20. November 1940

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Am 20. Novem­ber 1940 trat Ungarn dem Drei­mäch­te­pakt bei und schloss sich den soge­nann­ten Ach­sen­mäch­ten an. Die Kar­te zeigt die unga­ri­sche Gebiets­er­wei­te­rung im Som­mer 1940 nach dem soge­nann­ten Wie­ner Schieds­spruch, in Rumä­ni­en auch Wie­ner Dik­tat genannt. Kar­te erstellt von PANONIAN, lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Mitt­woch, den 20. Novem­ber 1940.

Gelieb­te!! Mei­ne [Hil­de]!! Herz­al­ler­liebs­te! Hol­de mein!!

End­lich — End­lich wie­der ein Zei­chen von Dir, der Bote vom Sonn­tag!! Darf ich mich schon ganz sehr freu­en, Du?!!

Soll es wahr wer­den? Mor­gen! Mor­gen früh, soo [sic] zei­tig, willst nun auf­bre­chen zu Dei­nem [Roland]? Du?!! Du!!!

Sturm und Regen sind drau­ßen, rich­ti­ger Novem­ber! Möch­ten sie mor­gen früh wenigs­tens ein paar Stun­den ver­schnau­fen, wenn mein Herz­lieb auf gro­ße Fahrt geht! Du! Hast es auch schon gemerkt, daß es Gedan­ken­über­tra­gung gibt, und mehr als das — ich bin so unru­hig heut abend wie Du so unru­hig sein magst. Herz­lieb! Und das alles, weil wir uns so lieb haben?!! Du!!! So, so viel Glück!!!

Gelieb­te!! Viel­leicht ent­täuscht Dich eini­ges zuerst: die neue Umge­bung, die Du Dir viel­leicht anders aus­ge­macht hast — uns[e]re Unter­kunft, die wohl nicht unwür­dig, aber doch etwas ärm­lich, ein Behelf ist, ein Feld­la­ger, wie es Dein Hubo jetzt bewohnt, Krieg ist — Dein [Roland] kann nicht immer um Dich sein. Liebs­te — die­se klei­ne Ent­täu­schung wirst Du über­win­den müs­sen wie Dein Dicker­le! Und ich will Dir hel­fen dabei. Uns[e]re Her­zen sind ein­an­der ver­traut wie nichts sonst auf der Welt sich ver­traut ist. Du bist mir Hei­mat, wo Du bist, bin ich zu Haus — und Du hast mir geschrie­ben, daß ich auch Dir Hei­mat bin! Du!! Gelieb­te! Ganz, ganz dank­bar wol­len wir dem Herr­gott im Him­mel, sein, wenn er uns glück­lich zusam­men­führt!! Du!! Die­ser Dank soll das ers­te sein! Und dann die Freu­de das zwei­te. Du!

[Deut­sche Wochen­schau, Nr. 533, 20. Novem­ber 1940]

Ich weiß doch gar nim­mer, wie Du aus­siehst. Auf jedem Bil­de anders, ich ken­ne mich schon nim­mer aus — und in Wirk­lich­keit auch immer anders, jeden Tag, in jedem Kleid. Ach Du, die Bil­der, sie sind wohl manch­mal ein Trost — aber sie sind doch auch oft

— 4 — [Sei­ten­zahl am unte­ren Sei­ten­rand, mit­tig]

ein quä­len­der Ersatz: der Mund bleibt starr, das Auge stier, still das Herz — und sie kommt mir nicht ent­ge­gen, auch wenn ich sie noch so sehn­süch­tig anschaue, Du!! Wie freut sich Dein [Roland] dar­auf, Dich zu sehen, Herz­lieb! Die Augen sind sei­ne wachs­ten Sin­ne, die Augen schen­ken mir so viel Freu­de über­all!! Sie wer­den sich nicht satt sehen kön­nen, Du!!

