06. März 1941

Bismarck 1940 Logo 001.svg
Logo des Films Bis­marck, Regie: Wolf­gang Lie­ben­ei­ner, 1940. Tobis. Gemein­frei über Wiki­pe­dia, 3/2016.

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Don­ners­tag, den 6. März 1941.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]!!

Schon wie­der 8 Tage ver­stri­chen – wie­der 8 Tage der schö­nen Jah­res­zeit näher. Du! Heu­te spürt man sie ganz deut­lich in der Luft. Du! Wenn ich für immer bei Dir sein kann, dann fra­ge ich nicht mehr nach Tages- und Jah­res­zeit – dann sind sie mir gewiß alle gleich lieb, oder so lieb wie Dir. Aber jetzt freue ich mich, daß wir mit dem auf­stei­gen­den Lich­te gehen – es erhellt uns[e]re Bara­cken­welt – es ver­län­gert zwar den Tag – Du! Und es führt uns dem Ende die­ses Krie­ges näher, so hof­fen wir doch! Wir brau­chen jetzt nur noch mor­gens eine Stun­de bei Licht zu arbei­ten – und abends ist es hell noch ein paar Stun­den in uns[e]rer Frei­zeit, jetzt z[um] B[eispiel] schrei­be ich noch bei Tages­licht.

Dein lie­ber Bote von ges­tern ist schon wie­der bei mir. Herz­lieb! Ich dan­ke Dir für Dein getreu­es Geden­ken. Du! Liebs­te!! Weißt [Du], was ich jetzt eben unter­schla­gen woll­te zu schrei­ben? So jung und schon so treu! Ach Herz­lieb! Ich den­ke manch­mal, es könn­te gar nie­mand so treu sein! Was heißt es denn eigent­lich, treu sein? Fest­hal­ten, bestän­dig sein, glei­chen Sin­nes blei­ben – auch wenn es schwer wird, auch wenn Wider­stän­de sich erhe­ben. Über­all um uns sehen wir die Welt im Wech­sel begrif­fen. Der Wech­sel scheint das natür­li­che [sic] zu sein. Und wenn wir nach Sym­bo­len für die Treue suchen, dann neh­men wir alte, über­dau­ern­de Bäu­me, Erz und Stein, Gold, den gestirn­ten Him­mel. Hin­fäl­lig sind auch sie – Gott allein ist ewig – wenn auch für unser kur­zes Men­schen­le­ben kaum sicht­bar. Wenn wir Men­schen uns nicht in Zucht neh­men in kri­ti­schen Stun­den, dann gerät die Treue in Gefahr. Herz­lieb! Dir die Treue hal­ten, das wird mir so leicht, weil ich Dich so sehr lie­be, weil Du mir so in allem Erfül­lung bist. Und ich weiß beglückt, daß auch Du so fühlst. Wir rüh­ren bei­de gar nicht an die Schran­ken, die uns die Treue setzt, wir ste­hen ja ganz frei in der Mit­te, wo die Lie­be uns bin­det und ver­eint, stär­ker als alles ande­re. Aber wir wis­sen auch, daß das Schick­sal uns auf Pro­ben stel­len kann. Für vie­le ist schon die Tren­nung, die der böse Krieg bringt, eine Pro­be, an der sie schei­tern. Die Tren­nung bringt Schmerz und Seh­nen und War­ten und Unge­duld, vie­len auch Ver­su­chung. Herz­lieb! Wir tra­gen sie gern und leicht, eines dem ande­ren zu Lie­be – wir tra­gen sie demü­tig als ein Geschick Got­tes, von dem wir wis­sen, daß es einen Sinn hat und von dem unser Trau­spruch noch mehr sagt! Ach, der Mensch ohne Glau­ben, er kann eigent­lich nicht treu sein – er muss wie ein Schmet­ter­ling von Ver­su­chung zu Ver­su­chung gau­keln. Der Glau­be doch allein gibt unse­rem Leben Sinn und Rich­tung und Kurs, er ver­leiht dem Men­schen erst Cha­rak­ter und Wür­de und befä­higt ihn, ein gan­zer Mensch zu sein. Ein gan­zer Mensch sein – etwas Gan­zes wol­len – ein­an­der ganz gehö­ren – ein­an­der ganz erfül­len – wor­um lohn­te es sich sonst zu leben? Herz­lieb! Unser bei­der Sinn steht nach die­sem Gan­zen – wie glück­lich sind wir dar­um! – ein Gan­zes zu wer­den und dar­zu­stel­len, das ist die gro­ße Auf­ga­be, an der wir froh schaf­fen möch­ten. Gelieb­te! Wie froh sind wir zu wis­sen, daß Lie­be nicht nur Lau­ne und süße Stun­de ist, son­dern eine Auf­ga­be, eine Lebens­ar­beit, an der wir Sei­te an Sei­te schaf­fen dür­fen! Du!! Wir haben sie bei­de so gese­hen, so ernst und bedeut­sam und ent­schei­dend. Wir kön­nen jetzt schon abse­hen, daß die­se Auf­ga­be unser gan­zes Leben in sei­ner Län­ge und Tie­fe bean­spru­chen wird, wir brau­chen kei­ne Lee­re zu fürch­ten. Wir dür­fen aber auf Got­tes rei­chen Segen und inne­ren Reich­tum bau­en, wenn wir die­se Auf­ga­be getreu­lich erfül­len.

