01. Oktober 1940

British Columbia Regiment 1940
“War­te auf Mich, Papa,” Bri­tish Colum­bia Regi­ment, DCO, Durch­marsch in New West­mins­ter, 1.10.1940. Foto: Clau­de Dett­loff. City of Van­cou­ver Archi­ves online data­ba­se (LP 109). Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
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Diens­tag, am 1. Okto­ber 1940.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du, mein gelieb­ter [Roland]!

Ich hal­te noch Dei­ner lie­ben Brief in mei­ner Hand, Du! Er erreich­te [sic]  mich eben, heu­te nach­mit­tag. Herz­lieb, Du! Wie soll ich Dir dafür dan­ken? Du hast mich so sehr beglückt, Du! Ich hab mich über­freut — wei­nen muß ich. Ach, mein [Roland]! Daß ich Dein bin! Ich dan­ke es Gott.

Ich habe Dich lieb. Immer und immer wie­der möch­te ich es Dir sagen; es umschließt alles, was ich für Dich, mein Leben emp­fin­de. Und wie ich auch schon über­leg­te und such­te, nach ande­ren Wor­ten, die Dir noch bes­ser, deut­li­cher mei­ne grenz­lo­se Hin­ga­be und Zuge­hö­rig­keit zu Dir aus­drü­cken könn­ten. Ich fin­de nichts bes­se­res, als die­sen schich­ten, uralten Schatz an Wor­ten,: Ich lie­be Dich, Du! Du weißt es, Liebs­ter! So wie ich füh­le, wie Du mich liebst. Ach, so end­los glück­lich bin ich dar­über. Ich muß manch­mal ganz ener­gisch und reso­lut mit mir reden im Innern, daß ich mei­ne über­gro­ße Sehn­sucht nach Dir meis­tern kann.

The London Blitz, 1940 MH26395 2
Eile­en Dun­ne, 3 Jah­re alt, bei einem deut­schen Luft­an­griff ver­wun­det, Gre­at Ormond Street Hos­pi­tal for Sick Child­ren, Lon­don, Sep­tem­ber 1940. Foto­graf: Cecil Bea­ton. Quel­le: http://media.iwm.org.uk/iwm/mediaLib//41/media-41994/large.jpg, MH 26395_2, Minis­try of Infor­ma­ti­on Second World War Cen­sor­ship Bureau Libra­ry of Press Pho­to­graphs- Clas­si­fied Print Collec­tion, Impe­ri­al War Muse­um. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
Wenn nur erst Weih­nach­ten wäre! Wie ein unge­dul­di­ges Kind den­ke ich jeden Abend vorm Ein­schla­fen dar­an und der Text für mei­ner Wunsch­zet­tel an das lie­be Christ­kind steht schon lan­ge, lan­ge vor mei­nem geis­ti­gen Auge, Du! Ich will ihn schon am 1. Advent abschi­cken, mei­nen Wunsch­zet­tel, Du!! Damit er recht­zei­tig ankommt. Per Feld­post wird er län­ger brau­chen.

Ach, mein Lieb! Für alles Lie­be, was Du mir heu­te getan, ich kann Dich mir mit einem beloh­nen. Und das muß ich Dir auf­he­ben, Du! Liebs­ter Du! 

Möch­te ich Dich ein wenig erfreu­en, möch­te ich Dir ein Teil mei­nes Dan­kes sagen, daß ich Dir nun mein Geheim­nis sag­te. Von den zwei Ster­nen schreibst Du am Don­ners­tag. Liebs­ter! Und just am glei­chen Tage dach­te ich, aus der Sing­stun­de kom­mend: So schön, so licht und ruhig ste­hen sie da oben, ob sie wohl mein [Roland] auch betrach­tet? Du hast gewiß gefühlt, wie lieb und innig ich Dei­ner dach­te.

Piloci 303
No. 303 Pol­ni­sche Kämp­fer-Geschwa­der-Pilo­ten, 1940. Quel­le: Głów­ny Zar­ząd Poli­ty­cz­ny WP (1960) Z Dzie­jów Woj­ny Wyzwo­leńc­zej Naro­du Pol­skie­go 1939–1945, War­saw: Wydaw­nic­t­wo Minis­terst­wa Obro­ny Nar­odo­wej, pp. 255. Lizenz­frei über Wiki­me­dia Com­mons, 09.2015.
Es wird wohl so sein, daß jeder von uns bei­den den gro­ßen, strah­len­den betrach­tet als das Liebs­te, so Fer­ne. Denn so wie wir uns lie­ben, ver­kör­pert sich uns nur das Bes­te, Schöns­te und Edels­te vom andern. Und so ist es auch gut und rich­tig — es muß so sein, wenn man wahr­haft liebt. Und so kommt ja auch kei­nes von uns zu kurz, nicht wahr? Du!

Herz­lie­bes! Jetzt ist Dein Kir­me­s­päck­chen­in­halt bei­na­he ver­sand­be­reit. Du! Ob Du Dich freu­en wirst? Jetzt macht sie Dich nun wahr­haf­tig wie­der neu­gie­rig, was? Aber ich bin ja schon stil­le! Die Zahn­pas­ta will ich jett noch kau­fen gehn [sic]. Die Socken trock­nen. Sag, was hast Du für Zeug in Dei­nen Stie­feln? ‚ich krie­ge das Brau­ne gar­nicht [‘]raus. Darfst nicht den­ken, daß ich lie­der­lich gewa­schen hab[‘], [D]u! Müß­test eher die Schlüp­fer d[‘]rüber zie­hen, die Socken müßt Ihr doch wie­der abge­ben? Wir wol­len am Sonn­abend fruh nach K. also, mein Dicker­le! Die Post!

Wo hast Du denn die ver­spro­che­ne Zahl­kar­te?? Am 1. soll das Geld abge­schickt sein. Du! Eine Ehren­run­de!

Herrn H. will ich auch noch schrei­ben.

Mein lie­ber, herz­lie­ber [Roland]! Für heut[‘], auf Wie­der­sehn [sic]! Behü­te Dich Gott, erhal­te er Dich gesund und froh 

Ich lie­be Dich! Du, ich bin ganz Dein, in unwan­del­ba­rer Treue, ich küs­se Dich recht innig!

T&SavatarsmDei­ne [Hil­de].

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