03. Dezember 1940

Hilde posierend, bei Roland zum Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Hil­de posie­rend, bei Roland zu Besuch Ende Novem­ber 1940 in Eckern­för­de.

[401203–1‑1]

Diens­tag, am 3. Dezem­ber 1940.

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­al­ler­liebs­te, Hol­de mein!

So vie­le neue Bil­der sind, von denen ich nun träu­men kann, wenn ich des nachts ein­mal mun­ter wer­de! Ich habe 8 Stun­den fest durch­ge­schla­fen, mich ganz mun­ter geschla­fen. Als ich um 6 Uhr auf­wach­te, da woll­ten mei­ne Gedan­ken natür­lich gleich los­spa­zie­ren nach Her­zens­lust. Aber ich habe sie ans Bänd­chen genom­men und erst noch ein­mal nach dem brau­nen Schein auf die Spur gesetzt. Das Ergeb­nis der Unter[s]uchung? Ich habe gesucht, was gar nicht ver­lo­ren war. Hör zu! In Dei­nem Besitz befan­den sich 110 R[eichs]M[ark], also 5 Brau­ne. 2 Brau­ne gabst du mir zum Lösen der Fahr­kar­te, 1 Brau­nen zum Bezah­len der Mie­te, und mit zwei­en bist du nach Haus[‘] gekom­men, stimmt[‘]s? Oder anders, zusam­men waren in unse­rem Besitz 140 R[eichs]M[ark]. Davon gehen ab 25 M[ark] für die Fahrt, 37 R[eichs]M[ark] für Mie­te, 9 R[eichs]M[ark] für Über­nach­tung — blei­ben, die klei­nen Beträ­ge ein­ge­recht­net — 69 R[eichs]M[ark] — davon hat­te ich bei mei­ner Abfahrt in Kiel 16 R[eichs]M[ark] in mei­nem Besitz. Also kannst du unmög­lich noch 3 Brau­ne gehabt haben. Denk bit­te noch ein­mal mit nach — ich glau­be, mei­ne Rech­nung stimmt. Ach Herz­lie­bes! Wie schön waren die Tage mit Dir! Und ich wun­de­re mich, wie wenig müde und schwach ich bin davon. Heut[‘] abend, eben vor­hin habe ich geba­det. Es war höchs­te Zeit. Dich sehe ich nun wie­der in alter ver­trau­ter Umge­bung und — ach Du! ich [sic] ken­ne das Gefühl — unzu­frie­den und in Gedan­ken immer in der Fer­ne uns[e]rer süßen und aben­teu­r­li­chen Stun­den schwei­fen. Vor­bei — uner­bitt­lich vor­bei — Aber [sic] Du! So schön, so süß, so selt­sam und reich die­se Tage! Fühlst Du noch die gro­ße Freu­de der ers­ten bei­de Tage? Du!! Den Schmerz auch des Toten­sonn­tags? — auch [sic] er woll­te ein­mal erlöst sein. Und dann das herz­li­che Ein­ver­neh­men und inni­ge Ver­ste­hen der fol­gen­den Tage. Und die süßen Stun­den letz­ter Trau­te? Gelieb­te!! Dahin  — dahin! Aber Herz­lie­bes! Unser bleibt die Erin­ne­rung der inne­re Gewinn, die Gewiß­heit uns[e]rer unlös­li­chen Ver­bun­den­heit, die fro­he Gewiß­heit des Eins­seins und die Hoff­nung letz­ter Erfül­lung! Herz­al­ler­liebs­te! Wenn so vie­les uns schon so ganz fest ver­band, die­se Tage ban­den uns noch fes­ter— nie­mand mag sie uns aus­lö­schen. Und nun, da Du bei mir warst, kön­nen wir in Gedan­ken bes­ser Hand in Hand bekann­te Wege gehen. Die Rei­he gemein­sa­mer Erleb­nis­se ist nun ein gut Stück ver­län­gert wor­den. Herz­lie­bes! Ich bin so froh und dank­bar im Grun­de mei­nes Her­zens. Du! Mor­gen wird Dein Bote wie­der­kom­men! Ich freue mich so dar­auf! Du bist gereist, kannst mehr erzäh­len. Heu­te kam ein ver­spä­te­ter Brief von der Mutsch. Du! Sie beruf­et das Besizver­hält­nis [sic] und Eigen­tums­recht an einer gewi[ssen] [Hil­de]. „und gön­ne Dir mei­ne Toch­ter von gan­zem Her­zen”. Liebs­te, Du! Weißt [Du], wer da gemeint ist? Und das schreibt die lie­be Mutsch, wohl mei­nen Spaß auf­grei­fend, aber es klingt so ernst­haft, wie schwer mag ihr die­se Zei­le wohl gefal­len sein? Ach Du, solch Streit mit so scharf for­mu­lier­ten Redens­ar­ten ist ja so unsin­nig, dazu noch über Dei­nen Kopf hin­weg, als ob es um eine Ware gin­ge! Auf Dich kommt ja alles an. Auf Dei­ne freie Ent­schei­dung, und Du weißt recht wohl Mut­ters Teil mit dem mei­nen zu ver­ei­nen. Herz­al­ler­liebs­te! Gott behü­te Dich mir! Blei­be froh und gesund. Was ich für Dich emp­fin­de — am bes­ten käme es noch im Lie­de zum Aus­druck: Du! mein Reich­tum, mein Gut! Du mei­ne See­le, mein Fleisch und mein Blut. Ich lie­be Dich aus gan­zem Her­zen und blei­be immer Dein [Roland].

Du! Mei­ne lie­be, gelieb­te [Hil­de]!!T&Savatarsm

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