16. Januar 1941

Elly Ney Denkmal04
Elly Ney Denk­mal an der Brahms-Pro­me­na­de in Tutz­ing, Detail. Die rote Far­be sind Res­te einer Beschä­di­gung durch Unbe­kann­te nach der umstrit­te­nen Ent­schei­dung des Tutz­in­ger Gemein­de­ra­tes, das Denk­mal der in den Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­strick­ten Künst­le­rin nicht zu ent­fer­nen. Bild: Benut­zer hgn‑p, 3 April 2009, Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2016.
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Don­ners­tag, am 16. Janu­ar 1941.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein Gelieb­ter!! Mein lie­ber, liebs­ter [Roland]!! Du!!

Es schneit schon wie­der mal, und Dei­ne [Hil­de] sitzt im war­men Stüb­chen – läßt sich’s wohl sein, Du!! Sie denkt an ihr Herz­lieb!! Du!! Mein lie­bes Dicker­le!! Dei­ne Mit­tags­pau­se wirst [Du] nun eben been­det haben – es ist 2 Uhr. Hab[‘] mir den Wehr­macht­be­richt heu­te gar­nicht [sic] ange­hört, ich mag es lie­ber still um mich haben, wenn ich Dir schrei­be, Du!! Hast ges­tern abend die Elly Ney spie­len hören im Rund­funk? Da muß­te ich wie­der mal so sehr an uns[e]re Zeit der heim­li­chen Zusam­men­künf­te den­ken! Du!! Ich freue mich so dar­auf, wie­der ein­mal mit Dir etwas Schö­nes und Gutes zu hören; hof­fent­lich ist’s uns ver­gönnt ein schö­nes Kon­zert oder Thea­ter zu besu­chen, wenn Du daheim bist.

Die Oper bie­tet jetzt gera­de, AidaLand des LächelnsGöt­ter­däm­me­rung – und noch ein Stück, „Aus­ver­kauf“ das soll aber nichts wert sein – sind nur Büh­nen­bil­der von einer Tanz­grup­pe dar­ge­stellt. Und von Kon­zer­ten kann ich in uns[e]rer Zei­tung nichts fin­den – das steht nur im Chem­nit­zer Tage­blatt. Na – Du!!

Wenn es wird soweit sein, wir wer­den uns schon küm­mern, was los ist! Es rückt näher und näher, unser Wie­der­sehn! Du!! Heu­te ist ein 16.!! Ob Du denn schon gefragt hast, beim Chef? Ich bin so voll Erwar­tung, Herz­lieb!! Wann und ob Du nun kom­men kannst. Ich halt[‘] mei­ne Dau­men ganz fest – Du!!! Vor 2 Jah­ren! Weißt Du noch? Dem Tage nach am kom­men­den Sonn­abend (es war der 21. Janu­ar) hast Du uns zum ers­ten Male besucht. Wie lan­ge ist das schon her, soweit liegt das nun zurück. Du!!

Und doch war’s damals der ent­schei­dens­te Schritt mit auf unser[e]m Wege. Wir waren wohl im Innern bei­de gleich voll ban­ger heim­li­cher Erwar­tung, wie die­ser ers­te Besuch aus­fal­len wür­de. Was für ein Ein­druck blie­be – auf bei­den Sei­ten. Wir mach­ten es uns nicht leicht, ehe es über­haupt soweit kam – und das war nur recht und gut so. Ach Du!! – Wie auch alles, alles recht und gut war, was uns noch bevor­stand, und daß [sic] wir lösen muß­ten.

Siegfried and the Twilight of the Gods p 110
Sieg­fried ver­läßt Brünn­hil­de auf der Suche nach Abend­teu­er; Abbil­dun­gen von Arthur Rack­ham, in: Sieg­fried & The Twi­light of the Gods (New Impres­si­on ed.), Lon­don: Wil­liam Hei­ne­mann, S. 108. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2016.
So ernst und gewis­sen­haft wie Du und ich an die­sen, unse­ren Lebens­bund gin­gen, wird es wohl sel­ten ein Paar tun. Und wenn wir uns[e]re Geschich­te, bis wir uns erst ganz fan­den[,] ein­mal jeman­den [sic] erzäh­len wür­den, es wür­de uns wohl kei­ner Glau­ben schen­ken, Du!! Braucht auch kei­ner!! Ers­tens ist und bleibt es unser Geheim­nis – und zwei­tens wol­len wir uns gar­nicht [sic] an ande­ren mes­sen – wir haben uns das gro­ße Glück errun­gen nach eige­nem Dafür­hal­ten, Du!!! Wie es and[e]re machen, das soll uns gar­nicht [sic] küm­mern!
Wir sind so über­glück­lich in unse­rem Glück der Lie­be und des Eins­seins – wir sind es bei­de mit gan­zer See­le, aus tiefs­tem Her­zen – und mehr braucht es nicht! Du!! Das ist reichs­te Erfül­lung!! Höchs­te Gna­de!!

