11. Oktober 1940

Hilde, Polterabend, Portrait, 07.1940
Hil­de, Pol­ter­abend, Por­trait, 07.1940

[401011–1‑1]

Frei­tag am 11. Okto­ber 1940

Mein lie­bes, teu­res Herz, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Die Post stellt sich lang­sam ein auf den neu­en Kurs. Dein lie­ber Bote vom Mitt­woch kam schon heu­te Frei­tag an, 2 Tage also hat er gebraucht. Sei, herz­lich bedankt für alles Lie­be, das Du mir damit schenkst, für das uner­meß­li­che und uner­setz­li­che Glück, das Du mir damit berei­test, Herz­lie­bes Du! Hol­de! Siehst, jetzt habe ich[‘]s doch geschrie­ben, die­ses Wort, das ich Dir eigent­lich zuerst sagen woll­te. Aber da ich doch nun schon eine Andeu­tung gemacht habe, mag ich Dich auch nicht län­ger auf die Fol­ter span­nen. Hol­de, Du! Nicht [Hei­di], das wäre ja ein gebräuch­li­cher Name. Was ich nun zu die­sem Namen sage, das ist mir erst alles nach­her ein­ge­fal­len, ich schrieb Dir ja schon, daß mir die­ser Name ein­kam. Er soll­te mir ein Klang ange­nehm sein: Hol­de! Das klingt so tief und voll und auch ein wenig dun­kel. Das schei­nen mir drei Inhal­te, die auf Dein und auch auf mein Wesen pas­sen. [Roland]. Die­ser Name ist ganz ähn­lich in sei­nem Klang­ge­halt. Hol­de! Das ist aber auch in sei­nem Wort­in­halt ein pas­sen­der Name. Hol­le (Frau Hol­le), Hul­da (Frau Hul­da, tritt im Tann­häu­ser als Sagen­ge­stalt auf) sind Namen des­sel­ben Bedeu­tung. Frau Hol­le, das ist die Frau, von der alle Güte aus­geht. Huld, das ist Güte und Gna­de („erhalt uns nur in Dei­ner Huld”). Im Weih­nachts­lied heißt es: „hol­der Kna­be im locki­gen Haar”, soll wohl hei­ßen, lieb­rei­cher Kna­be. Hol­de! Herz­lie­bes, die­ses Wort umschließt das Geheim­nis aller ech­ten Lie­be, und uns[e]rer Lie­be ins­be­son­de­re. Hold bist Du mir! Herz­lie­bes! Du gabst Dich mir! Schenk­test mir als ein­zi­gem die höchs­te Gunst und brach­test mir damit das größ­te Geschenk, das ein Men­schen­kind brin­gen kann. Daß Du mich mit Dei­ner Huld aus zeich­nest vor allen ande­ren, das ist mein Glück.

Bundesarchiv Bild 183-2004-0512-501, Bayreuth, Festspiele, "Tannhäuser", Schluss.jpg
Die Wart­burg im Hin­ter­grund — Richard Wag­ners Oper Tann­häu­ser bei den Fest­spie­len in Bay­reuth 1931. DBa, Bild 183‑2004-0512–501 / CC-BY-SA 3.0, lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

Hulde, das scheint mir die weib­li­che Art der Güte, das Dar­brin­gen, die Hin­ga­be. So, län­ger mag ich aber nicht an die­sem Namen her­umpflü­cken. Nur eines noch: so könn­te ich Dich auch rufen vor ande­ren, vor unse­ren Kin­dern, Du!, ohne daß wir ban­gen müs­sen, daß wir uns damit ver­ra­ten, vor ande­ren zärt­lich zei­gen. Sie mer­ken alle nicht so leicht, daß die­ser Name uns etwas bedeu­tet. Hol­de! Nun möch­te ich Dein Gesicht sehen, wenn Du die­sen Namen zuerst liest. — Ich will ein wenig dar­an den­ken, am Mon­tag oder Diens­tag wirst Du die­sen Brief erhal­ten. Wirst dann schon wie­der zurück, sein, Du? Ach Liebs­te, ein wenig schwe­res [sic] ist es doch, Dich jetzt zu fin­den. Schreib mir nur bit­te, wann Du zurück­reist, schreib mir bit­te etwas von Dei­ner Rei­se, ich bin Dir dank­bar für jede Ein­zel­heit.

Du sprichst von der Kran­ken­kas­se. Die Sache ist gere­gelt, „die Sache geht klar!” sagen die Matro­sen. Neu­es von mir? Seit heu­te haben wir einen neu­en Kor­po­ral. Es wird gehen die 14 Tage bis zur Besich­ti­gung. Ver­gan­ge­ne Nacht hat es mäch­tig gebal­lert. Es war ein rich­ti­ges Schau­spiel. Die Abwehr ist mäch­tig stark. Was so nach einem ein­zel­nen Flie­ger ver­bal­lert wird! Heu­te gab es viel Geld! 32 R[eichs]M[ark], 17 R[eichs]M[ark] und eine Nach­zah­lung von 15 R[eichs]M[ark]. Mor­gen will ich also mal nach Kiel. Ich wer­de immer an Dich den­ken, auch an einen Gruß für Dich.

Herz­al­ler­liebs­te, Du! Der Mond zieht wie­der auf am Him­mel. Wann wird er uns wie­der ein­mal bei­sam­men sehen? Psst! Viel­leicht ein­mal schon recht bald am Mee­re? Psst! Psst! Du!

Herz­lie­bes! Behü­te Dich Gott auf allen Wegen! Hüte gut Dei­ne Gesund­heit! Nun ist es wie­der so, daß ich mei­nen Boten benei­den möch­te. O Liebs­te! Hol­de! Wie ich ihn benei­de! An Dei­nem Her­zen ruhen! Wie seh­ne ich mich danach, Du! Ich darf gar nicht dar­an den­ken. Fein still muß ich mich hal­ten, daß nichts ver­lo­ren geht, damit ich alles auf­he­be für Dich, Du! Gelieb­te! Ich lie­be Dich aus tiefs­tem Her­zen! Ich küs­se Dich her­zin­nig. Dein bin ich! Nur Dein! Und Du bist mein!! Ganz mein!! Herz­lie­bes! Hol­de!

Ich lie­be Dich, Du, in uner­schüt­ter­li­cher Treue!

Dein [Roland].T&Savatarsm

Plea­se fol­low and like us:
error

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.