11. Dezember 1940

Lorenz Clasen 1860 - Germania auf der Wacht am Rhein.png
Lorenz Cla­sen, Ger­ma­nia auf der Wacht am Rhein, Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

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Mitt­woch, den 11. Dezem­ber [’]40.

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Hol­de!!

Du! So schnell läuft unser Bote jetzt! Schon habe ich wie­der Ant­wort auf mei­nen Sonn­tags­brief. Daß er Dir Freu­de brach­te, beglückt mich, mein Herz­lieb! Frau­en auf dem Bar­ba­ra­fest? Kei­ne ein­zi­ge außer der Hei­li­gen Bar­ba­ra sel­ber, und die sah gar ver­füh­re­risch aus, eine rei­fe, vol­le Ger[m]ania mit einem rei­zen­den Kir­schen­mund — war aber lei­der ein ver­klei­de­ter Sol­dat.

Hilde mit Hut und Jacke , bei Roland zum Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Hil­de mit Hut und Jacke, bei Roland zum Besuch, Ende Novem­ber 1940, Eckern­för­de.

Ach Du! Und wenn? Wel­che ver­möch­te die tau­send Bän­der zu lösen und zu ent­wir­ren, die um uns geschlun­gen sind? Wel­che ver­möch­te den Anker mei­nes Schiff­leins aus dem fes­ten Grun­de Dei­nes Her­zens zu rei­ßen? Du!! Du!!! Eine hat mich erlöst. Eine hat mein gan­zes Ver­trau­en gewon­nen. Eine hat mit ihrer Lie­be und Treue das scheue Tier­lein mei­nes Wesens ein­ge­fan­gen und sein gan­zes Zutrau­en erwor­ben. Eine hat hat [sic] mit ihrer Zau­ber­kraft die Quel­len mei­nes Wesens ange­rührt — und nun sprin­gen und strö­men sie zu ihr, unauf­halt­sam, immer stär­ker, Dank und Lie­be und Treue und Sehn­sucht und alle heim­lichs­ten Gedan­ken — zu ihr, all zu ihr. Und so jung und weit und reich ist ihr Herz — mag soviel Lie­be fas­sen und soviel Lie­bes­seh­nen stil­len! Und ist so reich und könig­lich zugleich: mag so viel zu schen­ken — und ich wer­de mein Leb­tag nicht fer­tig und müde wer­den, mit dem Bes­ten und Edels­ten ihm zu die­nen — ein gan­zes Leben lang.

“Selbst zu ‘Kai­sers-Zei­ten’ wur­de die Hei­li­ge Bar­ba­ra als Schutz­pa­tro­nin ver­ehrt, hier beim K.u.K. Tyro­ler und Vor­al­ber­ger Gebirgs-Artil­le­rie Regi­ment Kai­ser und König Franz Joseph 1 Nr. 14.’ Quel­le: Die Hei­li­ge Bar­ba­ra — Schutz­pa­tro­nin der Artil­le­rie, Artil­le­rie-Ver­ein Basel-Stadt, 12.2015.

Mei­ne [Hil­de] bist Du!, bei mir, vor den Men­schen, vor Gott! Du weißt, was star­ke Rie­gel das sind an uns[e]res Glü­ckes Tür, nie­mand ver­möch­te sie zu spren­gen: mein Jawort! mein Ehr­ge­fühl! mein Eid vor Gott! Kennst Du mei­nen Eigen­sinn, Gelieb­te, mei­ne Anhäng­lich­keit, mei­ne Treue, mit der ich von Kind an das mei­ne behaup­te­te und hielt und heg­te — vo[m] Spiel­zeug ange­fan­gen? Wer Dich von mir ris­se, der füg­te mir namen­lo­sen Schmerz zu, der zer­ris­se mein Herz! Du!! Solan­ge Du noch auf die­ser Erde wärest — ich wür­de Dich suchen müs­sen, müß­te mich ver­blu­ten vor Schmerz und ver­zwei­feln an dem Unfaß­ba­ren, Unver­ständ­li­chen. Kei­ne Freu­de ver­möch­te die­sen Schmerz zu lin­dern — nichts bräch­te mich dazu, noch ein­mal Ja zu sagen zu die­sem Leben. So unfaß­bar und unverstän[d]lich mir das wäre — so unmög­lich und unvor­stell­bar, mich von Dir zu schei­den, mich auch nur inner­lich von Dir zu ent­fer­nen. Dich ver­las­sen? Du! Dich allein las­sen? Gelieb­te! Dich las­sen, ver­sin­ken las­sen in Schmerz und Trau­er und Ver­zweif­lung? Mei­ne [Hil­de]! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!! Ich bin Dein [Roland]! Dein! Für die­ses gan­ze Leben, ja, Du! Und Du bist mei­ne [Hil­de], für die­ses gan­ze Leben, ich weiß es! Du! Wie fest wir ein­an­der hal­ten! Du!! Du!!! Gelieb­te!!! Herz­al­ler­liebs­te! Ich war­te mit Dir, Du! Spürst Du es, wie ich bei Dir bin und mit Dir war­te? Unru­he des War­tens ist in mir. Ich kann kei­nen Gedan­ken fas­sen heu­te, als Dir sagen und Dich gewiß machen, daß ich Dein bin, daß Du mein bist — daß ich zu Dir ste­he, froh und bereit, Dich zu schüt­zen, Dich ein­zu­hül­len in mei­ne Lie­be, für Dich ein­zu­tre­ten mit mei­ner gan­zen Per­sön­lich­keit — bereit, Dir Halt zu sein, Dir Kraft und Stolz und Selbst­be­wußt­sein und Freu­de ein­zu­flö­ßen.

Roland im Zivil, während Hildes Besuch, Ende November 1940, vor der Mietwohnung, Eckernförde.
Roland, wäh­rend Hil­des Besuch, Ende Novem­ber 1940, Miet­woh­nung, Eckern­för­de.

[G]eliebte! Unru­hig müß­ten wir sein bei­de, wenn wir die Tür nicht wüß­ten, an der wir anklop­fen dür­fen, wenn wir die Hand nicht wüß­ten, die wir ergrei­fen dür­fen, wenn wir schwach wer­den. Du! Ich bin zuver­sicht­lich, was auch kom­men mag. Sei Du es mit mir!

Gott behü­te Dich! Er seg­ne unse­ren Bund und las­se uns gute Früch­te brin­gen!

Mein Herz­lieb! Ich war­te mit Dir! Dein [Roland]! Ich strei­che Dir zärt­lich über Dein Köpf­chen — froh und glück­lich und dank­bar füh­le ich mein Liebs­tes und Kost­bars­tes, Dich, mei­ne [Hil­de]!! Froh und glück­lich spü­re ich den Schlag Dei­nes Her­zens: es schlägt zu mir. Und uns[e]re Augen spie­geln die grund­lo­se Tie­fe uns[e]rer Lie­be! Ich lie­be Dich! Du! Ich lie­be Dich aus tiefs­ter See­le! Ich bin immer bei Dir! Dein [Roland]! Ganz Dein!! Und Du bist mein Herz­lieb, mei­ne [Hil­de]!!!

T&SavatarsmBit­te grü­ße die lie­ben Eltern!

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