25. Januar 1941

T&Savatarsm[410125–2‑1]

Sonn­abend, am 25. Janu­ar 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!! Gelieb­ter!! Du!!

Nun bin ich wie­der ganz, ganz Dein! Nur für mein Herz­lieb bin ich da. Von mei­ner Hams­ter­fahrt, noch im grau­en Däm­mer des anbre­chen­den Tages, bin ich unbe­hel­ligt zurück­ge­kehrt. Gefah­ren bin ich, dies­mal wars’ [sic] ganz ange­nehm! Der Vor­mit­tag ging rasch hin. 2, zwei! lie­be Boten habe ich von Dir bekom­men! Wäsche woll­te gewa­schen sein, Mit­tag­essen gekocht, Vater hat Tages­dienst, da muß ich[‘]s hin­tra­gen. Anschlie­ßend, nach 1 Uhr noch ein Gang nach der Stadt, ich hat­te vie­le Wege zu erle­di­gen; unter ande­rem brach­te ich uns auch eine Ver­dunk­lungs­bir­ne mit, die will ich mor­gen mal im Schlaf­zim­mer ein­schrau­ben! Und ein Hoch­zeits­ge­schenk kauf­te ich für Fräu­lein N. vom Fri­seur; ein Abfin­dungs­ge­schenk — aber nicht aus uns[e]rer Kas­se, Vater ist Kun­de bei dem Fri­seur.

Dann galt es noch im Orte aller­hand ein­zu­ho­len für die hung­ri­gen Mägen, die beson­ders sonn­tags immer recht ver­lan­gend knur­ren bei uns! Und dabei reg­ne­te es so herz­lich – über­all stan­den viel [sic] Leu­te in den Geschäf­ten und da ist eine Stun­de rum, ehe man sich ver­sieht. Im Cafe M. kehr­te ich ein und kauf­te 3 Wind­beu­tel und 3 Stück Sand­tor­te für den Sonn­abend­nach­mit­tag­kaf­fee, den ich aber nur mit Mutsch ein­neh­men konn­te, als ich kurz vor 4 Uhr zurück­kam. 1,50 [R]M bezahl­te ich für die paar Lecke­rei­en! Aber man ist halt der Mei­nung: du hast wie­der mal Kuchen geges­sen. Und von M.s Bäcke­rei ist man – fast aus­nahms­los in der Umge­bung – nicht nicht [sic] ent­täuscht. [Du] Sollst mal sehen, wel­cher Betrieb bei denen jetzt im Cafe, im Gast­zim­mer herrscht, seit wir Mili­tär da haben. Alle, die sich ‚sowas’ ohne beson­de­re Ein­schrän­kung leis­ten kön­nen, keh­ren da ein und schlem­men. Wenn ich mal da vor­bei gehe, sieht ‚man’ hin­ter der Gar­di­ne her­vor und Kom­men und Gehen kann ich beob­ach­ten.

Na – mein Hubo, Herr Kan­tor, hat sich[‘]s da auch ger­ne wohl sein las­sen, ja?! Und wenn er bei mir ist, da stellt er sich sei­nen alten Damen sicher­lich wie­der mal als schnei­di­ger Sol­dat vor – mit Anhang natür­lich – allein las­se ich Dich nicht mehr ausgeh[e]n!!

Ja – es ist jetzt 6 Uhr, mit dem Gong­schlag! Vater kan[n] jeden Augen­blick heim­kom­men. Die Mutsch ist 1/4 6 mit dem Bus zur Oma. Weißt, Herz­lieb? [Du] Mußt nicht den­ken, daß ich die Ein­sam­keit schmerz­lich emp­fin­de, Du!! Wenn ich sonn­abends abends so ganz allein bin! Nein Du!! Ich lie­be die Ein­sam­keit oft!! Beson­ders dann, wenn ich mit Dir plau­dern will, Du!! Da habe ich oft sogar schon die Eltern fort­ge­schickt abends, mal zu Besuch, zur Mut­ter, oder irgend wohin! Ja – das brin­ge ich fer­tig! Weil ich mich dann seh­ne nach Ein­sam­keit! Nach Ruhe! Dann will ich nur für mich ganz allein im Zim­mer sein.

