20. Oktober 1940

Bundesarchiv Bild 137-046886, Tientsin, HJ sammelt für das Winterhilfswerk
Hit­ler Jugend sam­melt für das Win­ter­hilfs­werk, Tient­sin, Chi­na, 1934/35, Deut­sches Aus­land-Insti­tut, DBa, Bild 137–046886 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
[401020–2‑1]

Sonn­tag, am 20. Okto­ber 1940 in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein lie­ber guter [Roland]! Gelieb­ter mein!

Dies[e] neue Brief­pa­pier erstand ich ges­tern nach­mit­tag mit Vater, als wir alle 3 in der Stadt bum­meln waren. Ich muß es doch gleich ein­mal aus­pro­bie­ren! Die Bogen schla­gen zwar nicht in unser belieb­tes Grö­ßen­for­mat, aber wenn ich bis­sel klei­ner schrei­be, geht schon auch hier was dar­auf, meinst? Auf dem Markt war ges­tern wie­der mal Platz­kon­zert, anläß­lich der Samm­lung für das W h W [Win­ter­hilfs­wer­ke]. Vatern [sic] schein alles zu wenig schmis­sig! Er hät­te am liebs­ten sel­ber diri­giert, er wur­de so unru­hig, daß wir uns bald ver­zei­hen muß­ten um kein Auf­se­hen zu erre­gen! Einen Spaß gab mir’s! Einen Sprung sind wir dann [’]rauf in die Woh­nung um die Ein­kaufs­ta­sche abzu­le­gen, dann gin­gen wir noch ein­mal über den Berg. Er ist so reiz­voll bei Son­nen­un­ter­gang. Ich wünsch­te, Du wärst dabei gewe­sen. Herz­lieb, ehe wir los­gin­gen ent­deck­te ich Dei­nen lie­ber Boten vom Don­ners­tag im Kas­ten. Du! Wie ich Dir dan­ke dafür! Und wie ich mich freu­te, früh einen — nach­mit­tags einen! Wie Du mich ver­wöhnst, Hubo!

Es sind ihrer nun schon 38 Stück seit dem 26. August. 16 allein habe ich hier bei mir in K.. Ich freue mich ja so, wenn sich das Häuf­lein, das mir so unend­lich teu­er ist, mehr und mehr ver­grö­ßert, Du!

Sei tau­send­mal bedankt für das, was Du mir schreibst, mein [Roland]. So wie ich Dich beglück­te, hast auch Du mich beglückt.

Ich weiß, Du ver­stehst mich ganz. Du bist mein liebs­ter, bes­ter Kame­rad. Zu Dir kann ich flüch­ten, mit all [sic] mei­nen Nöten. Du bist nur für mich da. Zu Dir kann ich aber auch kom­men, wenn mein Herz voll ist, voll Lie­be und Sehn­sucht; wenn sich der Strom mei­ner gan­zen Lie­be ein­mal ergie­ßen muß in ein ande­res Men­schen­herz, das die­ser Lie­be bedarf. Und nur zu Dir allein will alle mei­ne Sehn­sucht und Lie­be, Du! Nur zu Dir! Weil Du der Ein­zi­ge bist, dem ich ganz, ach so ganz gehö­ren will. Der Herr­gott ließ mich Dich fin­den, Du! Dich, mein Glück! Und dar­um will ich Dich ganz fest­hal­ten und nim­mer­mehr von mir las­sen. Du! Mein [Roland]!

O ich weiß noch, wie fins­ter war es um mich, ehe Du kamst. Schon als ich zum ers­ten Mal ganz tief in Dei­ne Augen gese­hen hat­te, Du!, da wuß­te ich, daß ich Dich nie mehr in Leben ver­ges­sen könn­te. Ich hab[‘] Dich gehal­ten in mei­nem Her­zen, ganz fest, so innig fest — über allen, was auch kam — und der Herr hat mei­ne Treue gelohnt. Du hast mich erkannt, hast mich gefun­den! [Roland], mein [Roland]! Und wenn ich ein­mal ganz alt schon bin, der Jubel dar­über in mei­nem Her­zen, daß Du nun der Mei­ne wardst [sic] bleibt ewig jung, ewig neu.

Du! Du! Wie glück­lich sind wir — Du, und ich. Liebs­ter! Ein guter Schüt­ze ist mein lie­ber Mann!

