12. März 1941

T&Savatar[410312–2‑2]

Mitt­woch, am Abend 10 Uhr.

Herz­al­ler­liebs­ter! Eben kom­me ich von der Bahn, zum 2. male [sic] ver­geb­lich. Nun will ich den ¾ 11 [Uhr] Zug noch abwar­ten, wenn S. dann nicht mit­kommt[,] gehen wir schla­fen. Ein mir bekann­ter Sol­dat kam mit dem Zug nach 9 Uhr, der ist in K. in Gar­ni­son; eigent­lich hät­te S. müs­sen doch auch dabei sein. Er schreibt: Mor­gen Mitt­woch bin ich bei Euch, ent­we­der […] [Uhr] oder […] [Uhr]. Nun habe ich auch immer noch Hoff­nung. Und ich will ihn doch auch abho­len, er weiß doch den Weg nicht. Mutsch geht auch mit. Sie kocht eben noch eine Sup­pe, von der fet­ten Hüh­ner­brü­he, ges­tern gabs’ [sic] bei mir Huhn (vom Vater geka­pert!!) mit Nudeln. Ach ja, Herz­lieb! Heu­te umsor­gen wir nun Dei­nen lie­ben Bru­der! Wann, wann wer­de ich Dich erst wie­der so lieb, viel mehr und ganz anders lieb umsor­gen dür­fen? Mein [Roland]! Du!! So wun­der­bar ist die Nacht drau­ßen. Voll­mond wird, der Him­mel ist klar, all die lie­ben Ster­ne fun­keln. Und uns[e]re bei­den! Ich muß sie immer beob­ach­ten, Du!!

Ach, Liebs­ter!! Wenn nun der süd­li­che Him­mel sich über Dir wölbt, da kannst Du die Freu­de an unse­ren bei­den Ster­nen gar­nicht [sic] mit mir tei­len! Du!! Aber die Wol­ken, die Son­ne, der Mond, die brin­gen Dir Grü­ße von mir! Und all die süßen Vogel­stimm­chen, sie sagen Dir von mei­ner Lie­be, von mei­ner Sehn­sucht. Und umge­kehrt ist es genau so, Du!! Wie will ich flei­ßig lau­schen und zuhö­ren, wenn es ihrer immer mehr wer­den dem Früh­ling zu. Wie Eis­kris­tal­le flim­mern heu­te abend die Äste der Bäu­me im Mond­licht. Eine frost­klir­ren­de Nacht. Und Schnee liegt – und doch – tags­über vol­ler Früh­lings­ah­nen. Es ist so gut, daß wir mit dem stei­gen­den Lich­te gehen! Ganz so trost­los ist es dar­um allein schon nicht um uns.

Wo wird mein Herz­lieb denn jetzt sein? Ach, wenn ich nur erst ein Zei­chen hät­te von Dei­nem wirk­li­chen Auf­ent­halts­ort, wo Du eine Zeit­lang gewiß sta­tio­niert bist. Die Mutsch und der Papa, sie sor­gen sich auch so um Dich, Vater hat ja eher einen Begriff von Sol­da­ten­ver­hält­nis­sen – aber trotz­dem; daß Du nun so weit fort mußt, das ist bei­den nicht lieb.

Daß Du weit fort mußt. Ja, ich glau­be, das ist nun so gut wie sicher. Du sprichst selbst auch davon, Liebs­ter. Aber – ich bin nun ganz zuver­sicht­lich und tap­fer mit Dir! Des sei gewiß! Ich will es recht tra­gen, unser gemein­sa­mes Los! Mein Gelieb­ter!! Ich bin Dein – bei­de sind wir eins – ein Gan­zes! Und Gelieb­ter!! Bit­te, bit­te sor­ge Dich nicht um mich, wie ich es tra­gen wer­de! Oh – ich kann ganz stark und tap­fer sein, rech­te Frau­en kön­nen das! Und um Dich kann ich es erst recht! Und viel, viel leich­ter, als um einen ande­ren Men­schen, weil ich Dich lie­be!! Weil Dir mein Herz gehört! Und weil ich ganz sicher weiß, wie treu ich von Dir wie­der geliebt wer­de. Du glaubst nicht, wie stark mich das Bewußt­sein macht; das Wis­sen um Dei­ne treue Lie­be. Mein [Roland] Du!! Nun wol­len wir noch ein­mal zur Bahn gehen.T&Savatarsm

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