Und was das Schmerz­li­che ist, das mich manch­mal über­mannt, das ist die unge­still­te Sehn­sucht nach Dir!! Du! Weil sie dann ganz unge­hemmt her­vor bre­chen kann, wenn ich mich unbe­ob­ach­tet füh­le. Weißt, wenn ich so ganz mit aller Hin­ga­be Dein den­ken will, muß ich allein sein. Wenn mein Wesen viel­leicht auch anders gear­tet ist, als daß es dar­auf schlie­ßen lie­ße: ich lie­be die Ein­sam­keit. Ich lie­be sie aber in Wirk­lich­keit auch. Wenn ich zurück­den­ke: als wir noch nicht ver­hei­ra­tet waren, auch noch nicht ver­lobt, es war im Som­mer, wie oft, wie so ger­ne bin ich in den Wald hin­aus gelau­fen, in die Fel­der, hab[‘] auf einem Feld­rain geses­sen – auf einer Stel­le ein­sam, von Wald umge­ben – mit mei­nem Brief­block – und habe Dein gedacht. Sieh – schon zu Anfang uns[e]rer Lie­be such­te und sehn­te ich mich nach Ein­sam­keit. Und wenn es das Wet­ter nicht erlaub­te, da bin ich oft auch nach­dem ich schon zu Bett gegan­gen war und gelauscht hat­te, wann die Eltern schla­fen gin­gen, wie­der auf­ge­stan­den und habe mit Dir geplau­dert, bis in die Nacht hin­ein – ich ver­ges­se dann Zeit um Raum, alles um mich her – kein Mensch weiß das – und ich habe oft viel Ängst­lich­keit über­win­den müs­sen, bei dem Gedan­ken: ein­mal kön­nen dich die Eltern erwi­schen. Ich habe schon von jeher die Ein­sam­keit vor­ge­zo­gen, wenn ich mei­ne Sin­ne alle mit­ein­an­der auf eines rich­te, Du!! Du!!! [Du] Mußt nicht den­ken, daß es mich schmerzt, daß ich mir ver­las­sen vor­kom­me, Herz­lieb! Du!!

Es ist nur die Sehn­sucht nach Dir, die Lie­be zu Dir!! Sie läßt mir kei­ne Ruhe, sie ruft nach Dir so inbrüns­tig, wenn ich nie­man­den um mich habe. Und doch ist es solch schmerz­lich süßes — won­ni­ges Gefühl, wenn ich spü­re, wie alles in mir sich ver­zehrt in Lie­be nach dem Einen – es möch­te immer, immer wie­der mich in sei­nen Bann schla­gen – und ich wer­de nicht müde, mich die­sem unbe­schreib­lich bese­li­gen­den Gefühl hin­zu­ge­ben, es über mich Macht gewin­nen zu las­sen, es ist nun schon so wie eine Lei­den­schaft über mich gekom­men; ich kann es nicht mehr mis­sen. Und ich muß es immer wie­der ein­mal so ganz hef­tig und stark füh­len, wie ich Dich inbrüns­tig lie­be, wie wert Du mir bist.

