06. Dezember 1940

Bundesarchiv Bild 183-2007-1214-500, Nikolausgeschenk.jpg
Niko­laus­ge­schenk 1940. Foto Scherl-Bil­der­dienst, Bun­des­ar­chiv, Bild 183‑2007-1214–500 / CC-BY-SA 3.0. Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons, 12.2015.

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Frei­tag, den 6. Dezem­ber 1940.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Gelieb­te, Hol­de mein!

Hur­rah! [sic] Dein lie­ber, lan­ger Bote ist gekom­men!

Vie­len, herz­li­chen Dank. Ja, wenn man so lan­ge schläft, dann wird er erst spät­abends fer­tig und geht andern Mor­gens 11 Uhr erst ab! Und nun muß ich erst ein­mal zan­ken: Hast Dich mit bei­den Kof­fern vom Bahn­hof geschleppt! Steht doch einer Dame gar nicht! Nein, aber, Du, mußt Dir noch viel mehr ange­wöh­nen, auf Dich zu ach­ten!

Herz­lie­bes! Es freut mich, daß Dei­ne Heim­rei­se so glatt ver­lau­fen ist, und soviel Platz war noch im Zug, und ich wäre so ger­ne mit­ge­kom­men, mit Dir auf sol­cher lan­gen Rei­se. Du! Uns[e]re Hoch­zeits­rei­se, weißt, die ist noch fäl­lig! Das ist eine lan­ge, lan­ge Rei­se mit min­des­tens 10 Stun­den Fahrt, wenn wir viel Geld haben 2. Klas­se. Ich seh[’] Dich nun noch sit­zen auf dem W.er Bahn­hof, der so allein und kahl im frei­en Fel­de steht wie für die Hasen, die­ser öde Bahn­hof, und ist doch wich­tig. Wenn ich ihn erreich­te auf mei­ner Rei­se zu Dir, dann war die größ­te Unge­duld vor­bei. Du aber nun dort, von wei­ter Rei­se, ¼ Stun­de von Hau­se, dort noch ein­mal zum Auf­ent­halt fest­ge­hal­ten, das ist läs­tig und ärger­lich! Die Gesich­ter von Vater und Mut­ter hät­te ich sehen wol­len! Über­ra­schung, freu­di­ge Über­ra­schung! Wenn Du nach Hau­se kommst! Ach ich ver­ste­he sie so gut, die Eltern, Du! Fast, daß ich sie dar­um benei­den könn­te! Nach den Sprot­ten also nun – – na, was willst frei­wil­lig sein? – – Karp­fen? Ist zu dick für Dich! Hecht? So flink bist Du nicht. Ach! sagen wir der Kür­ze wegen – der Back­fisch! Und nun war er so müde, sooo müü­de [sic]! Aber mir zeigt er es nicht, der Schlin­gel! Ja, es ist schon gut, daß beim Möbel­händ­ler 2 Bett­lein ste­hen für uns, gut für die ‘Ruhe’ und für die Nacht­ru­he. So gut wir uns sonst ver­tra­gen – aber im Feder­ball plat­zen die Unter­schie­de zu sehr auf­ein­an­der. Ich den­ke jetzt eben nur an mein leicht Schweiß abson­dern­des Tem­pe­ra­ment. Ach, ich glau­be, auch das gibt sich noch. Geba­det habe auch ich am Diens­tag. Es gebrach mir nur an neu­er Wäsche. Ich war noch nicht wied[er] bei Frau P., mein Zeug steht noch dort. Heu­te zum Abend will ich es holen

Heu­te früh war es hier zum ers­ten Male Win­ter, Sturm und naß­kalt und fins­ter drau­ßen zum Fürch­ten. Heu­te zu Mit­tag ist Matsch über­all. Jetzt heißt es Ohren steif hal­ten, Liebs­te, nicht erkäl­ten, hörst Du?! Brav sein und gut fol­gen, ich will es auch! Wir hat­ten doch zu allem Glück auch recht gutes Wet­ter ver­flos­se­ne Woche.

