28. Oktober 1940

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Der 28. Okto­ber ist der sog. Ochi-Tag: mit ihm wird in Grie­chen­land dem Nein des grie­chi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Ioan­nis Meta­xa als Ant­wort auf Beni­to Mus­so­li­nis Ulti­ma­tum gedacht, das den Beginn des ita­lie­nisch-grie­chi­schen Krie­ges mar­kier­te. Foto von Tigro­i­ni­kos, lizen­ziert unter CC BY 2.5 über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Mon­tag den 28. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­al­ler­liebs­te, Hol­de mein!

Siehst, wie der Okto­ber abnimmt, Du? Wie lau­nisch sind wir Men­schen mit unse­ren Wün­schen, wie die Kin­der, mal soll es schnel­ler, mal lang­sa­mer geh[e]n. Schon wie­der sind wir bei der Kir­meszeit. Die Jah­res­zeit treibt die Men­schen wie­der in die Häu­ser, in die Stu­ben, weiß sie wie­der auf ihren häus­li­chen Kreis. Aus der Kind­heit her ist mir die­se Zeit so lieb gewor­den – mein und Hell­muths Geburts­tag lie­gen dar­in, es geht auf Weih­nach­ten zu. Weißt [Du], Herz­lie­bes, wie auch wir zum ers­ten­mal heim­gin­gen? Du! Finst[e]re Nacht war es – ein­sa­me nächt­li­che Stil­le um uns – und wir zwei allein – Du! Ich wun­de­re mich heu­te, daß wir so stand­haft blie­ben – heu­te könn­ten wir das nicht mehr, Hol­de! Glaubst mir’s? Und doch, mei­ne ich, war es recht, wie wir es hiel­ten. Ich hät­te ja gar nicht anders han­deln kön­nen. Und glaubst, die Tie­fe unse­res Seh­nens ist erst, seit­dem wir wuß­ten, daß wir ein­an­der gehö­ren, seit­dem ich Dei­ner ganz gewiß bin.–Du hast mich letzt­hin an etwas erin­nert, als Du von dem Lie­de „An die Musik“ [Franz Schu­bert, 1827, D 547, Opus 88 Nr. 4] schriebst.

Gelieb­te, Du! Ich habe es damals nicht am schöns­ten gesun­gen, aber alles leg­te ich hin­ein, was mich damals an Ban­gen und Hof­fen, an Lie­ben und Seh­nen beweg­te. Ich sang es her­aus, frei und offen, mein gan­zes Herz brei­te­te ich aus damit vor Dir, leg­te es vor Dir hin wie zur Aus­wahl. Herz­lie­bes! Und dann fand ich Dich so, daß ich zum ers­ten Male hät­te die Hän­de um Dich legen und Dich hef­tig an mich drü­cken kön­nen. Aber es war noch nicht so weit. Und heu­te ist mir, als hät­te in Dei­nem Aus­druck Trau­er und Weh gele­gen. Trau­er und Weh dar­über, daß ich Dich und Dei­ne gro­ße Lie­be noch immer nicht erkann­te. Ich weiß nicht, ob ich recht habe damit. Ich weiß über­haupt nicht, ob Du gedacht hast, daß wir uns rascher anfreun­den. Aber dem nach­zu­hän­gen hat wenig Zweck. So wie es kam, war es recht. Und im Gan­zen den­ken Du und ich uns[e]re Braut­zeit als an eine glück­li­che Zeit zurück. Und uns[e]re Brie­fe kön­nen wir jeder­zeit als Zeu­gen anru­fen dafür, daß wir uns glück­lich Schritt um Schritt näher kamen, daß uns[e]re Zunei­gung und Lie­be wuchs und wie alle guten Früch­te lang­sam her­an­reif­te. Du! Wie­viel schö­ne und rei­che Emp­fin­dun­gen schließt die­se Zeit in sich! Wie hat sie Dein altes Dicker­le so ganz aus dem Gleich­ge­wicht gebracht. Rich­ti­ges: wie hast Du — — — Nun hast ihn auf dem Hal­se, und wirst ihn nie und nim­mer los! Nim­mer!

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Eth­nos Tages­zei­tung vom 28.10.1940 ver­kün­det den Krieg, Abbil­dung unter fair use über Wiki­pe­dia, 10.2015.

