13. November 1940

Frau-Holle-Teich 004
Frau-Hol­le-Teich auf dem Hohen Meiß­ner, Foto: Wil­low, 20.05.2007, über Wiki­me­dia Com­mons, Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on 2.5 Gene­ric Lizenz, 11.2015.

[401113–2‑1]

Mitt­woch, am 13. Novem­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter!! Mein lie­ber, lie­ber [Roland]!! Gelieb­ter mein!!

Heut[’] in 8 Tagen Du!! Um die­se Zeit, nach Mit­tag, wenn mein Dicker­le Pau­se hat, da wird sei­ne [Hil­de] ihren schwar­zen Zau­ber­kof­fer packen!! Du!! Dies­mal wird es aller Vor­aus­sicht nach ein rich­ti­ger Zau­ber­kof­fer!!

Was da alles ver­staut wer­den soll! Und ich glau­be, mein schwar­zer reicht gar­nicht [sic] aus für alles, was hin­ein muß! Aber da steht ja gott­lob noch einer hin­ter mei­nem Bett­lein! Ein gro­ßer, brau­ner Kof­fer mit Namens­schild „[Nord­hoff] K.“! Kennst die Leu­te? Ich glaub[’], der Kof­fer ist damals im Som­mer zur Hoch­zeit in O. mit Absicht ver­ges­sen wor­den! Der wür­de aus­rei­chen. Ist aber kein Schlüss­lein dran u.[nd] kei­nes will pas­sen! Was mach[’] ich nur? Hast Du kein’s, was paßt? Aber wenn schon, es wür­de mich kaum noch errei­chen, so Du es schi­cken wür­dest. Ich wer­de mit dem Kof­fer mal zu Eisen‑L. geh[e]n nach L., die haben doch Schlüs­sel in allen Sor­ten. Denn abschlie­ßen muß ich ihn auf jeden Fall, wenn er in Hal­le über Nacht auf dem Bahn­hof bleibt!

Auszug aus dem Brief, Randbemerkung und Antiqua "D".
Aus­zug aus dem Brief, Rand­be­mer­kung und Anti­qua “D”.

Du!! Heut[’] war ich auf der Bahn­hofs­aus­kunft bei uns. Also Rück­fahrt kann ich nicht lösen. Genau, wie ich / [*Rand­mar­kie­rung] schon dach­te, da müß­te ich bin­nen 4 Tagen wie­der zurück sein. Muß rich­tig lösen, bis Eckern­för­de ein­fach. Nun hat er noch mal genau nach­ge­se­hen, wo ich umstei­gen / muß. Und zwar erst in Hage­now-Land. Der Zug D [Anti­qua, sie­he Aus­zug] Zug [sic], fährt ab Hal­le 725 durch bis Hage­now-Land, er trifft dort um 1120 ein. Und [^]ich faehre wei­ter nach Kiel um 1132. Nun weiß ich’s ganz sicher[,] wo ich raus muß! Aber ich höre trotz­dem gut d[’]rauf, was der Schaff­ner sagt. Und am Don­ners­tag früh mit dem ers­ten Zug um / 453 fah­re ich weg nach Hal­le, das ist der bes­te Anschluß so. Bin ich schon um 819 in Hal­le. Da haben wir wenigs­tens noch genug Zeit zum Erzäh­len!! Ohne daß ich mei­ne Nacht­ru­he ein­bü­ße. Na, so sehr wer­de ich da wohl sowie­so nicht mehr schla­fen, Du!!! Und viel­leicht gibt’s g[’]rade noch Alarm. Ach, ist doch ganz gleich, ich kann ja dann bei Dir in Bar­kels­by aus­schla­fen, ja? Du!! Wie heißt das / Dorf nun eigent­lich rich­tig? Ein­mal schreibst Bark­les­by, ein­mal Bargles­by u.[nd] wie­der mal Bar­kels­by!!!

Du Pro­fes­sor! Ich werd[’] aber nun bald kom­men und in Dei­nem krau­sen Köpf­chen Ord­nung schaf­fen, Du!! Du!! Rich­tig schüt­teln will ich Dich, an bei­den Ohren fass’ ich Dich! War­te!!!
Ach Du, es wird nun immer mehr wahr Du!! Daß ich kom­me!! Daß ich zu Dir kom­me!!

Bundesarchiv Bild 183-H12967, Münchener Abkommen, Chamberlain
Nevil­le Cham­ber­lain, ehe­ma­li­ger Pre­mier­mi­nis­ter Groß­britta­ni­ens und Minis­ter von Par­li­a­ment, ist 9.11.1940 gestor­ben. Foto: Cham­ber­lain ist nach Mün­chen 29.09.1938 ange­reist, um Frie­den zu erhal­ten. All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst, DBa, Bild 183-H12967 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.
Eines nach dem andern von all den Sachen und Din­gen gesellt sich dazu, um die Rei­se­vor­be­rei­tun­gen zu ver­voll­komm­nen. Ich bin ja so auf­ge­regt heu­te, Du!!

Ich soll heut[’] zum Schnei­der­meis­ter kom­men nach M. Viel­leicht stellt sich Dei­ne [Hil­de] nach Maß vor, Du!!

