01. November 1940

 

chreibmaschine Model 100 Bj. 1940, Bild: Reinhold Schubert, Entwicklung der Schreibmaschinentechnik in Sachsen, Portal Feinwerktechnik, 10.2015.
Schreib­ma­schi­ne Model 100 Bj. Con­ti­nen­tal 1940, Bild: Rein­hold Schu­bert, Ent­wick­lung der Schreib­ma­schi­nen­tech­nik in Sach­sen, Por­tal Fein­werk­tech­nik, 10.2015.

[401101–1‑1]

Frei­tag, den 1. Novem­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du! Hol­de mein!

Wo ich jetzt ste­cke, abends um 9 Uhr, suchst Du mich gewiß nicht, suchst Du mich sowohl der nächs­ten Umge­bung, als auch der Kame­rad­schaft nicht, unter der ich jetzt ste­cke. Du, ich mag nicht kla­gen, ich kam zunächst auch noch gar nichts sagen. Heut[’] mor­gen um 9 Uhr stan­den wir marsch­be­reit. Die Last­wa­gen der ein­zel­nen Abtei­lun­gen fuh­ren vor. Uns[’]rer blieb am längs­ten aus. Erst gegen 12 Uhr kamen wir weg. Gegen 1 Uhr lang­ten wir auf der Abtei­lung an, sie liegt dicht bei Eckern­för­de in einem Alters­heim, dort beka­men wir 15 Mann erst mal was zu essen und harr­ten dann wei­ter mit Span­nung unse­res Schick­sals. Etli­che Mann waren für die Abtei­lung bestimmt, das wuß­ten wir und schau­ten uns dar­auf­hin die neue Umge­bung an. Wir wur­den nun vor­ge­nom­men und gefragt, ob wir firm sei­en in Ste­no­gra­phie oder Schreib­ma­schi­ne. Dann wur­den wir dar­in einer kur­zen Prü­fung unter­zo­gen. Ste­no­gra­phie kann ich ja ganz gut, an uns[e]rer Fami­li­en­schreib­ma­schi­ne habe ich ja schon jah­re­lang nicht mehr geses­sen. Na, es ging denn auch lang­sam genug. Jeden­falls lie­fen mir dar­in eini­ge kauf­män­ni­sche Fach­leu­te den Rang ab, und die blie­ben, 5 Mann hoch, bei der Abtei­lung. Wir übri­gen wur­den den Bat­te­ri­en zuge­teilt, und dar­un­ter also auch ich. Die­se­s­Ur­teil erfuh­ren wir erst gegen 6 Uhr abends. Um 7 Uhr, also in der Dun­kel­heit, wur­den wir nun breit­ge­fah­ren. Dun­kel ist alles umher, und alles liegt noch im Dun­kel, was mei­ner hier harrt. Und mit die­ser Dun­kel­heit bin ich vor­erst ganz allein, ganz allein mit Dir, Herz­lieb; denn ich weiß, daß Du sor­gend um mich bist! Und ich bin des­halb auch gar nicht ban­ge, bin auch nicht ban­ge, weil ich glau­be, daß Gott mit uns ist. Von mei­ner neu­en Umge­bung will ich Dir mor­gen mehr berich­ten. Es ist ein Feld­la­ger, ein Bara­cken­la­ger, eine Bat­te­rie, also eine Flakgestel­lung. Die Stu­be in die ich ein­ge­zo­gen bin ist nicht unfreund­li­cher als die in Bülk, sie ist geräu­mig und sau­ber. Von den Kame­ra­den kann ich nicht mehr sagen, als daß es meist Rekru­ten aus der Ost­mark sind, dazu etli­che älte­re Leu­te, Gefrei­te, als Stamm­mann­schaft.

Großdeutschen Reiches
Kar­te des »Groß­deut­schen Rei­ches« 1943, Kar­te: zie­gel­bren­ner, 20 April 2010, CCA 2.5 Gene­ric bzw. 3.0 Unpor­ted Lizen­ze, 10.2015.
Herz­lie­bes! Ich bin müde heut[’] abend, von der Wache und von dem, was ich heu­te erleb­te. Du ent­hebst mich für heu­te mei­ner Schreib­ar­beit, bit­te!

Das wich­tigs­te: Die neue Num­mer:

[Text in einem Kas­ten ein­ge­schlos­sen]

Matr. [Rol. Nord­hoff]

Feld­post­num­mer …

Post­leit­stel­le Eckern­för­de.

Gelieb­te! Sei gewiß, daß ich Dich ganz sehr lieb habe, daß ich Dei­ner heut[’] abend inni­ger und herz­li­cher den­ke als sonst, Du! Dei­ner den­ke als mei­nem Glück und Son­nen­schein! Behüt Dich Gott! Es grüßt Dich in unver­brüch­li­cher Treue

T&SavatarsmDein, Dein [Roland]! Gelieb­te!!

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