Wenn ich fort­wäh­rend in Gesell­schaft wäre, ich glau­be es wäre dann, als ob sich da mei­ne Nei­gung ver­fla­chen müß­te, als wenn mich die Ablen­kung wie ein Gift berau­schen wür­de. Und das darf um nichts in der Welt gesche­hen – nein!!! Ich will die tie­fe Lie­be zu Dir erle­ben, wie es mein Wesen will, mein Inne­res – ich mag kei­nen, kei­nen zwi­schen mir und Dir dul­den! Du!!! Wenn auch die Zeit der Tren­nung manch­mal schmerz­lich zu ertra­gen ist – ich wer­de es alles, alles ertra­gen. Ich will alles, was um uns geschieht, die gan­ze Geschich­te uns[e]rer Lie­be mit wachen Sin­nen erle­ben – alles will ich – Freu­de und Schmerz. Ich will nich[t] betäubt sein mit irgend etwas mit Ablen­kung oder sonst etwas – ich will auch von den Eltern nicht betreut sein – nein – ich will es allein durch­fech­ten – will alles aus eig[e]ner Kraft ertra­gen – weil ich fest und stark wer­den will ohne Hil­fe, um den ande­ren Teil des mir bevor­ste­hen­den Lebens zu ertra­gen. Sieh, wenn ich nun nur Dich hät­te? – ich müß­te auch aus­har­ren.

Und weil ich nie­man­den [sic] als Dir gehö­re und dem Herr­gott, so will ich auch nur Dei­nen Trost und Got­tes Trost. Du!! Ich bin Dir so von Her­zen dank­bar, Du!! Daß ich nicht mehr unter den vie­len Mäd­chen in der Fabrik sein muß, daß ich ihre Welt, ihre enge Welt ver­ges­sen kann, ach so ger­ne ver­ges­se ich sie! Daß ich in mei­ner Welt für mich nur Dir leben darf! In uns[e]rer Welt muß ich nun sagen! Du!

So viel Reich­tum bedeu­tet mir das! Ich möch­te nie mehr dahin zurück; wenn ein Mensch schon den guten Wil­len hat, ein Eige­nes dar­zu­stel­len, für sich allein zu ste­hen, es ist so schwer – für einen jun­gen Men­schen dop­pelt schwer, der noch am Anfang der Lebens­kunst steht; die Art der ande­ren, die Art der brei­ten Mas­se ist wie ein Sumpf, der alles mit sich in die Tie­fe zieht.

Und wenn auch Stun­den waren der fro­hen Gesel­lig­keit und Anre­gung, ich bereue es kei­ne Stun­de, daß ich dafür ein Leben der Stil­le und Ein­sam­keit ein­tausch­te. Glaubst Du? Herz­lieb? Wenn ich mir ein­mal die Fra­ge vor­le­ge; wie wäre es dir lie­ber, wenn Mut­ter mit daheim sein könn­te – oder wenn sie arbei­ten geht? Ich beant­wor­te sie mir: es ist mir lie­ber, wenn ich allein daheim bin. Du!! Ich weiß nicht, ob das unrecht von mir ist, ob ich hart­her­zig oder ego­is­tisch bin – ich sehe die Mut­ter wirk­lich ger­ne daheim, auch den Vater. Aber ich bin auch so froh, wenn ich allein sein kann, Du!! Rich­tig ganz für mich.

Weil eben alle mei­ne Gedan­ken, mein gan­zes Sein und Tun und dDen­ken bei Dir sind – nur bei Dir!!! Ich kann es ja auch nicht ändern, Herz­lieb! Seit ich Dich in mein Herz geschlos­sen habe, Du!! Da ist für nie­mand ande­res noch ein Platz dar­in. Ich habe die Eltern auch noch lieb – ja gewiß! Aber anders lieb! Erst kommst Du! Immer Du! Und das ‚Du’ füllt mich so ganz aus – bis oben hin an den Rand mei­nes Her­zens, Du!!! Ich lebe mein Leben nur noch Einem – ich gehe nur noch in Einem völ­lig auf und die­ser Eine bist Du, Gelieb­ter!!! Ich mag gar­nie­man­den [sic] wei­ter um mich haben, Du!!! Und jetzt, wo Du nicht leib­lich bei mir bist, da bin ich und bist Du doch eben­so innig und ganz fest mit den Gedan­ken bei mir. Jeder mei­ner Nach­mit­ta­ge gehört Dir – jeder Dei­ner Aben­de gehört mir. Du!!! Wie könn­te es denn auch anders sein?!!

