07. Oktober 1940

Bundesarchiv Bild 183-2005-0601-501, Himmler in Madrid
Hein­rich Himm­ler, Madrid, Okto­ber 1940. Er wur­de am 7. Okto­ber 40 Jah­re alt. DBa, Bild 183‑2005-0601–501 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
[401007–1‑1]

Mon­tag den 7. Okto­ber 1940

Herz­al­ler­liebs­te! Mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de], Du!

Welch eigen­ar­ti­ge Situa­ti­on! Da weilst du nun in mei­nem Zuhau­se, in der Höh­le des Löwen sozu­sa­gen, und der Löwe— er bleibt aus. Ach Du! Er käme so ger­ne, es zieht ihn zurück — aber er ist sel­ber gefan­gen. Nun muß ich Dich anderwo [sic] suchen mit mei­nen Gedan­ken.

Bundesarchiv Bild 183-E10650, Berlin, Hinweisschild zum Luftschutzraum
Scherl In der Osna­brü­cker Str., befin­det sich die­ses vor­bild­li­che Hin­weis­schild zum nächs­ten Luft­schutz­raum. Ber­lin, Sep­tem­ber 1939. Die NS-Regie­rung ord­ne­te am 7. Okto­ber 1940 an, Juden soll­ten in Luft­schutz­räu­me von ‘Ari­ern’ aus­ein­an­der gehal­ten. Foto: Wah[ner] 8.9.39. DBa, Bild 183-E10650 / CC-BY-SA 3.0, über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Glaubst mir, daß ich nach O. schnel­ler fin­de als nach K.? Daß dein Wesen, daß uns[e]re Lie­be deut­li­cher vor mir steht vor dem Hin­ter­grun­de Dei­nes Zuhau­se? Dort, wo ich ein­sam ging; Dort wo wir uns tra­fen; in Dei­ner Hei­mat, in der Land­schaft, deren Kind Du bist; in dem Hau­se, — nein, in dem Schlos­se, — das von unse­ren trau­tes­ten Stun­den weiß, und das über­all das Wal­ten dei­ner lie­ben Hän­de zeigt — ist es ein Wun­der? Du! Wie gern ich in dem Schlos­se ein­keh­re! Unser, mein Zuhau­se, zeigt allent­hal­ben männ­li­chern [sic] Züge, es atmet weni­ger Heim­lich­keit, das ist wohl auch natür­lich, wo lau­ter Jungs zu Hau­se sind. Spa­ßig! So wie wir als Kin­der und Geschwis­ter uns einst fühl­ten, ein­an­der nach­ahm­ten und abguck­ten — nun ist jeder für sich aus­ge­zo­gen, sein Lieb zu suchen, ist ein­ge­bro­chen in den Kreis einer ganz ande­ren Fami­lie, und wie es bei uns war— hat zunächst sei­ne ‘Beu­te’ eigen­sin­nig vor dem ande­ren ver­bor­gen. Und nun hat ihn das Lie­be ein­ge­fan­gen und zieht ihn an sich, stär­ker als das Zuhau­se, und [^]nun drän­gen bei­de nach einem Neu­en und Eige­nen.

[Inter­ak­ti­ve Kar­te von deut­schen Bom­ben­an­grif­fen auf Lon­don wäh­rend des Blit­zes, http://www.bombsight.org/, 10.2015.]

Wie­der sind wir in eine neue Woche gestol­pert. Am Vor­mit­tag hat es noch gereg­net in Schau­ern. Heut[‘] abend ist der Him­mel Blank, nur an den Rän­dern ste­hen gro­ße Wet­ter­bäu­me, und wenn du hier wärst, wür­dest du schnell ein paar Bil­der und Gestal­ten her­aus­le­sen. Der Mond ist auf­ge­zo­gen, Du siehst ihn auch, und er Dich. Vor­hin habe ich mir die Nach­rich­ten ange­hört. Ihr habt auch lau­schend am Appa­rat geses­sen. Man ist ver­sucht so leicht­hin zu sagen, sie brach­ten nichts Neu­es. Und doch for­dert die­ser täg­li­che Kampf den Ein­satz vie­ler Men­schen, die alle auch ande­ren Men­schen ver­bun­den sind, Eltern, Frau­en, Bräu­ten.

Sir Hugh Dowding with George VI and Queen Elizabeth
Luft­mar­schall Sir Hugh Dow­ding mit König Geor­ge VI und Köni­gin Eliza­beth, Bent­ly Prio­ry, Groß­bri­tan­ni­en, Sep­tem­ber 1940. Foto: gescannt aus Pro­bert, H. (1991). High Com­man­ders of the Roy­al Air Force. HMSO. ISBN 0–11-772635–4, das Bild sel­ber ist aber mehr als 50 Jah­re alt, des­we­gen lizenz­frei. Über Wiki­me­dia Com­mons, 10.2015.
Die Eng­län­der umju­beln einen neu­en Luft­mar­schall! Bin gespannt, ob er eine erhöh­te Akti­vi­tät ent­fal­tet und wir etwas davon zu spü­ren bekom­men. Seit Mitt­woch hat sich hier nichts gerührt.

Nach dem Sonn­tag hapert es mit der Post. Dein Bote blieb heu­te aus. Nun freue ich mich des­to mehr auf den mor­gen­den [sic] Tag und seh­ne ihn her­bei.

Herz­lie­bes! Über­all­hin ver­fol­ge ich dich, mit mei­nen Gedan­ken und Emp­fin­dun­gen, mit mei­nem Boten — und nun auch mit mei­nen Anlie­gen. Ich habe heu­te wie­der ein Päck­chen Wäsche auf den Weg geschickt.

Herz­al­ler­liebs­te! Ich weiß heu­te nichts mehr. Ich bin mit mei­nen Gedan­ken nicht ganz bei­sam­men. Die Kame­ra­den ste­hen so her­um, und ich arg­wöh­ne, daß sie mir ein­mal län­ger als schick­lich über die Schul­ter gucken.

Behü­te dich Gott, Gelieb­te!

Laß dir etwas recht süßes träu­men im Kin­der­zim­mer! Läßt mich viel­leicht mit ein in den Traum? Du! Halt dich recht schön warm!

Du! Ich habe dich aus tiefs­tem Her­zen. Ich seh­ne mich nach dir. Du bist mein, ich bin Dein! Das ist mein gan­zes Glück, mein Leben!

In Treue immer­dar

T&SavatarsmDein [Roland].

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