Achtung Feind hört mit Logo 001
Logo des Films Ach­tung! Feind hört mit! Regie: Arthur Maria Raben­alt, 1940, Ter­ra-Film­kunst GmbH. Gemein­frei über Wiki­pe­dia 3/2016.
Herz­lieb! Es ist heu­te sehr unru­hig in der Stu­be. 13 Mann sind heu­te zu Gefrei­ten beför­dert wor­den – und nun wird gefei­ert, [Du] kannst dir´s schon den­ken. Aus der Schreib­stu­be sind bin ich vor­hin geflo­hen, es war mir zu kalt da. Um 7 Uhr übten wir wie­der im Gesang­ver­ein. Heu­te kam auch ganz ein beson­de­rer Auf­trag. Ende Janu­ar muß­ten von der Kom­pa­nie alle musi­zie­ren­den Sol­da­ten gemel­det wer­den. Ich mel­de­te mich als Kla­vier­spie­ler. Heu­te nun war ich zur Pro­be des  ‚Orches­ters’ im Kös­ter­heim gela­den. Dazu fah­ren von uns schon immer zwei Kame­ra­den (Gei­ger). Ich war dar­über gar nicht erbaut. Aber es gab dage­gen kei­nen Ein­spruch. Wir wur­den im Per­so­nen­wa­gen hin- und zurück­ge­fah­ren. Der Kame­rad aus Liebstadt fuhr uns. Ich muß­te das Har­mo­ni­um bear­bei­ten. Die Pro­ben sol­len wöchent­lich sein. Wenn nächs­te Woche Maat Z. auf Urlaub weilt, wird mich der Haupt­feld­we­bel nicht weg­las­sen. Das ist mir recht. Aber das ist alles halb so wild.

Heu­te war der Kino­mann bei uns mit 2 Vor­stel­lun­gen. Ich sah mir einen Film an: Feind hört mit!, ein Spio­na­ge­film. Recht, daß Du Dir den Bismar[c]kfilm ansahst.

Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]! Ich will nun zu Bett gehen. Es ist mir so wie Dir ergan­gen: Mein Schlaf­be­dürf­nis war gar nicht sehr groß und schnell befrie­digt. Ich schla­fe wie­der ziem­lich wenig und unru­hig. Ich muß mich wohl erst wie­der her­ge­wöh­nen. Das Eigen­lob vom pünkt­li­chen Her­ein­las­sen? Kann gar nicht über­trie­ben sein. 1 wie in allem, Du!!

Behü­te Dich Gott! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Um mich lärmt und trinkt es, etli­che trin­ken sinn­los – sie freu­en sich auf ihre Art. Aber die­ses Freu­en ist lau­nisch und unbe­stän­dig. Dein Hubo hält sich an eine bes­se­re, bestän­di­ge­re Freu­de! Herz­lieb, Du!! Gelieb­te mein! Du mei­ne gan­ze Freu­de, mein Glück, mein Leben und Son­nen­schein! Ich lie­be Dich von gan­zem Her­zen, ich blei­be in uner­schüt­ter­li­cher Treue Dein [Roland]!! Und Du bist mein! Du!!!!!T&Savatarsm

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