Gelieb­ter!! [Du] Sollst mich nicht bemit­lei­den in mei­ner Ein­sam­keit – ich emp­fin­de sie nicht schmerz­lich, weil die Eltern nicht da sind – ich emp­fin­de nur die dann auf­stei­gen­de hei­ße Sehn­sucht nach Dir schmerz­lich – doch sie reibt mich nicht auf, macht mich nicht lust­los, müde, dem Leben gegen­über – nein! – sie zeigt mir immer ein­dring­li­cher und deut­li­cher, wie sehr ich Dich lie­be – wie innig Du mir ver­traut bist – wie ich ganz fest an Dir hän­ge, Du!!! Sie zeigt mir nicht nur all das, sie gibt mir auch Kraft, immer wei­ter ganz Dein zu sein, ganz, ganz D[ein] – auch im Hin­blick auf die Zukunft. Wir müs­sen uns dar­über klar sein, daß die Tren­nung noch eine gan­ze Wei­le ihr Recht behaup­tet – das soll uns aber nicht schre­cken! Wenn Gott uns nur nach­dem gesund zusam­men­führt – ich will gedul­dig war­ten. Und noch ein­mal, Herz­lieb! Grüb­le nicht mehr dem nach, daß mich die Ein­sam­keit bedrückt.

Unse­re Fami­lie, unter dem Ver­hält­nis der Lebens­be­din­gun­gen wie wir sie gewöhnt sind: straf­fe Arbeit – dafür Lohn, ken[n]t so Ent­span­nung und Har­mo­nie im Fami­li­en­krei­se nicht, wie Du das z.B. von Hau­se aus kennst – hier auch macht sich eben der Stan­des­un­ter­schied bemerk­bar, die Eltern sind das nicht anders gewöhnt, – sie ver­mis­sen auch bestimmt nichts, wenn es Tag für Tag Beschäf­ti­gung gibt[,] und ich? [Ich] Wäre bei­na­he eben­so in ihr Leben mit hin­ein­ge­wach­sen, wenn – wenn mein [Roland] nicht gekom­men wäre und mir sei­ne Welt auf­ge­schlos­sen hät­te. Sieh, ihre Gedan­ken­welt kennt ja aus­schließ­lich nur eines: Arbeit! Womit Du Dir Dei­ne Muse­stun­den [sic] aus­fül­len kannst: mit Lesen, Musi­zie­ren u.s.w.[,] mit all den vie­len, schö­nen Din­gen – dafür fehlt den Eltern der Sinn, das ist viel­leicht in ihren Augen sogar ver­schwen­de­te Zeit – ich weiß es nicht, den­ke es nur. Und so fin­den sie sicher auch nichts Außer­ge­wöhn­li­ches dar­an, wenn sie da unten in M. hel­fen. Aber davon will ich heu­te nicht mehr spre­chen.

Du!!! Wenn ich ganz lieb und fest bei Dir sein will in mei­nen Gedan­ken – dann will ich allein sein!! Und ich emp­fin­de dar­um auch so dank­bar, daß mein Leben jetzt so ganz ein­sam, ohne Frem­de ver­läuft, so füh­le ich mich Dir am innigs­ten ver­bun­den! Herz­lieb!! Alle mei­ne täg­li­che Arbeit sie hat ein lie­bes, ver­trau­tes Gesicht, weil sie über­sonnt wird und durch­strömt von all mei­nen heim­li­chen und fro­hen Gedan­ken an Dich!! Du!!! Nie­mand stört mich dabei – es ist als berei­te ich alles, alles für mein Lieb – als erwar­te ich ihn stünd­lich, täg­lich!! Es ist alles ein Berei­ten und Üben und Rüs­ten schon für unser gemein­sa­mes Leben in unser[e]m Heim! Du!!!