Herz­al­ler­liebs­te! Pünkt­lich ist Dein lie­ber Bote wie­der ein­ge­trof­fen. Ich dan­ke es Dir ganz beson­de­res, Du, daß Du ihn auf den Weg schick­test, trotz­dem Du jetzt so viel in Anspruch genom­men wirst! Ich freue mich ganz sehr, daß Du Dein Recht behaup­test, Dei­ne Zeit, daß Du Dich nicht aus­nüt­zen läßt und Dei­nen Wil­len durch­setzt, viel­leicht sogar auf die Gefahr hin, daß man Dich nicht ver­steht. An Dei­ner Bereit­wil­lig­keit kann nie­mand zwei­feln, und Dei­nen Eigen­sinn wird man respek­tie­ren. Hof­fent­lich ist zur Wie­der­auf­fri­schung der Kräf­te auch etwas abge­fal­len für Euch guten, hilf­rei­chen Men­schen. Herz­lie­bes! Päck­chen von mir – zwei schick­te ich ab wäh­rend Dei­ner Abwe­sen­heit – sind also ein­ge­trof­fen. Ges­tern, Sonn­tag, habe ich wie­der eines auf­ge­ge­ben. Wenn Du noch nicht wie­der abge­schickt hast – war­te erst mei­ne neue Num­mer ab, die ich Dir so schnell wie mög­lich (viel­leicht Tele­gramm!) zukom­men las­se. Ich seh­ne mich doch so nach Dei­nem Boten, Du! Hast Du es schon abge­schickt, ist es auch nicht schlimm, es wird umge­schrie­ben und nach­ge­schickt.

Ich habe mich heu­te mäch­tig dazu­ge­hal­ten, geputzt und geflim­mert, rasiert, Füße gewa­schen. Mor­gen ist Vor­be­sich­ti­gung durch den Kom­pa­nie­chef. Wenn Du mei­nen Boten erhältst, ist auch die Besich­ti­gung schon vor­bei durch den Abtei­lungskom­man­deur, Mitt­woch zwi­schen 10 und 12 Uhr. Ist auch die Abschieds­fei­er schon vor­bei, bei der Dein Hubo nüch­ter­ner Zeu­ge bösen Rau­sches sein wird. Sind wir wahr­schein­lich schon auf dem Wege zu unse­rem neu­en Quar­tier, es heißt, daß es schon Don­ners­tag abgeht. Alle sind nun unru­hig in Erwar­tung des Kom­men­den. Auch Dein Hubo, Du! Aller­meist dar­um, weil er nun bald den Ort sehen soll, an dem er sein Herz­lieb emp­fan­gen will, an dem er ein Stüb­chen suchen will, unser Stüb­chen, die Insel uns[e]res Glü­ckes, Du!! Aber fein still noch!

Gelieb­te! Behü­te Dich Gott! Er erhal­te Dich froh und gesund! Weißt, manch­mal schei­ne ich mir so arm mit mei­ner Lie­be neben Dir, Du! Bit­te, Gelieb­te! Nimm sie an! Es ist mei­ne gan­ze, unge­teil­te Lie­be! Es ist eine eigen­sin­ni­ge, treue Lie­be, Du! Weißt, ich glau­be, es läßt sich so schlecht­hin gar nicht ver­glei­chen, mein Lie­ben und Dein Lie­ben, ich bin eben ein Mann, Du, Dein Mann, und Du bist ein Weib, mein lie­bes, gelieb­tes Weib! Ich mag auch nicht Streit und Eifer­sucht her­auf­be­schwö­ren. Ich bin so glück­lich, wenn Du mir sagst, daß Du mich lieb­hast, daß Du mein bist. Das kannst Du doch nur, wenn Du weißt und fühlt, daß ich Dich so sehr wie­der­lie­be, Du! Gelieb­te! Ich bin so froh und glück­lich! Du sollst es auch sein!

Genug für heu­te.

Hol­de! Gelieb­te! Ob ich von Dir geträumt habe? Nein, Du! Ich habe mich so sehr gesehnt, und habe so fest an Dich gedacht, an unser Eins­sein, Du! Liebs­te! — — Du, mein hol­des Weib! Du! Ich lie­be Dich! Ich hal­te Dich ganz fest! Ich las­se Dich nie und nim­mer. Dir gilt mei­ne gan­ze Lie­be! Du, mei­ne lie­be, gute [Hil­de], Herz­al­ler­liebs­te, Hol­de mein! Ich bin und blei­be in Treue Dein [Roland], Dein Hubo, Dein Dicker­le, auch Dein Gärt­ner, Du, und Schlüs­se­lein! Und Du bist mei­ne [Hil­de], mein, ganz mein!! Hol­de!!T&Savatarsm

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