09. Oktober 1940

Bundesarchiv DVM 10 Bild-23-63-40, Schlachtschiff "Tirpitz", Stapellauf.jpg
In der Nacht vom 8. auf den 9. Okto­ber 1940 wur­de in Wil­helms­ha­ven das Kriegs­schiff Tir­pitz von bri­ti­schen Flie­gern bom­bar­diert. Hier das Schlacht­schiff beim Sta­pel­lauf, DBa, DVM 10 Bild-23–63-40 / CC-BY-SA 3.0, lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Mitt­woch den 9. Okto­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de] Du!

End­lich! Du! Ein Zei­chen von Dir! Der Bote vom Sonn­tag. Die Post ist schuld, die furcht­ba­re K.er Post. Bist [Du] wie­der froh, Herz­lie­bes? Ich kann Dir nicht anders hel­fen, als Dir raten und Dir mei­ne Lie­be und Treue erzei­gen [sic] durch mei­nen Boten. Herz­lie­bes, sei stand­haft! Aber ich spü­re es, in K. bist Du noch ein­sa­mer als zu Hau­se bei Dei­nen Eltern, wo Du Dei­nen Auf­ga­ben­kreis und Dei­ne Muße­stun­den hast. Wenn es gar nicht anders gehen will, Herz­lie­bes, sprich Dich aus zu mei­ner Mut­ter und damp­fe wie­der nach Hau­se. Sie wird Dich ver­ste­hen. So, und nun muß ich erst ein­mal ener­gisch wer­den, rich­ti­ger, ich wur­de es schon, als ich Dei­ne Zei­len las. Herz­lie­bes! Soviel Hei­mat­recht hast Du nun bei uns, und soviel Respek­tie­rung Dei­ner Wür­de als mei­ne lie­be Frau darfst Du nicht nun auch mei­nen Eltern gegen­über bean­spru­chen, daß Du sagen kannst: „So, jetzt zie­he ich mich mal zurück, jetzt laßt mich ein­mal in Ruhe, (oder, nach­dem sich alles anschickt zum Schla­fen­ge­hen) jetzt schrei­be ich erst noch mei­nem [Roland]!!“ Ver­stehst [Du] mich, Du? Und die­ses Recht sollst Du nicht klein­laut und ver­schämt, son­dern ener­gisch und selbst­be­wußt vor­tra­gen, daß Vatern jede Lust ver­geht, dar­über auch nur alber­ne Bemer­kun­gen zu machen. Herz­lie­bes! Die Stun­den, die wir zusam­men für uns zu sein zu Hau­se sonst bean­spru­chen, die darfst und sollst Du auch in mei­nem Namen jetzt behaup­ten. Das ist Dein gutes Recht! Und das and[e]re, was Vater betrifft. Daß Du wür­dest Ursa­che haben, Kla­ge zu füh­ren. Konn­te ich mir den­ken. Ich bin gar nicht eifer­süch­tig und ver­traue Dir dar­in ganz, daß Du ihm die rech­te Ant­wort geben wirst. Nur noch einen Rat dazu: [Du] Sollst auch hier selbst­be­wußt auf­tre­ten. Wenn er Dir wie­der ein­mal nach­stellt, sollst Du ihm mal eine Wei­le böse sein, auf sei­ne Spä­ße nicht mehr ein­ge­hen. Dann wird er fra­gen, war­um, und Du sollst ihm dann sagen: „Du tust mir und [Roland] Unrecht, daß Du mir so nach­stellst“. Auf Vaters dum­me und anzüg­li­che Fra­gen aber – das mußt Du Dir ange­wöh­nen – gibst Du gar nicht mehr Ant­wort. Bei Elfrie­de ver­sucht er es auch nicht mehr, weil er abge­blitzt ist. Wenn Dir aber der Mut aus­ge­hen will, denk an mich, Herz­al­ler­liebs­te!

Hilde und Rolands Eltern, Hochzeitsbild, leider außer Fokus
Hil­de und Rolands Eltern, Hoch­zeits­bild, lei­der unscharf

Du ver­trittst unser Recht, und wehrst Dich gegen ein Unrecht. Vater ist in die­sen Din­gen so unbe­herrscht, ein Erzie­hungs­man­gel, er ist so jung von [Zu]Hause fort. Die­ses Unrecht wird aber grö­ßer, wenn er sich gehen läßt, wäh­rend ich in der Fer­ne wei­le. Du, Herz­lie­bes! Hörst [Du] mich? [Du] Wirst es schon recht machen! Ich bit­te Dich, mir dar­über nichts zu ver­schwei­gen. Das Abho­len von der Bahn hat noch nie geklappt, wenn es uns betraf, ich bin dar­über rich­tig ein wenig ärger­lich, das wer­de ich auch den Eltern schrei­ben. Na, nun habe ich wohl genug gewet­tert, so aus der Fer­ne. Es fehlt der Mann im Hau­se. Mit einem Wort, mit einem Blick läßt sich so schnell etwas in die Rei­he brin­gen. Herz­lie­bes! Soll ich in Dei­ne Kla­ge ein­stim­men? Ich mag es nicht. In der Kla­ge ist kei­ne Hoff­nung. Und die Hoff­nung, die Zukunft, ist es doch, an die wir uns hal­ten wol­len, an die wir freu­dig glau­ben müs­sen, wenn wir einan[der] gehö­ren wol­len. Und das wol­len wir doch bei­de mit unse­rem gan­zen, hei­ßen He Seh­nen, mit allen Fasern unse­res Her­zens. Die­se Hoff­nung fest­hal­ten und Gott bit­ten, daß er auf die­ses arme, mensch­li­che Hof­fen gnä­dig her­nie­der­schaue und ihm Erfül­lung schen­ke. Herz­al­ler­liebs­te! Gott sei mit Dir und schen­ke Dir Kraft und Geduld, Dich zu schi­cken in sei­nen hei­li­gen Wil­len!

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­nem Boten möch­te ich auf­tra­gen, daß ich Dich aus tiefs­tem Her­zen lie­be, daß ich mich seh­ne, die­se Lie­be zu erzei­gen. Daß ich nichts lie­be­res [sic] tue, als Dich zu schüt­zen, Dein gutes Recht zu ver­tre­ten. Mei­ne [Hil­de], Du! Mei­ne Arme möch­te ich um Dich schlin­gen, Dich ganz fest an mich drü­cken und fest­hal­ten, und nie­mand soll­te dann ver­su­chen, Dich mir zu ent­rei­ßen. Die Gewiß­heit Dei­ner Lie­be zu mir gäbe mir Kraft, mich ganz ein­zu­set­zen für Dich, Du! Gelieb­te! Mein Alles! Mein Glück! Mein Leben!

Mei­ne lie­be [Hil­de]!

Dein [Roland].T&Savatarsm

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