10. Dezember 1940

Bild: Eine Fami­lie hört 1933 gemein­sam Radio (AP Archiv), aus: Bar­ba­ra Weber, Schwer­punkt­the­ma: “Der Füh­rer spricht”. Die Rol­le des Rund­funks im Natio­nal­so­zia­lis­mus, Deutsch­land­funk, 24.10.2013. 12.2015.

[401210–2-1]

Diens­tag, am 10. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Du!! Mein [Roland]!! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!!

Der Füh­rer hat gespro­chen! Und auch ich saß, gleich Dir am Laut­spre­cher. Unten bei der Mut­ter K.. Wir — Mutsch und ich — haben gleich mit unten geges­sen. Wie einst, weißt Du noch? Ganz gebannt habe ich gelauscht, Du! Es geht uns ja so viel an, was er uns zu sagen hat. Und uns, Du! Uns bei­den doch auch!

Ein­trag in der Chro­nik vom 10.12.1940: “Ein Blick in die Aegi­di­istra­ße wäh­rend der Füh­rer­re­de am 10.12.1940 Mit­tags um 13 Uhr, wenn sonst die Stra­ße mit Men­schen über­füllt ist.” Kriegs­chro­nik – Müns­ter im Zwei­ten Welt­krieg, Stadt­ar­chiv Müns­ter, 12.2015.

Wo und wann er auch zu uns spricht, immer wie­der auf’s Neue spü­ren wir im Inner[e]n so dank­bar, daß den Deut­schen die­ser Mann gesandt wur­de. Ich emp­fin­de das wenigs­tens jedes­mal [sic] wie­der gewal­tig und tief. Und Ihr und alle Deut­schen gewiß auch. Du! Es ist doch herr­lich, an unse­re Zukunft zu glau­ben, so wie er! Und der Sieg wird unser sein — Gott wird uns bei­ste­hen.

 

[Adolf Hit­ler, Rede, Rhein­me­tall-Bor­sig, 10.12.1940, über archiv.org, 12.2015.]

Mein [Roland]! Ich bin ganz froh wie­der ein­mal.

Bundesarchiv Bild 183-S33882, Adolf Hitler retouched
Adolf Hit­ler, natio­nal-sozia­lis­ti­schen Füh­rer. Bild: 20.4.1937, All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst, DBa, Bild 183-S33882 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.
Nach einer Rei­he von Tagen, die hin­gin­gen in Ban­gen und Hof­fen um unser Geschick; wo Gere­de und Behaup­tun­gen and[e]rer Men­schen uns den Sinn ver­wir­ren woll­ten, und wo bis heu­te doch noch nichts ein­trat, drau­ßen im Welt­ge­sche­hen, was uns aus­ein­an­der­riß [sic], oder schau­dern lie­ße, es zu Ende zu den­ken, Du! Da gibt uns das Wort, das der Füh­rer an uns rich­tet auf ein­mal wie­der mehr Ver­trau­en zum Leben. Er rollt uns Tat­sa­chen auf, wie sie sind und wie wir ihnen zu begeg­nen gewillt sind. Und all das Poli­ti­sche, mit dem ich heu­te manch­mal so schwer mich zurecht­fin­de, in das mir schwer wird, mich hin­ein­zu­den­ken als Frau, das bekommt bei sei­nen Wor­ten ein ganz and[e]res Gesicht, mit ganz kla­ren, ein­fa­chen Lini­en. Und es ist mir dann, als habe das wohl in mei­nem Unter­be­wußt­sein wohl schon gelebt, aber kei­ne Hand hat es ans Licht zu heben ver­mocht. Und wer wäre wohl heu­te noch gegen die­sen Mann ein­ge­nom­men? Die Gewiß­heit aber, daß die­sen Mann eine höhe­re Macht dazu aus­er­se­hen hat, die Geschich­te Deutsch­lands zu meis­tern, die allein läßt uns bedin­gungs­los ihm und sei­ner Hand ver­trau­en.

Wäre die­ses letz­te Wis­sen nicht mit uns, Du! Ich wüß­te nicht, ob ich so dann an ihn glau­ben könn­te.

