01. März 1941

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Am 1.3.1941 unter­zeich­ne­te Bul­ga­ri­en sei­nen Bei­tritt zum Drei­mäch­te­pakt, hier sind die Unter­schrif­ten von Bog­dan Filow, Ioa­chim Rib­ben­trop, Cia­no und Hiro­shi Oshi­ma auf dem Bei­tritts­pro­to­koll zu sehen. Lizen­ziert unter Wiki­me­dia Com­mons, über Wiki­pe­dia 3/2016.

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Sonn­abend, den 1. März 1941

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, liebs­te [Hil­de]!

Bin doch ein rich­ti­ger Meis­ter. Das ers­te, was ich hier begin­ne, ist, daß ich wie­der schrei­be. Mal sehen, ob ich es noch kann. Alles schläft noch. 7 Uhr ist es, da ich mich her­ein­steh­le in die Bara­cken­welt. Alles schläft – oben in den Bun­kern. Alarm ist gewe­sen (in Kiel nicht), nun wird erst um 8 Uhr geweckt – dazu sind wir Wach­bat­te­rie. Aber etli­che Kame­ra­den schla­fen doch unten, und die möch­te [ic]h nicht stö­ren, und so habe ich mich in die Schreib­stu­be geschli­chen, um gleich ein Stünd­chen mit Dir zu plau­dern. Noch steckt Dein Hubo in der Urlaubs­haut. In einer Stun­de wird sie unbarm­her­zig zer­ris­sen. Aber ich bin Gott­lob [sic] glück­lich am Ziel – nicht am Ziel mei­ner Wahl, Herz­lieb, Du weißt es, das liegt ganz wo anders [sic]! Also, Du warst ja Zeu­ge mei­ner Abfahrt, knüp­pel­dick fuhr der Zug los, in Hal­le kamen noch mehr dazu – und bis Mag­de­burg gab es nur Steh­platz wie etwa um die Zeit vor einem Jah­re zwi­schen Dres­den und C. Aber in Mag­de­burg habe ich dann einen Sitz­platz erwischt, den ich bis Lud­wigs­lust behaup­tet habe – und auch bis Kiel habe ich fein geses­sen. Ach, und von Mag­de­burg an, da habe ich dann oft an die die [sic] Uhr sehen müs­sen, und habe mein Herz­lieb gese­hen – und habe es gespürt, wie es so Schritt um Schritt nach Hau­se gelang­te – 1750 – 1912 – 1930 – 1947 – Du! Du!! Gelieb­te!! Allein – allein!! Ich muß­te noch ein­mal ganz trau­rig sein!! Dann über­kam auch mich die Müdig­keit, nach­dem ich von dem Mund­vor­rat etli­ches ver­speist hat­te. Onkel A. habe ich nicht wie­der­ge­se­hen – der Zug war auch zu stark besetzt. Bis Kiel bekam er 40 Minu­ten Ver­spä­tung. Nach Mit­ter­nacht lief der Zug in den Haupt­bahn­hof ein. Nun bin ich zur Über­nach­tungs­stel­le gegan­gen. Über 100 Men­schen begehr­ten ein Nacht­la­ger. Erst gab es noch eine kräf­ti­ge Sup­pe und Him­beer­was­ser für den Durst, dann beka­men wir eine Koje ange­wie­sen in einem gro­ßen Schlaf­saal. Die ½ 5 Uhr geweckt wur­den, lagen in einer beson­de­ren Ecke. Und so habe ich knap­pe 4 Stun­den geschla­fen, muß eben noch viel nach­ho­len. 507 [Uhr] fuhr der Zug nach Eckern­för­de. Ich hat­te gleich Anschluß an den Bar­kels­by – Expreß. Über­all sind noch Schnee­fet­zen, und die Wege sind grund­los. Na, ich bin in mei­ner gewohn­ten Umge­bung – und das ist zunächst ein wenig schmerz­lich und tröst­lich zugleich. Ach, Herz­lieb! Du kannst mich ja nicht miß­ver­ste­hen – ich fand kei­ne Wor­te in der letz­ten Stun­de – u.[nd] muß­te die Trau­rig­keit nie­der­kämp­fen. Wir haben sie so lan­ge wie mög­lich aus unse­rem Urlaub ver­drängt, aber sie kam eben doch. Herz­lieb! Sei nicht mehr trau­rig! Ich will es auch nicht sein! Wir wol­len Gott ver­trau­en – wir wol­len ihn bit­ten, daß er unser gro­ßes Glück hüten hilft – und wol­len nun bei­de wie bis­her in unse­ren Her­zen wei­ter dar­an bau­en, und wol­len es hüten! Gelieb­te!! Wol­len es hüten!!! Ich wüß­te jetzt gar nicht, wo noch dar­an zu bau­en wäre – so so [sic] groß – war es, so reich!! Du!! Du!!

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Der Tisch­fern­spre­cher W 38 war in die­sen Jah­ren das am meis­ten ver­brei­te­te Tele­fon; hier eine Aus­füh­rung aus dem Jahr 1949. Foto von Nobsy, 2/2013, lizen­ziert über Wiki­me­dia Com­mons, 3/2016.

Herz­lieb! Neben mir war­tet schon das Tele­fon. Sobald geweckt wird, will ich es betä­ti­gen, eher nicht, damit ich nie­man­den stö­re.

Du! Herz­lieb!! ich bin noch ganz bei Dir! Spü­re Dei­ne lie­ben Wan­gen, Dei­ne lie­ben Hän­de. Ich kann jetzt wei­ter nichts sagen als: Sei bedankt! Sei tief bedankt!! Dein bin ich! Dein blei­be ich! Dir gehö­re ich! Um Dei­ne Lie­be will ich die­nen immer aufs neue[sic]!! Du!! Dein [Roland] ist so glück­lich!!

Behü­te Dich Gott!!! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Sage den Eltern von mei­ner Heim­kehr! Sage ihnen vie­len, vie­len Dank und herz­li­che Grü­ße!

Du! Herz­lieb!! Ich bin Dich [wohl: Dein] [Roland]!! Du! ich küs­se Dich ganz lieb und drü­cke Dei­ne Hand ganz fest. Mei­ne [Hil­de]!!!!!!T&Savatarsm

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