10. Oktober 1940

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Bezugs­schein für Klei­dung 1942, Klei­der­kar­te vor­ne, Foto von Ramessos. Lizen­ziert unter Gemein­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Don­ners­tag, am 10. Okto­ber 1940, in K..

Herz­al­ler­liebs­ter! Du, mein gelieb­ter [Roland]!

Markt­tag ist heu­te in K., ich bin mit Mut­ter da gewe­sen; viel zu haben war aber nicht. Es ist über­all so in den Städ­ten, außer ein wenig Gemü­se kann man nichts krie­gen. Gleich­zei­tig lie­fer­ten wir vom Vater einen alten Man­tel ab, in der N‑S-O Stel­le, damit er einen Bezug­schein bekommt für Man­tel­stoff, der schon län­ger gekauft ist.

Fliederbeersuppe.JPG
Holun­de­sup­pe, Foto von Genet aus der deutsch­spra­chi­gen Wiki­pe­dia. Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

Nun ist es wie­der um Mit­tag her­um, ich bin in Gna­den ent­las­sen aus dem Küchen­be­reich. Holun­der­sup­pe habe ich gekocht und einen Pflau­men­ku­chen zube­rei­tet zum Backen. Quark und Kar­tof­feln gibts heu­te — ers­te Ern­te von Schi­mangs. Die Son­ne hat sich noch ein­mal durch­ge­setzt heu­te, obwohl es am Mor­gen gar­nicht [sic]mso aus­sah. Was wir aus heu­te vor­neh­men ist noch ganz unbe­stimmt. Ges­tern hat­ten wir auch ein Ziel gesetzt und dann kam es doch nur zu einem Spa­zier­gang  durchs H.tal und über den Berg nach Hau­se. Wir tran­ken schön ‘Boh­nen­kaf­fee’ mit­ein­an­der, von einem Ange­stell­ten vom Vater traf eine ganz fri­sche Sen­dung ein! Und dann haben wir uns hin­ge­setzt und Hand­ar­bei­ten ver­fes­tigt, bei Musik. Du! Ges­tern abend brach­ten sie das Schö­ne Lied, das Du immer singst, Im Kalm’ von Grieg zu Gehör. Scha­de, daß es so unsau­ber über­tra­gen wur­de, hast Du wohl auch Radio gehört? Über­haupt, was gibst denn nun so an, wenn Du ab 600 dienst­frei bist? Ich möch­te ger­ne wis­sen, wo ich Dich suchen könn­te, wenn wir dann nach ½ 400 das Abend­brot been­det haben und mit uns[e]rer Arbeit um die Lese­lam­pe sit­zen und der Musik lau­schen. Bis um 10 Uhr sit­zen wir jeden Abend und sind dann die Nach­rich­ten vor­bei, gehts ins Bett! Ich bin nun ganz allein im Kin­der­zim­mer, Du! Mein [Roland]! Es wür­de kei­ner hören, wenn Du mich heim­lich besu­chen kämst. Ich habe sehr gut ver­dun­kelt und zuge­zo­gen, Du! So gut, daß ich früh um 8 [Uhr] noch im Schla­fe lie­ge, weil kein Mor­gen­strahl her­ein­drin­gen kann! Es ist ’ne Schan­de, die Mut­ter weckt mich auch nicht eher. Na, ich wer­de schön dick wer­den, wenn ich jetzt so fau­len­ze. Du lachst mich aus! Aber ich kann auch kei­ne beson­de­ren Wün­schen äußern, wohin die Dicke zuerst stei­gen soll, Du!

Müs­sen wir uns eben dann gegen­sei­tig trös­ten.

Von unse­rem Möbel­händ­ler nun etwas. Mut­ter war dort, bevor wir nach K. fuh­ren. Also, auf dem gro­ßen Tisch (Küche) hat er Lin­ole­um; nun fehlt bloß noch für den Küchen­tisch, Stüh­le sind aus fer­tig. Stahl­ma­trat­zen sind da, der Spie­gel wird gebaut. Die Email­le­äsche [sic] sind da für den Auf­wasch­tisch, doch zu groß; die muß er umtau­schen, auch das Wasch­be­cken ist da. Nun will ich, wenn ich heim­kom­me hin­ge­hen, mit ihm reden, ob er auch das feh­len­de Lin­ole­um noch schaf­fen kann. Wenn ja, dann ist ja alles kom­plett und der Preis braucht nicht geän­dert wer­den, dann wer­de ich auch bezah­len, was noch fehlt. Wir haben aber nicht erzählt, daß Du beim Mili­tär bist. Soll ich das nun beim nächs­ten Mal? Weil ja sicher die Möbel nun noch eine Wei­le bei ihm ste­hen müs­sen. Ist viel­leicht bes­ser, wenn ich’s sage, ja? Ich weiß noch nicht recht, ob ich schon mor­gen nach D. fah­re, vom Frei­tag — Mon­tag ist mir so lan­ge, Du! Ers­tens wegen Dir, ich will Dir doch schrei­ben; will emp­fan­gen! Und dann kom­men auch die bösen Tage her­ein. Na, wer­den sehen. Mein Hubo. Du mein liebs­ter Hubo! Heut’ kannst Du noch nicht zu mir, viel­leicht am Nach­mit­tag! Herz­al­ler­liebs­ter mein! Behüt Dich Gott auf allen Wegen! Ich lie­be Dich! Du! Ich seh­ne mich unsag­bar nach Dir, ich küs­se Dich!

Liebs­ter, ich bin in unwan­del­ba­rer Treue

Dei­ne [Hil­de].T&Savatarsm

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