12. Dezember 1940

Captured L3 and L3 cc tankettes
Zwei gefan­gen genom­me­ne ita­lie­ni­sche Car­ro Velo­ce CV33 klei­ne Pan­zer auf der Stra­ße dem Bar­dia Hafen über­bli­ckend, Cyre­nai­ca, öst­li­ches Liby­en, 07.1941. Quel­le: Aus­tra­li­an War Memo­ri­al No. 008413 über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.
[401212–1‑1]

Don­ners­tag, den 12. Dez. 1940.

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de] Du!

Dein lie­ber Bote blieb heu­te aus. Er hat es nicht geschafft. Und mor­gen ist der 13. Dezem­ber. Wel­che Bot­schaft wird er mir brin­gen mor­gen? Du! Du!! Die Tage ver­flie­gen. Kaum, daß es rich­tig hell wird. Schon wie­der ist Sing­stun­de. Du wirst aus­ge­gan­gen s[e]in, mein lie­bes Haus­müt­ter­chen, Ein­sied­ler! Da hilfst mir nun sel­ber mit gei­zen für die nächs­te Groß­zü­gig­keit, siehst?

Afrikafeldzug 1941 42 de.svg
Die Allier­te mach­ten 8.–11.12.1940 die ers­te Sie­gen gegen eine viel grö­ße­re ita­lie­ni­sche Armee in Nord­afri­ka. Kar­te: Afri­ka­feld­zug 1941–42, Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

Wenn ich Flü­gel hät­te — gleich mach­te ich mich noch fein glatt — und dann rausch­te ich süd­wärts, bis ich die ers­ten Ber­ge zu Gesicht bekä­me — und dann ver­steck­te ich mich in den Schat­ten eines gewis­sen Hau­ses in der S.straße — und war­ten — Du wür­dest ihn ahnen und spü­ren, den Lau­scher — wür­dest ihn hören am pochen­den Her­zen — [W]eiß mein Lieb auch, wer ihm das Bei­spiel gab für solch nächt­li­chen Übe[^]rfall? Du!! Aber ich wür­de Dich nicht erschre­cken — die Über­ra­schung wäre auch so noch groß genug — Du! Liebs­te! Wirst frie­ren, wenn Du heut abend so allein in Dein Bett­lein kriechst — und mir ist so warm, Du! Und wenn ich’s mal nicht bin, dann wird[’] ich’s bei Dir!? Du! Ist das nicht komisch? Und Dein Dicker­le wird sonst so schwer warm. Und dort, wo die Men­schen so öffent­lich auf­ein­an­der rücken, sich dut­zen [sic], ein­an­der betät­scheln und schun­keln, da wird ihm ganz unbe­hag­lich, daß er am liebs­ten davon­läuft.

Rolands Vereidung, Kiel, 03.09.1940
Rolands Ver­ei­dung, Kiel, 03.09.1940

Ges­tern in den Abend­stun­den kamen hier über 20 Rekru­ten an, frisch ein­ge­zo­gen (frei­wil­li­ge), ein­ge­klei­det, ganz neu­ba­cken, sol­len sie hier den ers­ten Schliff erhal­ten. Du! Das ist kein schö­ner Anfang, in die­sem Lager, in die­ser Jah­res­zeit! Wie gut habe ich es getrof­fen! Aber es sind alles jun­ge Bur­schen, rauh und nicht ver­zär­telt, zwi­schen 17 und 20.

Wenn Du mein Rekrut sein könn­test! Ver­klei­det und ver­steckt mein Kame­rad! Du! Ich glaub, das geht jetzt nim­mer! Das Herz­lein, das gro­ße, wür­de alles ver­ra­ten! Und die zar­ten, wei­chen run­den Glie­der! Ach, und das Schlen­kerbein­chen von mei­nem Evchen! Ach alles, alles an mei­nem lie­ben Weib! Alles ver­rät das Weib an mei­nem Herz­lieb! Und dar­um habe ich es doch so lieb!!

Nein. Jetzt müs­sen wir noch eine Wei­le ganz brav war­ten — und dann kön­nen wir ein­an­der immer­zu Kame­rad sein — und brau­chen es gar nicht zu ver­ber­gen — und Du brauchst Dich nicht zu ver­klei­den — und dann kön­nen wir die Tür zuschlie­ßen! Du! Und nie­mand darf hin­aus! Ätsch! — Und nie­mand her­ein!!

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Gene­ral Sir Richard O’Con­nor, Ober­be­fehls­ha­ber der Streit­macht der West­li­chen Wüs­te. Bild: Hel­mond, Hol­land, 7.10.1944, Impe­ri­al War Muse­ums, B 10600, lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

Du! Wie wird uns zumu­te sein zum ers­ten­mal [sic] in den eige­nen Pfäh­len?! Nicht bei frem­den Leu­ten! Nicht zu Besuch und zu Gas­te bei den Eltern! Im eige­nen Nest!! Du!! Du! Ich wird[’] gar kein Heim­weh ver­spü­ren! Und Du wirst gar kei­ne Zeit haben zum Heim­weh­krie­gen. Am Vor­mit­tag, dem fri­schen und nüch­ter­nen, kommt es nicht, und am Nach­mit­tag, da will Hubo ja schon wie­der zu Hau­se sein, spä­tes­tens zum Kaf­fee! Na — und wo wir bei­de zusam­men sind — da ist zu Hau­se!! Ach Du! Wenn ich dar­an den­ke, möch­te ich unge­dul­dig wer­den. So habe ich wohl noch auch kei­ne Leh­re gespannt wie auf die, wel­che uns noch bevor­steht, so mich noch auf kei­ne gefreut. Auf die­se Schu­le, Du! Und eine [sic] Leh­rer ist auch dabei! Und wie wird ‚Sie’ sich stel­len? Nein, Nein! Zwei Schü­ler, einer gilt so viel wie der ande­re, bei­de Lehr­lin­ge, gleich dumm bei­de — und kein Leh­rer! Und sol­len doch ler­nen — o! vie­les [le]rnen! Soll eines dem ande­ren auf­pas­sen und raten und hel­fen und weh­ren!! Kei­ne leich­te Schu­le! Aber Du und ich, ach Liebs­te! wir wer­den fein ler­nen — und es soll mir eitel Freu­de sein!

Gelieb­te! Für heu­te Leb wohl! Ich war­te auf Dei­nen lie­ben Boten! Ich bin immer um Dich mit mei­nen Gedan­ken! Gott, behü­te Dich! Mein Lieb! Ich bin ganz froh und zuver­sicht­lich!

Halt Dich fein warm! Schließ alles fein zu! Du!!! Ich freue mich, daß zu Hau­se Urlaubs­freu­den sind — bald, Gelieb­te! — gel­ten sie uns! Fein brav war­ten und spa­ren und gei­zen! Du und ich!! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Du mein Glück, mein Son­nen­schein, mein Leben!! Ich lie­be Dich! Ich lie­be Dich aus tiefs­tem Her­zen!! Dir schlägt, es, Dir allein!! Fest und treu!! Gelieb­te!! Hol­de mein!! Dein [Roland] bin ich! — Nur Dir mag ich gehö­ren!! Und Du bist mein lie­bes Weib! Mei­ne [Hil­de]!!! Du! Du!!!

T&SavatarsmVie­le Grü­ße an die lie­ben Eltern.

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