Heut[’] kam auch noch ein Päck­chen aus Fried­rich­sort, das letz­te von da. Über­flüs­si­ger Bal­last! Gera­de gut genu[g] für die [Hil­de]! Aber das eine, das süße knusp­ri­ge Pakerl [sic] Du!! Das war rich­tig gut genug für mich!

Sei recht schön bedankt Du!! Dicker­le!

Nach Taschen­tü­chern hab ich ges­tern abend noch der Mut­ter geschrie­ben. Auch noch nach einem Win­ter­nacht­hemd, die bei­den, die ich bei der Wäsche hat­te, sind ja zu dünn.

Und bei dem einen hängt ja der hal­be Buckel drau­ßen, das hab ich erst mal geflickt, Du!! Wen hast denn da / so sehr fes­te gedrückt, daß alles geplatzt ist? Hm?? Na, was war’s denn noch? Ach, sag Du?

Wie ist Dir’s denn lie­ber:, wenn der Geburts­tags­mann / rich­tig mit der Post am 22. Dezem­ber kommt, oder wenn er gleich mit mir fah­ren wür­de?

Aber mußt mir’s rich­tig ehr­lich sagen, hörst??!

Und das Stüb­chen, es ist also noch immer Geheim­nis? Eigent­lich auch schön. Aber neu­gie­rig bin ich doch, Du!! Genau wie Du!!

Frau Hol­le war zum Schlach­ten? Na, da tut sie recht! Kann sie auch nicht ver­der­ben, bei ihren Mar­ken.

Auszug aus dem Brief, der Pfeil zielt auf das Wort "Bläsierchen" hin.
Aus­zug aus dem Brief, der Pfeil zielt auf das Wort “Blä­sier­chen” hin.

Daß sie alles so ver­schließt? Und es sind doch ihre Kin­der. Na ja, „jedes Tier­chen hat sein Blä­sier­chen [sic],“ so heißt’s im Volks­mund. Geschrie­ben sah ich das ↑ noch nicht, ich denk’ aber es kommt von „bla­siert tun“ nicht?

Na, Haupt­sa­che ist, Du ver­stehst den Sinn.

So, die Auto­bus­se kön­nen auch blau aus­se­hen.

Zu Befehl, Herr Haupt­schrei­ber!“ — „Kapiert!“

Die Mädels sind meist klein! Welch[’] ein Glück für mich, da kannst mich wenigs­tens nicht überseh[’]n mit mei­nen 1.72 m!!

Winston Churchill As Prime Minister 1940-1945 MH26392
Win­ston Chur­chill, Pre­mier­mi­nis­ter, Groß­bri­tan­ni­en, hielt am 12.11.1940 eine Par­li­a­ments­re­de zum Tod von Cham­ber­lain. Bild: im Cabi­net Room, Nr. 10 Dow­ning Street, Lon­don, Quel­le: Cecil Bea­ton, Minis­try of Infor­ma­ti­on Second World War Offi­ci­al Collec­tion, Impe­ri­al War Muse­um, MH 26392, über Wiki­me­dia Com­mons, 11.2015.
Fein, daß Du Anschluß fin­dest an Dei­ne Kame­ra­den in der Stadt, Sonn­tags. So ganz allein ist’s doch nicht schön. 2 Sonn­ta­ge sind wir, will’s Gott, nun alle bei­de nicht allein!! Du!! Und dann ist doch bald Weih­nach­ten — Neu­jahr! Ach, vie­le fro­he Fes­te, und wir haben doch schon jetzt die lei­se Hoff­nung, daß Du da an einem der Fes­te mei­nen Besuch erwi­derst! Daheim freu­en sich da schon alle drauf, Du!! Aber, wenn Du der Mutsch einen rich­ti­gen Kuß gibst, Du!! Dann, wenn ich’s nicht sehe!! Ich könnt es nicht ver­win­den!! Ich bin ganz eifer­süch­tig Du!!!!!

Mein lie­bes, lie­bes, gutes Dicker­le!! Nun will ich Dir für heut Ade sagen! Ich muß, muß (lei­der) noch viel häkeln. Mor­gen will ich mich wie­der ver­neh­men las­sen, Du!!

An Dich den­ken tu[’] ich doch immer und bei einer Arbeit, wo ich so stil­le sit­ze, erst recht, Du!!

Wor­an ich wohl am liebs­ten, am meis­ten den­ke? Du!!! Du!!! Ich will ganz stil­le sein!!!

Heut früh war ich schon ½ 5 ganz wach. Du?! Hast da wie­der hin­aus­ge­mußt [sic]? Und dann an mich gedacht? Las­se mich nur noch ein bis­sel schla­fen, Du! Ich muß, da wird[’] ich schnel­ler gesund!!

Mein gelieb­ter, lie­ber [Roland], Du!!

Behü­te Dich Gott! Erhal­te er Dich gesund und froh!

Möge er unse­re Lie­be seg­nen, unse­ren Bund.

Du!! Du!! Ich habe Dich so sehr lieb!!

Ich küs­se Dich! Du!! Tief und innig! Du!!

Ich will bald, bald ganz nahe bei Dir sein!!!

Herz­al­ler­liebs­ter mein!! Ich bin ganz, ganz Dein!!

In gro­ßer Lie­be, in Treue ganz Dei­ne

T&SavatarsmHol­de.

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