24. Oktober 1940

Rolands Vereidung, 03.09.1940
Rolands Ver­ei­dung, Kiel, 03.09.1940

[401024–1-1]

Don­ners­tag den 24. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de] Du! Hol­de mein!

Komm, rück mal erst ganz nah her­an: muß Dir erst etwas im Ver­trau­en sagen: Schlecht geschos­sen habe ich heu­te. Es war die schwie­rigs­te Übung: ste­hend frei­hän­dig. Ich kann die schwe­re Knar­re nicht ruhig hal­ten. Da hab[‘] ich bloß bis in Dein Her­zel getrof­fen: kannst es Dir den­ken? Eine 13! Ich bekam einen Schuß zu — eine Fahr­kar­te, Du! Es blieb bei der 13. Ist das nicht in Ord­nung? Einen Schuß in Dein liebs [sic] Her­zel und eine Fahr­kar­te dazu — zu Dir, Lieb, ohne Rück­fahrt? So, nun noch ein lan­ges, tie­fes Küs­sel, und nun hörst mir wei­ter brav zu.

Außer dem Boten vom Frei­tag, den Du in Dei­nem lie­ben Brief­lein vom Diens­tag erwähnst, sind noch zwei nach K. abge­gan­gen, einer vom Sonn­abend, einer vom Sonn­tag vor­mit­tag. Die wer­den Dir wohl ord­nungs­ge­mäß nach­ge­schickt wer­den! Ges­tern erhiel­te ich einen Schrei­be­brief von Frau S. Die Schreib­schul­den stei­gen. Aber sie wer­den erst auf dem neu­en Kom­man­do erle­digt. Heu­te sind wir hin und zurück zum Schie­ßen gefah­ren. Weißt, ich dan­ke immer Gott, wenn ich von dem Last­wa­gen wie­der her­un­ter bin. Zu 30 eng wie das Vieh auf sol­chen Wagen gepfercht, dazu noch ein wil­der Fah­rer auf der schma­len Stra­ße. Na, es ist glück­lich über­stan­den.

Einen Tag bist nun schon wie­der zu Hau­se, wie­der ein­ge­spannt in Dei­nen Pflich­ten­kreis. Mor­gen ist Frei­tag, und das bedeu­tet in Eurem Haus­we­sen einen anstren­gen­den Tag. Nimm Dir nur Zeit, über­nimm Dich nicht! Racker Dich nicht ab! Denk auch dran, daß es jetzt auf den Win­ter zugeht. Dann ist es gut, wenn man etwas zuzu­set­zen hat. Weißt, wenn wir uns wie­der­se­hen, ist stren­ge Mus­te­rung! Du!

Dei­ne Arbeit hast nun wie­der, aber auch Dei­ne Ruhe, Du, im zwei­ten Stock, am Nach­mit­tag. Wenn es dann mal klin­gelt, Du, lang – kurz, das bin ich. Ach Liebs­te! Hol­de! Bin ich wie­der bei die­ser Stro­phe – sie kommt mir nicht aus dem Sinn – sie ver­folgt mich jetzt – da ich das Maß der Anstren­gung uns[e]res Diens­tes ken­ne, des­to mehr: daß wir uns bald wie­der­se­hen möch­ten, Herz­lie­bes!! Viel­leicht hät­ten wir uns gar nicht viel zu erzäh­len; aber, Gelieb­te, Hol­de – – soviel Sehn­sucht, soviel Zärt­lich­keit, soviel Lie­be will sich ver­schen­ken, will sich kund­tun, will sich lösen – Du! So viel!! Ich habe ja schon so oft hin und her über­legt – es hat nur jetzt wenig Sinn – wenn es gar nicht recht klap­pen will, Du, dann will ich zu Dir kom­men! Herz­al­ler­liebs­te! Wie wird mir, wenn ich den­ke, daß Du mich erwar­test, daß Du mich emp­fängst, daß Du mich her­bergst! Ach Du! So wäre es mir am aller­liebs­ten, ich kom­me zu Dir! Und wäre es nur auf eine Woche Ende Novem­ber. Die­se Mög­lich­keit fas­se ich mit ins Auge.