Und wir hal­ten die­ses köst­li­che Geschenk dank­bar und demü­tig ganz treu und fest in unse­ren bei­den Hän­den! Ganz fest!! Kein Schmutz soll es je befle­cken – wir tra­gen unser Glück stark und sicher durch die böse Zeit der Tren­nung! Du!!!

Wie eine rei­che Beloh­nung wird uns dann uns[e]re Wie­der­ver­ei­ni­gung dün­ken, da wir wie­der froh und bese­ligt bei­sam­men sein kön­nen. Herz­lieb!! Du!! Ich glau­be ganz fest dar­an!! Und – müß­ten wir dann nicht vor Scham in den Boden sin­ken, wenn eines [sic] von uns das Ver­trau­en des ande­ren miß­braucht hät­te? Und trotz­dem wür­de uns das gro­ße Glück beschie­den sein, daß wir nach die­sem Krieg gesund und froh zusam­men sein dür­fen? Ich hielt es mit einer Lüge im Her­zen neben Dir nie und nim­mer aus! Nie!

Und Du? Mein [Roland]!! Herz­lieb!! Du bist mir so lieb und treu ver­bun­den – ich fürch­te nichts, gar­nichts [sic] für Dich! Und ich glau­be ganz fest, ganz sicher an Dich und Dei­ne Lie­be! Du!!! Ich ban­ge nicht um unser Glück, wenn ich an Treue den­ke!! Du!!! Was soll­te uns je aus­ein­an­der­rei­ßen auf Erden? Der Herr­gott ist mit uns! Du!! Das dür­fen wir gewiß glau­ben! Und nun hal­te ich Dei­nen lie­ben Boten vom Mon­tag in Hän­den, Du!!! Du!!! Da tritt er mir doch wie­der so ganz in sei­nem gan­zen, lie­ben, „alt­mo­di­schen“ Wesen ent­ge­gen! Mein lie­ber Bub!! Ich habe mich so ergötzt an die­ser Geschich­te, die Du mir da erzählst! Ich sehe Dich rich­tig vor mir mit der Gegen­par­tei! So ist es mir selbst ergan­gen, im Geschäft – auf and[e]re Art zwar – doch mit dem glei­chen tie­fe­ren Sinn des Gefech­tes!

Haben ‚sie’ Dir also wahr­haf­tig zu ver­ste­hen gege­ben, daß ‚sie’ Dich nicht mehr in ‚ihrem’ Club sehen wol­len?!

Siegfried and the Twilight of the Gods p 172
Sieg­fries Tod; Abbil­dun­gen von Arthur Rack­ham, in: Sieg­fried & The Twi­light of the Gods (New Impres­si­on ed.), Lon­don: Wil­liam Hei­ne­mann, S. 172. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2016.
Das war nicht anders zu erwar­ten. Ich ken­ne das so gut. Ein anstän­di­ger Mensch ist unter der brei­ten Mas­se meist ein­sam, allein. Aber in die­sem Ver­hält­nis muß es nicht schmer­zen – nein. Im Gegen­teil: da kannst Du Dich nur ohne Ent­schul­di­gung zurück­zie­hen von solch einem zwei­fel­haf­ten „Fest”. Ich glau­be, in Dei­ner Umge­bung lernst Du erst ein­mal das ken­nen, was Du nur vom Hören­sa­gen kennst; wenn ich Dir frü­her mal so einen Aus­schnitt gab, da hast Du gezwei­felt dar­an, ob so etwas mög­lich ist. Schau­der­haf­te Sachen pas­sie­ren. Aber, mein [Roland]! davon mag ich mich jetzt gar­nicht [sic] unter­hal­ten. Die ‚Her­ren’ und ‚Damen’ mögen tun, was ihnen beliebt – mögen auch die Fol­gen dar­aus zie­hen – die Haupt­sa­che ist: wir bei­den wis­sen, was gut und recht ist. Und Dei­ne Fra­ge, was ich mit dem Nörg­ler, dem Mies­ma­cher und Ewig­gest­ri­gen mache?

