18. Oktober 1940

Mussolini mezzobusto
Ita­lie­ni­scher Dik­ta­tur Beni­to Mus­so­li­ni ent­schei­det am 15. Okto­ber 1940 Grie­chen­land von Alba­ni­en aus zu erobern, um sein Impe­ri­um zu erwei­tern und sei­ne Unab­hän­gig­keit Hit­ler gegen­über kund­zu­ge­ben. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
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Frei­tag, am 18. Okto­ber 1940 in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Mein glieb­ter, guter [Roland], Du!

Wel­che gro­ße Freu­de Du! 2 Brie­fe und auch 2 Bil­der! Nun scheint die lie­be Son­ne noch ein­mal so hell mein Roland! Einen recht lie­ben, lan­gen Kuß dafür, Du! Das soll einst­wei­len mein Dank sein. Aber Du! Wenn ich erst bei Dir bin!! Alle Dei­ne Schuld­ver­schrei­bun­gen habe ich genau im Kop­fe — nichts, nichts bleibt Dir erspart!

Du gefällst mir, mein [Roland]. Mein lie­ber, gro­ßer [Roland]! Von allen ande­ren gefällst Du mir am bes­ten.

BASA-3K-7-342-28-Boris III of Bulgaria
Mus­so­li­ni lud (den irgend­wann vor 1943 abge­bil­de­ten) Boris III von Bul­ga­ria ein, Grie­chen­land mit Ita­li­en anzu­grei­fen. Er lehn­te die Ein­la­dung ab. Quel­le: Bul­ga­ri­an Archi­ves Sta­te Agen­cy, Cen­tral Sta­te Archi­ve, Sofia, Acc. Nr. 3K “Монархически институт”/7/ 342/28, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Wenn ich Dich nur erst mal rich­tig, wirk­lich sehen könn­te! Siehst gut aus in Uni­form. Ich kann stolz sein auf Dich! Ich will Dir hier bei­lei­be nichts vor­flach­sen, Du!

Aber wir Frau­en gucken nun mal gern danach und stel­len mit Wohl­ge­fal­len fest: das äuße­re Bild unse­res Liebs­ten. Ver­stehst mich schon, hm? Jede will doch den Schöns­ten haben, genau wie es bei den Män­nern auch ist!

Soso, da war also am Diens­tag ein “gro­ßes”, klei­nes ‘Viehch’ [sic: Tier, gemeint ist wohl ‘hohes Tier’] bei Euch. Den Betrieb kann ich mir ja so unge­fähr vor­stel­len.

Da war Musik auf dem Damp­fer’ wür­de man bei uns in O. sagen. Und alles Drum und Dran geschah nur paar lap­pi­ger Minu­ten hal­ber [sic]. Ja ja, wie oft im Leben: viel Lärm um nichts! Laß das mal bloß nicht sehen, Du! Das Geschei­tes­te an der gan­zen Sache ist in mei­nen Augen der vor­zei­ti­ge Dienst­schluß, dar­in liegt wenigs­tens mehr Sinn. Bestimmt auch für Euch Sol­da­ten. Frei­lich für die Her­ren Aus­bil­der ist es schon ein Gefühl, das die Brust mit Stolz schwel­len läßt, wenn sie so ihre Schütz­lin­ge vor­füh­ren. Ich weiß nicht, war­um ich so ’ne Wut auf die habe, die sind in mei­nen Augen eben Tyran­nen.

Wer ist die­ser mit Rang auf einem Bil­de? Doch nicht etwa D.? Ich hal­te ihn für den lan­gen Hein.

Bundesarchiv Bild 101I-721-0387-09A, Frankreich, Luftwaffensoldaten mit Hund
Luft­waf­fen­sol­da­ten mit Hund in Deckung unter Gebüsch, Frank­reich, 06.1944. Foto: Pro­pa­gan­da­kom­pa­ni­en der Wehr­macht — Heer und Luft­waf­fe, Crea­ti­ve Com­mons Attri­bu­ti­on-Sha­re Ali­ke 3.0 Ger­ma­ny Lizenz, DBa, Bild 101I-721‑0387-09A / Theo­bald / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
An die­sem schö­nen Som­mer­tag, der sich auch bei uns hier zeig­te, warst Du mit Dei­nem vier­bei­ni­gen Kame­rad aus.

