17. Januar 1941

 

Hilde, Polterabend, Portrait, 07.1940
Hil­de, Pol­ter­abend, Por­trait, 07.1940

[410117–2‑1]

Frei­tag, am 17. Janu­ar 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Gelieb­ter!! Mein Roland!! Du mein lie­ber, guter [Roland]!!

Ges­tern abend war es wie­der mal recht schön in der Sing­stun­de. Wir haben nicht viel vor an beson­de­ren Übungs­stü­cken und so wur­de wie­der ein­mal das Volks­lied her­zu­ge­sucht. Welch[‘] lie­be Erin­ne­run­gen stie­gen da auf – Du weißt dar­um, mein Herz­lieb! Alle die alten, schö­nen, bekann­ten Lie­der aus dem „Heim“ und Kai­ser­lie­der­buch – bei Dir noch lern­ten wir viel davon – klan­gen auf, und am Ende, nach 2 Stun­den sin­gen ohne Pau­se, waren wir alle müde – im Hals! Von [Franz] Schu­bert „Wie schön bist du.…“ weißt das schö­ne Lied, das sie an unserm Pol­ter­abend san­gen – das weckt doch immer wie­der bei allen die Erin­ne­rung an unser Fest; sie kön­nen es nicht mehr ver­ges­sen, mei­nen sie, den Anblick, wie wir bei­de Arm in Arm am Fens­ter stan­den und her­nach her­un­ter gin­gen zu ihnen. Daß es so schön aus­ge­se­hen hat, viel mehr, daß wir zwei so schön aus­ge­se­hen hät­ten, das glau­be ich weni­ger – es war das Glück, Herz­lieb!!

Das gro­ße, inni­ge Glücks­ge­fühl, daß wir nun ein­an­der ganz gehö­ren dürf­ten vor den Men­schen – vor Gott – und das war es, was uns strah­len ließ – und ver­schön­te – weil es so von gan­zem Her­zen kam – so tief inner­lich uns beweg­te. Du!!

Braut im Hof, Hochzeitsbild, Hilde Nordhoff, Juli 1940.
Braut im Hof, Hoch­zeits­bild, Hil­de Nord­hoff, Juli 1940.

Du!!! Ich war doch so von Glück und Stolz erfüllt, daß ich an Dei­nem Arme ging, daß ich es war, der Du Dein Herz schenk­test. Dein schein­bar kal­tes, unnah­ba­res Herz! Du!! Daß ich es war, die Dich besieg­te mit einem Herz vol­ler Lie­be – wie kei­ne es mir gleich getan hat­te von all denen, die Dich auch ger­ne hat­ten.

Ich möch­te wis­sen, ob alle Bräu­te so voll Jubel, Selig­keit und Glück dem Gelieb­ten sich für ein Leben anver­trau­en wol­len, so von Her­zen glück­lich alles Kom­men­de betrach­tend, wie ich es tat. Ach – was nütz­te mir es wohl, wenn ich es wüß­te? Du!!!

Wenn Du nur weißt, wie ich mit gan­zer See­le bei Dir bin, Du!!! Wenn Du nur glück­lich emp­fin­dest, was ich auch füh­le: Es gibt kein grö­ße­res[,] herr­li­che­res Geschenk, als das uns­rer treu­en Lie­be!! Du!!! Mein und Dein!!! Alles ist eins!!

Hochzeitsbild, Juli 1940
Hoch­zeits­bild, Juli 1940

Und aus Dei­nen Augen leuch­te­te auch das Glück! Du!! Das Glück, das Dir sag­te: mein ver­lan­gen­des, seh­nen­des Herz, es hat eine Hei­mat gefun­den, es kann sich gebor­gen füh­len bei einem jun­gen Wei­be, bei ihm, allein, nur allein darf es immer blei­ben. Wenn Frem­de auch das Glück aus unse­ren Augen­paa­ren lesen, Du! In sei­ner Köst­lich­keit, in sei­ner Trau­te [sic] und Innig­keit gehört es doch nur uns! Nur allein Dir und mir! Du!!!

