08. Oktober 1940

De Waarheid 31 10 1944.JPG
Im Okto­ber 1940 erschie­nen ers­te Aus­ga­ben der Wider­stands­zei­tung De Waar­heid in den seit Mai besetz­ten Nie­der­lan­den. Von Hand zu Hand wur­de die­se ver­bo­te­ne Mei­nungs­äu­ße­rung gegen die Anwe­sen­heit des deut­schen Besatzers wei­ter­ge­reicht. Hier: De Waar­heid 31/10/1944, ein­ge­stellt von Khx023, lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.

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Diens­tag am 8. Okto­ber 1940

Herz­lie­bes! Mein lie­bes, teu­res Herz! Mei­ne lie­be [Hil­de], Du!

Eigen­ar­tig, immer wenn wir Sport hat­ten bis­her, Diens­tag und Don­ners­tag, haben wir schö­nes, war­mes Wet­ter. Auch heu­te ist es für einen Okto­ber­tag unver­hält­nis­mä­ßig warm. Ich sit­ze wie­der drau­ßen zur Mit­tags­pau­se. Wie schön, wenn man nur den Stuhl ein wenig zu rücken braucht und schon im Frei­en sitzt. Wie schön auch, wenn man sich so leicht beklei­det im Frei­en tum­meln kann in Luft und Son­ne. Möch­test Du das wohl auch? Zusam­men mit Dir, Gelieb­te, am wei­ten Strand, mit Dir wer­fen und sprin­gen und um die Wet­te lau­fen, und — der ers­te will ich ja doch sein — Dich auf­fan­gen am Ziel, und dann stre­cken wir uns lang zur Rast in den war­men Dünen — Du! möch­test Du das wohl auch? — Ja, wir bei­de möch­ten uns wohl ein rech­tes, schö­nes Leben zim­mern, aber jetzt müs­sen wir uns gedul­den mit tau­send ander[e]n, kön­nen nur war­ten und hof­fen.

Herz­al­ler­liebs­te! Was für ein Stock bin [ich] doch gewor­den! Zum Abschieds­abend am Frei­tag habe ich mich rich­tig über mich selbst geär­gert. Ich brin­ge kei­ne Unter­hal­tung mehr im Gang, kein Gespräch inter­es­siert mich mehr, alles Reden scheint mir so über­flüs­sig. Auf dem Sonn­tag­spa­zier­gang habe ich über­legt, wie das wohl kom­men mag. Der Maat hat mir schon eini­ge­mal [sic] vor­ge­hal­ten, daß ich immer­zu ein so böses Gesicht zie­he. Weißt, wie ich mir alles erklä­re? Mein gan­zer Mensch, mein gan­zer Wil­le ist jetzt dar­auf ein­ge­stellt: Hin­durch! Hin­durch durch die­se böse, har­te Zeit der Unfrei­heit, der Tren­nung von Dir? Ja, so ist es. Alles and[e]re ist neben­säch­lich, liegt am Ran­de, ist zwei­ten Ran­ges. Reden und Fei­ern lenkt nur ab, will nur betäu­ben und ver­ges­sen machen. Und ich will doch wach blei­ben mit allen Sin­nen. Ich mag mich hier nicht häus­lich ein­rich­ten, mag mich mit die­sen Ver­hält­nis­sen nicht anfreun­den. Als einen Durch­gang will ich die­se Zeit nur anse­hen, als einen dunk­len Gang, des­sen Ende ich eilig zustre­be und an des­sen Aus­gang ich Dich weiß, Gelieb­te, Dich und unser Heim und unser Leben! Du rufst und ziehst mich! Des­halb bin ich nicht böse, das weißt Du ja, und des­halb habe ich auch die Spra­che nicht ver­lo­ren, das siehst Du ja. Mit Dir könn­te ich mich immer­zu unter­hal­ten. Nein, ich habe immer noch den­sel­ben Gleich­mut im Dienst, der mir alles leicht fal­len läßt. Es ist nur ein Ernst in mir, ein stu­rer Wil­le: Zu Dir! Zu Dir! Vie­le Kame­ra­den, zumal die mit klei­nen Kin­dern zu Hau­se, den­ken und wün­schen sich oft nach Hau­se. Etwa 4 sind [es], die täg­lich und aller [sic] 2 Tage nach Hau­se schrei­ben und von Hau­se Nach­richt erhal­ten. Ihnen merkt man auch an, daß ihnen das Zuhau­se viel bedeu­tet.

Seit Mon­tag befeh­ligt uns unser Exer­zier­ge­frei­ter, der lan­ge Rein­ke aus Schles­wig, Hein mit dem Spitz­na­men, viel­leicht bis zum Schluß. Das ist uns natür­lich ganz nach Wunsch. Für sei­ne Nach­fol­ge hat sich unser Maat noch kräf­tig ein­ge­setzt. Weiß nicht, wie es kommt, daß ich bei unse­rem Gefrei­ten wie auch bei unse­rem Zug­füh­rer alles lie­ber mache als bei unse­rem geschie­de­nen Maat. Es geht von ihnen mehr Ruhe, mehr Güte aus; uns[e]r Maat war kühl, befeh­lig­te freud­los. Abend ist es nun wie­der, Herz­lie­bes! Ich war­te auf Dei­nen Boten. Jeden Augen­blick kann er kom­men. Wie ich war­te, Liebs­te! Eben war ich selbst drü­ben, zum 2. Post­emp­fang. Kein Brief von Dir, Herz­lie­bes, schon den drit­ten Tag! Ver­ges­sen hast [Du] mich nicht, das kann nie und nim­mer sein! Dann ist wohl die K.er Post Schuld. Über die K.er Bahn haben wir ja schon oft geklagt. Aber ganz leer bin ich nicht aus­ge­gan­gen: Dein Päck­chen mit der Pas­ta, die Du so kühn Dir geka­pert hast, ist gekom­men. Sei recht bedankt dafür. Nun muß ich mich bis mor­gen gedul­den. Hof­fent­lich mußt Du nicht auch so war­ten. Behü­te Dich Gott, Herz­al­ler­liebs­te! Bit­te grü­ße uns[e]re lie­ben Eltern. Du! Alle Men­schen dürf­ten mich ver­ges­sen, dürf­ten mich ver­las­sen, mich has­sen — ich woll­te es ertra­gen, wenn ich nur Dich behal­te, Herz­lie­bes, wenn Du mir nur bleibst, wenn Du mich nur lieb­hast — Dann bin ich froh und reich und glück­lich! Du, mein Alles! Mein Glück, mein Leben! Ich blei­be in Treue immer­dar

Dein [Roland].T&Savatarsm

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