02. Dezember 1940

[401202–1‑1]

Mon­tag, am 2. Dezem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Roland posierend, während Hildes Besuch, Ende November 1940, Eckernförde.
Roland posie­rend, wäh­rend Hil­des Besuch, Ende Novem­ber 1940, Eckern­för­de.

Nun, muß ich wie­der zur Feder grei­fen. Der Him­mel trau­ert heut[‘] mit mir: Rauh und grau ist es. Und ich darf gar nicht dran den­ken, Du!, [sic] daß du mir wie­der ent­eilst. Hin­ter den dür­ren, toten Zah­len und Zei­chen sit­ze ich wie­der. Abend ist dar­über gewor­den. Daß du bei mir warst: wie ein Spuk, ein süßer Traum möch­te es mir nun erschei­nen. Ich war­te, Liebs­te, auf dein Tele­gramm, auf dei­nen ers­ten Boten. Wie ich war­te, Du! Du wirst gleich nach ihm gegan­gen sein, als Du ankamst. Bis 9 Uhr will ich gedul­dig war­ten. Bis in unse­re Abge­le­gen­heit kann es lan­ge gehen. Herz­lie­bes: den bei­den roten Lich­tern habe ich nach gese­hen, bis sie mir ent­schwan­den. Dun­kel und Däm­mer über­all – es tat mir wohl. Zu mei­nem Auto bin ich gegan­gen ½ 8 Uhr war ich wie­der in Eckern­för­de ― im Dun­kel warlag die Stadt noch ― ich war froh dar­über. Im Lager schlief noch alles um 8 Uhr. Gegen mor­gen [sic] hat es doch noch einen Alarm gege­ben, wir haben gar nichts gemerkt davon. Müde war ich und abge­spannt und lust­los. Heut[‘] abend bin ich wie­der ganz mun­ter. Wie viel här­ter und schwe­rer ist die Schul­ar­beit nach sol­chem ermü­den­den Tage! Liebs­te! Ich habe Dich ver­folgt auf Dei­ner Rei­se. Still und ruhig ist es in mir – Du bist glück­lich zu Hau­se – ich spü­re es ― Müdig­keit und Trau­er ist auch bei Dir. Aber sie gehen vor­über und sie geben dann unse­ren Blick frei für das Glück, für die Freu­de, die uns in den ver­gan­ge­nen Tagen beschert wur­den. Daß wir uns wie­der­se­hen durf­ten! Daß wir ein­an­der uns[e]re Lie­be erzei­gen durf­ten! Herz­lie­bes! Anders wohl, aber rei­cher noch, als wir es uns aus­ge­malt hat­ten!! Uns[e]re Lie­be, die über die tren­nen­de Fer­ne hin­weg nur grö­ßer und tie­fer und inni­ger gewor­den ist, die uns leuch­tet wie ein Stern hoch über allen klei­nen und lächer­li­chen Geschäf­ten. Du!! ¾ 9 Uhr ist es! Dein Bote ist gekom­men!!! „Glück­lich gelan­det! Dei­ne [Hil­de]!” Ein Son­nen­strahl, mit dem die­ser Tag zu Ende geht! Ich dan­ke dir so!!!! Ich bin so dank­bar, daß ich Dich wie­der in sich[e]rer Hut weiß. Nun wirst du ein wenig von dem Glanz Dei­ner Freu­de um Dich ver­brei­tet haben ― aber in ihrem Geheim­nis und ihrer Tie­fe ist sie nur in Dei­nem Her­zen – gebannt – gepreßt ― wirst jezt [sic] auch über einem Brief­lein sit­zen und ihr Luft machen – aber daß Du ganz von ihr erlöst wirst, dar­auf mußt Du, müs­sen wir nun wie­der war­ten – stark, gedul­dig, fest und treu und tap­fer, Du!

Tschammer1.jpg
Am gest­ri­gen Sonn­tag wur­de im Ber­li­ner Olym­pia­sta­di­on das End­spiel des Tscham­mer­po­kals aus­ge­spielt. DEr Dresd­ner SC besieg­te den 1. FC Nürn­berg mit 2:1. Erst 1943 wur­de das Tur­nier in DFB-Pokal­spiel umbe­nannt. Foto „Tschammer1“ von Sebas­ti­an Rit­ter, lizen­ziert unter PD-Schöp­fungs­hö­he über Wiki­pe­dia, 12.2015.

Herz­lie­bes! Und wenn du zag­haft wer­den willst, denk[‘] an den rei­chen Trost, den wir ein­an­der zuspra­chen, an den rei­chen Trost, an die fes­te Zuver­sicht, die wir bei­de haben dür­fen – sie ist eine fes­te Brü­cke über alle Fer­ne – und ihre Pfei­ler, die sind so uner­schüt­ter­lich fest gegrün­det: uns[e]re Lie­be, uns[e]re Treue, unser gegen­sei­ti­ges Ver­trau­en bis ins letz­te. Sie sind in den ver­gan­ge­nen Tagen noch viel fes­ter gegrün­det wor­den. Herz­lie­bes! Und hell und licht ste­hen Dei­ne Wor­te vor mir, mit denen du mir alle Schat­ten ver­scheuch­test, ste­hen vor mir die rei­chen Geschen­ke, mit denen du mich beglück­test, steht vor mir Dein Wesen, in dem ich zuhau­se bin wie nir­gends sonst in der Welt. Sie umschlie­ßen so viel, die­se Tage Gelieb­te! So viel, daß wir es gar nicht so schnell ermes­sen kön­nen. Ich mag auch heut[‘] abend gar nicht län­ger grü­beln dar­über. Ich will mich nie­der­le­gen, froh und dank­bar und ganz glück­lich. Gelieb­te! Gott behü­te Dich! Er ist mit uns, wir wis­sen es. Herz­lie­bes! Wie soll ich heu­te schlie­ßen? Wie mager und dürr sind alle Wor­te gegen alles, was wir erleb­ten!

Ich lie­be Dich! Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]! Ich bin immer bei dir! Denk an all die schö­nen Stun­den, rufe sie Dir zurück, die Wor­te uns[e]rer Lie­be, sie kamen alle von Her­zen, Gelieb­te! Sei froh und glück­lich und gewiß, daß ich Dein bin, Dein [Roland]! Und ich will es auch sein, der glück­lichs­te weit und breit: weil Du mein bist, ganz mein!! Hol­de!T&Savatarsm

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.