Ach ich wäre schon auch gern hin­aus­ge­gan­gen am Nach­mit­tag. Aber ich kam auch nicht los, vom Schrei­ber, ich hat­te ja schon Sonn­tag und Mon­tag nicht mit Dir geplau­dert.

Da hat nun jedes sei­ne frei­en Stun­den und wir kön­nen sie doch nicht bei­ein­an­der ver­brin­gen. Es ist oft trau­rig.

Du gehst über die Ebe­ne hin — ich sit­ze oder ste­he auf irgend einen Plät­zel auf den Berg — wie ges­tern gegen Abend, allein — und wir bli­cken suchend ins Wei­te, nicht eine blas­se Spur ver­rät das ande­ren Nähe. Oder doch?

Die Son­ne, wenn sie ver­sinkt — glut­rot, ihr tra­ge ich mei­ne Küs­se auf, für mei­nen Roland.

Der Mond, wenn er hell, so klar sich zeigt, jetzt da er ganz voll ist. Die vie­len Ster­ne, alles was hoch oben auf uns Men­schen her­ab­sieht, wie voll ver­ste­hen­den Mit­lei­des; all den Him­mels­wun­dern erzäh­le ich von mei­ner gro­ßen Sehn­sucht, von mei­ner hei­ßen Lie­be. Ach, könn­ten sie alle da oben Kun­de geben Dir mein Lieb, von dem was ich heim­lich, ganz lei­se aus­spra­che und den­ke, Du!

Ein­mal wird auch der Tag kom­men, da alle Fer­ne über­win­den ist. Ich wer­de bei Dir sein, Du! Bei Dir!

Nun ist Mit­tag vor­bei. Ich bin in Gna­den ent­las­sen. Vater liegt auf dem Sofa mir gegen­über, er schläft aber nicht. Ich höre nichts, auf bei­den Ohren nichts. Du!

Zu drei­en haben wir heu­te die Woh­nung in Schuß gebracht. Und nun ist wie­der ein­mal für ein paar Tage Ruhe.

Second world war europe 1940 map de.png
Kar­te, Euro­pa, Zwei­ter Welt­krieg, Sep­tem­ber 1940. Unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons lizen­ziert, 10.2015.

Wie schnell wir doch fer­tig sind mit Rei­ne­ma­chen hier in K.. Ich muß dar­an den­ken, wie ich mich daheim [’]ran­hal­ten muß, wenn ich sonn­abends mit allem fer­tig sein will und wie ich dann müde und erschöpft bin. Dabei sind hier die Räu­me viel grö­ßer. Ich bin gar­nicht [sic] ermü­det.

Dann müs­sen wir mal in die Stadt, ver­schie­de­nes ein­kau­fen; es soll etwas für unse­re lie­ben Sol­da­ten vom Sta­pel lau­fen! Psst! Das wird den gan­zen mor­gi­gen Vor­mit­tag bean­spru­chen. Liebs­ter! Heu­te habe ich Dei­nen Appa­rat gesucht. Ich wer­de ihn mit heim neh­men und dann brin­ge ich ihn mit zu Dir, ja? Also jetzt will ich Dir genau sagen, wann ich heim­fah­re: Mitt­woch früh 6:00 — unum­stöß­lich steht das nun fest. Du bist sicher­lich schon bei mir dann? Bit­te, Du! Es ist dann erst die rich­ti­ge Heim­kehr, Liebs­ter!

Dei­ne Hoch­zeits­schu­he muß ich mit­neh­men und besoh­len las­sen Du, wie die aus­se­hen. Dei­ne Mut­ter sag­te, die sind ja ihr Geld nicht wert. Du wirst Dir auch kei­ne sol­chen wie­der kau­fen, es ist nicht zweck­mä­sig, wenn sie vorn nicht durch eine fes­te Kapp­naht gehal­ten wer­den. Dei­ne sind ganz aus der Form gekom­men und sind geneigt, hoch zu gucken. Ich wer­de sie mal tüch­tig ein­span­nen. Die Schlaf­de­cke wächst unter Mut­ters und unter mei­nen Hän­den zuse­hends. Ich freue mich sehr dar­über. Wie erst wer­den sich die Eltern freu­en! Da habe ich nun noch aller­hand zu tun bis Weih­nach­ten. Gro­ße Wäsche gib’s außer der Bevor­ste­hen­den vor dem Fest auch noch­mal.