Euro­pa unter NS-Herr­schaft, 12.1940. Kar­te:“Zwei­ter Welt­krieg (Ende Dez. 1940),” von San Jose, 8.04.2013, Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

Ach, mein Lieb! Zu den­ken, daß wir die­sen herr­li­chen Sieg, den Sieg dann im Volk selbst mit erle­ben dür­fen, mit gestal­ten hel­fen dür­fen!, ist [sic] das nicht ein Ansporn uns hin­durch­zu­bei­ßen, eisern, durch alles was jetzt noch tren­nend dazwi­schen steht?

Gebe der Herr­gott sei­nen Segen zu allem guten Werk.

NS-Frau­en­war­te: Die ein­zi­ge par­tei­amt­li­che Frau­en­zeit­schrift, 19.8 (01.04.1940), Quel­le: Deut­sche Geschich­te in Doku­men­ten und Bil­der, 12.2015.

Du!! Und füh­re er alle, alle die drau­ßen steh[e]n, die Hei­mat zu schüt­zen wie­der heim; heim zu den Lie­ben, die mit gläu­bi­gen Her­zen die Hei­mat offen­hal­ten, berei­ten, nur für sie.

Mein lie­ber [Roland]! Ges­tern nach­mit­tag [sic] kam Dein eili­ger Bote (nicht Eil­bo­te!), sei recht bedankt dafür. Ich freu[’] mich, daß Du mir wenigs­tens ein paar Wor­te schreibst, weiß ich doch, daß nichts gesche­hen ist, was zur Sor­ge Anlaß gäbe. Son­dern, daß mein Hubo mal rich­tig See­manns­fei­er­tag hielt. Ich gön­ne Dir’s von Her­zen, Du! Also dar­um fand ich Sonn­abend nachts kei­ne Ruhe? Vor Dir, Du!! Etwa vor Dei­nem Gewis­sen?? Ach, welch[’] lächer­li­che Sor­ge, Herz­lieb! Ich weiß doch, wem mein Herz gehört. Und wenn Euer Kame­rad­schafts­abend durch noch so vie­le schö­ne Frau­en berei­chert wür­de, ich ban­ge nicht um Dich. Du wür­dest sie Dir wohl anse­hen — aber, Dein Herz könn­test Du nicht noch ein­mal ver­schen­ken. Mein [Roland]!! Mein lie­ber [Roland]!! Jetzt hal­te ich ihn in den Hän­den! Du! Dei­nen Sonn­tags­brief! Herz­lieb! Ich dan­ke, dan­ke Dir! Du!! Du!! Ein ganz klein wenig hab ich doch wei­nen müs­sen, Du — Du hast mich so lieb, Du! Wie ich das beglü­ckend emp­fin­de und aus Dei­nen Wor­ten spü­re. Mein [Roland]! Nach­her und heut[’] abend, wenn ich Ruhe habe, Ruhe von allen Weih­nachts­ge­schäf­ten und vor den Eltern, da wer­de ich ihn wie­der lesen, wie­der lesen, und vie­le Male noch, Du! Bis ich ein­schla­fe, mit Dei­nen lie­ben, guten Wor­ten, Herz­lieb! Du! Ich küs­se Dich, ganz innig und zart! Nimm es als Dank! Du. Mach Dir kei­ne Sor­ge um den Mei­nungs­aus­tausch mit Mutsch! Sie woll­te mir’s nur sagen, sie meint es doch bloß gut, Du! Und sie ist längst, längst ver­söhnt! Sie war doch gar­nicht [sic] rich­tig böse! Und „Frie­der”! Ich will es bes­ser machen!!

Roland im Uniform, während Hildes Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Roland im Uni­form, wäh­rend Hil­des Besuch, Ende Novem­ber 1940, Eckern­för­de.

Ich freue mich, daß es Dir gefal­len hat zum Fest. So war das? Und ich mein­te, Eure gan­ze Bat­te­rie habe dar­an Teil! Wel­che Ehre, [Nord­hoff]! Ja, Du! Von dem Fest der Schutz­hei­li­gen sprach auch Herr S. im Lichtlabend, als er vom Brauch­tum erzähl­te. Hast wohl nun auch den schö­nen Brief bekom­men, von ihm gemalt? Von allen Mit­glie­dern der Kan­to­rei unter­zeich­net! Sieh Dir nur mal all die Din­ge an, die am Zwei­ge hän­gen! So ein Frech­dax [sic].