Du!!! Wenn Du Laus­bub nicht so genau wüß­test, was ich mit ihm wohl mache, Du hät­test mich wohl nicht gefragt? Hm? Oder magst Du’s gern hören? Du?!!! Gut – denn: Ich fas­se ihn an bei­den Ohren!!! Zie­he ihn dar­an ganz dicht her­an an mei­ne Augen – schau ihn an – lan­ge – lie­be­voll – und — schenk’ ihm einen ganz, ganz – süßen Kuß! Du!!!!! Das ist mei­ne Ant­wort! Du!!!!! ‚Du bist wohl nie jung gewe­sen’ – so fra­gen sie ihn – Und kei­ner von allen weiß und sieht und fühlt, wie jung sein Herz ist, wie jung vor Glück! Voll Lie­be!! Du!! Ja – mein Hubo kann sei­nem Gesicht einen ganz kar­gen Aus­druck geben – aber ich! Sein Wei­berl! Das schaut hin­ter das Gesich­tel, weit, weit hin­ein in sei­ne lie­ben Guck­äu­gel und da sieht es, was es sehen will, so ger­ne! Was es so liebt am Hubo!!! Sein rei­nes, treu­es, gro­ßes, lie­ben­des Herz, das er ganz nur mir ver­schrieb!! Du!!!!!

Herz­lieb!! Mein gelieb­tes Herz!! Du!! Mein [Roland]!! Vor mir brei­test Du Dein Herz aus bis in den letz­ten Win­kel! Ich darf Dich schau­en, wie Du wirk­lich bist! Du!! Und das macht Dir Freu­de – nur dar­an ist Dir gele­gen, daß ich Dich ver­ste­hen kann!

Du!! Du!!!!! Damit schenkst Du mir ja soviel Glück!! Wenn Du nur von mir erkannt sein magst, Du!! Wenn Dir das allein genügt! Wenn nur dies Dein Wunsch ist! Du!!! Das ist soo viel Glück für mich! Herz­lieb!! Du weißt, wie innig fest ich Dich hal­te!! Komm zu mir!! Komm zu mir!! Du!! Wenn die Welt da drau­ßen Dich nicht ver­ste­hen will! Ich will Dir Hei­mat sein – Erfül­lung – Frie­den – Gebor­gen­heit. Ich will Dich lie­bend, ver­ste­hend an mein Herz drü­cken! Du!!! Wie eine lie­ben­de Mut­ter ihr Kind­lein an’s Herz drückt. Bei mir sollst Du ver­stan­den sein, gebor­gen Dich füh­len, und ganz glück­lich! Du! Ich will für Dich nur da sein!! Ach, Herz­lieb!! Du hast ein star­kes Herz, ich weiß es – Du suchst unser[e]n Weg in aller Wach­sam­keit, unbe­küm­mert um die Mei­nung der ande­ren! Den schöns­ten Weg uns[e]res Glü­ckes, ech­ter Freu­de und guten Stre­bens. Den Weg zu Got­tes Gna­de und zu sei­nem Frie­den. Du!! Wir bei­de haben ihn gefun­den – wir gehen in [sic] schon – wir wol­len nie das Ziel aus den Augen ver­lie­ren. Wir wol­len mutig und rüs­tig wei­ter schrei­ten, Du und ich! Es ist kein Weg des Ver­zich­tes – nein! – Gelieb­ter!! Wir ver­ste­hen uns – wir wis­sen, was wir wol­len, Du!! Ich bin so von Her­zen glück­lich mit Dir!! So von Her­zen!! Ich will ihn mit Dir gehen die­sen Weg, Gelieb­ter!! Nur mit Dir! Am aller­liebs­ten mit Dir! Ich freue, freue mich dar­auf, wenn wir ihn gemein­sam wei­ter­schrei­ten dür­fen!! Es bedeu­tet uns so viel! Alles! Unser gan­zes Lebens­glück! Herz­al­ler­liebs­ter! Gott schüt­ze Dich! Er sei uns gnä­dig! Blei­be froh­ge­mut, mein Herz! Las­se Dich nicht beir­ren, ver­drie­ßen, Du bist mein gan­zes Glück! Mein Stolz! Mei­ne Freu­de! Ich war­te auf Dich! Du!! Mit sehn­süch­tig, weit offe­nen Armen war­te ich auf mei­nen Herz­al­ler­liebs­ten! Daß ich ihm mit all[‘] mei­ner Lie­be dan­ke für sein treu­es Herz!!

Du!! Ich will Dich so glück­lich machen!! Ich möch­te Dir den Him­mel auf Erden berei­ten! Du!!! Ich lie­be Dich! Du bezwingst mich so ganz mit Dei­ner Lie­be! Du!!!!!!!! Gott behü­te Dich mir! Blei­be gesund und froh! Ich bin in inni­ger Lie­be und Treue, in Ewig­keit ganz nur

T&SavatarsmDei­ne [Hil­de], Dei­ne Hol­de.
Und Du bist mein!!!!! Mein!!!!!!!!!!

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