19. November 1940

Eingang Tiefbunker Steintorwall
Mit­te Novem­ber 1940 begann der Bau von Tief­bun­kern in Deutsch­land; hier: Ham­bur­ger Haupt­bahn­hof, Ein­gang zur Füh­rung in den Tief­bun­ker, Foto von VK89, 02.2012, lizen­ziert über Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on-Sha­re Ali­ke 3.0 Unpor­ted licen­se, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

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Diens­tag am 19. Novem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Gelieb­ter mein!!

Du bist so lieb, Du schreibst mir so flei­ßig! Du!! Wie ich Dir dan­ke, mein [Roland]!!

Und ich kann Dir nicht täg­lich mehr ant­wor­ten, aber ich ver­ges­se Dich nicht Du!!! [Ne]in mein Lieb!! Nie!!

Es ist nun die Arbeit für die Mutsch getan. Eben kam ich von der Man­gel. Papa hat eine Angst um mich aus­ge­stan­den, weil ich ein Wild­fang wär[´]! Belei­di­gung!!!

Doch ich bin wohl­be­hal­ten zurück, s [sic: das] ers­te Mal ganz allein, sonst war Mutsch immer dabei.

2 Stun­den unun­ter­bro­chen gerollt, so viel Wäsche wars. Weil die Mutsch heu­te kocht, so will ich Dir gleich paar Wor­te schrei­ben. Her­nach will i[ch] zum Bäcker, “put­zi­ge Din­ger” backen gehn [sic], den Teig muß ich auch noch machen.

Mangling av tøy Foto Norsk Folkemuseum 1962, NF.06675-006.jpg
Wäsche rol­len meint Wäsche man­geln — hier manu­ell, Nor­we­gen, 1962. Abbil­dung aus dem Norsk Fol­ke­mu­se­um, Bild­num­mer NF.06675–006, über digitaltmuseum.no.. Lizen­ziert unter CC BY 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.

Dann will ich Kopf waschen, baden, zur Schnei­de­rin. Noch­mal in die Stadt[,] ver­schie­de­nes besor­gen, will sehen ob ich auch einen Film bekom­me für den Pho­to [sic: Pho­to­ap­pa­rat]. Hab auch noch aller­hand zu nähen für mich. Und mor­gen früh gehe ich zum Ver­schö­ne­rungs­rat. All mei­ne Sachen die ich mit­neh­me, baue ich mor­gen bei Tage auf dem gro­ßen Tisch drü­ben auf, dann gehts’ [sic: geht das] packen los!!! Daß ich auch nichts ver­ges­se. Mor­gen möcht ich auch noch­mal zei­tig [sch]lafen gehen, am Don­ners­tag früh [u]m 4 heißts’ [sic: heißt es] rraus [sic] aus den Federn!!! Ach Du so soo bald gehts’ [sic: geht das] nun fort!!! Wie ich mich freu [´], das glaubst [Du] gar­nicht [sic]!!! Ach, mor­gen muß ich ja auch noch die Fahr­kar­te lösen, die Lebens­mit­tel­mar­ken ein­tau­schen! Ach wor­an man nur alles den­ken soll!!! Und dabei hab ich doch so viel Mühe, die Gedan­ken noch in O. zu behal­ten, Du!! Du!!

[Die] Hal­lense­ner schrie­ben heut auch schon wie­der, wie ich am schnells­ten vom Bahn­hof ab her­aus zu ihnen käm[‘]. Die sind nun auch schon auf­ge­regt!

Ich war­te jeden Tag noch auf Dei­ne Wäsche, sie scheint nicht zu kom­men. Muß sie Mutsch dann besor­gen. Ach Liebs­ter! ges­tern [sic] hat mir die Frau S., weißt uns[e]re Krä­mers­frau 2 Schach­teln Lich­ter gege­ben!! Eigent­lich sind die bis zum 15. Dezem­ber beschlag­nahmt. Ich war allein drin u[nd] da erzähl­te ich ihr, daß ich Dich besu­chen will u[nd] eben war­um die Lich­ter. „[N]a frei­lich [Hil­de]! Ihr müßt Euch ja doch auch mal abends’ sehn!”, mein­te sie! Die K.er Eltern woll­ten auch wel­che abschi­cken, auch Taschen­tü­cher u[nd] mein Sei­den­tuch, das ich ver­gaß. Viel­leicht haben sie es an Dich geschickt, weil bis heut[´] noch nichts da ist. Was ich ges­tern gemacht hab [´]? Erst die gan­ze Wäsche gelegt, man­ches aus­ge­bes­sert. Die Mutsch war erst Dampf­bad neh­men u[nd] die hab ich dann aufs’ [sic] S[ofa] ver­bud­delt! Nach­her hab [´] ich mei­nen Post­aus­weis aus­stel­len las­sen, war ich eben beim Post­meis­ter. Und wie ich ihn, heim­ge­kom­men noch mal genau durch­le­se, da sehe ich daß er ver­kehrt den [sic] Datum ein­ge­tra­gen hat. Gül­tig bis: 19. Nov. 1940! Muß hei­ßen 1943!! Da wür­de er ja eben 1 Tag gel­ten.

Mußt[´] ich noch­mal hin. Da hat er sich so lang noch mit mir unter­hal­ten, ich mußt[´] mich erst mit neben ihn set­zen.

Erzähl ich Dir mal.

Beim Schus­ter, auf der Gairo­kas­se, in M. beim Schnei­der war ich. Also, abends taten mir die Bei­ne so weh! Es fah­ren seit 2 Tagen die Bus­se anders, der Arbei­ter wegen u[nd] da mußt ich run­ter u[nd] rauf lau­fen.

Na u[nd] dann hat­te ich immer noch etwas pst [sic]! Und es war ½ 11, wie ich end­lich in mein Bett­lein kroch. Um 6 früh heißts’ [sic] auf­stehn, sonst wer­de ich nicht mit allem fer­tig. [N]a, sonst ist nun alles klar mit der Fah­re­rei!! Wo ich umstei­gen muß, werd[´] ich schon wei­se krie­gen.

Ob ich mor­gen noch­mal zum Schrei­ben kom­me? Mein Dicker­le? Du!!

Das kann ich Dir heut [´] noch nicht sagen. Bist mir doch nicht bös [´] dar­um, ja? Ich will alles, alles, alles nach­ho­len wenn ich bei Dir bin!! Du!! Du!! Wenn ich bei Dir bin!!!

Mein gelieb­ter, guter [Roland]!!! Nun behüt’ [sic] Dich Gott!

Bei uns ist alles ruhig blie­ben [sic] [j]etzt — kein Alarm.

Gebe Gott, daß wir uns in 3 Tagen froh und gesund in die Augen sehen kön­nen.

Du!! Du!!

Ich hab Dich ja soo lieb!!!

Auszug aus dem Brief
Aus­zug aus dem Brief

Ich bin ganz, ganz, ganz brav auf der Fahrt. [sie­he Bild]

Und dann? Das sag ich Dir noch lan­ge nicht!

[S]o jetzt ists’ [sic] Schluß! Mit­tag!

Auf fro­hes Wie­der­sehn!!!!!!

Bleib’ [sic] schön brav!

In inni­ger Lie­be, in unver­brüch­li­cher

Treue immer­dar

Dein Hol­de.

Recht herz­li­che Grü­ße von der Mutsch, es geht ihr bes­ser!!!! Papa schläft.T&Savatarsm

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