Herz­al­ler­liebs­ter!! So nen­ne ich Dich am aller­liebs­ten, Du!!! Und nun willst Du bald zu mir kom­men! Zu mir kom­men! Willst mein hei­ßes Seh­nen stil­len! Willst mich ganz fest und schüt­zend an Dein Herz drü­cken! Willst mich ein­hül­len in Dei­ne Lie­be! Du kommst!! Du kommst!! Du!!!!! Der mir Hei­mat ist!! Erfül­lung!! Dem ich mich so ganz, mit allem, was ich bin und habe[,] anver­traue!! Du!! Du!!!!! Ich kann nichts Lie­be­res, nichts Schö­ne­res, nichts Köst­li­che­res erseh­nen und erwar­ten!! Ich erwar­te Dich mit aller gro­ßen Lie­be, deren ein lie­ben­des Weib nur fähig ist! Du!! Herz­al­ler­liebs­ter!!! Wie nur, wie soll­ten Du und ich die schlim­me Zeit jetzt ertra­gen, wenn wir ein­an­der nicht in Lie­be ver­bun­den wären?

So allein! So gänz­lich allein stün­den wir in die­ser rau­hen, wil­den Welt! Ach Herz­al­ler­liebs­ter!! Auch ich beken­ne es so froh und dank­bar und von Her­zen glück­lich: Daß wir bei­de so fes­ten Halt anein­an­der gefun­den haben! Daß wir ein­an­der so ganz nahe gekom­men sind, auch inner­lich! Daß wir uns dar­um bei­de so glück­lich und taten­froh füh­len, sel­ber ein neu­es Paar in die­ser Welt dar­zu­stel­len, sel­ber Eltern zu sein! Wir kön­nen bei­de nicht mehr von­ein­an­der la[ss]en! Alles, mein gan­zes Leben ist Dir geweiht! Du!!!!!

Du spürst es nur glück­voll, Du sagst es mir, und das beglückt mich! Und ich füh­le es auch aus allen Bewei­sen Dei­ner Lie­be zu mir her­aus, Dein Glück des Besit­zes! Herz­lieb!!

Alle Kose­na­men, die Dei­ne Lie­be ersann, mir zum Geschenk mach­te, die allein schon sagen mir von Dei­nem Glück! Du!!! So heim­lich zart; so sinn­reich; kei­ner ohne eine lie­be, heim­li­che Geschich­te und Erin­ne­rung klingt in mir nach – Du!!! Wie sie Dir eigens lieb und teu­er sind, so lieb und wert und teu­er nahm ich sie an mein Herz und weiß beglü­ckend, daß sie so nur aus einem Mun­de klin­gen, daß sie so lieb und innig nur ein Lip­pen­paar mir sagen kann! Daß sie nur für mich allein nun gel­ten dür­fen – das macht mich glück­lich und stolz, Du!!! Weil ich nun weiß, daß die Namen, die auch mei­nes [Rolands] Sehn­sucht von einst aus­drü­cken, in mir Erfül­lung fan­den. Du!! Ich las­se sie mir alle, alle von Her­zen gern umhän­gen, Du!!! als Män­tel­chen Dei­ner Lie­be. Ich weiß, was sie bedeu­ten sol­len, in ihrem rech­ten Sin­ne,: alle, alle Lie­be, in die Du mich ein­hül­len möch­test!! Herz­al­ler­liebs­ter!!!

Herz­al­ler­liebs­ter!! Dein Bild, das lie­be, ich habe mich soo gefreut dar­über, Du! Ja – das Heim­weh steht in Dei­nen lie­ben Augen – Du!! Ich sehe es Herz­lieb! Und ich möch­te Dein lie­bes Köpf­chen in mei­ne bei­den Hän­de neh­men, ganz behut­sam und zart, möch­te alles Seh­nen und Heim­ver­lan­gen stil­len, indem ich es fort­küs­se, Du!! Ach – wie Du da so vor mir stehst, Herz­lieb! Ich seh­ne mich nach Dir!! Du!!! Du kommst bald, bald heim. Du wirst zu mir kom­men, ich habe doch alle Lie­be auf­ge­ho­ben! Du!! Du!!!

