18. Oktober 1940

Splitter Sprengbombe 1940 MHQ
Split­ter einer eng­li­schen Spreng­bom­be, abge­wor­fen bei einem der weni­gen Luft­an­grif­fe auf Ravens­burg am 17. August 1940, Nähe Meers­bur­ger Stra­ße (Ravens­burg), Schen­kung J. Fran­ken­hau­ser, Muse­um Hum­pis-Quar­tier, Ravens­burg. Foto: Andre­as Pra­ef­cke, Juli 2009. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
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Frei­tag, den 18. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz! Herz­al­ler­liebs­te Du! Hol­de mein!

Das war heu­te ein leich­tes Wochen­en­de. Sonst ist das Wochen­en­de gefürch­tet, alles wird noch ein­mal wie­der­holt und stramm exer­ziert, damit die Sol­da­ten „fer­tig“ sind für die bei­den Fei­er­ta­ge. Wir haben das nie zu spü­ren bekom­men, die jun­gen Frei­wil­li­gen uns gegen­über schon eher. Also: von 3–5 Uhr gab es wie­der Varie­té; es fiel ab gegen das vori­ge, dafür fiel es in die Dienst­zeit. Es lohnt gar nicht dar­über zu erzäh­len. Um 3 Uhr gab es schon die Post, und eher als sonst hielt ich Dei­nen lie­ben Boten in Hän­den.

Herz­al­ler­liebs­te! [Du] Mußt wie­der an unser Geheim­nis rüh­ren, das zar­tes­te und tiefs­te! Hol­de mein! Arme, lie­be [Hil­de], Du! Weißt [Du], über den wich­tigs­ten Punkt bin ich ohne Sor­ge, so aus dem Glau­ben und dem Gefühl her­aus. Ich trös­te mich auch mit ein paar Grün­den, bis ich wie­der Nach­richt von Dir habe: 2 Tage bist [Du] schon blaß, Liebs­te, sind das nicht die bekann­ten Anzei­chen, Du? Ich habe auch schon gerech­net: Am 26. August wur­de ich ein­be­ru­fen. Am 24. wur­dest [Du] damals krank [wohl: Mens­trua­ti­on], weißt es noch, Du? Der Kalen­der wäre dann so: 21. Sep­tem­ber, 19. Okto­ber, wenn alles regel­mä­ßig geht. Ich weiß wohl, daß Dei­ne Krank­heit das letz­te Mal frü­her kam, kann sie doch eben auch mal spä­ter kom­men, nicht, Lie­bes? Ach Du, ich will alles Gute hof­fen und mich zunächst gar nicht sor­gen! Hol­de mein! Das Wun­der und Geheim­nis des Weib­seins; ich erle­be es mit Dir in sei­nes gan­zen Rein­heit und Hold­se­lig­keit! Herz­al­ler­liebs­te! Du bist noch so jung!! Du bist ganz unver­dor­ben! Und ich habe ein gläu­bi­ges Herz, mit dem ich es in sei­nem gan­zen wun­der­sa­men Zau­ber erle­be. Ich bin Dir so unend­lich dank­bar, daß Du mich mit­er­le­ben läßt, daß Du Dich in die­sen Din­gen nicht vor mir ver­schließt, Dich nicht schämst vor mir, son­dern mir dar­in ganz ver­traust als Dei­nem bes­ten Freun­de, wie Dei­ner lie­ben Mut­ter und noch mehr. Du, Gelieb­te, dar­über bin ich unend­lich glück­lich! Und Du weißt, daß ich die­ses größ­te Ver­trau­en schät­ze und weißt, daß Dei­nem ver­trau­en­den Bli­cke mein ver­trau­en­der Blick ant­wor­tet. Du weißt, daß ich ein Geheim­nis bewah­ren kann und ich unser Ver­traut­sein hüte als den köst­lichs­ten Schatz, daß ich alles von ihm fern­hal­te, alles Häß­li­che und Schmut­zi­ge. Herz­lie­bes! Ich bin so dank­bar, daß ich ganz fest bin dage­gen, daß ich gegen die­ses Gift ein wirk­sa­mes Gegen­gift besit­ze, das auch schon den Ver­such eines Ein­bruchs ver­ei­telt, hier in der Fer­ne, und wenn ich wie­der bei Dir sein darf, ganz, Gelieb­te! dann erst recht. Wie­der ein Punkt, in dem ich nicht Mann genug bin. Ach was bin ich ein arm­se­li­ger Mann. Aber Du magst mich so, und da bin ich zugleich der reichs­te und glück­lichs­te Mensch, der alle ande­ren ihre Vor­zü­ge neid­los läßt.