Herz ohne Heimat, Spielfilm von Otto Linnekogel, Deutschland 1940, Quelle: DIF über Filmportal.de, 10.2015.
Herz ohne Hei­mat, Spiel­film von Otto Lin­ne­ko­gel, Deutsch­land 08.1940, Quel­le: DIF über Filmportal.de, 10.2015.

Wenn noch eine Rei­se dazwi­schen liegt, Du! Da heißt’s flei­ßig sein. Wir, Mut­ter und ich lamen­tie­ren uns jeden Tag vor, wie kurz doch so ein Tag ist. Außer der drin­gends­ten Haus­ar­beit brin­gen wir nur noch unse­ren Schrei­be­brief fer­tig! Hand­ar­bei­ten müs­sen erst nach den Abend­brot, also in der 8. Abend­stun­de vor­ge­nom­men wer­den. Vor 10 kom­men wir nicht ins Bett. Ei ei — was ich Dir so für Zeit schen­ke, was ich da alles machen könn­te!! Aber mein Roland! Wie könn­te ich die Zeit Dir je vor­rech­nen? Daß ich Dir täg­lich schrei­be, das ist mir ein Bedürf­nis, wie nachts der Schlaf. Und es ist mir ja eine lie­be Pflicht. Du weißt es auch. Lie­ber will ich paar Stun­den von mei­nem Schla­fe opfern, um die lie­gen geblie­be­ne Arbeit auf­zu­ho­len, ab einen Nach­mit­tag nicht mit Dir plau­dern. Eine Frau hat ja soviel zu wir­ken, zu schaf­fen, daß, wenn sie sich nicht ein­mal ener­gisch los­riß von ihren Pflich­ten, sie ja ganz die inne­re Ver­bin­dung ver­lö­re über allem, zu ihrem lie­ben Mann. Nein, das las­se ich nie und nim­mer so weit kom­men und wenn ich so viel Arbeit hät­te, daß ich mir die Bekann­ten, die auch nicht zurück­ste­hen wol­len, vor den Kopf sto­ßen wür­de. Es lie­ße sich nicht ändern. Wer eben nicht ver­ste­hen will, daß zuerst mein lie­ber Mann kommt, dann mei­ne Pflich­ten als Haus­müt­ter­chen und dann erst die ande­ren, das Ver­gnü­gen, der darf sich eben nicht mit mir ein­las­sen. Ich brau­che sowie­so nie­man­den zum Zeit­ver­treib, ich habe genug Freu­de und Beschäf­ti­gung mit Dir, Du! Mei­ne Gedan­ken rei­chen manch­mal kaum aus, für die Wirt­schaft. O ja, ich habe auch mei­ne Mucken [sic: Macken] und wenn es gilt, will ich auch mit dem Kopf durch die Wand, Du! Ich bin heu­te so froh, Du! Weißt war­um? Ich bin krank nun—endlich!! Jetzt freue ich mich nun viel leich­te­ren Her­zens an allem Lie­ber und Schö­nen, was Du, mein [Roland] mir geschrie­ben hast. O, ich füh­le beglü­ckend, daß Du mich liebst, über alles in der Welt! Ich sehe, mit Selig­keit im Her­zen, daß ich Dir Hei­mat, Erfül­lung sein kann. Mein Gelieb­ter! Du! Komm nur zu mir! Ich bin ja immer, immer bereit Dich lie­bend in mei­nen Schoß zu bet­ten, Dich an mein Herz zu zie­hen daß Du aus­ru­hen kannst, Du! Mein gelieb­ter Roland! Ich gehö­re Dir für alle Zeit! In uner­schüt­ter­li­cher Lie­be und Treue immer nur

T&SavatarsmDei­ne Hol­de.

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