Unse­re Ring­lein, Du!! Dar­an den­ke ich eben, als ich es betrach­te, das äuße­re Zei­chen uns[e]rer Ver­bun­den­heit; Du!!! die sind noch gar­nicht [sic] ganz echt und wahr­haf­tig unse­re Zei­chen an den Ta[g] uns[e]res Glü­ckes – uns[e]rer Ver­mäh­lung. Weißt?, es feh­len ihnen bei­den noch die Gra­vie­rung, der Datums­stem­pel uns­rer bei­den ent­schei­den­den Tage: Ver­lo­bung – Hoch­zeit! Du!!

Das wol­len wir doch gleich ein­mal nach­ho­len, wenn Du heim kommst, ja? Ich möch­te ger­ne, daß wir uns[e]re Rin­ge zeich­nen. Und es ist wohl auch aus einem ganz ein­fa­chen Grun­de bes­ser, wenn sie gezeich­net sind: darf eines von uns den Ring ver­lie­ren – der Fin­der, der ehr­li­che heißt das, kann dann nicht mal eine Anga­be machen über beson­de­re Kenn­zei­chen. Es könn­te sich bei einem ungra­vier­ten Ring jeder mel­den, jetzt, wo Gold so rar ist. Wir könn­ten uns dann wenigs­tens ehr­lich aus­wei­sen.

Es müß­ten in mei­nen Ring Dei­ne Anfangs­buch­sta­ben [R.N.] mit Datum kom­men und in Dei­nen Ring mei­ne Buch­sta­ben [H.L.]. Ich glau­be[,] das ist ganz schnell gescheh[‘]n.

Kurz vor der Hochzeit, 07.2014
Kurz vor der Hoch­zeit, 07.2014

Und noch einen Grund Dei­ner ein­fäl­ti­gen Frau!: Wenn ich jetzt mei­nen Ring fort­brin­gen soll­te, wo Du nicht bei mir bist, das könn­te ich nicht. Die Leu­te sagen dann, nanu, die geht wohl auf Frei­ers­fü­ßen? Der Mann ist beim Mili­tär und sie geht ohne Trau­ring aus! Dar­auf muß ich mich in uns[e]rer Gegend gefaßt machen, Du!! Aber wenn Du bei mir bist, da geht es die Leu­te ein Schmarrn an, ob wir Rin­ge tra­gen oder nicht. Und wenn ich dann aus­ge­he – Du!! Dann nur mit Dir – ich laß Dich nicht allein – und Du darfst mich auch nicht allein las­sen, Du!!!!!

Nun erin­ne­re ich mich auch wie­der des Inse­rats im „Lie­bes­bo­ten“, hieß die Anga­be nicht so??? [sic] Hab[‘] näm­lich eben wie­der Nack­frö­scherl [sic] gespielt!! Hm – Nicht­schwim­mer – ist uner­wünscht, schwim­men muß er schon kön­nen, das ist näm­lich so: wenn sich die­ser Mann bei mir zu Haus[‘] gut bewährt, dann soll er im Som­mer zur Bade­zeit mein stän­di­ger Beglei­ter sein; hat auch Zutritt in mei­ne Bade­ka­bi­ne, um mir beim Anklei­den behilf­lich zu sein – wenn – wenn es mei­ne Ver­hält­nis­se gestat­ten, rei­se ich wahr­schein­lich kom­men­den Som­mer noch mal an die Ost­see – dann müß­te die­ser Mann selbst­ver­ständ­lich auch mit. Die übri­gen Vor­zü­ge, die mir da auf­ge­zählt wer­den[,] gewin­nen mein Inter­es­se schon eher!! Über das gefähr­li­che Alter hin­aus – kühl bis an’s Herz hin­an – ich lie­be näm­lich das Küh­le – unbe­stech­lich – ver­schwie­gen wie ein Grab.