Ich kann kei­nen so lieb haben, von allen die um Dich ste­hen auf dem Bild, wie Dich!! Schon äußer­lich nicht – inner­lich viel­leicht erst recht nicht. Eini­ge ken­ne ich noch, mit Namen viel­leicht sogar, auch in ihrem Geha­be. Die­ser N. neben Dir, an ihm ist alles so gemacht, so betont gewollt – er hat sich [sic]. Sonst ist er viel­leicht gar nicht übel, cha­rak­ter­lich. Wenn ich mit ihm damals zur Stadt ging[,] hat­te ich das Gefühl, Wal­ter B. (weißt [Du,] der ver­un­glück­te Mis­sio­nar) gin­ge neben mir. Ich konn­te mir nicht hel­fen. Um ein Urteil zu fäl­len[,] ken­ne ich ihn ja viel zu flüch­tig. Der da vom dicken Stu­ben­äl­tes­ten so halb ver­deckt ist, ist wohl der ange­neh­me Ber­li­ner? Die ander[e]n sind mir nur noch blaß in Erin­ne­rung. Der im Hin­ter­grun­de neben dem Ham­bur­ger oder war er aus Kiel? steht, der so ver­son­nen schaut, ist sicher der damals Neue, ganz jun­ge – ich ver­mein[‘] das aus sei­nen Zügen zu erken­nen, daß er der jüngs­te ist, er schaut so ein bis­sel ver­lo­ren drein; so ohne eine gewis­se Prä­gung ist sein Gesicht noch, wie es eben bei jun­gen Men­schen noch ist.

Soviel glau­be ich von Eurem Christ­baum erken­nen und sagen zu kön­nen, daß er recht hübsch gewe­sen sein muß. Auf Bil­dern kann man das schlecht erken­nen. Er steht gar auf mei­nem Platz, Du!!! Mein Hubo ist der größ­te! Der liebs­te, bes­te, treu­es­te von allen. Ich sehe das nicht nur vom Bild ab, Du!! Das weiß ich.

Die Äpfel sind heil ange­kom­men, freut mich; ich hat­te ban­ge, daß sie erfrie­ren, oder fau­len, bis dahin! Du?!! Hast [Du] Dich so gefreut? Herz­lieb!! Und sagst dazu eine so heim­li­che Geschich­te?!! Ich hab[‘] sie mit Freu­de gele­sen, Du!!! Du?!! [Du] Bringst solch einen Apfel mit einem Ding an mir zum Ver­gleich – da muß ich Dir etwas lei­se sagen, Du! aus der Schu­le der Evchen!! Du!! Die Evchen unter sich nen­nen das Ding an sich genau auch: Apfel – das darf natür­lich kei­ner wis­sen von Euch Män­nern – aber man­che wissen’s doch! Und ich hab[‘] es auch bloß mal so auf­ge­schnappt und habe mir mei­ne eige­nen Gedan­ken dar­über gemacht – es ist schon so lan­ge her! Und da muß­te ich bei mir fest­stel­len, daß doch äußer­lich die­ser Name ein ganz tref­fen­der Ver­gleich ist und ich sag­te mir: da habt ihr schon recht. Nur, so mit allem Drum und Dran kannst Du die Sor­te nicht auf­fres­sen!!! Hörs[t] [Du]?!! Ein­mal hin­ein­bei­ßen darfst Du – – – wenn Du mich eben zum Fres­sen lieb hast. Du!!! Da schlägt’s nicht 13! Was mein ist, das ist auch Dein, Du! Du!!! Du?! Am Ende hast Du schon mal ein Stück­chen abge­bis­sen von einem? Hand auf’s Herz!!! Weil – nun weil – weil ein bis­sel fehlt! Oder? Du hast bei einem die Blü­te wach geküßt, daß er nun erst sich besinnt und woh­lig sich dehnt, wie ein ausgeschlaf[e]nes Kind­lein und sich dann ver­lan­gend nach dem süßen Wecker sehnt und wie das Seh­nen, so wächst auch das Äpf­lein. Du? Am Ende ist es so?? Die Zukunft wird es leh­ren, so spricht wei­se die alte Mär­chen­tan­te!!!

