04. November 1940

Willkie For President button
Gra­phi­sche Dar­stel­lung eines poli­ti­schen Knop­fes für den repu­bli­ka­ni­schen Kan­di­dat für Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Wahl­gang 5. 11.1940. Abbil­dung: Tyrol5, Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
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Mon­tag, am 4. Novem­ber 1940

Gelieb­tes Herz! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du! Hol­de mein!

Du! Ich glau­be, wir wer­den noch rich­tig eifer­süch­tig auf­ein­an­der wer­den. Dein lie­ber, lie­ber lan­ge Bote kam heu­te. Ich habe mich ja so sehr dar­über gefreut. Ich dan­ke Dir viel­tau­send­mal dafür. 1½ Sto. hat mein Tele­gramm gebraucht. Das war so recht etwas für mei­ne lie­be, wil­de [Hil­de] am Wasch faß, und über dem Kopf­schüt­teln [^]der Eltern war ihr Tri­umpf nur noch grö­ßer, und Dein Hubo tri­um­p­fiert [sic: tri­um­phiert] mit Dir: „Was die nur mit­ein­an­der immer anstel­len und haben!” Ja, ganz sehr lieb haben sie ein­an­der, wie ihr es kaum ahnt. Kein Weg ist ihnen zu weit, kein Geld zu teu­er, wenn es die­ser Lie­be gilt. Ja, Du! So sehr er mich erfreut hat, Dein lie­ber Bote, so besinn­lich woll­te er mich stim­men, und er täte es auch, wenn ich Zeit dazu hät­te. Ich hat­te heu­te gera­de einen Dienst­gang nach Eckern­för­de – aber mei­ne Gedan­ken kamen doch nicht ganz in Ord­nung. Sollst nichts Schlim­mes den­ken, Herz­lie­bes! Dei­ne gro­ße Lie­be beschäf­tigt mich, und ob und wie ich ihrer wert sei. Herz­al­ler­liebs­te! Ich selbst habe an L. erin­nert, und es ist recht, daß Du mei­ne Gedan­ken dazu auf­greifst, und klärst. Herz­al­ler­liebs­te, Du! Mei­ne lie­be [Hil­de]!! Daß ich Dich ver­kann­te! Daß ich Dich über­sah! Daß ich in mei­ner zu gro­ßen Zurück­hal­tung und Ver­schlos­sen­heit die Wor­te nicht fand, Dich zu trös­ten und Dei­nen Schmerz zu lösen! Daß ich mich zu wenig in die­sem jun­gen hei­ßen Mäd­chen­her­zen zurecht­fand! Daß ich Dir weh­tat und es Dir so schwer mach­te! Es reut mich alles so sehr, heu­te noch, Du! Du! Gelieb­te! Ich möch­te mich ver­tei­di­gen und recht­fer­ti­gen, lei­den­schaft­lich und eifer­süch­tig! Ich tat es schon – und wenn ich damit fort­fah­re – ich weiß, daß Du mich ganz ver­stehst und mir alles längst ver­zie­hen hast – es bleibt dabei, daß ich Dich nicht ver­stand und erkann­te – und daß ich Dir des­halb weh­tun muß­te.

WendellWillkie
Wen­dell Will­kie, Anwalt aus New York und repu­bli­ka­ni­scher Prä­si­den­ten­kan­di­dat, 30.03.1940. Foto: Grey­stone Stu­dio, J30715, U.S. Copy­right Office, Libra­ry of Con­gress Prints and Pho­to­graphs online collec­tion, United Sta­tes Libra­ry of Congress’s Prints and Pho­to­graphs divi­si­on, cph.3a38684. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Aber eines, Gelieb­te: Glaubst Du, daß ich schon damals Dich gelas­sen hät­te, Dich von mir gelas­sen hät­te, allein Dich gehen in Nacht und Ver­zweif­lung? Liebs­te, Herz­al­ler­liebs­te, glaubst Du das? Du?? Nein, nein, nie­mals! Gelieb­te! Nie­mals hät­te ich Dich wie­der los­ge­las­sen, nie­mals Dich wie­der frei­ge­ge­ben, schon damals nicht! Hörst mich, Herz­lie­bes? Glaubst Du das Dei­nen [Roland]? Traust ihm soviel Lie­be und Treue zu, Du? Siehst, nun bin ich rich­tig eifer­süch­tig gewor­den. Glaubst mir auch, daß unter mei­ner Zurück­hal­tung und Ver­schlos­sen­heit damals unru­hig und tief erregt ein lie­ben­des Herz schlug? Du selbst warst schon Zeu­ge mei­ner Eigen­art: daß ich manch­mal etwas in mich ‚hin­ein­fres­se’, und nicht gle[ic]h das lösen­de und erlö­sen­de Wort fin­de. Du, Gelieb­te! Aus Dei­nem lie­ben, lan­gen Brief leuch­tet mir wie­der das Wun­der Dei­ner gro­ßen Lie­be, vor dem ich stau­nend und auch beun­ru­hi­ge ste­he, voll Jubel, Glück und Dank­bar­keit – und dann von dem fes­ten, lei­den­schaft­li­chen Wil­len, Dich zu lie­ben mit mei­ner gan­zen Kraft, Dich zu hal­ten, und Dir alles zu wei­hen, was mir wert und teu­er ist. Herz­al­ler­liebs­te! Das habe ich Dir schon bekannt,: [sic] daß ich Dich noch viel lie­ber gewin­nen will. Und die­se Gewiß­heit hast Du, das weiß ich, Gelieb­te; daß Du mei­ner Sehn­sucht und hohen Mei­nung von der gemein­sa­men Lebens­fahrt rei­che Erfül­lung bist, heu­te schon! Daß ich Dich nie mehr las­se, Gelieb­te!! Daß ich immer und immer wie­der wer­ben und die­nen will um Dei­ne Lie­be!! Du! Mein über alles gelieb­tes, teu­res Herz!! Mei­ne lie­be, gute [Hil­de], Du!! Gott gebe mir noch vie­le Jah­re, Dir mit mei­ner Lie­be und mei­ner Freue zu leben!!! Dich, Gelieb­te, glück­lich zu sehen, mit Dir zu bau­en und zu schaf­fen, das ist mein größ­ter, inni­ger Wunsch auf Erden!