Das alles könn­te mir wohl zusa­gen – aber wie gesagt — schwim­men muß er kön­nen – er soll mir bis ins wei­te Meer hin­aus Beglei­ter sein – nicht bloß auf dem Fest­land. Weißt auch war­um? Du?!! Laus­bub!!!

Weil mir da die ein­zi­ge Mög­lich­keit gege­ben wäre, daß er mir mal nicht über wär’!! Jawohl!! Ich hab[‘] sonst meis­tens ein ganz klein bis­sel Angst vor ihm, wenn er so nahe her­an kommt und mich so fest drü­cken will. Ach, Du aller­liebs­ter Frech­dax [sic]!! Gleich her­ein­kom­men zu mir willst [Du], mit Vaters Schlüs­sel, wenn ich Dich näh­me, als Bade­meis­ter. Weißt! Wenn einer mit soo viel For­sche her­an­geht an sein Amt, dann lernt er leicht noch schwim­men! Also – abge­macht: Der Mann darf antre­ten!! Nur zum Rücken­wa­schen!!

Gelieb­ter!! Heu­te kam Dein Bote vom Diens­tag bei mir an. Du!! Er bringt mir soviel Son­nen­schein und Glück und Wär­me mit!! Ich dan­ke Dir mein lie­bes Herz!! Ich kü[ss]e Dich ganz lieb dafür! Du!!

So viel [sic] Boten auf ein­mal konn­test Du gleich emp­fan­gen! Weil Du mir froh und beglückt warst dar­über – das zu wis­sen, erfreut mich ja am meis­ten! Du!! Und 13! Drei­zehn Kussel krieg[‘] ich? Don­ner­wet­ter! da muß ich ein neu­es Kon­to eröff­nen!!

Von heut’ an will ich Buch füh­ren dar­über, bis zum Urlaub, das ist wenigs­tens ein Anfang! Mit einem ein­zi­gen macht’s doch kei­nen Spaß! Du!!! Jah­wohl!! Dei­ne [Hil­de] ist gar nim­mer so beschei­den wie am 18. Dezem­ber 1938!!

Du!! Hubo!! Dicker­le!! Bit­te, bit­te – schimpf’ nicht so sehr über mei­ne Arbeit – ich über­neh­me mich schon nicht! Glaub[‘] mir nur!! Es bleibt alles in Gren­zen, was ich nicht erschaf­fe [sic], bleibt weg! Ich konnt[‘] es auch nicht ändern, daß g[e]rade mei­ne Krank­heit in die Bri­kett­ge­schich­te her­ein­kam – aber nun bin ich doch froh, daß sie im Kel­ler sind. Und ich habe auch nicht Scha­den genom­men dabei! Du!! Wenn Du bei mir bist! Dann darfst [Du] ganz stren­ge über mich wachen! Ich bin heu­te ganz kern­ge­sund und mun­ter!! So mun­ter, daß ich Dich bei mir haben möch­te!!

Ach, Du!! Dein lie­ber Brief ist so voll heim­li­chen Glü­ckes, soviel Lie­be bringt er mir. Du!! Und das Schöns­te!! Er macht mich gewiß, daß wir uns so gut ver­ste­hen, Gelieb­ter!! Du ver­stehst mich ganz – ich ver­ste­he Dich ganz – Du!!! Das ist so schön!!

Und die­ses Ver­ste­hen, Du! Das kreist – jetzt in der Zeit uns[e]rer Tren­nung beson­ders – meist nur um uns[e]re Lie­be, um die Geschich­te uns[e]rer Lie­be – und sie ist es ja auch, auch mit ihrer Fort­set­zung, die uns unser Leben lang in Atem hal­ten wird – wir wer­den nicht müde wer­den uns dar­ein zu ver­sen­ken. Und ich kann Dich so gut ver­ste­hen, daß Du in der Frem­de nichts Lie­be­res tust in Dei­nen Stun­den, die nur Dir gehö­ren, als Dei­ne Gedan­ken und Sin­ne auf die Geschich­te uns[e]rer Lie­be zu rich­ten und auf unse­re Lie­be, unser Glück jetzt! Du!!