Sonn­tag will wie­der wer­den. Möch­te Dich mein Bote froh und gesund antref­fen! Mor­gen Sonn­abend will ich noch ein­mal nach Kiel, etwas Obst ein­kau­fen, eine Besor­gung machen und ein­mal mich umschau­en, was die Eng­län­der ange­rich­tet haben. Ich will spä­tes­tens ½ 9 Uhr wie­der zurück sein, und wer­de mich beei­len, nach Dei­nem lie­ben Bote zu schau­en, Du!

“Dornröschen,” Illustration von Heinrich Leutemann oder Carl Offterdinger, Mein erstes Märchenbuch, Verlag Wilh. Effenberger, Stuttgart, ende des 19. Jahrhunderts, herunterladen von http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dornroschen_%282%29.jpg Januar 2014.
“Dorn­rös­chen,” Illus­tra­ti­on von Hein­rich Leu­te­mann oder Carl Off­ter­din­ger, Mein ers­tes Mär­chen­buch, Ver­lag Wilh. Effen­ber­ger, Stutt­gart, Ende des 19. Jahr­hun­derts, über Wiki­me­dia Com­mons, 01.2014.

Behü­te Dich Gott, Herz­al­ler­liebs­te! ‚Behal­te mich lieb!‘ schreibst Du, Hol­de mein! Bist [Du] dar­um in Sor­ge, Du? Ach ich weiß, Du! Willst mir nur viel Zärt­lich­keit ent­lo­cken, Liebs­te! Weißt, so ger­ne wie ich ganz lieb und zärt­lich zu Dir sein möch­te, wenn ich es nur schrei­ben darf und den­ken, es schmerzt mich, Du!! Ach, und es möch­te ja auch schmer­zen, wenn ich Dei­ne Sehn­sucht damit stil­len könn­te. Die Sehn­sucht, Hol­de, ist so groß nach Dir! Nur einen Teil mögen die­se Zei­len zu stil­len, Dein lie­bes Wesen machen mir Dei­ne Zei­len gegen­wär­tig. Aber das [sic] and[e]re Teil bleibt. Alle Selig­keit und Süßig­keit, die wir eben erst erle­ben durf­ten, sie wur­de uns hart ent­ris­sen. Dein Käm­mer­lein ist ver­waist – leer das Bett­lein neben Dir – leer Dei­ne Arme – hung­rig Dei­ne Lip­pen – Dein Gärt­lein, Hol­de!!! – das Schlüss­lein ver­lo­ren – So geht es Dir, Gelieb­te. Und ich möch­te Dir alles brin­gen! Du! Leben und Wär­me in Dein Käm­mer­lein! Möch­te Dei­nen Hun­ger stil­len! Möch­te Dir Dein Schlüss­lein brin­gen, Du! Du!! Möch­te Dir schen­ken von mei­nem Über­fluß! — - — Ich lie­be Dich Du! Immer, nur Dich, Hol­de, Gelieb­te!

Ich seh­ne mich nach Dir! Und nun will auch ich sagen: Behal­te mich lieb! Du! Gelieb­te! Dar­an hängt all mein Glück, mein Trach­ten, mein Leben!

T&SavatarsmNur Dir gehö­ren will ich! Dich lie­ben aus gan­zem Her­zen! Dein [Roland].

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