FDR in 1933
Fran­k­lin D. Roo­se­velt, 27.12.1933. Er stand 5.11.1940 als zwei-Term Prä­si­dent zur Wie­der­wahl. Foto: United Sta­tes Libra­ry of Congress’s Prints and Pho­to­graphs divi­si­on, cph.3c17121, Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Und nun will ich auch gar nicht mehr eifer­süch­tig sein, will ler­nen, mich auch von Dir beschen­ken zu las­sen, von mei­nem rei­chen, gelieb­ten Weib. Es ist so reich und hat so viel zu schen­ken! Und Dein [Roland] ist so voll Glück und Freu­de bei dem Gedan­ken, daß es kom­men will, ihn zu beschen­ken, daß es die­se Freu­de und die­ses Glück aus sei­nen Augen lesen will zu sei­nem eige­nen Glück – und Dein [Roland] brennt dar­auf, Dir zu sagen und zu zei­gen, daß er Dich, Herz­lie­bes, auf die­ser Welt ganz allein nur Dich, liebt hat, über alle Maßen lieb­hat! Gott schen­ke uns in Gna­den die­ses Glück!

Herz­lie­bes! Ich sit­ze hier am Tische, Wat­te in den Ohren. In uns[e]res Stu­be ist ein Radio, das unbarm­her­zig die Stu­be mit sei­nen Tönen berich­test und nicht fragt, ob es ange­nehm ist oder nicht. Von mei­nem Leben hier mag ich Dir heu­te nur sagen, daß ich mich schon bes­ser dar­einschi­cke [sic], und daß es für mich lang­sam Arbeit gibt. Schon in etli­chen Brie­fen schreibst Du von Schnee und Win­ter und Käl­te. Davon ist hier nichts zu sehen und zu spü­ren. Heu­te war wie­der ein ganz abnorm war­mer Tag. Also, komm hier her­auf nach dem Nor­den, Frost­häs­chen, da weht es wär­mes vom Meer her­über, und da hast Du auch Dei­ne rich­ti­ge Wärm­fla­sche.

Informal Remarks At Worcester, Mass - NARA - 197941
“Unse­re Ver­tei­di­gungs­maß­nah­men sind für Selbstverteidigung—und nichts anders. … Eine aus­rei­chen­de Selbst­ver­tei­di­gung ist in die­sen beküm­mer­ten Tagen der Welt der sichers­te und zuver­läs­sigs­te Weg, Frie­den zu erhalten—und wir bekom­men sie.” Präs. Roo­se­velt, Infor­mel­le Bemer­kun­gen, Worces­ter, MA, 30.10.1940. Quel­le: Fran­k­lin D. Roo­se­velt Libra­ry (NLFDR), 4079 Alba­ny Post Road, Hyde Park, NY, 12538–1999, NARA 197941, Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Dein Diens­tag­brief erreich­te mich noch am Don­ners­tag in Bülk. Dei­ne bei­den Päck­chen ste­hen noch aus. Die ver­flos­se­ne Nacht ver­lief ruhig bis auf einen 2 stün­di­gen Alarm von früh 5 Uhr ab. Wir wur­den dafür erst nun 9 Uhr gemerkt. Vor unse­ren Fens­tern sind die­se Läden, die den sel­len Tag zur Nacht machen kön­nen.

Herz­al­ler­liebs­te! Gott behü­te Dich mir! Er erhal­te Dich froh und gesund! Herz­lie­bes! Mei­ne Gedan­ken gehen immer zu Dir, wenn sie frei sind. Den Hubo schnei­de ich Dir gele­gent­lich für Dei­nen Rah­men pas­send. Jetzt habe ich ja auch ein Line­al. Heu­te habe ich eine Taschen­lam­pe mit Bat­te­rie erstan­den für Dei­nen Besuch. Mor­gen oder über­mor­gen will ich mir in Bark­les­bg [sic] Gewiß­heit holen.

Grü­ße mir bit­te auch die lie­ben Eltern.

Herz­lie­bes, Hol­de! ‚Nimm mei­ne Lie­be­an [sic]’, so soll ich nicht schrei­ben, Du magst mich nicht klein sehen, Herz­lie­bes, ich wuß­te es. Aber eines darfst Du mir nicht ver­weh­ren: daß ich mich von Zeit zu Zeit so beschei­den und hilf­los wie ein Kind an Dein gro­ßes, müt­ter­li­ches Herz lege und in Dei­nen lie­ben Schoß flüch­te. Du! Ich bin Dein [Roland], Dein Hubo, Dein Dicker­ler, immer und ganz nur Dein!

Du, mei­ne [Hil­de], Hol­de, ich lie­be Dich! Ich lie­be Dich, so viel ich kann, in gro­ßer Treue und bin

Dein [Roland]!

T&SavatarsmUnd Du bist mei­ne [Hil­de]! Gelieb­te! Hol­de mei­ne! Ganz mein!!

 

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