06. Dezember 1940

Hilde, bei Roland zum Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Hil­de, bei Roland zum Besuch, Ende Novem­ber 1940, Eckern­för­de.

[401206–2‑1]

Frei­tag, am 6. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein [Roland]!! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!!

Vor acht Tagen rück­te unser Abschied immer näher – Du – weißt Du noch? So wenig Zeit erst ging dar­über hin – aber mir ist zumut, als hät­te ich Dich schon so lang nicht mehr gese­hen – Du – glaubst, Herz­lieb?, ich hab schon wie­der ein bis­sel Sehn­sucht nach Dir, Du!! Aber ich will die­ser Sehn­sucht nicht nach­hän­gen – ich wür­de mirs’ [sic] schwer machen – Du – das War­ten. Und ich wäre ein ganz undank­ba­res Geschöpf, woll­te ich – und sei es nur im kleins­ten Win­kel mei­nes Her­zens – hadern mit mei­nem Geschick, daß wir noch immer nicht ganz umein­an­der sein dür­fen. Wir haben das gro­ße Glück gespürt, mit unse­rem Herz­schlag; wir haben uns das gro­ße Glück aus den Augen gele­sen – Du!! Du!! Es war immer und über­all mit uns, Herz­lieb!! Das wis­sen wir bei­de. Und es ist auch heu­te noch mit uns – viel­leicht nicht mehr so sicht­bar in all sei­ner strah­len­den Hel­lig­keit, wie in den Tagen, da wir bei­sam­men waren – aber wir füh­len es in uns und auch um uns – Du!! So froh, so ganz froh füh­le ich es, mein [Roland]!! Viel inni­ger und fes­ter noch hän­ge ich an Dir – Du – wie kommt es nur? Du? Weil Du mich so lieb hat­test – Herz­lieb – so lieb — und weil ich Dir die Lie­be, Dei­ne gro­ße Lie­be zu mir deut­li­cher als je zuvor aus Dei­nen lie­ben Augen strah­len sah, Du!! Und weil – weil Du mich erlöst hast!! Du!! Weißt Du denn, was das bedeu­tet? Herz­lieb!! Weißt Du denn, was Du mir damit schenkst?

Ach – Du! Dafür sind doch alle Wor­te viel zu gering und zu kalt, um Dir mei­ner Selig­keit Aus­druck geben zu kön­nen.

Hilde posierend, bei Roland zum Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Hil­de posie­rend, bei Roland zum Besuch, Ende Novem­ber 1940, Eckern­för­de.

Am bes­ten kann ich Dir dan­ken dafür mit mei­nem Gegen­ge­schenk, Du!! Und da braucht es der Wor­te nicht – Du – wir ver­ste­hen uns ja so ganz, mein [Roland]!! Geben und neh­men – es macht bei­des gleich reich und glück­lich, es ist bei­des gleich süß und bese­li­gend, und es ver­schmelzt unse­re See­len immer inni­ger mit­ein­an­der.

Die Lie­be, so sünd­haft schön sie ist – man möch­te sich ban­gen vor ihr – so groß und gewal­tig greift sie doch ein in das Leben zwi­schen Mann und Weib. Und es ist so wich­tig, zu wis­sen und zu füh­len: auch in die­ser Lie­be seid ihr eins – ganz eins.

Wir Men­schen sind sünd­haft – dar­um hän­gen wir an die­ser Lie­be – und ich bin gewiß, wir bei­den wer­den nie die sinn­li­che Lust in ihr sehen und Ober­hand gewin­nen las­sen – nein – wir den­ken an den tie­fen, gro­ßen, ja hei­li­gen Sinn der Lie­be, der sich uns ja ein­mal offen­ba­ren soll – Du!! Das ist doch unser Her­zens­wunsch! Und wenn ich so an all das den­ke, das uns fest ver­ket­tet, zusam­men­hält – nicht nur das Eins­sein in der Lie­be – all das vie­le, and­re Schö­ne, was das Leben erhöht, berei­chert; all das, was uns in den Tagen unse­res Bei­sam­men­seins an Erle­ben, an Wün­schen über die Lip­pen floß, uns ver­band und gemein­sam vor­wärts schrei­ten ließ – in Gedan­ken und in der Tat – wenn ich an all das den­ke, Du!! Dann kann ich ganz stil­le sein in mir und kann war­ten – beglü­ckend froh in dem Wis­sen um unser Eins­sein kann ich war­ten, wie ein Mensch [n]ur war­ten kann, der aufn die höchs­te Erfül­lung sei­nes Lebens glaubt.

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Die­ser Glau­be gibt auch Kraft, Herz­lieb – und die brau­che ich auch. Du fühlst unser Glück wie ich auch, Du! Und es erwächst auch Dir die Kraft, alles zu ertra­gen, was das Dasein beschat­ten will – des­sen bin ich froh gewiß, Du!! Du sagst es mir immer wie­der, auch in Dei­nen lie­ben Brie­fen. Und ich will mich auch nicht so sehr sor­gen um Dich, Du!! Wie Du mir wünschst, mein Herz, daß mich das Glück unse­rer Lie­be wär­men und durch­son­nen möge, so wünsch ich das auch Dir von gan­zem Her­zen!! Du mein Leben!! Herz­al­ler­liebs­ter! Nun habe ich heu­te bereits den zwei­ten Brief von Dir in Hän­den! Heut früh der vom Diens­tag, nach­mit­tags den vom Mitt­woch. Du! Sei recht herz­lich bedankt, mein [Roland]!