Die­ser Bote wird Dich vor­aus­sicht­lich am Sonn­tag errei[c]hen. Wie gern wür­de ich Dir eine beson­de­re Freu­de berei­ten. Aber ich weiß, Gelieb­te, nur mit einem könn­te ich Dich recht erfreu­en, nur einen gro­ßen Wunsch hegst Du: Daß ich zu Dir kom­me. Ich kann ihn Dir jetzt nicht erfül­len. Ich muß Dich ver­trös­ten, ja noch schlim­mer, in Sor­ge um Dein Herz­lein muß ich sagen: Sei fein gedul­dig, halt fein still, sei stark, bezwin­ge Dich, unter­drü­cke Dein Seh­nen! Es tut so weh, Gelieb­te! Und muß doch sein! Nach Fei­er­abend und mor­gens in mei­nem Bett­lein, rich­ti­ger auf mei­nem Lager, dann kommt die Sehn­sucht, Du! Dann dre­he ich mich um nach Dir, aber auf der Sei­te liegt mein Nach­bar. Das stört mich in mei­nem Träu­men. So dre­he ich mich denn wie­der um. Ach Du, in mei­nem Bett­lein wür­de es Dir wohl nicht gefal­len! Ein wenig hart ist die Unter­la­ge. Dar­an gewöhnt man sich. Aber das Kopf­kis­sen ist so hart und dürr.

Rolands Vereidung, 03.09.1940
Rolands Ver­ei­dung, Kiel, 03.09.1940

Eben bekom­me ich noch 3 Bild­chen von uns[e]rer Ver­ei­di­gung. Hast doch wenigs­tens wie­der etwas im Bil­de vor Dir. Ach Liebs­te! Dei­ne Bil­der sind mir jetzt ste­te Beglei­ter. Wie froh bin ich, daß ich sie habe! Denk nur, von den bei­den, die ich Dir schenk­te, bekam ich je ein hal­bes Dut­zend. Ich hat­te gar nichts aus­ge­macht. Und die­ses Bild soll doch nur Dir gehö­ren, es soll doch sel­ten sein! Nun habe ich schon über­legt, was ich damit mache. Ich ver­schen­ke kei­nes ander­weit [sic], das steht fest. Eines will ich Dir nun so zurecht­schnei­den, daß es in Dei­nen Glas­rah­men paßt. Eines will ich zur Grö­ße Dei­ner Bil­der zurecht­schnei­den, ein­mal für Dich, ein­mal für mich. Dann kann ich uns bei­de neben­ein­an­der hal­ten, Du, eine Fei­er­stun­de ist es mir! Sie hilft mir über das Weh hin­weg. Was dann mit den übri­gen gesche­hen soll? Rate mir!

"Zugkameraden", Rolands Vereidung, Kiel, 03.09.1940.
“Zug­ka­me­ra­den”, Rolands Ver­ei­dung, Kiel, 03.09.1940.

Herz­lie­bes! Die Zeit drängt. Sie soll drän­gen, damit sie vor­bei­geht, die böse Zeit der Tren­nung. Nun möch­te ich Dich zum Schluß noch recht froh machen: Hol­de! Dein Hubo ist gesund und wohl­auf. Es ist ihm so gut gegan­gen die gan­ze Zeit daher. Du! Gelieb­te! Er hat Dich so lieb, nur Dich! Er sehnt sich nach Dir! Nur nach Dir, Herz­lieb! Er ist Dir ganz nahe, immer, in sei­nen Gedan­ken! Er wäre es noch viel lie­ber ganz anders, Du, bei sei­nem gelieb­ten, her­zi­gen, schö­nen Wei­be, dem aller­liebs­ten, aller­schöns­ten, bei sei­ner lie­ben Frau! Er weiß es stolz und dank­bar: nur Dein Auge leuch­tet mir so lieb, nur Dei­ne Arme umschlie­ßen mich so voll Lie­be, kein and[e]res Herz in die­ser Welt ent­brennt mir je in sol­cher Lie­be und Huld!

Behüt Dich Göott! Herz­al­ler­liebs­te! Grü­ße die lie­ben Eltern! Ver­le­be Dei­nen Sonn­tag froh und dank­bar! Du! Ich bin bei Dir! Ich gehö­re Dir! Ich lie­be Dich aus gan­zem Her­zen!

Du mein lie­bes, süßes Weib! Mei­ne lie­be gute [Hil­de]! Hol­de!

Dein [Roland]! Nur Dein! Und Du bist mein, ganz mein! Nun hast so brav zuge­hört. Ich glaub, wir sit­zen schon lang nim­mer ganz brav bei die­sen Gedan­ken! Liebs­te!

Dei­ne Augen! Dein Mund! Dei­ne Händ­lein! Dein Herz­lein! Sie ver­ra­ten Dein Seh­nen! Wie sin­gen wir doch?

Ich konnt nicht wider­ste­hen,

ich brach das Blü­me­lein!” [Herms Niel, Edel­weiß]

Hol­de, laß Dich küs­sen, Du! Erst ganz fein und leis – und nun fes­ter – und nun ganz lang und tief! Du! O Du!

Ich las­se Dich nie und nim­mer!

Dein [Roland].T&Savatarsm

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