Bertel Thorvaldsen - Cupid
Cupid, von Ber­tel Thor­vald­sen, Thor­vald­sen Muse­um, Copen­ha­gen. Foto: Cars­ten­Nor­gaard, 21 July 2010. Lizen­ziert durch Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on-Sha­re Ali­ke 3.0 Unpor­ted, über Wiki­me­dia Com­mons, 20.2015.
Wie wir uns alle freu­ten, Du! An Dei­nem guten Erfolg. Vater ist sogar sehr stolz auf Dich. Du hast ja noch nicht mal anderwo [sic] geschos­sen. (Es käme ja auf die Art des Schie­ßers an!!) [2] mal 30 Rin­ge. 1 mal 30 Rin­gen erge­ben 1 Woche Son­der­ur­laub. Fein! 14 Tage hät­ten [e]iner also sicher! Men­schens­kind, dar­auf müßt Ihr drü­cken, wer gut schießt kriegt Urlaub!

Ver­zich­te lie­ber auf die Schieß­schnur, Du! Die schen­ke ich Dir dann oben­drein vor lau­ter Freu­de!

RAF Bomber Command 1940 HU104641
König­li­che Luft­waf­fe­kom­man­do, Bris­tol Blen­heim Mk IV, No. 110 Squa­dron, Wat­tis­ham, August 1940. Quel­le: Impe­ri­al War Muse­ums, Minis­try of Infor­ma­ti­on Second World War Press Agen­cy Print Collec­tion, HU 104641, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Heu­te kam Dein Bote noch nicht. Mut­ter schrieb, die haben seit dem vori­gen Sonn­tag jede Nacht Alarm. An der K., weißt, wo die Auto­bahn sich kreuzt sind 9 Bom­ben gefal­len; sie hät­ten auf der H.straße die Fens­ter­schei­ben zit­tern hören. Das W.er Auto konn­te gar­nicht [sic] fah­ren. Da haben die Brü­den also mal ihren Kurs geän­dert, ich wun­der­te mich schon, daß sie nicht mehr so oft nach Ber­lin ein­flie­gen. Da wird ein man­cher Eng­län­der genau Bescheid wis­sen, noch vom H.er Ren­nen her, meinst nicht auch? Mut­ter hör­te sogar die eng­li­schen Maschi­nen! So ein Unfug, bei uns im Haus gehen sie nicht in den Kel­ler. Mögen die B.s u. [sic] U. ruhig im Bett blei­ben, für mich kommt das jeden­falls nicht in Fra­ge. Ich wer­de [’]run­ter gehen u. [sic] Mut­ter muß mit, mag’s lie­gen oder bre­chen. Das ist ja direkt gro­ßer Leicht­sinn, die nahe Gefahr so zu miß­ach­ten.

Bundesarchiv Bild 183-L16351, Schlesien, Berliner Kinder im KLV-Lager
Ber­li­ner Kin­der bei der Geo­gra­phie­stun­de, KLV-Lager, Schle­si­en, 10.1940. Scherl Bil­der­dienst: Fot. Schw[ahn] 1.11.40 [Her­aus­ga­be­da­tum], All­ge­mei­ner Deut­scher Nach­rich­ten­dienst — Zen­tral­bild, DBa, Bild 183-L16351 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Ich bin vor­sich­tig, Du! Wie ich es auch wün­sche, daß Du es bist, mein [Roland]. Mor­gen kommt das Kind! Was es ist ob Jung oder Madl wiss’mer [sic] nich[t]. Es gäb mehr Jung als Madl! Vater rennt schon seit ges­tern mit den Bett­zeug her­um, zu Mut­ters Ärger! Es ist gera­de so, als krieg­ten wir rich­tig ein Kind!! Mein [Roland]! Wo wirst Du heu­te wei­len? Ich den­ke immer Dein, Du! Wohin wir gehen ist noch unge­wiß, wol­len ger­ne auf[’]s Dorf wo Kir­mes ist, damit wir rich­tig Kaf­fee u. [sic] Kuchen vor­le­gen kön­nen. Vie­le herzl. Grü­ße von dem Eltern! Dich aber mein Lieb behü­te Gott! Ich lie­be Dich aus tiefs­tem Her­zen, Du!

T&SavatarsmIch blei­be ewig in Treue Dei­ne Hol­de. Und Du bist mein, nur mein lieb[’]s Dicker­le.

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.