Ach Du! Ich hab[‘] doch ein wenig auf­ge­at­met, als ich über die ‚Schein­ge­schich­te’ las! So ist es nun – man ver­rennt sich oft in einen Gedan­ken und ’s [sic] ist doch anders! Weiβt noch, wie ich im Zim­mer dro­ben immer begann mit nach­rech­nen? Und ich ließ mich auch gleich beschwich­ti­gen von Dir: „nein nein, der Schein ist bei mir zu suchen!” Ich glaub mich besin­nen zu kön­nen: daß du noch­mal unten beim Por­tier warst um zu zah­len u.[nd] er nahm es aber nicht an – u.[nd] ich habe Dir den Schein gewiß wie­der abge­nom­men, an sei­nen Platz gelegt damit er nicht ver­lo­ren gin­ge. Und mor­gens hast Du ja dann aus Dei­nem Täsch­chen bezahlt, Du! – Erst woll­test Du mit einem Brau­nen zah­len, das weiß ich noch – aber daß ich nur noch 2 hat­te, nicht mehr 3, das wuß­te ich doch nicht genau. Na – recht gut so, wie es nun ist, Du!! Und mei­ne Vor­sät­ze schrieb ich Dir ja nun auch. Daß ich nicht mal auf die ein­fa­che Idee kam, nach­zu­rech­nen, jetzt die Zeit daher?? Ja, so sind die dum­men Frau­en, sie legen alles in die Hän­de des lie­ben guten Man­nes: ‚nun sieh zu, Dicker­le, wie du [sic] kommst!’ Bist mir böse? Du, ich will mich ändern – mit Dir! Du!! – Also, geba­det haben wir da gera­de um die glei­che Zeit?! Ich habe aber auch ganz fest an Dich gedacht und auch dar­um, weil ich jeman­den brauch­te, zum Rücken waschen, Du!!

Marcks Plan for Operation Barbarossa.jpg
5. 12. 1940 teil­te dem Füh­rer die Wehr­macht ihre Plan­stu­die für den Angriff auf die Sowjet­uni­on mit, danach “Ope­ra­ti­on Otto” genannt. Bild: “Marcks Plan for Ope­ra­ti­on Bar­ba­ros­sa,” US Government, Depart­ment of the Army, Pam­phlet No. 20–261a, March 1955. “The Ger­man Cam­pai­gn in Russia—Planning and Ope­ra­ti­ons,” Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

Was Du mir im zwei­ten Brie­fe für Neu­ig­kei­ten bringst?! Die müs­sen erst den Weg über Schles­wig Hol­stein neh­men? Und dabei sind wir K. viel näher?! Der Sieg­fried ist schon da!! So ’ne [sic] Über­ra­schung! Haben sie uns noch nichts geschrie­ben. Ob nun Hell­muth auch noch kommt? Da hät­ten sie aber kei­nen Jun­gen um Weih­nach­ten daheim. Sieg­fried, der Arme muß nun gra­de vor den Fei­er­ta­gen wie­der weg. Hof­fent­lich kommt Hell­muth da erst spä­ter. Es wird sich ja zei­gen. Mor­gen, oder am Sams­tag wer­den die K.‘er gewiß mal schrei­ben.

Und Päck­chen sind ange­kom­men? Du machst mich ja neu­gie­rig! Für uns bei­de? Wer mag denn der Absen­der sein?

Du wirst bald genaue­res dar­über wis­sen.” Du Geheim­nis­vol­ler, Du!! Die Eltern haben sich recht sehr gefreut über Dei­nen lie­ben Brief, Du! Und so viel? sag­te Mutsch! Mehr, als die Frau kriegt!

Sie will Dir auch bald mal wie­der­schrei­ben. Papa erin­nert sie schon eben dran, der „Fau­le”, hält sich groß­zü­gig ’ne [sic] Sekre­tä­rin!

Sie nen­nen Dich ihren lie­ben Soh­ne­mann! – und ich? Ich bin die Gogl­hil­de [säch­sisch-land­schaft­lich für: Kokelhil­de] (wegen der Licht­ver­schwen­dung!)

Mein lie­ber [Roland]! Du!! Mein lieb’s Man­ner­li!

Zum Sonn­tag wird Dich mein Bote grü­ßen, so rech­ne ich – so hof­fe ich stark! Und ich will Dir ein wenig Freu­de berei­ten, Du!! Ich kom­me selbst zu Dir!! Aber bloß auf Papier und Du darfst alle behal­ten, ich habe mei­ne auch für mich. Du gefällst mir ja so sehr – ich muß Dich behal­ten – ich hab Dich schon so gedrückt, an mei­ne Wan­ge, sogar an den Mund, Du! Gefal­len sie Dir auch? Herz­al­ler­liebs­ter!! Jetzt muβ ich schlieβen, die Zeit drängt der Bote [m]uβ auf den Weg! Du!! Du!! Ich wün­sche Dir von Her­zen einen fro­hen, recht fro­hen Sonn­tag! Ich bin in Gedan­ken immer bei Dir, mein Herz!! Ich den­ke an den vor­an­ge­gan­ge­nen Sonn­tag, Du!!! Der so viel heim­li­ches Glück birgt – Du!!! Der viel­leicht – viel­leicht der Aus­gang sein soll, der Anfang, zu einem ganz gro­ßen, schö­nen Glück?! Du!! Du!!! Leis, ganz leis nur dar­an rüh­ren – Gelieb­ter mein!!!

Du!! Herz­al­ler­liebs­ter!! Gott behü­te Dich mir! Er erhal­te Dich froh und gesund, Du! Ich lie­be Dich!!! Ich lie­be Dich!!!

In unwan­del­ba­rer Lie­be und Treue immer­dar

ganz, ganz Dei­ne Hol­de.

T&SavatarsmUnd Du bist mein!! Mein!!!!!

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