Ach Du! Ich freue mich mit Dir, daß alles so gut gelun­gen und abge­lau­fen ist. Ganz dank­bar bin ich Dir in mei­nem Her­zen für Dei­nen Besuch, ganz warm wird mir uns Herz von der gro­ßen Lie­be, die Du mir damit erzeigt hast. Und wenn ich mich auch besu­chen ließ, so hat­te doch auch ich Gele­gen­heit, Dir Lie­bes zu erzei­gen, das beglückt ja glei­cher­wei­se. Und wir haben es ja bei­de so tief und deut­lich emp­fun­den, wie nie zuvor, und sind nun wohl des Glücks mehr, als wir hof­fen konn­ten. Liebs­te, Gelieb­te! Du bist mit mir dar­in eins: daß uns mit die­sen weni­gen Tagen so viel geschenkt wur­de.

Herz­lie­bes! Abend ist, da ich wei­ter­schrei­be. Drau­ßen reg­net es bös. In uns[e]rer Stu­be ist[’]s gemüt­lich warm. 2 Boten lie­gen vor mir auf dem Tisch! Du! Ich dan­ke Dir so sehr dafür! Nun ist wie­der Ruhe in mir — nun brennt die Flam­me in mir wie­der ruhig — bis — bis mor­gen, Herz­lie­bes! Ach Du! Im Radio ist eine herr­li­che stren­ge Musik heut[’] abend. Mich wun­dert, daß noch nie­mand aus­ge­schal­tet hat. Aus der Musik leuch­tet [s]o viel Freu­de und Wär­me, als spiel­te man sie eben uns bei­den auf. Musik hören will ich mit Dir, Gelieb­te! Freust Dich dar­auf? Du! O Du!! Wie reich ist die Welt an Schö­nem! Wie bie­ten sie sich immer wie­der an, über­all, allent­hal­ben, die­se Schön­hei­ten — die Men­schen gehen nur zu oft acht­los dar­an vor­bei, sie haben kei­ne Zeit, die Zeit dazu scheint ihnen wohl gar ver­schwen­det. Liebs­te, ich freue mich so dar­auf, mit Dir bei die­sen Schön­hei­ten zu ver­wei­len! Gelieb­te! Die Welt mit Dir! Sie scheint mir nun so reich und schön und lie­bens­wert! Und sie ist es auch.

Sie ist es auch Dir, ich weiß es. Du! Gehst nun mit Dei­nem Glück und Reich­tum wie­der um unter dei­nen Bekann­ten, und sie müs­sen es spü­ren, wie sie aus Dir leuch­ten, wie Du mein Bild in Dir trägst, Du! So wie die Kame­ra­den nun wis­sen, wes­sen Bild ich in mei­nem Her­zen tra­ge.

Hast so viel Erin­ne­run­gen mit­ge­nom­men, Du! Ich freue mich mit Dir und Euch über unser Blau­es. Bald wer­de ich nun auch die Bil­der sehen. Ach Du! Die liebs­ten Erin­ne­run­gen tra­gen wir ja doch in uns, und mehr als die Erin­ne­run­gen [^]ist unser Glück, ist die Gewiß­heit, daß wir ein­an­der so lieb haben, daß nie­mand uns [^]zu schei­den ver­mag.

Frei­tag ist schon wie­der. Bade­tag. Vor 8 Tagen? Da kam ich schon zei­tig, daß wir noch ein Stück bum­meln konn­ten. Du weißt, wie gern ich an Dei­ner Sei­te gehe — Du, mein liebs­ter Kame­rad!

Nun freue ich mich wie­der auf Dei­nen lie­ben Boten.

Herz­al­ler­liebs­te! Behü­te Dich Gott!

Hal­te Dich schön warm! Bleib froh und gesund!

Ich bin immer bei Dir! Es kann nir­gends schö­ner sein! Liebs­te Du! Du bist mein! Du hast es mir aufs neue so lieb und treu bewie­sen, hast mich so reich beschenkt, Du! Du!!! Mein lie­bes, süßes, schö­nes Weib! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!! Ich bin Dein [Roland]!

Ich könn­te gar nicht mehr anders! Ich lie­be Dich so sehr, Du!! Sei recht froh u[nd]. glück­lich, Gelie[bt]e! Dein [Roland] will ich sein, nichts sonst, Du!! In mei­nem ab Her­zen aber bist Du, Liebs­te, Hol­de! Du, mei­ne lie­be, lie­be, liebs­te [Hil­de]!!!

T&SavatarsmGrü­ße auch die lie­ben Eltern.

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