Und wie freut sich Dein Dicker­le dar­auf, sein Lieb zu umfan­gen, als sein Eigen, sei­nen Schatz, glück­lich wie ein Kind, das erst glaubt und besitzt, was es fest in Hän­den hielt. Wir haben uns [^]so fest und lieb die Hän­de gereicht über die Fer­ne mit unse­ren Boten — haben uns[e]re Her­zen getauscht — aber das seli­ge Umfan­gen für um ganz, das hat uns doch gefehlt — das konn­ten die Wor­te nicht erset­zen, das konn­ten sie nur als ein unend­li­ches Ver­lan­gen her­auf­be­schwö­ren — Du! Du!! das müs­sen wir nun alles nach­ho­len, für über 60 Brie­fe!!! Liebs­te, ich will Dich ganz fest hal­ten wie ein Kind, damit ich Dich behal­te — Du, die Stun­den, die ich bei Dir bin, wei­che ich nicht von Dei­ner Sei­te! —(auch wenn Du aufs Töpf­chen mußt). Der Dank — die Freu­de — und? — Du!! — und? das Schen­ken, Liebs­te!! Dank und Freu­de wol­len sich aus­tun, wol­len sich kund­ge­ben. Gelieb­te! Du kommst, um mich zu beschen­ken!!! Sich hin­zu­ge­ben und zu ver­schen­ken ist das Wesen des Wei­bes. Wei­bes Gunst zu umwer­ben und zu gewin­nen und zu behal­ten und dar­um zu die­nen, ist das Wesen des Man­nes. Herz­lie­bes! Du bist mir alles und bedeu­test mir alles! Weißt Du es? Du weißt es und fühlst es! Das Bes­te will ich für Dich! Was ich sin­ne und [t]rachte geht um Dich! Du bist mir der Inbe­griff allen Glü­ckes, aller Freu­de, allen Frau­en­tums gewor­den. Du bist die Köni­gin mei­nes Her­zens! Und nichts scheint mir gut genug, es Dir zu brin­gen. Gelieb­te, Du! Sag! Bin ich so ein Mann, Dein Mann? Ich weiß wie Du mir ant­wor­ten wirst, Herz­lieb!! Und weil ich es weiß, Du! beglü­ckend weiß, so sollst Du mein Weib sein, so will ich mich von Dir beschen­ken las­sen ohne ein Gefühl von Schuld, ohne das Gefühl, gering und unwert zu sein! Liebs­te! Herz­al­ler­liebs­te!

— 5 — [Sei­ten­zahl am unte­ren Sei­ten­rand, mit­tig]

So viel Glück, so viel Glück, das uns geschenkt wur­de, und das nun sei­ne letz­te Erfül­lung und Bestä­ti­gung fin­den soll!! Und das hin­drängt zu die­ser Erfül­lung: eins wol­len wir sein!! Du!! Eins wer­den wir sein in seli­gem Umfan­gen!!!

Und wenn Lie­ben­de ein­an­der beschen­ken, dann ist das zuletzt ein erns­ter, lei­den­schaft­li­cher Akt — wenigs­tens in mei­ner Vor­stel­lungs­welt — aber vor­her ist das Spiel, das glückhaf­te Spiel — Du!! Du!! Weißt Du schon Spie­le?- Hast Dir wel­che aus­ge­dacht? — Dein Dicker­le hat so wenig Phan­ta­sie — es ist so dumm! Aber wenn nur eins recht zag­haft es auf­for­dert mit­zu­tun, dann möch­te es wohl sei­ne Steif­heit ver­ges­sen und mit­tun. Evchen? Wo bist Du? — Viel­leicht wenn es einen guten Gedan­ken hat, kommt dem Hubo wie­der einer drauf. Wer muß anfan­gen? das Evchen! das Evchen! Steht ja schon in der Bibel! — Liebs­te, Herz­al­ler­liebs­te! Adam wird sich dann auch nicht aus der Schlin­ge ziehen, er wird sich zu sei­nem Teil schul­dig beken­nen. — Gelieb­te! Was sind das für Sor­gen! Wenn Du nur erst bei mir bist! Bald, bald, wirst Du, wer­den wir ein­an­der sehen und umfan­gen und lieb­ha­ben! Du! Mor­gen muß ich noch ein­mal alles auf­schrei­ben! Über­mor­gen kann ich Dir alles erzäh­len. Nein, über­mor­gen wer­de ich Dir wohl nichts zu erzäh­len haben.

Gelieb­te! Behü­te Dich Gott! Er sei mit Dir auf der Rei­se!

Er behü­te die lie­be Mut­ter und mache ihr den Abschied leicht!

Ich ab[e]r bin Dein [Roland], in Treue u[nd] Lie­be Alle­zeit Dein [Roland]!

— 6 — [Sei­ten­zahl am unte­ren Sei­ten­rand, mit­tig]T&Savatarsm

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