16. Oktober 1940

Bundesarchiv RM 25 Bild-62, Flugzeugträger "Graf Zeppelin", Bau.jpg
Flug­zeug­trä­ger “Graf Zep­pe­lin”, Bau, Kiel, 21.6.1940. DBa RM 25 Bild-62 / CC-BY-SA 3.0. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

[401016–2‑1]

Mitt­woch, am 16. Okto­ber 1940 in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Du mein gelieb­ter, guter [Roland]!

Ges­tern setz­te die Post aus und heu­te bekam ich dafür gleich zwei Brie­fe! Du, wie schön, [Roland]! Ich dan­ke Dir aus gan­zem Her­zen dafür. Die vie­len schö­nen Bil­der von Kiel!, nun schi­cke mir noch die Bahn­hofs­hal­le, die Stra­ßen­bil­der bis her­aus zu Dei­ner Kaser­ne und dann brauchst mich gar­nicht [sic] erst abzu­ho­len, wenn ich zu Besuch kom­me!

Du, das ist aber schön vom Rich­ter, daß er sein Ver­spre­chen hielt. Hät­te bei­na­he an ihm gezwei­felt, weil er ein so tüch­ti­ges Mund­werk hat­te mir gegen­über; denn die Sor­te ist nur zu oft wort­brü­chig. Aber ich weiß nicht, ganz wohl ist mir nicht bei dem Gedan­ken: „wenn die­ser Dein Freund wür­de”. Du wür­dest nicht zu ihm pas­sen, das habe ich gleich in die­sen paar Minu­ten fest­ge­stellt. Er ist hart aus­ge­drückt ein Lebe­mann; in Hin­sicht „Genuß”, in Hin­sicht „Frau­en” spü­re ich auch. Er ist bestimmt nicht so ganz kor­rekt als Ehe­mann, das las­se ich mir nicht aus­re­den. Wenn [er] auch als Kame­rad pri­ma ist. Sieh, nun kom­men wir ja auch dem Punkt mit nahe: Wer nicht raucht und nicht trinkt, der ist nur ein hal­ber Mann. Das ist in mei­nen Augen eben­sol­che Theo­rie wie: Wer nicht auch and[e]re Frau­en sieht als Sol­dat, der ist kein rech­ter Mann. Liegt die­se Betrach­tung dann nicht ganz nahe, wenn man die Män­ner mit Absicht auf’s Trin­ken führt? Nein, Du; ich für mein Teil wür­de auf der­ar­ti­ge Leit­sät­ze ver­zich­ten, mag sie aus­ge­spro­chen haben, wer auch will. Du kennst mich, mein [Roland] und mei­ne Ein­stel­lung. Ich ken­ne Dich.

Der verkannte Lebemann, Spielfilm, 1936. Carl Boese, Ralph Arthur Roberts, Trude Marlen, und Hans Junkermann. Quelle: http://www.rarefilmsandmore.com/de/der-verkannte-lebemann-1936#.Vh8YWbSqpBc, 10.2015.
Der ver­kann­te Lebe­mann, Spiel­film von Carl Boe­se, Deutsch­land, 1936. Quel­le: http://www.rarefilmsandmore.com/, 10.2015.

Und ich fürch­te nichts, von jener Sei­te rein nichts für Dich. Du bist nie­mals je wort­brü­chig gewe­sen, mein [Roland].

Und Du wirst mir die stum­me Bit­te von den Augen able­sen, ohne daß ich Dir dar­um ein Ver­spre­chen abneh­men müß­te, Du!

Ich weiß es. Ich bin glück­lich dar­um.

Blei­be, wie Du bist, wie Du immer warst, Du!

Blei­be mein [Roland], nur ganz mein [Roland].

Nur so kann ich Dich lie­ben, lie­ber aber ohne Ende, Du!

[Arti­kel über die Ein­rich­tung eines Stadt­vier­tels für Deut­sche und des Get­tos für Juden, War­schau­er Zei­tung, 16.10.1940. Über Die Quel­le Spre­chen, 10.2015.]

Ich war in Gedan­ken mit Dir am Sonn­abend. Du bist nicht so ganz befrie­digt von der Stadt. Wenn Du wirst hei­mi­scher, bekann­ter wer­den in Kiel, wird Dir schon ein man­ches Plät­zel gefal­len, mein [Roland]. Schau Dich nur flei­ßig um und suche die schöns­ten aus, wenn ich kom­me, will ich mich mit Dir freu­en. Du! Du! Wie ich schon rede?!

The Home Guard 1939-1945 HU50154
Frei­wil­li­ge im bri­ti­schen Heim­wehr ler­nen ein­fa­che deut­schen Rede­wen­dun­gen. Am 16.10.1940 starb einer Frei­wil­li­ger, Georg Wal­ter Inwood (nicht abge­bil­det). Nach einem deut­schen Angriff auf Bir­ming­ham ret­te­te er zwei Men­schen aus einem gas­ge­füll­ten Kel­ler. Quel­le: HU 50154, Impe­ri­al War Muse­ums, über Media­Lib durch ein IWM Non Com­mer­ci­al Lizenz, 10.2015.
Eben habe ich Dei­ne Wäsche geplät­tet, Socken gestopft und das Pa[e]ckl [sic: klei­nes Packet] fer­tig gemacht. Am Fens­ter in Groß­mutters Lehn­stuhl saß ich und näh­te mit so viel Lie­be Dei­ne Hemd­knöp­fe fest und stopf­te müde gäh­nen­de Socken­lö­cher zu. Du, ich tu[‘]s ja, so ger­ne für Dich. Mein [Roland]! Viel lie­ber wür­de ich ja mal [ei]nen Knopf annä­hen, wenn Du noch drin­nen steckst im Hem­del, Du! Fein, daß Du das Sei­fen­pul­ver schickst, ich kann es gut gebrau­chen; es reicht so immer nicht gut zur gro­ßen Wäsche. Das nächs­te Päckl [sic: klei­nes Packet] schi­cke aber na[ch] O., am Mitt­woch muß ich heim. Uns[e]re Wäsche!!

Herz­al­ler­liebs­ter! Du, ich muß Dir noch etwas sagen. [Du] Mußt mir aber ver­spre­chen, daß Du Dich nicht sorgst, Du! Bit­te, bit­te!

Ich bin noch immer nicht krank und dabei war­te ich schon seit Sonn­abend. Du, ich muß­te es Dir sagen, [Roland]. Ob wir Angst haben müs­sen?

Ich muß unbe­dingt, sagt Mut­ter[,] noch an die Luft, schon ges­tern, ich sei so blaß. Bit­te, bit­te schrei­be ja nie­man­den etwas dar­über, an die Eltern, Du ich will nicht! Hörst mich, mein [Roland]? Es ist gleich 5 Uhr ehe die Son­ne weg ist möch­ten wir gehen. Mein [Roland], Du! Mein guter, lie­ber [Roland]. Behal­te mich lieb, Du! Ich habe so, so gro­ße Sehn­sucht nach Dir! Bit­te, Du! Bete auch Du, daß es nicht war [sic] ist, Liebs­ter! Ich lie­be Dich! Ich bin nur Dein!

Behüt Dich Gott!

In gro­ßer inni­ger Lie­be, in ewi­ger Treue

T&SavatarsmDei­ne Hol­de.

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.