Du!!! Du!!! Herz­al­ler­liebs­ter!!

Unser[e]m Kind­lein wird das ein­mal der Inbe­griff des Ver­lan­gens sein, in sei­nen ers­ten Wochen des Lebens – wie wun­der­bar Gott das Weib erschuf. Und auch der Mann darf sich dar­an freu­en!

Auszug aus dem Brief mit zittrig geschriebenem Wort.
Aus­zug aus dem Brief mit zitt­rig geschrie­be­nem Wort.

Von der Feu­er­wärm­fla­sche schreibst Du mir! Huuh gefähr­li­che Geschich­ten!! Es könnt’ einem schon heu­te kalt den Rücken ent­lang ren­nen, wenn man nur an die Bewei­se die­ser Wor­te denkt! Du!! Du!! Heu­te zit­te­re ich, [zitt­rig geschrie­ben] Jawohl!! Aber mor­gen ist das vor­bei! Du sagst es! „Einen Tag wird sie nun Respekt haben vor ihrem Man­ner­li.” Ja, das stimmt! Und dar­um will ich mor­gen wei­ter mit Dir ver­han­deln, wenn der Respekt um ist!!!

Ich bin näm­lich heu­te abend ein bis­sel zu müd’[,] um mit allem Feu­er­ei­fer zu ant­wor­ten, der bei die­ser hit­zi­gen Geschich­te erfor­der­lich ist!! Du!! Laus­bub!! Lie­ber! Du!!!!! Ich bin Dir heu­te abend vieeel zu gut, um ener­gisch zu sein! Ver­stehst Du das? Herz­lie­ber Laus­bub?!!

Und dar­um will ich, ehe ich mich in Eifer und Schrei­be­wut stür­ze, lie­ber erst mal einen Punkt set­zen für heu­te! Ich bin soo glück­lich und froh und selig müde. Du!! Ich will Dei­ne lie­ben Hän­de mit­neh­men in mei­nen Traum. Mor­gen fas­se ich sie wie­der lieb und fest in Wirk­lich­keit, Du!!!

Du!! Heut[‘] Nacht hat mir von einem Schlüss­lein geträumt, und ich sah gar nicht die Gestalt, die Per­son[,] zu der es gehör­te! Das war aber komisch, es lag vor mir, zum Grei­fen nahe und weil ich nicht wuß­te, wem es gehört, so habe ich[‘]s auch nicht ange­rührt – ich war nur ganz gebannt vor Schreck und muß­te es immer anse­hen. Du!! Ich war so froh, als ich auf­wach­te u[nd]. merk­te, daß es nur ein Traum war. So etwas habe ich aber auch noch nicht geträumt, Du!!! Ich ken­ne sei­ne Gestalt, zu dem es wohl gehö­ren möch­te Du!!! Du!!!!!!!!!! Und die liebs­te, liebs­te Gestalt, sie kommt mit allem, allem zu mir!!! Du!! Ich freue mich!! Ich lie­be, lie­be Dich!! Du!!!!!!!!!!!!! Gott behü­te Dich mir! Er möch­te uns bald gesund zusam­men­füh­ren! Herz­al­ler­liebs­ter!! Du!!!!

T&SavatarsmIn Treue immer­dar ganz Dei­ne Hol­de.

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