ra­den, ja, aber mit denen bist Du sicher noch nicht so ganz eins. Ich glau­be, so rasch fin­det man sich nicht zusam­men – äußer­lich wohl – aber inner­lich nicht. Da muß schon eine gan­ze Zeit gemein­sa­men Erle­bens und gemein­sa­men Schaf­fens vor­an­ge­gan­gen sein. Daß man ein­an­der schät­zen und ken­nen ler­nen konn­te im Wesen.

Ich dach­te auch dar­an, daß Du Dich nicht so leicht einem Men­schen anschlie­ßen kannst.

Herz­lieb! Es ist nicht recht, wenn ich trau­rig bin über unser Geschick. Du mußt es mit mir tei­len, mit mir tra­gen – kei­nes hat es leicht – aber, sol­len wir es uns dar­um nicht ein­an­der leich­ter machen? Gelieb­ter!! Du stehst für uns, für das Vater­land im Krie­ge, und ich will kla­gen. Das ist nicht recht. So soll es nicht sein. Wenn nun alle Frau­en so den­ken woll­ten. Du Herz­lieb!! Wir wis­sen, daß Gott nichts ohne Sinn uns schickt, daß alles, was wir Schick­sal nen­nen, nach einem gött­li­chen Plan geschieht – wir wol­len nicht ver­zwei­feln – wir wol­len unser Pla­nen mit dem Got­tes zu ver­ei­nen suchen, nur so kön­nen wir leich­ten, froh­ge­mu­ten Her­zens die­se Zeit über­ste­hen.

Sich selbst über­win­den, es ist nicht leicht – man muß es auch erst ler­nen, wie alles in der Welt.

Der Krieg bringt eine erbar­mungs­lo­se Zer­ris­sen­heit über uns Men­schen alle – dar­an kann nichts etwas ändern – nur der Frie­de. Wir müs­sen alle tap­fer aus­hal­ten, ganz tap­fer; müs­sen uns selbst besie­gen, dann besie­gen wir auch den Feind, dann hel­fen wir alle mit sie­gen.

Du! Herz­lieb! Ich weiß ganz genau, es ist nur die Unge­duld, die mich quält – ich muß sie mei­ner Jugend zuschrei­ben. Es wird noch anders wer­den. Und weil ich Dich an mei­ner Sei­te weiß, Gelieb­ter! Dich! Mei­nen gelieb­ten, treu­en, beson­ne­nen Lebens­ge­fähr­ten, da will es mir auch nicht so schwer wer­den, die­se Unge­duld abzu­le­gen. Gelieb­ter!! Du!! Zu den­ken, wie so lan­ge Du Dich schon sehnst nach einem eige­nen Heim, nach einem frei­en Leben in eige­ner häus­li­cher Ord­nung! Ach Du! Ganz still muß ich sein.

Gelieb­ter!! Unser gemein­sa­mes Leben soll es ja erst begin­nen! Wir ste­hen immer noch im Anbe­ginn des Schöns­ten, daß sich ein Paar ersehnt von Glück der Zwei­sam­keit! Du!!! Schen­ke uns der Herr­gott in Gna­den recht bald die­ses lang ersehn­te Glück! Möch­te er Dei­nen Weg seg­nen, Gelieb­ter!! Du!! Heu­te ist der Wil­le stark und mäch­tig in mir: Dir froh und zuver­sicht­lich die Hei­mat zu hal­ten und zu berei­ten, daß Du ganz glück­lich und ganz froh heim­fin­den kannst! Das ist mein gro­ßer Wunsch, Herz­lieb!! Wir sind bei­de noch jung, wir müs­sen eben­so stark sein wie wir jung sind. Und ich will mich nicht unter­krie­gen las­sen von dem Geschick, an dem jetzt alle Deut­schen tra­gen. Du! Gelieb­ter! Mein [Roland]! Sei nicht trau­rig mit mir. Sei zuver­sicht­lich und ganz tap­fer mit mir!

Ver­trau mit mir auf unse­ren Herr­gott!

Er wird es wohl machen.

Mein Herz­lieb! Heu­te hat mir der lie­be Vater einen lie­ben Brief geschrie­ben. Du! Wir ste­hen ja gar­nicht [sic] allein! Alle die Lie­ben neh­men Anteil an unser[e]m Geschick. Es hat mir so wohl getan, das zu füh­len.

Vater muß nun in sei­nen alten Tagen die Unord­nung des Getrennt­le­bens auch noch ein­mal aus­ste­hen. Wenn sich doch hier ein and[e]rer Weg fän­de, damit alles ins alte Geleis [sic] kommt. Vater rech­net mit noch irgend einer Ände­rung in der gan­zen Ange­le­gen­heit, das schreibt er mir im Zusam­men­han­ge mit der Woh­nungs­fra­ge. Viel­leicht, daß er noch gar­nicht [sic] in D. bleibt. Die jet­zi­gen Ver­hält­nis­se gestat­ten eben nir­gends einen kla­ren Über­blick. Er möch­te, daß ich am 6. April ihm ein­mal bis C. ent­ge­gen­kom­me, um ein­mal aus­zu­ge­hen. Ich will ihm aber heu­te noch schrei­ben, er möge lie­ber bis zu uns kom­men. Ich fin­de kein Ver­gnü­gen dar­an, mich einen gan­zen Tag lang in Gast­stät­ten her­um­zu­drü­cken – daheim ist’s ja viel beque­mer. Und bil­li­ger oben­drein! Ostern wird er erst wie­der heim­fah­ren. Nach Ostern will uns die lie­be Mut­ter mal ein paar Tage besu­chen, da freue ich mich schon jetzt. Sie fra­gen alle nach Dir, Liebs­ter! Und ich kann ihnen doch so herz­lich wenig sagen. Du!!! Es wird bald am längs­ten gedau­ert haben, das War­ten auf Dei­nen Brief. Du! Ich habe wie­der von Dir geträumt, Herz­lieb! Einen Brief bekam ich erst von Dir und ein Bild war drin! Du!! Wie schön!! Ob es wahr wird? Mit dem Bild? Ich tät mich ganz toll freu­en!!! Und Dei­ne neue Num­mer, die sehe ich jetzt noch ganz genau vor mir: 20326. Addie­re mal die Zah­len ohne die Null! Ist eine 13, da wird’s schon die rech­te Num­mer sein, Du!! Bis zum 3. April sol­len die Oster­päck­chen für Sol­da­ten abge­schickt sein, ich hal­te schon seit Tagen flei­ßig Aus­schau nach dem Oster­häs­chen!! Nun, mein herz­lie­bes Man­ner­li, Du!! Will Dir für heut’ Ade sagen! Sei recht froh und zuver­sicht­lich mit mir! Gelieb­ter, ja? Du!!! Der Herr­gott schüt­ze und behü­te Dich mir! Mein Herz­lieb, Du!!!

Ich lie­be Dich! Ich lie­be Dich unsag­bar! Du!!!!!!!!!!!!!

In Treue und inni­ger Ver­bun­den­heit Dei­ne [Hil­de].T&Savatarsm

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