Und wie Du mir nun von Dei­nem Weg nach P.s Häus­chen erzählst, Herz­lieb, ich kann Dir nach­füh­len, was Dich beweg­te im Inne­ren. Du! Es war so schön, so unsag­bar schön, wenn Du heim­kamst zu mir! Ich will Dich immer so heim­kom­men sehen, so voll Freu­de, so voll Unru­he, end­lich daheim zu sein — Du weißt ja nicht wie das beglückt, das Glück des Heim­keh­rens und die Freu­de dar­über, aus Dei­nen Augen zu lesen, in Dei­nem Kuß zu spü­ren, Herz­al­ler­liebs­ter! Du!

Und die drol­li­ge Sze­ne vor[’]m Fens­ter! Du! Ich hät­te mögen Zuschau­er sein! Dei­ne Wün­sche, in bezug [sic] auf Bil­der u.[nd] Brief­chen sind bereits schon erfüllt. Heu­te früh, es war noch zu fins­ter, um an mei­ne häus­li­chen Pflich­ten zu gehen, habe ich gleich ein­mal heim nach K. geschrie­ben und alle Heim­ge­kehr­ten bzw. Heim­keh­ren­den herz­lich begrüßt; habe ihnen gesagt, daß ich dies[’] Jahr daheim alle Fes­te mit den Eltern ver­le­be, und ihnen Bil­der von Bar­kels­by und ande­re bei­gelegt; alle ande­ren von der Serie, die ich nicht nach P.’s schick­te. Sie sol­len sich recht fro­he, unge­trüb­te Tage des Bei­sam­men­seins machen u.[nd]s.[o]w.[eiter] Du weißt schon, wie man es so schreibt.

Düsseldorf-Derendorf, Royal Air Force Bomber Command, 1942-1945 CL2518.jpg
Besich­ti­gung der Werk­statt für Werk­zeug­ma­schi­nen von einem RAF Offi­zier, Rhein­me­tall-Bor­sig AG, Düs­sel­dorf-Deren­dorf, Deutsch­land, 2/3.11.1945, die durch einen alli­ier­ten Bom­ben­an­griff schwer zer­stört wur­de. Bild: Clark, N S, RAF, Impe­ri­al War Muse­ums, CL 2518, Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

Mein gelieb­ter [Roland]!! Es ist heu­te der zehn­te, er ist noch nicht zu Ende. Die Ent­schei­dung ist noch nicht gefal­len. Du!! Ich bin ganz ruhig und getrost im Her­zen — wie Gott es mit mir vor­hat, so will ich mich dar­in fügen. Du bist bei mir. Alle­zeit — Du stehst an mei­ner Sei­te treu und stark. Mein [Roland]!! Mein lie­ber, gelieb­ter [Roland]!! Du!!!

Laß mich jetzt schlie­ßen Herz­lieb! Mor­gen kom­me ich wie­der zu D[ir]! Mein Gelieb­ter!! Behüt[’] Dich mir Gott! Erhal­te er Dich froh und gesund! Ich bin in Gedan­ken immer um Dich, mein Herz!! Ich lie­be Dich! So innig lie­be ich Dich, mein [Roland]!! Ich gehö­re Dir, nur Dir, in unver­brüch­li­cher Treue!!

Behal­te ganz lieb

T&SavatarsmDei­ne Hol­de. Du!!!

2 Antworten auf „10. Dezember 1940“

  1. Ein sehr plas­ti­sches Bei­spiel für die dama­li­ge Füh­rer­ver­eh­rung. Und das zu einem Zeit­punkt, als der Krieg schon seit mehr als einem Jahr lief. Aber den Ehe­mann ver­ehrt sie ja wohl noch mehr…

  2. Immer wie­der erstaun­lich ist die unre­flek­tier­te Hoch­ach­tung vor dem Füh­rer; die Über­zeu­gung, dass sei­ne Stel­lung von Gott gege­ben ist und sein Wor­te und Ent­schei­dun­gen nicht hin­ter­fragt zu wer­den brau­chen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.