Mir geht es doch eben­so – wenn man sich fern ist, dann muß man sich immer­fort suchen! Du!! Und um das lie­be Bild, die Zusam­men­ge­hö­rig­keit sich ganz deut­lich vor die See­le, vor das geis­ti­ge Auge zu zau­bern, muß man zurück­grei­fen in die Fül­le der wun­der­sa­men Erleb­nis­se, die uns einst ganz gefan­gen nah­men und ergrif­fen, man träumt sich zurück und damit ist man in sei­ner Welt allein, unge­stört und wun­der­sam glück­lich! Und so sind wir uns glück­haft nahe – bei aller Fer­ne.

Ich kann Dich nie ver­lie­ren – Du füllst mein gan­zes Sein aus, Gelieb­ter!!!!!

Hochzeitsbild, Hilde mit Blumenjugend, 07.1940
Hoch­zeits­bild, Hil­de mit Blu­men­ju­gend, 07.1940

Und bei allen Wor­ten, Dei­nen lie­ben, des Glü­ckes und Eins­seins blieb es heu­te gar­nicht [sic]!! Du!!! Noch viel rei­cher wur­de ich beschenkt! Gelieb­ter!! Dein geheim­nis­vol­les Paket vom Sonn­tag vor acht Tagen kam heu­te auch an. Herz­al­ler­liebs­ter!!! Weißt Du? Am bes­ten könn­test Du mei­ne inni­ge Freu­de sehen, wenn Du mich beim Betrach­ten die­ser Herr­lich­kei­ten sehen könn­test! Ich bin ja soo beglückt von Dei­nem lieb­rei­chen Geschenk! Du!!! Weißt Du? Wie sehr, sehr Du mich damit erfreut hast? Gelieb­ter!! Gelieb­ter!! Ach – alles, alles ist so wun­der­bar schön!! Wie aus einer Mär­chen­welt kommt alles Wun­der­ba­re zu mir in mei­ne Ein­sam­keit – ich sah so viel Zar­tes, Schö­nes an klei­nen Kunst­wer­ken noch nie – es hat mir noch kei­ner den Weg dahin auf­ge­schlos­sen. Gelieb­ter!! Du bringst mir damit wirk­lich so viel hel­le rei­ne Freu­de! Ganz andäch­tig sah ich die fei­nen Gebil­de mir an – ach – man wird ja nicht müde zu schau­en!! Soviel schö­ne Sachen haben wir nun mit­ein­an­der zu bestau­nen! Komm nur bald, Du!! Komm nur bald heim zu mir!

Gelieb­ter!! Das Haus­frau­en­wo­chen­en­de schiebt sich dro­hend in den Vor­der­grund, heut[‘] muß ich Dei­ne lie­be Hand los­las­sen – aber nur auf dem Papier!! Du!! Ich halt’ Dich ganz fest, bis ich Dich mor­gen wie­der füh­le am Tage – mor­gen bin ich wie­der allein, das heißt: bin ich ganz, ganz Dein!!! Gelieb­ter!! Einen geseg­ne­ten fro­hen Sonn­tag! Gott behü­te Dich mir!!

Bleib[‘] gesund und froh! Denk[‘] auch Du an unser[e]n Kalen­der!!

Ich sehe nun übrall [sic] nach, soo­viel Sehn­sucht steigt auf beim Schau­en!! Du!! Gelieb­ter!! Ich dan­ke Dir!! Von gan­zem Her­zen!! Du!!!

T&SavatarsmIch lie­be Dich!! Du!! In Treue Dein!! Ganz Dei­ne Hol­de! Dein Bub!!

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.